Bitterorange

Gaumenschmeichler für die einen, Appetitverderber für die anderen: Die andere Version der süßen Orange. 

Bitterorange; Synonym: Pomeranze

Bitterorange: Steckbrief

Arzneipflanze 

Citrus aurantium L.

Pflanzenteile für Arzneien

Schalen der Frucht

Anwendungsformen

Tee und Tinktur

Innerlicher Einsatz

Regulierend bei schlechtem oder übermäßigem Appetit, Verdauungsbeschwerden durch zu wenige Verdauungssäfte und bei leichten Krämpfen 

Es ist Januar. Der 11-jährige Timo geht zusammen mit seinen Eltern am Gardasee spazieren. Die Familie schlendert über eine Promenade, die links und rechts von früchtetragenden Orangenbäumen eingesäumt ist. Es sind Bitterorangenbäume.

Ein Gespräch über bittere Orangen

»Kann man die essen?«, fragt Timo seine Eltern.

»Die Früchte? Ja, klar«, antwortet die Mutter. »Du wirst sie mögen – besonders wenn du mal Bauchschmerzen haben solltest!«

»Warum?«, fragt Timo neugierig. 

»Die Früchte schmecken ein bisschen bitter. Doch ich finde sie lecker, vor allem als Marmelade sind sie toll!«, wirft der Vater ein.

Seine Frau pflichtet ihm bei: »Oh ja, das stimmt! Nach der Marmelade muss man zwar manchmal im Supermarkt etwas suchen, aber lecker ist sie auf jeden Fall. Könnten wir auch selbst machen.«

»Ich glaube, ich mag keine bittere Orangenmarmelade…«, sagt Timo nachdenklich.

»Bitterorangenmarmelade«, korrigiert ihn der Vater.

»Ok, dann eben Bitterorangenmarmelade. Aber warum soll ich die Bitterorangen ausgerechnet bei Bauchschmerzen essen?«

»Du sollst nicht die Bitterorangen essen, sondern einen Tee aus den Schalen trinken. Der bewirkt, dass deine Bauchkrämpfe weniger werden und du das Essen besser vertragen kannst.«

»Ich glaube, dann esse ich lieber Marmelade«, meint Timo.

Der Vater schmunzelt und erklärt: »Das funktioniert leider nicht. Davon müsstest du so viel essen, dass der ganze Zucker wieder neue Bauchschmerzen machen würde.«

»Ihr seid echt kompliziert«, seufzt Timo. »Können wir bitte über etwas anderes sprechen.«

Bittere Schalen durch bittere Flavonoide und ätherische Öle

Ein Gespräch über die Bitterorange ließe sich beliebig erweitern, zum Beispiel darüber, dass die Extrakte aus ihrer Schale oft für die Herstellung von Parfüms genutzt werden. Was aber sorgt für den bitteren Geschmack und den frischen, warmen Duft? Und was haben die Früchte davon? 

Die Schale speichert sekundäre Pflanzenstoffe (Flavonoide) und ätherische Öle. Beide Substanzen schmecken bitter. Die speziellen Flavonoide verleihen der Schale außerdem ihre orangene Farbe und sie halten Fraßfeinde fern, während die Kerne schließlich der Vermehrung der Pflanze dienen. Die ätherischen Öle locken zudem potentielle Bestäuber an und sie schützen die Frucht vor Krankheitsbefall, etwa durch Pilze oder Bakterien. Und der Mensch? Er profitiert von den positiven Wirkungen auf den Appetit und auf die Verdauung.

Die Bitterorange in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Die Schalen der Bitterorange haben den Vorteil, dass diese zwar bitter, aber nicht superbitter schmecken. Sie können die getrockneten Schalen als Arznei einsetzen, beispielsweise wenn: 

  • Sie wegen eines Infekts, einer Lebererkrankung, bei einer Krebstherapie oder einer anderen Krankheit unter Appetitlosigkeit leiden. Der Extrakt wirkt appetitregulierend. 
  • Ihre Verdauungsorgane (Magen, Darm, Leber) zu wenige Verdauungssäfte bilden und Sie dadurch  Verdauungsbeschwerden wie leichte Krämpfe, Blähungen und Schmerzen zu beklagen haben.

Anwendungsbereiche aufgrund von Erfahrung und der Studienlage

Bitterorangenschalen werden schon lange in der Naturheilkunde eingesetzt und werden weiter erforscht. Aufgrund von Erfahrungen und Studien könnten die bitteren Schalen helfen, wenn: 

  • Sie abnehmen möchten und zu Heißhunger neigen. Dieses Anwend ungsgebiet beruht auf Erfahrung und erscheint aufgrund der appetitregulierenden Wirkung der Bitterstoffe plausibel. Außerdem wird erforscht, in wie weit Bitterorangenschalen den Fettabbau steigern können.

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz getrockneter Bitterorangenschalen

 

Bitterorangenschalen (Pomeranzenschalen)

Einzelportion

2 Gramm

Tagesmenge

4-6 Gramm

Tagesmenge Trockenextrakt

1-2 Gramm

Einsatz als

Tee, Tinktur, Trockenextrakt

Hochwertige getrocknete Bitterorangenschalen erhalten Sie in der Apotheke und im Reformhaus.

Basisrezepte mit Bitterorange


Bitterorangentee

Übergießen Sie für 1 Portion 1 Teelöffel getrocknete Bitterorangenschalen (2 Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Schalen, einen Teefilter oder ein Teeei verwenden. Den Tee zudecken und 10 Minuten ziehen lassen, dann die Schalen abseihen.

Trinken Sie bis zu drei Tassen des Tees aus Bitterorangenschalen eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit.

Die Bitterorange als Lebensmittel

Das Fruchtfleisch und kleine Mengen der Bitterorangenschalen sind essbar, sofern sie ungespritzt sind. Allerdings sind die tollen Früchte im deutschsprachigen Raum vergleichsweise unbekannt, in den Wintermonaten jedoch manchmal erhältlich. Ihre Nährwerte sind mit denen von Orangen (etwa 42 Kilokalorien pro 100 Gramm) vergleichbar. Wie die meisten Zitrusfrüchte lieben auch Bitterorangen ein warmes Klima und wachsen daher prima in Südeuropa, zum Beispiel in Italien und Spanien. Nördlich der Alpen findet man den Baum hingegen fast ausschließlich in botanischen Gärten. Bitterorangen werden unter guten Wachstumsbedingungen ungefähr so groß wie eine Mandarine.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz

Das Fruchtfleisch der Bitterorange ist essbar und schmeckt erst fruchtig, dann bitter. Es eignet sich für Saftschorlen und zum Verfeinern von Soßen und Gelees. Die Schale kann ebenfalls verwendet werden, um Speisen und Getränken eine besondere Note zur verleihen und passt auch zur Herstellung von Marmelade. 

Basisrezepte mit Bitterorange


Bitterorangenmarmelade

Zutaten für 4 Gläser

✦ 500 Gramm Gelierzucker ✦ 1 Päckchen Zitronensäure ✦ 6 Bitterorangen (Pomeranzen) ✦ etwa 500 Milliliter Orangensaft

  • Zerteilen Sie die Bitterorangen und pressen Sie den Saft aus; am besten direkt in einen Topf. Schneiden Sie die Schalen in feine Streifen.
  • Geben Sie die Schalen zu dem Saft. Füllen Sie die Menge mit Orangensaft auf, bis sie ein Kilogramm ergibt. 
  • Mischen Sie die Zitronensäure und den Gelierzucker nach Packungsanweisung unter und bringen Sie das Ganze anschließend zum Kochen. 
  • Lassen Sie die Fruchtmischung 5 Minuten kochen, schöpfen Sie möglichen Schaum mit einer Schöpfkelle ab und füllen Sie die Marmelade dann in die vorab vorbereiteten Gläser.
  • Verschließen Sie die Gläser und stellen Sie diese 10 Minuten auf den Kopf. Danach muss die Bitterorangenmarmelade noch auskühlen.

Ihre hausgemachte Bitterorangenmarmelade eignet sich hervorragend als Brotaufstrich oder zur Zubereitung von Soßen.

Die unerwünschten Wirkungen der Bitterorange

Wenn Sie mehr täglich als 6 Gramm Bitterorangenschalenextrakte konsumieren, kann bei Einnahme des Arzneimittels Ciclosporin (Mittel zur Unterdrückung des Immunsystems) dessen Wirkung reduziert werden. Theoretisch kann zudem eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut bei hellhäutigen Menschen auftreten. Wenn Sie schwanger sind oder Ihr Kind stillen, halten Sie vor Anwendung bitte Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Literatur und Quellen

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Aurantii pericarpium (Pomeranzenschale). https://buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/aurantii-pericarpium-pomeranzenschale.htm, Zugriff am 02.12.2018.

Preuss HG et al. Citrus aurantium as a thermogenic, weight reduction replacement for Ephedra: an overview. Journal of Medicine 2002:33:1-4.

Schulz V & Hänsel R. Rationale Phytotherapie. 4. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg 1999.

Yu-Chi H. et al. Acute Intoxication of Cyclosporin Caused by Coadministration of Decoctions of the Fruits of Citrus aurantium and the Pericarps of Citrus grandis. Planta Medica 2000:66-653.655.