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Sebastian Kneipp und die Kneipp-Therapie

Sebastian Kneipp wurde durch seine Wasserkur berühmt. Sein Gesundheitskonzept umfasste zudem die Ernährungstherapie, Heilpflanzenkunde und vieles mehr. Auch 120 Jahre nach seinem Tod ist der Pfarrer aus Bad Wörrishofen eine bekannte Persönlichkeit. Zu Lebzeiten verhalf er zahlreichen Menschen zu mehr Gesundheit. Dabei setzte er auf vorbeugende und behandlerische Maßnahmen. Welche das sind und ob die Behandlung des Pfarrers noch immer aktuell sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bilden eine wichtige Säule in der Kneipp-Therapie

Bei Kneipp-Therapien (auch Kneipp`sche Therapie genannt) handelt es sich um verschiedene Behandlungsansätze, die der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) entwickelt und zusammengetragen hat. Im Laufe der Zeit entstand so ein ganzheitliches Therapiekonzept. Er wendete es bei zahlreichen Krankheiten an und behandelte Menschen zum Beispiel mit: 

  • Asthma
  • Adipositas (Fettleibigkeit) 
  • Lungenentzündung 
  • Hepatitis (Gelbsucht) und andere Erkrankungen der Leber
  • Gicht
  • Nervenerkrankungen
  • Magenbeschwerden, Darmleiden und andere Verdauungsbeschwerden
  • Lumbago, Lumbalgie (Hexenschuss) und
  • Herzkrankheiten

In seinen Büchern trug Sebastian Kneipp seine Erfahrungen und Heilerfolge zusammen. Viele seiner Werke wurden zu internationalen Bestsellern, und sind es bis heute. Die Früchte seiner Arbeit erntete Sebastian Kneipp noch zu Lebzeiten, wobei sein Wirken bis in die heutige Zeit an Bedeutung noch dazu gewonnen hat. Dabei begann das Lebens des späteren Pfarrers alles andere als aussichtsreich.

Der Weberssohn, der Pfarrer wurde 

Geboren wird Sebastian Kneipp am 17.05.1821 als einziger Sohn eines Webers in Stephansried, einem Ortsteil der Marktgemeinde Ottobeuren. Er hat vier Schwestern und sein Leben gestaltet sich von Anfang an als schwierig: Ökonomisch ging es derFamilie schlecht. Um die Eltern bei der Arbeit zu unterstützten und Geld zu verdienen, arbeitete er ab seinem siebten Lebensjahr nach der Schule als Weber. In den Schulferien hütete er das Vieh der Bauern. Doch Sebastian Kneipp wünschte sich ein anderes Leben: Er wollte studieren.

Dieser Wunsch wurde ihm durch seine Eltern zunächst verwehrt. Als er 21 Jahre alt ist kommt der Umschwung in seinem Leben. Ein geistlicher Verwandter erkennt sein Talent und unterrichtet den jungen Mann in lateinischer Sprache. Zudem arbeitet Sebastian Kneipp in dieser Zeit als Knecht bei einem Bauer und verdient so etwas Geld.

Mit 23 Jahren endlich zurück auf die Schulbank

Nach zweijährigem Lateinstudium besteht Sebastian Kneipp die Aufnahmeprüfung am Gymnasium in Dillingen und macht nach weiteren vier Jahren das Abitur. 

Im Jahr 1848 startet er sein Theologiestudium und wird 1852 zum Priester geweiht.

Krank im Studium: Tuberkulose

Allerdings gelingt ihm die Ausbildung nur mit viel Disziplin, denn bereits 1849 erkrankt Sebastian Kneipp an Tuberkulose: Er spuckt Blut und verliert stark an Gewicht.

Für zwei Ärzte, die den jungen Sebastian Kneipp behandeln, ist die Situation klar: Sie bescheinigen ihm, dass er unheilbar krank ist und an der Tuberkulose sterben wird. Sebastian Kneipp sagt später dazu in seinem Ratgeber „SO SOLLT IHR LEBEN“, dass er seine Genesung nur der Hilfe des Wassers zu verdanken hat: Er tauchte mehrmals wöchentlich bis zum Hals in die eiskalte Donau, zog sich danach schleunigst seine Kleider wieder an und joggte nach Hause.

Sebastian Kneipp überlebte die Tuberkulose und wurde wieder gesund. Er selbst führte seine Genesung auf die Heilkraft des Wassers und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte zurück.

Für Pfarrer Kneipp war psychische Gesundheit ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebens

Hydrotherapie: Verfahren nach Johann Siegmund Hahn

Auf die Hydrotherapie wurde Sebastian Kneipp durch den Arzt Johann Siegmund Hahn (1694-1773) und dessen Veröffentlichung „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“ aufmerksam. Es folgten Experimente an sich selbst mit Wasser, Schöpfkelle und Eimer. Im Verlauf der darauf folgenden 30 Jahre erweiterte und überarbeitete Pfarrer Kneipp seine Therapiemethoden immer weiter. Manchmal verwarf er auch nach dem Experiment einen neuen Therapieansatz, etwa wenn er diesen für zu „hart“ empfand.

Durch seine Experimentierfreudigkeit entwickelt Sebastian Kneipp im Laufe seines Lebens so mehr als 100 verschiedene Hydrobehandlungen, zu denen Güsse, Wickel, Packungen, Bäder und Dämpfe gehören. Zudem macht er das Barfusslaufen auf Wiesen, die nass vom Tau sind, und das Wassertreten im Storchengang populär. Nach und nach entwickelt sich so für sein Anwendungsspektrum ein eigenständiger Begriff: Kneipen.

Der Kneipp´sche Kaffee

Das Gefäßnetz der Unterarme hat starke Auswirkungen auf das Herz. Die Anregung der Gefäße wirkt daher belebend und erfrischend, beispielsweise durch kaltes Wasser.

Befürworter der Kneipp-Therapien empfehlen daher ein Unterarmbad in kaltem Wasser bei Müdigkeit und Abgeschlagenheit: einen Kneipp´schen Kaffee.

Ausgeschlossen von der Anwendung sind allerdings Menschen mit Herzbeschwerden, etwa bei Angina pectoris und nach einem Herzinfarkt.

Das Wirkprinzip vom Kneipp´schen Kaffee ist einfach, denn Wasser löst einen Reiz auf der Haut aus.

Info: Auf der Haut befinden sich Wärmerezeptoren und etwa doppelt so viele Kälterezeptoren. Bei einem Wärmereiz stellen sich die Blutgefäße weit. Ein Kältereiz löst eine Gegenreaktion aus: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und weiten sich danach wieder. Dadurch wird die Durchblutung angeregt und verbessert. Gleichzeitig wird die Elastizität der Blutgefäße trainiert und das Immunsystem soll durch den Kältereiz gestärkt werden.

Hydrotherapie bei Bluthochdruck und COPD

Untersuchungen an Menschen ergaben, dass die Hydrotherapie (Wasseranwendung) den Blutdruck senken kann. Die Durchführung zeigte bereits nach 14 Tagen und 2-mal täglicher Wasseranwendung erste Erfolge: Bei leicht erhöhtem Blutdruck, sank dieser so weit, dass nachfolgend keine Medikamente nötig waren oder Medikamente eingespart werden können. Zudem stieg die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer durch die Wasserbehandlung an. 

Auch bei der Krankheit „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ (COPD) können kalte Güsse die Lungenfunktion verbessern.

Hinweis: Bei bestehenden Erkrankungen sollten alle therapeutischen Maßnahmen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Es könnte sein, dass es Einwände gibt – auch gegen solche wie die Hydrotherapie.

Wassertreten gehört zu den bekanntesten Kneipp´schen Verfahren

Ganzheitliche Therapie mit fünf Säulen

Sebastian Kneipp baute sein Therapie-Konzept nach und nach weiter aus. Am Ende besteht es aus fünf Säulen:

Hydrotherapie 

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bildet zu Beginn des Wirkens von Pfarrer Kneipp das Fundament. Sie umfassen zum Beispiel Bäder, Wickel, Dämpfe und Güsse. Wechselduschen bei denen sich kalte und warme Phasen beim Duschen abwechseln sind ein weiteres Beispiel für die Hydrotherapie.

Phytotherapie 

Die Phytotherapie (Heilpflanzentherapie) bildet eine weitere Säule im Kneipp´schen Therapiekonzept. Sebastian Kneipp beschrieb zu Lebzeiten zahlreiche Heilpflanzen und wie er sie therapeutisch einsetzte. Heublumen bei Gelenkbeschwerden und Ackerschachtelhalm bei Blasenentzündung sind hierfür zwei Beispiele.

Bewegung

Sebastian Kneipp empfahl regelmäßigen Sport zur Gesunderhaltung – allerdings ohne Leistungsgedanken und den damit verbundenen psychischen Druck.

Ernährung

Der Verzehr von viel Gemüse und Obst empfahl der Pfarrer zur Gesunderhaltung und zur Genesung schon damals. Viele seiner Ernährungsempfehlungen haben bis heute ihre Gültigkeit beibehalten, wie zum Beispiel das Einschränken von Genussmitteln. Auch die zielgruppenspezifische Ernährung spielte damals sicherlich schon eine Rolle.

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Lebensordnung

Mit der Lebensordnung beschreibt Pfarrer Kneipp das „rechte Maß“ und den „richtigen Rhythmus des Lebens“ für eine gesunde Lebensgestaltung. Gemeint ist mit der Lebensordnung etwa der Umgang mit Zeitdruck, Stress und ein aufmerksames Leben: Anspannung und Entspannung sollen im Gleichgewicht sein.

Kurpfuscher und andere Anfeindungen

Heute gilt die Kneipp´sche Therapie als ein unterstützender Bestandteil der konventionellen Medizin. Aber das war nicht immer so: Zu Lebzeiten wurde Sebastian Kneipp sogar von einigen Ärzten und Apothekern angezeigt. Sie hielten seine Erfolge für Kurpfuscherei. Zwar gingen die Gerichtsverfahren für den Pfarrer relativ glimpflich aus, er musste aber Geldstrafen zahlen und vor Gericht versichern, dass er nie wieder medizinisch tätig sein würde. In den darauf folgenden Jahren wurden die Gesetze jedoch gelockert und auch im Geheimen behandelte Sebastian Kneipp weiterhin kranke Menschen, die bei ihm Rat suchten.

Er selbst sah sich nicht als ein Konkurrent der Ärzteschaft, sondern wollte konventionelle medizinische Maßnahmen unterstützen: Kam ein erkrankter Mensch zu ihm, empfahl Sebastian Kneipp diesem, sich im ersten Schritt an einen ausgebildeten Mediziner zu wenden.

Info: Die Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit des medizinischen Umbruchs, in denen die Naturwissenschaften einen zunehmend hohen Stellenwert einnahmen. Zu dieser Zeit wurde das Röntgen entwickelt und die ersten Keime unter dem Mikroskop entdeckt. Auch wurde die bis dahin bestehende Humoralpathologie (Veränderungen von Körpersäften) durch die zelluläre Pathologie (Veränderung an Zellen) nach und nach ersetzt.

Pfarrer in Bad Wörrishofen

1855 tritt Pfarrer Kneipp als Beichtvater eine Position in Bad Wörrishofen an. Dort wird er bis zu seinem Tode wirken. 

1891 ist er derart berühmt, dass binnen zehn Monate mehr als 14.000 Hilfesuchende zu ihm kommen. 

Sebastian Kneipp selbst lebt nach einem strengen Plan, um seine Pflichten bewältigen zu können. Er richtet Sprechstunden für kranke Menschen ein und arbeitet gleichzeitig als Pfarrer. Zudem schreibt er abends oder nachts Bücher wie „Meine Wasserkur“ und „So sollt ihr Leben“. „Meine Wasserkur“ wurde in 14 Sprachen übersetzt und ist ein Verkaufsschlager. Auch an seinen anderen Büchern verdient der Pfarrer viel Geld. Dieses Geld fließt später in seine Stiftungen ein.

Da der ehemals arme Pfarrer die Öffentlichkeit nicht scheut, lässt er sich zu Marketingzwecken mit prominenten Persönlichkeiten ablichten und macht (mehr oder weniger freiwillig) Werbung für bestimmte gesunde Lebensmittel.

Gründung medizinischer Einrichtungen

Seine Einnahmen stiftet der Pfarrer an verschiedene medizinische Einrichtungen und eine Kinderheilstätte für arme und kranke Kinder.

Um für seine Therapie zu werben reist Sebastian Kneipp quer durch Europa und hält Vorträge. Mit Erfolg, denn bis heute sind insbesondere seine Wasseranwendungen bekannt und gut untersucht.

1894 wird zudem der Verein „Internationale Kneipp Ärzte“ unter dem Vorsitz von Alfred Baumgarten gegründet. Dem Arzt lag die wissenschaftliche Erforschung der Kneipp´schen Therapie sehr am Herzen. Heute hat der Keipp-Verein mehr als 160.000 Mitglieder. Sebastian Kneipp starb am 17.06.1897 an einem Tumor im Bauchraum.

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Zusammenfassung

Die Kneipp-Therapie ist ein ganzheitliches Therapiekonzept, dass der Pfarrar Sebastian Kneipp in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Es zielt auf die Gesunderhaltung und die Wiederherstellung der Gesundheit nach Krankheit ab. 

Die Kneipp-Therapie umfasst die Hydrotherapie (Wassertherapie), Phytotherapie (Heilpflanzentherapie), Ernährung, Bewegung und Lebensordnung. Letzteres wird heute zumeist als Lebensstil bezeichnet. Durch seine Erfolge bei der Heilung kranker Menschen wird Sebastian Kneipp bereits zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit. Sein Therapiekonzept ist damals wie heute aktuell und spricht die Bedürfnisse vieler Menschen an.

Literatur

Castro-Sánchez A, Matarán-Peñarrocha G, Lara-Palomo I, et al. (2012): Hydrotherapy for the treatment of pain in people with multiple sclerosis: a randomized controlled trial. Evid Based Complement Alternat Med.2012. https://www.hindawi.com/journals/ecam/2012/473963/, Zugriff am 15.01.2020.

Hess, L. & Schärer, S. (2010): Der Effekt von Hydrotherapie auf chronische Rückenschmerzen. https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/606/1/Hess_Lea_Schaerer_Susanne_PT07d_BA.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Stein, C. (2011): Prospektive, klinische Studie

zum Einfluss serieller Kaltwasserreize (Kneippscher Oberguss)

auf die Lungenfunktion, die Immunabwehr und das subjektive Wohlbefinden bei gesunden Probanden. https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00024778/Neuer%20Ordner/stein.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Ölziehen: der neue Keimkiller?

Ölziehen

Mundgeruch, Zahnschmerz und Kopfschmerzen ade!?

Mundgeruch, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwermetallvergiftungen, Hautkrankheiten, Husten und Gelenkschmerzen sind nur eine kleine Beschwerdeauswahl, bei der die Ölziehkur helfen soll. Hier erfahren Sie wissenswertes über die Hintergründe vom Ölziehen, und wie Sie eine Ölziehkur richtig durchführen.

 
 
Olivenöl ist zum Ölziehen ebenso geeignet wie Sonnenblumenöl und andere Pflanzenöle

Ölziehen: überliefertes Wissen aus der Ukraine 

Gifte und Keime mit Öl binden 

Die Ölziehkur gehört in Europa zu den eher neueren naturheilkundlichen Verfahren und ist erst seit den 1990iger Jahren im deutschsprachigen Raum bekannt. Ihre Ursprünge werden in der ayurvedischen Medizin, Russland und)in der Ukraine gesehen. Ärzte und Heilpraktiker, die das Ölziehen empfehlen vermuten, dass Krankheitskeime wie Bakterien, Pilze und Viren sowie Gifte durch das Öl gebunden werden und so deren Aufnahme in den Körper gebremst werden kann. Durch das Ölziehen sollen sie sich schlechter in der Schleimhaut und der Zunge ablagern können. Daher wird die Ölziehkur immer häufiger zur Krankheitsvorbeugung und als unterstützende Maßnahme bei akuten und chronischen Erkrankungen in Betracht gezogen. Auch wenn für die Wirkung der Ölziehkur wissenschaftliche Nachweise weitestgehend fehlen, könnte sich ein Versuch aufgrund der vielen positiven Erfahrungsberichte lohnen.

Anwendungsgebiete von A wie Aphte bis Z wie Zahnfleischbluten

Die Wirkung bei Ölziehen soll aber nicht nur Giftstoffe entfernen, sondern soll ebenso das Immunsystem anregen und so den Körper vor Infekten schützen: Wird das Öl in der Mundhöhle hin und her bewegt, werden die Speicheldrüsen aktiv und es wird mehr Speichel gebildet. Speichel enthält unter anderem das Enzym Lysozym. Lysozym hat antibakterielle Eigenschaften und fördert den Abbau von bestimmten Bakterien wie zum Beispiel Streptokokken und Staphylokokken. Die Anregung des Immunsystems beruht daher weniger auf dem Öl, sondern vielmehr auf(die) Bewegung einer Flüssigkeit in der Mundhöhle. Mit anderen Worten: Wer den Geschmack und die Konsistenz von Öl nicht mag kann andere Substanzen wie beispielsweise einen Bitterorangentee als Mundspülung anwenden, um die Speichelbildung anzukurbeln.

Info: Ölziehen, Ölsaugen, Ölkauen sind drei Begriffe, die für das selbe Verfahren stehen. Bekannt wurde das Ölziehen durch den Arzt Dr. Karach, der das Verfahren während einer Fachtagung in der Ukraine in den 1990iger Jahren anderen Kollegen vorstellte.

Traditionell wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden angewendet wie zum Beispiel:

  • Beschwerden im Mund- und Rachenraum wie Aphten (Aphte: schmerzhafte Entzündung im Mund), Zahnfleischentzündung, Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Zahnschmerz
  • Gelenkbeschwerden wie Arthrose, Rheuma und Rückenschmerzen
  • Magen-Darmbeschwerden wie Sodbrennen, Verstopfung
  • Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte und Ekzeme
  • Infekte wie Erkältung, Halsschmerzen und Schnupfen 
  • Kopfschmerzen und Migräne

Ölziehen: was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Erforschung der Ölziehkur steht im Gegensatz zu dem Erfahrungswissen noch ganz am Anfang. Am besten untersucht ist die Wirksamkeit bei Beschwerden im Mundraum. In einigen Studien stellte sich heraus, dass Ölziehen bei Zahnfleischentzündungen hilft. Ob die Ölziehkur bei Mundgeruch hilft ist hingegen noch nicht ganz klar: In einigen Studien verminderte das Ölziehen unangenehme Gerüche in anderen nicht. Auch zur vorbeugenden Wirkung von Karies liegen erste Erkenntnisse vor: Ölziehen mit Kokosöl erwies sich in einer Studie als ebenso effektiv, wie Chlorhexidin. Chlorhexidin ist ein Desinfektionsmittel, das in vielen Mundspülungen enthalten ist. Eine Alternative zur herkömmlichen Mundhygiene ist die Ölziehkur aber nicht.

In der Summe deuten die ersten Studienergebnisse auf eine positive Wirkung der Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum hin. Nun müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob die Ölziehkur generell zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum helfen kann und welche Öle hierfür geeignet sind. Zu allen übrigen traditionellen Anwendungsgebieten muss noch geprüft werden, ob die Annahmen einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten oder nicht.

Traditionell wird Sonnenblumenöl zum Ölziehen verwendet

Ölziehkur richtig durchführen

Öl im Mund halten, aber nicht verschlucken! 

Eine Ölziehkur läuft wie folgt ab: Gehen Sie in den Supermarkt und kaufen Sie ein qualitativ hochwertiges Sonnenblumenöl, Kokosöl, Leinöl, Olivenöl oder Sesamöl. Auch andere Speiseöle sind geeignet. Am nächsten Morgen geben Sie das Öl auf einen Esslöffel und schlürfen es nüchtern und vor dem Zähneputzen. Achtung! Nicht verschlucken. Ziehen Sie das Öl für zehn bis 15 Minuten durch Ihre Mundhöhle und Ihre Zähne hin und her. Ist die Zeit um, dann spucken Sie das Öl aus, spülen Sie den Mund mit warmem Wasser und dann reinigen Sie Ihre Zähne anschließend ausgiebig. 

Wiederholen Sie die Ölziehkur über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen, am besten kurmäßig zweimal im Jahr.

Zusammenfassung

Die Ölziehkur ist ein traditionelles Verfahren bei dem Krankheitskeime und Giftstoffe durch Öl gebunden werden sollen. Durch Ölziehen kann zudem das Immunsystem angeregt werden. Angewendet wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden wie Hauterkrankungen, Gelenkbeschwerden und Infekte. Wissenschaftlich untersucht wurde die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum, etwa bei Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch: erste Ergebnisse deuten auf mögliche positive Wirkungen hin.

Literatur und Quellen

Asokan S, Kumar R, Emmadi P, et al. (2011): Effect of oil pulling on halitosis and microorganisms causing halitosis: a randomized controlled pilot trial. J Indian Soc Pedod Prev Dent 2011:29:90-4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21911944, Zugriff am 02.12.2019.

Aung E, Ueno M, Zaitsu T, et al. (2015): Effectiveness of three oral hygiene regimens on oral malodor reduction: a randomized clinical trial. Trials 2015:16. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effectiveness+of+three+oral+hygiene+regimens+on+oral+malodor+reduction%3A+a+randomized+clinical+trial., Zugriff am 02.12.2019.

Gbinigie O, Onakpoya I, Spencer E, et al. (2016): Effect of oil pulling in promoting oro dental hygiene: A systematic review of randomized clinical trials. Complement Ther Med 2016:26:47-54. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effect+of+oil+pulling+in+promoting+oro+dental+hygiene%3A+A+systematic+review+of+randomized+clinical+trials., Zugriff am 02.12.2019.

Jauhari D, Srivastava N, Rana V, et al. (2015): Comparative Evaluation of the Effects of Fluoride Mouthrinse, Herbal Mouthrinse and Oil Pulling on the Caries Activity and Streptococcus mutans Count using Oratest and Dentocult SM Strip Mutans Kit. In J Clin Pediatr Dent 2015:8:114-8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4562043/, Zugriff am 02.12.2019.

Sood P. Devi M, Narang R, et al. (2014): Comparative efficacy of oil pulling and chlorhexidine on oral malodor: a randomized controlled trial. J Clin Diagn Res 2014:8:18-21. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25584309, Zugriff am 02.12.2019.

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Dr. Nadine Berling-Aumann ist Ökotrophologin, promovierte Naturwissenschaftlerin und eine erfahrene Autorin. Im Rahmen eines 10-jährigen Aufenthalts in Nordindien und Nepal forschte sie eingehen zur Tibetischen Medizin. Seit nunmehr mehr als 14 Jahren arbeitet sie an Projekten zu europäischen und tibetischen Heilpflanzen. Ihr umfassendes und fundiertes Wissen über gesunden Ernährung und Kräuterkunde gibt sie seit 2012 in ihrer Ernährungspraxis weiter. Weitere Infos: www.ernaehrungspraxis-dr-berling-aumann.de

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