Amla: Indische Stachelbeere

Emblica officinalis (Synonym: Phyllanthus emblica)

Indische-Stachelbeere mit positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem

Die Indische Stachelbeere (Amla) wird in der asiatischen und persischen Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt: Die säuerlich schmeckenden Früchte sollen die Gesundheit schützen oder zurück in die Balance bringen. Besonders bei zu hohen Cholesterinwerten und Bluthochdruck sollen sie effektiv sein. Was Amla-Früchte genau sind, wofür sie geeignet sind und wie sie richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Amla, die Indische Stachelbeere, hat viele gesundheitsfördernde Wirkungen

Indische Stachelbeeren wachsen auf Bäumen

Die Indische Stachelbeere (auch Amla oder Amala genannt) ist ein Baum, der in tropischen bis subtropischen Regionen in Asien wächst. Besonders wohl fühlen sich Amla-Bäume in Ländern wie Indien, Nepal und Thailand. Er kommt aber auch im Nahen Osten vor, zum Beispiel im Iran. Seine stachelbeerartigen Früchte sind essbar und werden zu medizinischen Zwecken eingesetzt. 

Nicht zu verwechseln sind Amla-Früchte mit europäischen Stachelbeeren. Diese wachsen auf Sträuchern und sind wegen ihres Zuckergehalts weitaus süßer als ihre indischen Namensschwestern. Auch aus botanischer Sicht haben die beiden Pflanzen wenig miteinander gemeinsam: Amla gehört zu der Familie der Phyllanthaceae, die europäische Stachelbeere ist ein Stachelbeergewächs (Grossulariaceae).

Stachelbeerpaste gegen Migräne?

Amla gehört in der Ayurveda zu den wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Heilpflanzen. Der Frucht wird dort ein besonders hoher Stellenwert zugemessen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meiste Forschung zu den medizinischen Wirkungen von Amla in Indien stattfindet. 

Helfen sollen die süßsauer bis bitter schmeckenden Früchtchen bei unzähligen Beschwerden: Traditionell werden die zerstoßenen Früchte als ein dicker Brei etwa als Haarmaske auf den Kopf aufgetragen, um so Migräne zu lindern. Neben der traditionellen Anwendung werden Amla-Früchte auch in der konventionellen Medizin zunehmend mit Interesse erforscht und angewendet, zum Beispiel zur Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislaufbeschwerden. 

Auch in der Tibetischen Medizin gehört Amla zu den wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Heilpflanzen. Die Früchte kommen in mehr als jedem zweiten tibetischen Arzneimittel vor. Das könnte daran liegen, dass tibetische Ärzte den Früchten regulierende und ausbalancierende Wirkungen auf den Geist und den Körper zusprechen. In Tibet selbst, wächst der Amla-Baum aber nicht. Seine Früchte werden üblicherweise aus Indien importiert.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine

Amla-Früchte speichern zahlreiche verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Dies sind zum Beispiel Gerbstoffe wie Ellagtannine und Flavonoide wie Quercetin, Astragalin und Catechin. Zusammengenommen haben die Inhaltsstoffe ausgeprägte antioxidative Wirkungen und entzündungshemmende Eigenschaften.

Zudem sind Amla-Früchte besonders reich an Vitamin C. 

Amla-Früchte können das Herz und die Blutgefäße schützen
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Amla in der Medizin

Anwendungsgebiete aufgrund der Studienlage

Amla-Früchte sind im deutschsprachigen Raum zumeist in getrockneter, gepulverter Form erhältlich. Untersuchungen am Menschen ergaben, dass Sie den Extrakt unterstützend einnehmen können, beispielsweise wenn: 

  • Sie von erhöhten Cholesterinwerten betroffen sind. Der Extrakt senkte in teils randomisierten, kontrollierten Untersuchungen* am Menschen den Cholesterinspiegel, genauer den Gesamtcholesterinspiegel, die Triglyceride (TG), das Lipoprotein niederer Dichte (LDL-Cholesterin) und das Lipoprotein sehr niederer Dichte (VLDL-Cholesterin). In einigen Studien wurde zudem ein Rückgang bestimmter Entzündungswerte im Blut gemessen. Es gab aber auch Studien, in denen die Ergebnisse nicht eindeutig waren.Verschlechtert haben sich die Werte aber nicht.
  • Ihr Blutdruck erhöht ist. In einer Vorstudie verbesserte die Einnahme von 500 Milligramm getrockneten Amla-Früchten den Blutdruck.
  • Sie Diabetikerin oder Diabetiker sind. Einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie* zufolge, trägt die Einnahme von Amla-Früchten zu einer Verbesserung der Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1C) bei, wenn parallel konventionelle Arzneimittel eingenommen werden.

Zukünftig wäre es wünschenswert, wenn die Amla-Früchte noch genauer untersucht werden. Die Einnahme von Amla-Früchten ersetzen nach derzeitigem Kenntnisstand keine konventionelle Therapie, können aber als unterstützende Maßnahme geeignet sein.

*Eine randomisierte, kontrollierte Studie kann auch als hochwertig bezeichnet werden. Weder der Studienteilnehmer noch der Behandler weiß, ob die zu testende Substanz oder ein Scheinmedikament eingenommen wird. Die Zuteilung in eine Gruppe ist zudem zufällig.

Anwendungsbereiche aufgrund von experimentellen Studien und Erfahrung

Amla-Früchte werden schon lange in der Naturheilkunde eingesetzt und werden weiter erforscht. Aufgrund von Erfahrungen können Amla-Früchte helfen, wenn: 

  • Sie von der Nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) betroffen sind. Im Tierversuch verbesserte die Einnahme von Amla-Früchten die Leberfunktion.
  • Sie von einer Entzündungskrankheit betroffen sind. Im Tierversuch milderte Amla Entzündungen ab und neutralisierte oxidativen Stress.

Traditionell werden Amla-Früchte beispielsweise zudem eingesetzt bei:

  • Husten, Bronchitis und Asthma
  • Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Blähungen, Verstopfung)
  • Hepatitis 
  • Entzündungen
  • Fieber
  • Depression
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit (Anwendung auch als Anti-Aging-Mittel)
  • Kopfschmerzen, Migräne und Schwindel

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz getrockneter Amla-Früchte

 

Amla-Früchte

Einzelportion

0,5-5 Gramm

Tagesmenge

0,5-5 Gramm

Einsatz als

Pulver, Kapseln

Hochwertige getrocknete und gepulverte Amla-Früche erhalten Sie in der Apotheke und im Reformhaus.

Basisrezept mit Amla

Amla-Shake mit Erdbeeren 

Vitamin C-reicher Genuss  

Für eine Portion

2-5 Gramm Amla-Bio-Pulver (1/2-1 Teelöffel)

150 Milliliter Milch, Hafer- oder Mandeldrink

100 Gramm Erdbeeren (frisch oder tiefgekühlt)

Hohes Gefäß

Pürierstab

1 Glas

  • Amla-Pulver und Erdbeeren in das Gefäß geben. Mit Milch oder Pflanzendrink übergießen.
  • Alle Zutaten pürieren, danach trinken.

Pro Tag einen Amla-Shake genießen.

Die unerwünschten Wirkungen von Amla-Früchten

Diabetiker und Menschen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel, die Medikamente einnehmen, sollten Amlafrüchte nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Die Einnahme kann eine Senkung des Blutzuckerspiegel bewirken und eine Unterzuckerung auslösen. Da Amla-Früchte viel Vitamin C enthalten und gerbstoffreich sind, könnte ein übermäßiger Verzehr (mehr als fünf Gramm getrocknete Früchte pro Tag) zu einer vermehrten Magensäurebildung führen und die Eisenaufnahme im Darm hemmen. Bei regelmäßigem Verzehr von Amla-Früchten, sollte der Eisenspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden. Schwangere und stillende Frauen sollten vorsichtshalber keine Amla-Früchte zu medizinischen Zwecken einnehmen. Es fehlen Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Literatur und Quellen

Berling N: Heilpflanzen in der Tibetischen Medizin. KVC-Verlag, Essen 2008.

Gaire B & Subedi L: Phytochemistry, pharmacology and medicinal properties of Phyllanthus emblica Linn. Chin J Integra Med 2014:1-8. https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11655-014-1984-2, Zugriff am 05.01.2020.

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Huang C, Tung Y, Hsia S, et al.: The hepatoprotective effect of Phyllanthus emblica L. fruit on high fat diet-induced non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD) in SD rats. Food Funct 2017:8:842-50. https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2017/FO/C6FO01585A#!divAbstract, Zugriff am 05.01.2020.

Jantan I, Haque M, Ilangkovan M, et al.: An Insight Into the Modulatory Effects and Mechanisms of Action of Phyllanthus Species and Their Bioactive Metabolites on the Immune System. Front Pharmacol 2019:10. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphar.2019.00878/full, Zugriff am 06.01.2020. 

Middha S, Goyal A, Lokesh P, et al.: Toxicological Evaluation of Emblica officinalis Fruit Extract and its Anti-inflammatory and Free Radical Scavenging Properties. Pharmacogn Mag 2015:11:S427-33. http://www.phcog.com/article.asp?issn=0973-1296;year=2015;volume=11;issue=44;spage=427;epage=433;aulast=Middha, Zugriff am 06.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

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