Wenn im Frühjahr die Sonne an Kraft gewinnt, beginnt die Zeit des Bärlauchs. Die un-überriechbare Wildpflanze sprießt dann auf nährstoffreichen Waldböden und breitet sich wie ein grüner Teppech über ihn aus. Für Pflanzenfreunde beginnt nun ein Festmahl, denn der Bärlauch ist ein leckeres Lebensmittel, aromatisches Gewürz und eine Heilpflanze in einem. Was den Bärlauch so gesund macht, und wie er richtig eingesetzt wird, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bärlauch ist ein Lauchgewächs und blüht im Frühjahr

Im März, wenn die Tage spürbar länger werden und die Temperaturen zu steigen beginnen, zieht es die Menschen mehr und mehr nach draussen ins Freie. Nach den langen, düsteren und kalten Wintermonaten läd die Frühlingssonne geradezu mit Nachdruck zu Spaziergängen ein. Wer sich dann auf einen Gang durch den Wald begibt, bemerkt vielerorts einen würzigen Geruch, der beim genaueren Hinriechen an Knoblauch erinnert. Es ist der Bärlauch, ein enger Verwandter vom Knoblauch. Schon im März ragen seine Blätter an halbschattigen und schattigen Orten aus dem Waldboden heraus. Seine Blüte lässt sich erst später blicken, im April oder im Mai. Das kommt ganz auf den Standort und das Klima an.

Ein grüner Teppich aus Bärlauch

Zurückhaltend ist der Bärlauch nicht. Er verfügt über einen starken Ausbreitungsdrang und besiedelt gerne großflächig mehrere hunderte Quadratmeter Waldboden, bis es an der Zeit ist sich erneut zurückzuziehen und anderen Waldbewohnern Platz zu machen. Meistens ist das im Mai oder Juni der Fall. Auf der anderen Seite ist der Bärlauch auch empfindlich, zumal er sich den Platz im Wald und an Wegrändern mit anderen Pflanzen teilen muss. Da kann es schon mal vorkommen, dass eine Horde Buschwindröschen noch ein wenig durchsetzungsfähiger ist, und den Waldboden für sich beansprucht. Meistens aber arrangieren sich die Frühlingspflanzen untereinander.

Bärlauch liebt nährstoffreiche, lockere und feuchte Waldböden

Was der Bärlauch nicht verträgt, sind harte Gewerke. Auf verdichteten und überanspruchten Waldböden überlebt der Bärlauch nicht. Vielerorts aber, zum Beispiel in den Wädern zwischen Ulm und Stuttgart sowie im Harz wächst und gedeiht er geradezu massenhaft. Das ist erfreulich, denn der Bärlauch ist essbar und vielseitig einsetzbar.

Wissenswertes

Wer wenig oder keine Erfahrung zum Bestimmen von essbaren Wildpflanzen und Heilkräutern hat, kann zum Beispiel an einem Bestimmungs- und Enddeckungskurs von ausgebildeten Botanikern oder Kräuterpädagogen teilnehmen. In den Kursen lernen Sie, wie Bärlauch in seinem natürlichen Lebensraum aussieht und von anderen Pflanzen zu unterscheiden ist. So können Verwechslungen mit anderen Pflanzen, wie dem Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose vermieden werden. Auch die Benutzung von Bestimmungsbücher kann helfen.

 

Bärlauchkraut speichert Alliine und Flavonoide

Zerreibt man die Blätter von frischem Bärlauch zwischen den Fingern, wird ein knoblauchähnlicher Geruch freigesetzt. Das liegt an schwefelhaltigen Verbindung im Bärlauch, die Alliine. Werden die Blätter vom Bärlauch zerdrückt oder zerschnitten, bauen bestimmte Enzyme in den Zellen vom Bärlauch das Alliin in die wirksame Substanz Allicin ab. Allicin wirkt leicht blutdruck- und cholesterinsenkend sowie antibakteriell. Außerdem tragen die Schwefelverbindungen dazu bei Insekten abzuwehren.

Wissenswertes

Der Anteil an schwefelhaltigen Verbindungen ist rund 1/3 niedriger als beim Knoblauch. Folglich ist seine Wirksamkeit schwächer als die vom Knoblauch. Als Vorteilhaft empfinden viele Menschen, dass der typische Knoblauchgeruch nach dem Verzehr aus dem Mund und der Haut beim Bärlauch nicht oder weniger stark ausgeprägt ist.

Weitere Inhaltsstoffe vom Bärlauch sind Flavonoide und Lektine.

Bestimmte Inhaltsstoffe im Bärlauch können die Gefäßgesundheit verbessern

Der Bärlauch in der Medizin

In der Volksheilkunde hat der Bärlauch eine lange Tradition. In der modernen Phytotherapie spielt die Pflanze hingegen eine untergeordnete Rolle.

Wissenswertes

In der Volksheilkunde wird Erfahrungswissen über die Wirkungen und Anwendung von Heilpflanzen innerhalb der Bevölkerung weitergegeben. Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in der Volksmedizin keine oder eine untergeordnete Rolle. In der Phytotherapie ist es umgekehrt: Hier gelten die selben Regeln wie in der konventionellen Medizin. Mit anderen Worten: Ob eine Heilpflanze als wirksam oder unwirksam eingestuft wird, wird anhand der selben Bewertungskriterien ermittelt, die auch für synthetische Arzneimittel gelten.

Anwendungsgebiete aufgrund erster Studien

Tier- und Laboruntersuchungen ergaben, dass die Extrakte aus dem Bärlauch vergleichbare Wirkungen wie der Knoblauch hat. Der regelmäßige Verzehr könnte helfen um

  • Den Blutdruck leicht zu senken
  • Den Cholesterinspiegel herabzusetzen
  • Die Entstehung von Atheriosklerose (Gefäßverkaltung) zu mindern
  • Die Fließeigenschaften vom Blut durch eine leicht blutverdünnende Wirkung zu verbessern
  • Das Herz zu schützen

Anwendungsgebiete in der Volksmedizin

Traditionell und aufgrund von Erfahrung werden die Blätter und das Kraut vom Bärlauch eingesetzt bei:

  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen (durch Bakterien im Magen)
  • Äußerlich bei Hautausschlägen

Die Einzelportion, Tagesmenge und der Einsatz von Bärlauch in der Medizin

Trotz des therapeutischen Potentials vom Bärlauch, wird die Pflanze in erster Linie als Gemüse- und Gewürzpflanze verwendet. Aus diesem Grund liegen genaue Angaben zur Dosierung vom Bärlauch nicht vor.

Zubereitungen mit Bärlauch wie zum Beispiel Frischpflanzensaft, Tropfen und Kapseln erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und im Online-Handel.

Bärlauch Tinktur

  • 20 Gramm frische, junge Bärlauchblätter
  • 100 Milliliter hochprozentigen Alkohol (mind. 50%)

Zerschneiden Sie die gewaschenen Bärlauchblätter und füllen sie diese in eine beschriftete Braunglasflasche. Übergießen Sie die Blätter mit dem Alkohol, dann den gut verschlossenen Ansatz für drei Wochen ziehen lassen. Gelegentlich schütteln.

Die Tinktur durch einen Teefilter oder ein feines Sieb abfiltern, zurück in die Braunglasflasche füllen und einen Tropfeinsatz (erhältlich in Apotheke oder Online-Handel) hinzufügen. Dreimal täglich 20 Tropfen einnehmen. Die Tinktur innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.

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Der Bärlauch als Lebensmittel

Blätter, Stängel, Blüten und Zwiebeln vom Bärlauch sind essbar. Die oberirdischen Pflanzenteile werden zwischen März und Mai geerntet, die Zwiebeln im Herbst. Wenn Sie den Bärlauch einwandfrei identifizieren können, kann die Pflanze im Wald gesammelt werden. Alternativ bieten Direktvermarkter (Bauernhöfe) und gut sortierte Supermärkte die aromatischen Blätter im Frühjahr zum Kauf an.

Falls Sie schon einmal eine Bärlauchsuppe genossen haben, kennen Sie bereits den aromatisch-würzigen Geschmack der Pflanze. Bärlauch kann aber auch als Belag für Pizza, zur Herstellung von Pesto, Kräuterbutter und Gewürzmischungen verwendet werden.

Hinsichtlich der Nährstoffe sind die Blätter vom Bärlauch am besten untersucht. Ihr Gehalt kann allerdings je nach Standort, Boden, Klima und Jahreszeit schwanken.

Nährstoffe

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Energie in Kilokalorien (kcal)

23

Eiweiß

0,90 Gramm

Fett

0,30 Gramm

Kohlenhydrate

2,93 Gramm

Ballaststoffe

2,18 Gramm

Wasser

92,64 Gramm

 

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

336 Milligramm

4000 Milligramm

Magnesium

22 Milligramm

350-400 Milligramm

Kalzium

76 Milligramm

1000 Milligramm

Eisen

2,87 Milligramm

10,0-15,0 Milligramm

Kupfer

80,0 Mikrogramm

1.000-1.500 Mikrogramm

Vitamin C

150 Milligramm

95-110 Milligramm

Folsäure

17 Milligramm

300 Milligramm

Thiamin (Vitamin B1)

0,13 Milligramm

1,2 Milligramm (Männer), 1,0 Milligramm (Frauen)

Vitamin B6

0,20 Milligramm

1,6 Milligramm (Männer), 1,4 Milligramm (Frauen)

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz in der Küche

Bärlauchblätter oder Bärlauchkraut können roh, gekocht oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel für Pesto, Salate und Suppen. Trocknen erhöht die Haltbarkeit der Blätter und des Krautes. Allerdings gehen dabei auch wertvolle Geschmacks- und Duftstoffe verloren.

Bärlauchpesto passt hervorragend zu Tomaten und Mozzarella

Bärlauchpesto für 6-8 Portionen

Als Zutaten für ein Bärlauchpesto brauchen Sie:

  • 200 Gramm frischer Bärlauch
  • 25 Gramm Pinienkerne, geröstet
  • 25 Gramm Parmesan, gerieben
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1 Messerspitze Pfeffer
  • 200 Milliliter Olivenöl

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden.
  2. Pinienkerne in einer Küchenmaschine fein zerhacken.
  3. Bärlauchblätter, Salz, Parmesan, Pfeffer und Olivenöl dazugeben und alles zu einem sämigen Pesto vermischen.
  4. Das Bärlauchpesto nun in ein beschriftetes Glas füllen und innerhalb von zwei Wochen verbrauchen.

Es schmeckt besonders gut zu Nudeln, auf Mozzarella-Käse, gekochten Eiern und zu warmen und kalten Gemüsegerichten.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 30 Minuten.

Kinder lieben grüne Nudeln

Bärlauchsuppe für 4 Portionen

Für die Bärlauchsuppe brauchen Sie:

  • 150 Gramm frische Bärlauchblätter
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • 5 mittelgroße Kartoffeln
  • 1,2 Liter Gemüsebrühe
  • 100 Milliliter Kokosmilch
  • 2 Esslöffel Rapsöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden. Vier kleine Bärlauchblätter zur Seite legen.
  2. Die Zwiebel abziehen, waschen und würfeln.
  3. Die Kartoffeln schälen, waschen und ebenfalls würfeln.
  4. Rapsöl im Topf erhitzen. Zwiebeln andünsten. Anschließend mit Gemüsebrühe übergießen und alles zum kochen bringen.
  5. Kartoffeln und Bärlauch hinzufügen. Die Suppe zehn bis 15 Minuten kochen lassen, dann alles pürrieren.
  6. Kokosmilch hinzufügen, die Zutaten verrühren und nochmals kurz aufkochen lassen.
  7. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann die Suppe mit einem Bärlauchblatt servieren.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 45 Minuten.

Die unerwünschten Wirkungen vom Bärlauch als Arzneimittel

In sehr hohen Mengen soll der Bärlauch Magenreizungen auslösen können.

Literatur

Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.