Birkenzucker (Xylit)

Süßungsmittel aus der Rinde von Birken

Birkenzucker (Xylit) ist ein natürliches kalorienarmes Süßungsmittel, das in verschiedenen Pflanzen vorkommt. Birkenzucker wird zudem industriell hergestellt und wird ähnlich wie Zucker verwendet. Hier erfahren Sie, was Birkenzucker ist, wie er eingesetzt wird und für wen Birkenzucker geeignet ist.

Was ist Birkenzucker?

Birkenzucker ist ein natürlicher Zuckeraustauschstoff, der aus der Rinde von Birken gewonnen wird und einen ähnlichen Geschmack wie Kristallzucker hat. Auch die Verwendungsmöglichkeiten von Birkenzucker und Kristallzucker sind vergleichbar. Allerdings ist Birkenzucker chemisch gesehen, kein Kohlenhydrat, sondern ein Zuckeraustauschstoff, beziehungsweise ein Zuckeralkohol. Hergestellt wird Birkenzucker aus Xylose (Holzzucker), anderen Hölzern, Resten von Maiskolben, Stroh oder aus Begleitprodukten der Zuckerherstellung.

Wie alle Zuckeraustauschstoffe hat auch Birkenzucker eine E-Nummer: Sie lautet E 967. Bekannt ist der Birkenzucker zudem unter dem Synonymen Xylit und Xylitol.

Birkenzucker ist ein Süßungsmittel aus der Rinde von Birken
Birkenzucker ist ein Süßungsmittel aus der Rinde von Birken

Birkenzucker: natürliches Vorkommen und Einsatz in Lebensmitteln

Birkenzucker kommt einerseits in der Rinde von Holz vor. Er ist zudem ein natürlicher Bestandteil vieler Gemüse und Obstsorten. Zu finden ist er beispielsweise in Blumenkohl, Pilzen, Pflaumen, Erdbeeren und Himbeeren.

Als Zusatzstoff wird Birkenzucker in verschiedenen Lebensmitteln eingesetzt, zum Beispiel als:

  • Kalorienreduzierte Lebensmittel wie Marmelade, Brotaufstriche, Milchprodukte, Schokoladen und Desserts
  • Zuckerfreie Bonbons und Kaugummis
  • Streusüße zum Zuckerersatz
  • Glutenfreie Nahrungsmittel
  • Nahrungsergänzungsmittel 
  • Süße Getränke
  • Fertigprodukte und spezielle Nahrungsmittel zur Gewichtsreduktion

Birkenzucker versus Zucker

Optisch gleicht der Birkenzucker dem bekannten Kristallzucker (Saccharose): Er hat eine kristalline Struktur und dieselbe Farbe. Auch der Geschmack ähnelt dem herkömmlichen Kristallzucker.

In Europa zählt Birkenzucker wie alle Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe zu den Zusatzstoffen. Im Gegensatz zu Süßstoffen liefern Zuckeraustauschstoffe jedoch Kalorien. Ihr Verzehr belastet den Stoffwechsel aber weniger als Kristallzucker, da für die Verstoffwechselung kein Insulin gebraucht wird.

  • Kalorien: Birkenzucker hat weniger Kalorien als Kristallzucker und liefert 240 Kilokalorien pro 100 Gramm. 100 Gramm Kristallzucker liefern 400 Kilokalorien. Daher kann der Austausch von Kristallzucker in Birkenzucker einen unterstützenden Beitrag bei der Gewichtsabnahme liefern.
  • Zähne: Bakterien, die Karies verursachen können Birkenzucker nicht oder nur unzureichend verwerten. Daher verursacht Birkenzucker kein Karies. Dies ist ein Grund dafür, dass in bestimmten Zahnpflegekaugummis Birkenzucker enthalten ist. In der Zutatenliste ist dann zumeist von Xylit die Rede.
  • Blutzuckerspiegel: Da Birkenzucker kein Kohlenhydrat ist, wird für dessen Abbau auch kein Insulin gebraucht. Dadurch wird der Stoffwechsel entlastet, was für Menschen mit Übergewicht und Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes hilfreich sein kann.
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Kochen und backen mit Birkenzucker

Birkenzucker kann in der täglichen Ernährung eingesetzt werden. Zwar löst er sich in warmen Speisen und Getränken besser als in kalten – dafür hat er eine vergleichbare Süßkraft wie Zucker. Auch durch die kristalline Konsistenz kann Birkenzucker zu einem Ersatz für Kristallzucker werden: Ob Kuchen, Kekse, Pudding oder Marmelade – Birkenzucker eignet sich zur Verwendung aller Lebensmittel. Er ist zudem wasserlöslich und hitzestabil.

Birkenzucker eignet sich zur Herstellung von Marmelade
Birkenzucker eignet sich zur Herstellung von Marmelade

Wo kann man Birkenzucker kaufen?

Birkenzucker kann in gut sortierten Supermärkten, Reformhäusern, Drogerien und im Online-Geschäften gekauft werden. Ein Kilogramm Birkenzucker kostet meist zwischen 10,00 bis 12,00 Euro.

Hat Birkenzucker unerwünschte Wirkungen?

Beträgt der Xylitanteil mehr als zehn Prozent, muss das Lebensmittel entsprechend gekennzeichnet sein. Der Verzehr größerer Birkenzuckermengen wirkt abführend. Ab wann der abführende Effekt einsetzt ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Als Faustregel gilt, das bei gesunden Menschen der tägliche Verzehr von bis zu 50 Gramm Birkenzucker problemlos vertragen wird. Voraussetzung hierfür ist, das der Verzehr über den Tag verteilt und nicht mit einer einzelnen Mahlzeit erfolgt. 

Da Birkenzucker wie Sorbit ein Zuckeraustauschstoff ist, brauchen Menschen mit einer Sorbitunverträglichkeit oder Fructoseunverträglichkeit zwar per se nicht auf den Verzehr von Birkenzucker verzichten. Sie sollten jedoch vorsichtshalber mit kleinen Verzehrmengen starten, um zu beobachten, ob der Birkenzucker vertragen wird. 

Grund für die abführende Wirkung ist der beschleunigte Abbau vom Birkenzucker durch die Darmbakterien. Je nach Empfindlichkeit und Zeitpunkt des Verzehrs können Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfall folgen. Gesundheitsschädlich ist Birkenzucker aber nicht.

Zusammenfassung

Birkenzucker (Xylit) kommt natürlicherweise in Pflanzen wie Birken und anderen Gehölzen sowie in vielen Gemüse- und Obstsorten vor. Er schmeckt ähnlich wie Kristallzucker und hat vergleichbare technologische Eigenschaften. Daher kann Birkenzucker wie Kristallzucker zum Kochen und Backen eingesetzt werden. Birkenzucker hat mehrere Vorteile: er liefert etwa 40 Prozent weniger Kalorien als Kristallzucker, verursacht kein Karies und der Verzehr wirkt sich kaum auf den Stoffwechsel aus. Allerdings liefert Birkenzucker auch Kalorien (240 Kilokalorien pro 100 Gramm) und er wirkt bei übermäßigem Verzehr abführend. Daher sollten täglich nicht mehr als 50 Gramm Birkenzucker genossen werden.

Literatur

Anderle P, Schwarz H, Krüger-Stolp K: Lebens- und Genussmittel – Warenkunde. 2. Aufl. Bildungsverlag EINS, Köln 2013.

Schek A.: Ernährungslehre kompakt. 4 Aufl. Umschau Zeitschriftenverlag, Sulzbach im Taunus 2011.

Teuscher E, Melzig MF und Lindequist,U: Biogene Arzneimittel. 6. Aufl. Stuttgart : Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2004.

Sebastian Kneipp und die Kneipp-Therapie

Sebastian Kneipp wurde durch seine Wasserkur berühmt. Sein Gesundheitskonzept umfasste zudem die Ernährungstherapie, Heilpflanzenkunde und vieles mehr. Auch 120 Jahre nach seinem Tod ist der Pfarrer aus Bad Wörrishofen eine bekannte Persönlichkeit. Zu Lebzeiten verhalf er zahlreichen Menschen zu mehr Gesundheit. Dabei setzte er auf vorbeugende und behandlerische Maßnahmen. Welche das sind und ob die Behandlung des Pfarrers noch immer aktuell sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bilden eine wichtige Säule in der Kneipp-Therapie

Bei Kneipp-Therapien (auch Kneipp`sche Therapie genannt) handelt es sich um verschiedene Behandlungsansätze, die der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) entwickelt und zusammengetragen hat. Im Laufe der Zeit entstand so ein ganzheitliches Therapiekonzept. Er wendete es bei zahlreichen Krankheiten an und behandelte Menschen zum Beispiel mit: 

  • Asthma
  • Adipositas (Fettleibigkeit) 
  • Lungenentzündung 
  • Hepatitis (Gelbsucht) und andere Erkrankungen der Leber
  • Gicht
  • Nervenerkrankungen
  • Magenbeschwerden, Darmleiden und andere Verdauungsbeschwerden
  • Lumbago, Lumbalgie (Hexenschuss) und
  • Herzkrankheiten

In seinen Büchern trug Sebastian Kneipp seine Erfahrungen und Heilerfolge zusammen. Viele seiner Werke wurden zu internationalen Bestsellern, und sind es bis heute. Die Früchte seiner Arbeit erntete Sebastian Kneipp noch zu Lebzeiten, wobei sein Wirken bis in die heutige Zeit an Bedeutung noch dazu gewonnen hat. Dabei begann das Lebens des späteren Pfarrers alles andere als aussichtsreich.

Der Weberssohn, der Pfarrer wurde 

Geboren wird Sebastian Kneipp am 17.05.1821 als einziger Sohn eines Webers in Stephansried, einem Ortsteil der Marktgemeinde Ottobeuren. Er hat vier Schwestern und sein Leben gestaltet sich von Anfang an als schwierig: Ökonomisch ging es derFamilie schlecht. Um die Eltern bei der Arbeit zu unterstützten und Geld zu verdienen, arbeitete er ab seinem siebten Lebensjahr nach der Schule als Weber. In den Schulferien hütete er das Vieh der Bauern. Doch Sebastian Kneipp wünschte sich ein anderes Leben: Er wollte studieren.

Dieser Wunsch wurde ihm durch seine Eltern zunächst verwehrt. Als er 21 Jahre alt ist kommt der Umschwung in seinem Leben. Ein geistlicher Verwandter erkennt sein Talent und unterrichtet den jungen Mann in lateinischer Sprache. Zudem arbeitet Sebastian Kneipp in dieser Zeit als Knecht bei einem Bauer und verdient so etwas Geld.

Mit 23 Jahren endlich zurück auf die Schulbank

Nach zweijährigem Lateinstudium besteht Sebastian Kneipp die Aufnahmeprüfung am Gymnasium in Dillingen und macht nach weiteren vier Jahren das Abitur. 

Im Jahr 1848 startet er sein Theologiestudium und wird 1852 zum Priester geweiht.

Krank im Studium: Tuberkulose

Allerdings gelingt ihm die Ausbildung nur mit viel Disziplin, denn bereits 1849 erkrankt Sebastian Kneipp an Tuberkulose: Er spuckt Blut und verliert stark an Gewicht.

Für zwei Ärzte, die den jungen Sebastian Kneipp behandeln, ist die Situation klar: Sie bescheinigen ihm, dass er unheilbar krank ist und an der Tuberkulose sterben wird. Sebastian Kneipp sagt später dazu in seinem Ratgeber „SO SOLLT IHR LEBEN“, dass er seine Genesung nur der Hilfe des Wassers zu verdanken hat: Er tauchte mehrmals wöchentlich bis zum Hals in die eiskalte Donau, zog sich danach schleunigst seine Kleider wieder an und joggte nach Hause.

Sebastian Kneipp überlebte die Tuberkulose und wurde wieder gesund. Er selbst führte seine Genesung auf die Heilkraft des Wassers und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte zurück.

Für Pfarrer Kneipp war psychische Gesundheit ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebens

Hydrotherapie: Verfahren nach Johann Siegmund Hahn

Auf die Hydrotherapie wurde Sebastian Kneipp durch den Arzt Johann Siegmund Hahn (1694-1773) und dessen Veröffentlichung „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“ aufmerksam. Es folgten Experimente an sich selbst mit Wasser, Schöpfkelle und Eimer. Im Verlauf der darauf folgenden 30 Jahre erweiterte und überarbeitete Pfarrer Kneipp seine Therapiemethoden immer weiter. Manchmal verwarf er auch nach dem Experiment einen neuen Therapieansatz, etwa wenn er diesen für zu „hart“ empfand.

Durch seine Experimentierfreudigkeit entwickelt Sebastian Kneipp im Laufe seines Lebens so mehr als 100 verschiedene Hydrobehandlungen, zu denen Güsse, Wickel, Packungen, Bäder und Dämpfe gehören. Zudem macht er das Barfusslaufen auf Wiesen, die nass vom Tau sind, und das Wassertreten im Storchengang populär. Nach und nach entwickelt sich so für sein Anwendungsspektrum ein eigenständiger Begriff: Kneipen.

Der Kneipp´sche Kaffee

Das Gefäßnetz der Unterarme hat starke Auswirkungen auf das Herz. Die Anregung der Gefäße wirkt daher belebend und erfrischend, beispielsweise durch kaltes Wasser.

Befürworter der Kneipp-Therapien empfehlen daher ein Unterarmbad in kaltem Wasser bei Müdigkeit und Abgeschlagenheit: einen Kneipp´schen Kaffee.

Ausgeschlossen von der Anwendung sind allerdings Menschen mit Herzbeschwerden, etwa bei Angina pectoris und nach einem Herzinfarkt.

Das Wirkprinzip vom Kneipp´schen Kaffee ist einfach, denn Wasser löst einen Reiz auf der Haut aus.

Info: Auf der Haut befinden sich Wärmerezeptoren und etwa doppelt so viele Kälterezeptoren. Bei einem Wärmereiz stellen sich die Blutgefäße weit. Ein Kältereiz löst eine Gegenreaktion aus: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und weiten sich danach wieder. Dadurch wird die Durchblutung angeregt und verbessert. Gleichzeitig wird die Elastizität der Blutgefäße trainiert und das Immunsystem soll durch den Kältereiz gestärkt werden.

Hydrotherapie bei Bluthochdruck und COPD

Untersuchungen an Menschen ergaben, dass die Hydrotherapie (Wasseranwendung) den Blutdruck senken kann. Die Durchführung zeigte bereits nach 14 Tagen und 2-mal täglicher Wasseranwendung erste Erfolge: Bei leicht erhöhtem Blutdruck, sank dieser so weit, dass nachfolgend keine Medikamente nötig waren oder Medikamente eingespart werden können. Zudem stieg die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer durch die Wasserbehandlung an. 

Auch bei der Krankheit „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ (COPD) können kalte Güsse die Lungenfunktion verbessern.

Hinweis: Bei bestehenden Erkrankungen sollten alle therapeutischen Maßnahmen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Es könnte sein, dass es Einwände gibt – auch gegen solche wie die Hydrotherapie.

Wassertreten gehört zu den bekanntesten Kneipp´schen Verfahren

Ganzheitliche Therapie mit fünf Säulen

Sebastian Kneipp baute sein Therapie-Konzept nach und nach weiter aus. Am Ende besteht es aus fünf Säulen:

Hydrotherapie 

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bildet zu Beginn des Wirkens von Pfarrer Kneipp das Fundament. Sie umfassen zum Beispiel Bäder, Wickel, Dämpfe und Güsse. Wechselduschen bei denen sich kalte und warme Phasen beim Duschen abwechseln sind ein weiteres Beispiel für die Hydrotherapie.

Phytotherapie 

Die Phytotherapie (Heilpflanzentherapie) bildet eine weitere Säule im Kneipp´schen Therapiekonzept. Sebastian Kneipp beschrieb zu Lebzeiten zahlreiche Heilpflanzen und wie er sie therapeutisch einsetzte. Heublumen bei Gelenkbeschwerden und Ackerschachtelhalm bei Blasenentzündung sind hierfür zwei Beispiele.

Bewegung

Sebastian Kneipp empfahl regelmäßigen Sport zur Gesunderhaltung – allerdings ohne Leistungsgedanken und den damit verbundenen psychischen Druck.

Ernährung

Der Verzehr von viel Gemüse und Obst empfahl der Pfarrer zur Gesunderhaltung und zur Genesung schon damals. Viele seiner Ernährungsempfehlungen haben bis heute ihre Gültigkeit beibehalten, wie zum Beispiel das Einschränken von Genussmitteln. Auch die zielgruppenspezifische Ernährung spielte damals sicherlich schon eine Rolle.

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Lebensordnung

Mit der Lebensordnung beschreibt Pfarrer Kneipp das „rechte Maß“ und den „richtigen Rhythmus des Lebens“ für eine gesunde Lebensgestaltung. Gemeint ist mit der Lebensordnung etwa der Umgang mit Zeitdruck, Stress und ein aufmerksames Leben: Anspannung und Entspannung sollen im Gleichgewicht sein.

Kurpfuscher und andere Anfeindungen

Heute gilt die Kneipp´sche Therapie als ein unterstützender Bestandteil der konventionellen Medizin. Aber das war nicht immer so: Zu Lebzeiten wurde Sebastian Kneipp sogar von einigen Ärzten und Apothekern angezeigt. Sie hielten seine Erfolge für Kurpfuscherei. Zwar gingen die Gerichtsverfahren für den Pfarrer relativ glimpflich aus, er musste aber Geldstrafen zahlen und vor Gericht versichern, dass er nie wieder medizinisch tätig sein würde. In den darauf folgenden Jahren wurden die Gesetze jedoch gelockert und auch im Geheimen behandelte Sebastian Kneipp weiterhin kranke Menschen, die bei ihm Rat suchten.

Er selbst sah sich nicht als ein Konkurrent der Ärzteschaft, sondern wollte konventionelle medizinische Maßnahmen unterstützen: Kam ein erkrankter Mensch zu ihm, empfahl Sebastian Kneipp diesem, sich im ersten Schritt an einen ausgebildeten Mediziner zu wenden.

Info: Die Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit des medizinischen Umbruchs, in denen die Naturwissenschaften einen zunehmend hohen Stellenwert einnahmen. Zu dieser Zeit wurde das Röntgen entwickelt und die ersten Keime unter dem Mikroskop entdeckt. Auch wurde die bis dahin bestehende Humoralpathologie (Veränderungen von Körpersäften) durch die zelluläre Pathologie (Veränderung an Zellen) nach und nach ersetzt.

Pfarrer in Bad Wörrishofen

1855 tritt Pfarrer Kneipp als Beichtvater eine Position in Bad Wörrishofen an. Dort wird er bis zu seinem Tode wirken. 

1891 ist er derart berühmt, dass binnen zehn Monate mehr als 14.000 Hilfesuchende zu ihm kommen. 

Sebastian Kneipp selbst lebt nach einem strengen Plan, um seine Pflichten bewältigen zu können. Er richtet Sprechstunden für kranke Menschen ein und arbeitet gleichzeitig als Pfarrer. Zudem schreibt er abends oder nachts Bücher wie „Meine Wasserkur“ und „So sollt ihr Leben“. „Meine Wasserkur“ wurde in 14 Sprachen übersetzt und ist ein Verkaufsschlager. Auch an seinen anderen Büchern verdient der Pfarrer viel Geld. Dieses Geld fließt später in seine Stiftungen ein.

Da der ehemals arme Pfarrer die Öffentlichkeit nicht scheut, lässt er sich zu Marketingzwecken mit prominenten Persönlichkeiten ablichten und macht (mehr oder weniger freiwillig) Werbung für bestimmte gesunde Lebensmittel.

Gründung medizinischer Einrichtungen

Seine Einnahmen stiftet der Pfarrer an verschiedene medizinische Einrichtungen und eine Kinderheilstätte für arme und kranke Kinder.

Um für seine Therapie zu werben reist Sebastian Kneipp quer durch Europa und hält Vorträge. Mit Erfolg, denn bis heute sind insbesondere seine Wasseranwendungen bekannt und gut untersucht.

1894 wird zudem der Verein „Internationale Kneipp Ärzte“ unter dem Vorsitz von Alfred Baumgarten gegründet. Dem Arzt lag die wissenschaftliche Erforschung der Kneipp´schen Therapie sehr am Herzen. Heute hat der Keipp-Verein mehr als 160.000 Mitglieder. Sebastian Kneipp starb am 17.06.1897 an einem Tumor im Bauchraum.

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Zusammenfassung

Die Kneipp-Therapie ist ein ganzheitliches Therapiekonzept, dass der Pfarrar Sebastian Kneipp in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Es zielt auf die Gesunderhaltung und die Wiederherstellung der Gesundheit nach Krankheit ab. 

Die Kneipp-Therapie umfasst die Hydrotherapie (Wassertherapie), Phytotherapie (Heilpflanzentherapie), Ernährung, Bewegung und Lebensordnung. Letzteres wird heute zumeist als Lebensstil bezeichnet. Durch seine Erfolge bei der Heilung kranker Menschen wird Sebastian Kneipp bereits zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit. Sein Therapiekonzept ist damals wie heute aktuell und spricht die Bedürfnisse vieler Menschen an.

Literatur

Castro-Sánchez A, Matarán-Peñarrocha G, Lara-Palomo I, et al. (2012): Hydrotherapy for the treatment of pain in people with multiple sclerosis: a randomized controlled trial. Evid Based Complement Alternat Med.2012. https://www.hindawi.com/journals/ecam/2012/473963/, Zugriff am 15.01.2020.

Hess, L. & Schärer, S. (2010): Der Effekt von Hydrotherapie auf chronische Rückenschmerzen. https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/606/1/Hess_Lea_Schaerer_Susanne_PT07d_BA.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Stein, C. (2011): Prospektive, klinische Studie

zum Einfluss serieller Kaltwasserreize (Kneippscher Oberguss)

auf die Lungenfunktion, die Immunabwehr und das subjektive Wohlbefinden bei gesunden Probanden. https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00024778/Neuer%20Ordner/stein.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Amla: Indische Stachelbeere

Amla: Indische Stachelbeere

Emblica officinalis (Synonym: Phyllanthus emblica)

Indische-Stachelbeere mit positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem

Die Indische Stachelbeere (Amla) wird in der asiatischen und persischen Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt: Die säuerlich schmeckenden Früchte sollen die Gesundheit schützen oder zurück in die Balance bringen. Besonders bei zu hohen Cholesterinwerten und Bluthochdruck sollen sie effektiv sein. Was Amla-Früchte genau sind, wofür sie geeignet sind und wie sie richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Amla, die Indische Stachelbeere, hat viele gesundheitsfördernde Wirkungen

Indische Stachelbeeren wachsen auf Bäumen

Die Indische Stachelbeere (auch Amla oder Amala genannt) ist ein Baum, der in tropischen bis subtropischen Regionen in Asien wächst. Besonders wohl fühlen sich Amla-Bäume in Ländern wie Indien, Nepal und Thailand. Er kommt aber auch im Nahen Osten vor, zum Beispiel im Iran. Seine stachelbeerartigen Früchte sind essbar und werden zu medizinischen Zwecken eingesetzt. 

Nicht zu verwechseln sind Amla-Früchte mit europäischen Stachelbeeren. Diese wachsen auf Sträuchern und sind wegen ihres Zuckergehalts weitaus süßer als ihre indischen Namensschwestern. Auch aus botanischer Sicht haben die beiden Pflanzen wenig miteinander gemeinsam: Amla gehört zu der Familie der Phyllanthaceae, die europäische Stachelbeere ist ein Stachelbeergewächs (Grossulariaceae).

Stachelbeerpaste gegen Migräne?

Amla gehört in der Ayurveda zu den wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Heilpflanzen. Der Frucht wird dort ein besonders hoher Stellenwert zugemessen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meiste Forschung zu den medizinischen Wirkungen von Amla in Indien stattfindet. 

Helfen sollen die süßsauer bis bitter schmeckenden Früchtchen bei unzähligen Beschwerden: Traditionell werden die zerstoßenen Früchte als ein dicker Brei etwa als Haarmaske auf den Kopf aufgetragen, um so Migräne zu lindern. Neben der traditionellen Anwendung werden Amla-Früchte auch in der konventionellen Medizin zunehmend mit Interesse erforscht und angewendet, zum Beispiel zur Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislaufbeschwerden. 

Auch in der Tibetischen Medizin gehört Amla zu den wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Heilpflanzen. Die Früchte kommen in mehr als jedem zweiten tibetischen Arzneimittel vor. Das könnte daran liegen, dass tibetische Ärzte den Früchten regulierende und ausbalancierende Wirkungen auf den Geist und den Körper zusprechen. In Tibet selbst, wächst der Amla-Baum aber nicht. Seine Früchte werden üblicherweise aus Indien importiert.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine

Amla-Früchte speichern zahlreiche verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Dies sind zum Beispiel Gerbstoffe wie Ellagtannine und Flavonoide wie Quercetin, Astragalin und Catechin. Zusammengenommen haben die Inhaltsstoffe ausgeprägte antioxidative Wirkungen und entzündungshemmende Eigenschaften.

Zudem sind Amla-Früchte besonders reich an Vitamin C. 

Amla-Früchte können das Herz und die Blutgefäße schützen
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Amla in der Medizin

Anwendungsgebiete aufgrund der Studienlage

Amla-Früchte sind im deutschsprachigen Raum zumeist in getrockneter, gepulverter Form erhältlich. Untersuchungen am Menschen ergaben, dass Sie den Extrakt unterstützend einnehmen können, beispielsweise wenn: 

  • Sie von erhöhten Cholesterinwerten betroffen sind. Der Extrakt senkte in teils randomisierten, kontrollierten Untersuchungen* am Menschen den Cholesterinspiegel, genauer den Gesamtcholesterinspiegel, die Triglyceride (TG), das Lipoprotein niederer Dichte (LDL-Cholesterin) und das Lipoprotein sehr niederer Dichte (VLDL-Cholesterin). In einigen Studien wurde zudem ein Rückgang bestimmter Entzündungswerte im Blut gemessen. Es gab aber auch Studien, in denen die Ergebnisse nicht eindeutig waren.Verschlechtert haben sich die Werte aber nicht.
  • Ihr Blutdruck erhöht ist. In einer Vorstudie verbesserte die Einnahme von 500 Milligramm getrockneten Amla-Früchten den Blutdruck.
  • Sie Diabetikerin oder Diabetiker sind. Einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie* zufolge, trägt die Einnahme von Amla-Früchten zu einer Verbesserung der Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1C) bei, wenn parallel konventionelle Arzneimittel eingenommen werden.

Zukünftig wäre es wünschenswert, wenn die Amla-Früchte noch genauer untersucht werden. Die Einnahme von Amla-Früchten ersetzen nach derzeitigem Kenntnisstand keine konventionelle Therapie, können aber als unterstützende Maßnahme geeignet sein.

*Eine randomisierte, kontrollierte Studie kann auch als hochwertig bezeichnet werden. Weder der Studienteilnehmer noch der Behandler weiß, ob die zu testende Substanz oder ein Scheinmedikament eingenommen wird. Die Zuteilung in eine Gruppe ist zudem zufällig.

Anwendungsbereiche aufgrund von experimentellen Studien und Erfahrung

Amla-Früchte werden schon lange in der Naturheilkunde eingesetzt und werden weiter erforscht. Aufgrund von Erfahrungen können Amla-Früchte helfen, wenn: 

  • Sie von der Nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) betroffen sind. Im Tierversuch verbesserte die Einnahme von Amla-Früchten die Leberfunktion.
  • Sie von einer Entzündungskrankheit betroffen sind. Im Tierversuch milderte Amla Entzündungen ab und neutralisierte oxidativen Stress.

Traditionell werden Amla-Früchte beispielsweise zudem eingesetzt bei:

  • Husten, Bronchitis und Asthma
  • Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Blähungen, Verstopfung)
  • Hepatitis 
  • Entzündungen
  • Fieber
  • Depression
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit (Anwendung auch als Anti-Aging-Mittel)
  • Kopfschmerzen, Migräne und Schwindel

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz getrockneter Amla-Früchte

 

Amla-Früchte

Einzelportion

0,5-5 Gramm

Tagesmenge

0,5-5 Gramm

Einsatz als

Pulver, Kapseln

Hochwertige getrocknete und gepulverte Amla-Früche erhalten Sie in der Apotheke und im Reformhaus.

Basisrezept mit Amla

Amla-Shake mit Erdbeeren 

Vitamin C-reicher Genuss  

Für eine Portion

2-5 Gramm Amla-Bio-Pulver (1/2-1 Teelöffel)

150 Milliliter Milch, Hafer- oder Mandeldrink

100 Gramm Erdbeeren (frisch oder tiefgekühlt)

Hohes Gefäß

Pürierstab

1 Glas

  • Amla-Pulver und Erdbeeren in das Gefäß geben. Mit Milch oder Pflanzendrink übergießen.
  • Alle Zutaten pürieren, danach trinken.

Pro Tag einen Amla-Shake genießen.

Die unerwünschten Wirkungen von Amla-Früchten

Diabetiker und Menschen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel, die Medikamente einnehmen, sollten Amlafrüchte nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Die Einnahme kann eine Senkung des Blutzuckerspiegel bewirken und eine Unterzuckerung auslösen. Da Amla-Früchte viel Vitamin C enthalten und gerbstoffreich sind, könnte ein übermäßiger Verzehr (mehr als fünf Gramm getrocknete Früchte pro Tag) zu einer vermehrten Magensäurebildung führen und die Eisenaufnahme im Darm hemmen. Bei regelmäßigem Verzehr von Amla-Früchten, sollte der Eisenspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden. Schwangere und stillende Frauen sollten vorsichtshalber keine Amla-Früchte zu medizinischen Zwecken einnehmen. Es fehlen Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Literatur und Quellen

Berling N: Heilpflanzen in der Tibetischen Medizin. KVC-Verlag, Essen 2008.

Gaire B & Subedi L: Phytochemistry, pharmacology and medicinal properties of Phyllanthus emblica Linn. Chin J Integra Med 2014:1-8. https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11655-014-1984-2, Zugriff am 05.01.2020.

Hashem-Dabaghian F, Ziaee M, Ghaffari S, et al.: A systematic review on the cardiovascular pharmacology of Emblica officinalis Gaertn. J Cardiovasc Thorac Res 2018:10:118-28. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6203864/, Zugriff am 06.01.2020.

Huang C, Tung Y, Hsia S, et al.: The hepatoprotective effect of Phyllanthus emblica L. fruit on high fat diet-induced non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD) in SD rats. Food Funct 2017:8:842-50. https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2017/FO/C6FO01585A#!divAbstract, Zugriff am 05.01.2020.

Jantan I, Haque M, Ilangkovan M, et al.: An Insight Into the Modulatory Effects and Mechanisms of Action of Phyllanthus Species and Their Bioactive Metabolites on the Immune System. Front Pharmacol 2019:10. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphar.2019.00878/full, Zugriff am 06.01.2020. 

Middha S, Goyal A, Lokesh P, et al.: Toxicological Evaluation of Emblica officinalis Fruit Extract and its Anti-inflammatory and Free Radical Scavenging Properties. Pharmacogn Mag 2015:11:S427-33. http://www.phcog.com/article.asp?issn=0973-1296;year=2015;volume=11;issue=44;spage=427;epage=433;aulast=Middha, Zugriff am 06.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Essen gegen Entzündungen

Anti-entzündliche Lebensmittel sollen Entzündungen vorbeugen und abmildern

Essen gegen Entzündungen

Die anti-entzündliche Ernährung kann dabei helfen viele akute und stille Entzündungen zu lindern. Zudem kann sie einen wertvollen Beitrag zu deren Abheilung leisten. Auch zur Prophylaxe verschiedener Krankheiten ist die anti-entzündliche Ernährung bestens geeignet.

Ursachen und Symptome von Entzündungen

Hinter jeder Entzündung steckt ein Reiz, dem das körpereigene Immunsystem eine Abwehrreaktion entgegensetzt. Entzündungen haben viele Gesichter, denn sie zeigen sich je nach Ursache lokal begrenzt oder systemisch, akut oder still. Sie können sich sowohl von außen als auch von innen heraus äußern und sich ausbreiten. Dabei reichen ihre Ursachen von Verletzungen, über Krankheitskeime bis hin zu Strahlenschäden und Chemikalien. Auch Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte und Morbus Chron sind durch Brände gekennzeichnet, die sich von innen heraus und von aussen zeigen.

Entzündungen äußern sich wahlweise durch akute Zeichen wie Funktionsstörungen, Schmerzen und Schwellungen, oder sie breiten sich still aus. Besonders die stillen, niederschwelligen Entzündungen können gravierende Folgen für die Gesundheit haben. Bei ihnen fehlen oft die typischen Symptome und sie schwelen dadurch lange und unbemerkt vor sich hin.

Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese stillen Brände etwa durch zu viel Körperfett, Stress, Bewegungsmangel und eine entzündungsfördernde Ernährungsweise mit vielen tierischen Lebensmitteln begünstigt werden. So wird seit längerem an Schnittstellen zwischen stillen Entzündungen und dem Auftreten von Erkrankungen wie Depressionen, Demenz, Darmerkrankungen und beschleunigten Alterungsprozessen geforscht.

Eine gute Ernährung fördert die Fitness und die Gesundheit bis ins hohe Alter

Die anti-entzündliche Ernährung: ein neues Forschungsfeld

In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden Wissenschaftler, die einen Zusammenhang zwischen einer entzündungsfördernden Ernährungsweise und dem Auftreten verschiedenster Beschwerden und Krankheiten sahen, allenfalls belächelt. Lediglich in der Ernährungstherapie von rheumatischen Erkrankungen ist die entzündungshemmende Diät schon lange bekannt. Die anti-entzündliche Ernährung ist damit eine noch recht junge Disziplin, deren Chancen und Grenzen noch besser erforscht werden müssen. Derzeit wird eine entzündungshemmende Ernährungsweise oft pauschal zur Bekämpfung und Vorbeugung vieler Erkrankungen empfohlen: Die Frage danach ob und in welchem Ausmaß die anti-entzündliche Ernährung etwa das Demenzrisiko verringert, Hautalterungsprozesse verzögert und Gefäßerkrankungen entgegenwirkt, ist aber bislang am Menschen kaum erforscht. Zukünftig müssen daher noch zahlreiche Fragen zu den Wirkungsweisen und – ähnlich wie in der Arzneimitteltherapie – die richtige „Dosierung“ geklärt werden. Auch die Rolle von Zusatzstoffen und Industrienahrung müssen ebenso wie die Form der Landwirtschaft (bio : konventionell) einbezogen werden. Vermutlich aber hat die anti-entzündliche Ernährung ein hohes Potenzial für den Einzug in die Integrative Medizin.

Die Rolle der Ernährung

Welche Chancen bietet die anti-entzündliche Ernährung und welche Einflüsse sind bereits bekannt?

  • Entzündungsfördernde Botenstoffe: Aus der Ernährungstherapie bei rheumatischen Erkrankungen, ist der Einfluss verschiedener Gewebshormone bekannt. Dabei handelt es sich um Botenstoffe aus der Gruppe der Prostaglandine und Leukotriene, die beide Entzündungen auslösen. Zusätzlich verursachen einige Prostaglandine Schmerzen. Die Ausgangssubstanz für Entzündungsreaktionen heißt Arachidonsäure – eine Fettsäure aus der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren. Sie ist in allen tierischen Lebensmitteln gespeichert. Omega-3-Fettsäuren, die etwa in fettreichem Fisch und Leinsamen vorkommen, sind ihre natürlichen Gegenspieler. In pflanzlichen Lebensmitteln fehlt die Arachidonsäure, sie kann aber aus anderen Omega-6-Fettsäuren im Körper hergestellt werden, etwa aus Sonnenblumenöl. Bei der anti-entzündlichen Ernährung nimmt die Reduktion der Arachidonsäure daher einen wichtigen Stellenwert ein.
  • Ablagerungen: Damit die Körperzellen und deren Hüllen voll funktionsfähig sind, ist ein ausgeglichener Stoffwechsel von übergeordneter Bedeutung. Denn er steuert alle natürlichen Prozesse und beugt Ablagerungen im Gefäßsystem vor.
  • Antioxidantien: Bei entzündlichen Prozessen im Körper werden vermehrt freie radikale Sauerstoffmoleküle freigesetzt, die den Zellen schaden und deren Abheilung behindern. Antioxidantien sind die Gegenspieler der freien Radikalen und können diese neutralisieren. Sie kommen reichlich in Gemüse und Obst vor.
  • Übergewicht: Ein hoher Körperfettanteil, vor allem am Bauch, setzt nachweislich vermehrte entzündungsfördernde Hormone frei und begünstigt so die Entstehung von vielen Krankheiten, etwa Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes.

Vermeidung der falschen Ernährung

Der Verzehr von zu vielen tierischen Lebensmitteln, Weißmehlprodukten und Zucker fördert das Entzündungsgeschehen im Körper und erhöht dessen Säurelast. Ähnlich wie bei einer Person, die jeden Tag Überstunden macht, und bei der sich überarbeitungsbedingt Fehler im Arbeitsprozess einschleichen können, schaffen auch das Immunsystem und die Körperzellen es irgendwann nicht mehr die Gesundheit in Balance zu halten. Kommt der erhöhte Ausstoß von Stresshormonen noch dazu, können sich nach und nach stille Entzündungen systemisch oder lokal ausbreiten. Dabei geht es in der Anti-Entzündungsernährung weniger darum Fleisch, Eier, Milch, Weizen und Zucker kategorisch zu verteufeln. Ein Lebensstil gemäß dem Motto „Fleisch ist mein Gemüse“ ist aber auch keine Option: Auf lange Zeit gesehen wirkt ein hoher Fleischkonsum (über 600 Gramm pro Woche) wie brennende Sägespäne, die das Feuer für stille und akute Entzündungen einheizen.

Bestimmte Lebensmittel können stille und akute Entzündungen anheizen

Anti-entzündliche Ernährung

Die anti-entzündliche Ernährung setzt auf eine naturbelassene, abwechslungsreiche und pflanzenbetonte Ernährungsweise. Auch die Berücksichtigung vom täglichen Nährstoffbedarf spielt eine wichtige Rolle. Neben dem täglichen Verzehr von mindestens 400 Gramm Gemüse und Salat sowie rund 250 Gramm frisches Obst, stehen Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte im Fokus. Fische wie Lachs und Forellen, die reich an antientzündlichen Omega-3-Fettsäuren sind, bereichern den Speiseplan ebenso wie leckere pflanzliche Öle. Besonders gut geeignet sind Leinöl, Hanföl, Perillaöl und Rapsöl.

Auch der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten ist erlaubt. Mehr als 600 Gramm Fleisch pro Woche sollten es jedoch nicht sein. Wurstprodukte und Schweinefleisch sollten Sie hingegen so gut es geht von Ihrem Speiseplan verbannen. Sie enthalten viel Arachidonsäure und feuern dadurch das Entzündungsgeschehen an. Ob Eier und Milchprodukte bei einer entzündungshemmenden Ernährungsweise zu empfehlen sind, ist derzeit noch unklar. Vermutlich ist der gelegentliche Genuss von Eiern unproblematisch. Auch der Verzehr von (Sauer-)Milchprodukten wird von den meisten Ernährungswissenschaftlern (noch) empfohlen. Wer lieber pflanzlichen Milchersatz verzehren möchte, sollte darauf achten, dass die Produkte mit Kalzium und Vitamin B12 angereichert und nicht zu stark verarbeitet sind.

Sie finden, dass die Auswahl der Lebensmittel kompliziert klingt und sich schwer in Ihren Ernährungsalltag einfügen lassen? Viele Ernährungsgewohnheiten sind an Rituale und langjährige Erfahrungen geknüpft. Starten Sie zunächst mit kleinen Veränderungen in Ihrer Ernährung. Bei welcher Mahlzeit fällt Ihnen eine Umstellung besonders einfach? Sie können sich beispielsweise zunächst angewöhnen Ihr Frühstück mit Haferflocken, Beerenobst, Kernen und Nüssen zu bereichern. Verwenden Sie statt fertigen Salatsoßen verschiedene Pflanzenöle mit leckerem Essig und Gewürzen. So zieht die anti-entzündliche Ernährungsweise nach und nach in Ihren Alltag ein und erhält einen festen Platz.

Zusammenfassung

Die anti-entzündliche Ernährung zielt darauf ab, akute und stille Entzündungen zu lindern, zu beheben oder der Entstehung vorzubeugen. Pflanzliche Lebensmittel nehmen in der antientzündlichen Ernährung zusammen mit Fisch den wichtigsten Stellenwert ein. Tierische Lebensmittel sollten hingegen nur in Maßen verzehrt werden. Ob die anti-entzündliche Ernährung tatsächlich zur Vorbeugung und unterstützenden Therapie bei Erkrankungen wie Demenz, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen hilft und Alterungsprozesse verlangsamt muss aber noch genauer untersucht werden. Erste Hinweise liegen hierzu bereits vor.

Literatur und Quellen

Gröber, U.: Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. 3. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2011.

Jacob, L-M.: Dr. Jacobs Weg. 3. Auflage, Nutricamedia Verlag, Heidesheim 2013.

Kasper, H.: Ernährungsmedizin und Diätetik. 10. Auflage, Urban und Fischer Verlag, München 20014

Monteiro, R. & Azevedo, I.: Chronic inflammation in obesity and the metabolic syndrome. Mediators Inflamm 2010 Jul. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20706689, abgerufen am 30.12.19

Verband für Ernährung und Diätetik (VFED): Adipositas in der Ernährungsberatung. VFED Aachen 2011.

Zimmermann M, Schurgast H & Burgerstein U: Burgerstein – Handbuch Nährstoffe. 12. Auflage. Trias Verlag, Stuttgart 2012.

 

Traditionelle Thai Massage

Thai Massage wird seit über 2.200 Jahren in Thailand praktiziert

Thai Massage: Effektiv bei Verspannungen, Kopfschmerzen und Wassereinlagerungen 

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie wird bei Beschwerden wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Verdauungsproblemen angewendet. Was die Thai Massage ist und für wen das Verfahren geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Thai Massage: Yoga für Geist und Körper

Ursprung und Ausbildung der Thai Massage

Die Traditionelle Thai Massage hat ihren Ursprung in der indischen Ayurveda und hat sich zu einem eigenen Massagesystem in Thailand weiterentwickelt. Dort wird die Thai Massage vermutlich schon seit dem dritten oder zweiten Jahrhundert vor Christus praktiziert.

Ähnlich wie in der Tibetischen Medizin kann die Traditionelle Thai Massage auf verschiedene Weise erlernt werden.

„In Thailand kennt eigentlich jeder Thai die Grundzüge der Thai Massage und kann sie anwenden. Wir haben das sozusagen im Blut“, meint Frau Rimkhong Hahn und lacht dabei. Die gebürtige Thailänderin betreibt seit rund vier Jahren eine Massagepraxis in Göppingen, in Baden Württemberg.

Sie selbst hat die Thai Massage zunächst von ihrer Großmutter erlernt und hat anschließend eine Berufsfachschule in Bangkok besucht, dem Wat Po Institut. Dort hat sie die Theorie und Praxis der Thai Massage bei gesundheitlichen Beschwerden und bei Krankheiten kennengelernt: Die Thailänder sehen die Traditionelle Thai Massage als wichtigen Bestandteil zur Vorbeugung von Krankheiten und Dysbalancen an und grenzen die Prävention von der Behandlung gesundheitlicher Beschwerden ab.

Während es in Thailand verschiedene Berufsfachschulen gibt, um ein Diplom zu erlangen, gewinnt die Ausbildung der Thai Massage in Europa erst langsam an Bedeutung. Erlernbar sind die Techniken in Deutschland zum Beispiel in Köln, Berlin und München. Darüber, dass die Techniken der Traditionellen Thai Massage in Seminaren und Workshops innerhalb von drei bis 14 Tagen erlernbar sind, müssen erfahrene Fachkräfte ein wenig schmunzeln. Die Mitarbeiterin von Frau Hahn, ebenfalls eine gebürtige Thailänderin, räumt aber ein, dass man bestimmte Grundtechniken der Thai Massage in einigen Tagen oder wenigen Wochen erlernen kann. Um das volle Spektrum zu erlernen, bedarf es hingegen viele Jahre.

„Wir praktizieren die Traditionelle Thai Massage schon seit über 20 Jahren und lernen immer noch Neues hinzu. Gerade bei kranken Menschen müssen wir vorsichtig sein, denn die Thai Massage ist nicht für alle Menschen geeignet. Bei Entzündungen und Knochenbrüchen sollte man sie zum Beispiel nicht anwenden.“, meinen die beiden Frauen.

In Thailand wird die Thai Massage nicht nur von Frauen ausgeübt. Es ist ein Beruf, der von Frauen und Männern gleichermaßen praktiziert wird. Allerdings ist der Frauenanteil etwa höher als der von Männern.

Ganzheitliche Behandlung des Menschen

Störungen erkennen und beheben

In Thailand gehen die Menschen davon aus, dass der menschliche Körper von einem energetischen Netz durchzogen wird, welches aus zehn Energielinien besteht. Mithilfe von Dehnung und Druck wird dieses energetische Netz beeinflusst und Blockaden aufgelöst, sodass die Energie in Folge ungehindert fließt.

Die praktische Durchführung der Thai Massage erinnert an eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur, weswegen sie auch als Thai Yoga Massage bezeichnet wird: Strecken, Dehnen, Gelenkmobilisation und die Massage bestimmter Druckpunkte wird mit rhythmischen Bewegungen und Druck der Hände, Daumen, Ellenbogen und Füßen durchgeführt.

Für Behandler und Klienten hat die Thai Massage gleichermaßen einen meditativen Effekt berichtet Frau Rimkhong Hahn. „Ich spüre wenn es an irgendeiner Stelle des Körpers Knoten gibt, die den Energiefluss stören. Diese Störung behandle ich so lange und auf verschiedene Art und Weise, bis die Energie wieder ungestört fließen kann.“

Zwar bieten viele Thai Massagepraxen mittlerweile wie im Westen oft üblich klassische Rücken- und Nackenmassagen an. Traditionell arbeitende Thai Masseure halten diese Form der Massage aber für unzureichend, da die Energiebahnen den gesamten Körper durchziehen und sich nicht ausschließlich auf einzelne Körperpartien beschränken. So werden beispielsweise bei Magenbeschwerden bestimmte Punkte auf den Fußsohlen behandelt, da sie durch Energiebahnen mit den Verdauungsorganen verbunden sein sollen.

Eine klassische Traditionelle Thai Massage ist daher eine Massage vom Kopf bis zum Fuß. Sie dauert mindestens eine Stunde und kann bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen.

Im Anschluss an eine Thai Massage sollte immer viel getrunken werden, mindestens 1,5 Liter, da die Massage den Lymphfluss aktiviert und leicht entwässernd wirken. Wasser und ungesüßter Kräutertee sind hierfür am besten geeignet.

Die meisten Menschen in Thailand sind Buddhisten

Thai Massage für alle?

Die Traditionelle Thai Massage wird präventiv zur Vorbeugung von bestimmten Erkrankungen angewendet. Sie eignet sich auch zur Behandlung und Linderung vieler Beschwerden und wird durch die lange Erfahrung etwa bei Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Tinnitus und Schlafstörungen angewendet.

Aus wissenschaftlicher Sicht, kann die Thai Massage durch die durchblutungsfördernde Wirkung etwa zur Entspannung der Muskulatur beitragen und den Lymphfluss verbessern. Durch die passiven Yogaübungen wird das Körpergefühl gestärkt und die Körperhaltung wird verbessert.

Bei bestimmten Erkrankungen sollte die Thai Massage aber nicht oder nur in abgeschwächter Form angewendet werden. Grund hierfür ist, dass sich die gesundheitlichen Beschwerden durch die Massage weiter verschlimmern, oder neue Symptome hinzukommen könnten. Einen guten Thai Masseur erkennt man unter anderem daran, dass vor der Massage die Frage nach Erkrankungen und Beschwerden gestellt wird.

Bei Patienten mit Bluthochdruck werden erfahrene Thai Masseure Vorsicht walten lassen: Durch die körperliche Anstrengung und die Förderung der Durchblutung, kann der Blutdruck weiter in die Höhe schnellen. Schwindel und Kopfschmerzen sind dann häufig die Folge. Auch schlimmere Folgen für Herz und Kreislauf sind möglich, zum Beispiel ein Schlaganfall.

Nicht durchgeführt werden sollte die Thai Massage bei Fieber, Infekten und Entzündungen im Körper: Durch die aktivierende Wirkung des Stoffwechsels, könnte sich die Erkrankung weiter verschlimmern. Auch bei Knochenbrüchen und Krebserkrankungen sollte auf eine Thai Massage verzichtet werden.

Erkrankungen wie Migräne, Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck sind zwar per se kein Ausschlusskriterium für eine Thai Massage: Die Massage wird dann aber zumeist in abgeschwächter Form und mit weniger Druck auf die jeweiligen Energiepunkte ausgeübt. Hierfür gibt es mehrere Gründe: durch die aktivierende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel kann eine intensiv durchgeführte Massage die Durchblutung und dadurch die Beschwerden verschlimmern. Weitere gesundheitliche Dysbalancen können dann die Folge sein. Zudem ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln – die Thai Massage kann hierbei unterstützend mitwirken.

Erotikmassage hat nichts mit Thai Massage zu tun

Verwechselung mit Prostitution 

Nicht nur in Deutschland wird die Thai Massage oft mit einer Erotikmassage verwechselt. Richtig ist zwar, dass manche thailändische Frauen aufgrund von ökonomischen Notlagen Erotikmassagen durchführen – und zwar auch unter dem „Deckmantel“ der Thai Massage. Dies wirft allerdings ein völlig verkehrtes Licht auf diejenigen Personen, die eine Berufsausbildung zum Thai Masseur absolviert haben und ist auch vom Grundsatz her falsch – von der Demütigung der angesprochenen Frauen ganz zu schweigen.

Speziell für Thailänderinnen, die nach Deutschland kommen und sich eine berufliche Existenz aufbauen wollen, stellt die Erfahrung von Anfragen für eine Erotikmassage oft ein Schock dar: Die positive Einstellung für Land und Leute kehrt sich dann nicht selten ins Gegenteil um. Neben der zunehmenden Angst vor Männern, entwickeln sich bei einigen Frauen nach und nach Depressionen und Paniksymptome, sodass sie schlussendlich kaum noch oder nicht mehr dazu in der Lage sind ihren Beruf auszuüben.

Zusammenfassung

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie zielt darauf ab, den Energiefluss innerhalb des Körpers ohne Störungen zu erhalten oder wieder herzustellen. Dementsprechend sollen Blockaden mit Hilfe der Thai Massage behoben werden, die zum Beispiel bei Verspannungen und Kopfschmerzen bestehen. In Thailand und anderen Ländern wird die Thai Massage zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden angewendet.

Grundkenntnisse über die Durchführung der Thai Massage können in Seminaren in Deutschland erworben werden. Für das Erlernen der professionellen Durchführung sind hingegen oft viele Jahre notwendig. Ausgebildete Fachkräfte verfügen über medizinische Kenntnisse und berücksichtigen dieses Wissen bei kranken Menschen. Nicht angewendet werden sollte die Thai Massage etwa bei Fieber und Entzündungen. Zudem müssen Menschen mit bestimmten Krankheiten wie Diabetes vorsichtig sein, um eine überschießende Reaktion des Stoffwechsels zu vermeiden. Ausgebildete Thai Masseure fragen daher nach Vorerkrankungen und passen die Massage auf den Gesundheitszustand und die Bedürfnisse der Personen an.

Danksagung

Dieser Bericht basiert auf einem Interview mit Frau Rimkhong Hahn aus Göppingen. Für ihre wertvollen Einblicke und Informationen in die Traditionelle Thai Massage möchte ich ihr herzlich Danken.

Grüner Tee

Grüner Tee

Camellia sinensis

Am Fuße des Himalayas liegt eine Stadt, deren Name zum Synonym für hochwertigen Tee wurde: Darjeeling.

Schon die Anfahrt zu der nordindischen Stadt Darjeeling ist ein Erlebnis; Denn diese liegt auf über 2.000 Metern über dem Meer und bevor Sie den Ort erreichen, durchqueren Sie erst einmal unzählige Teeplantagen und genießen einen atemberaubenden Ausblick. Bei gutem Wetter wirkt der Anblick der schneebedeckten Felsen des Himalayas nahezu majestätisch. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, weswegen sich während der Kolonialzeit viele Briten hier niederließen. Die Kolonialherren und -frauen sind längst verschwunden. Dennoch fühlt man sich ein bisschen in diese Zeit zurückversetzt, wenn man über den großen Marktplatz, den Chowrasta, schlendert oder in einem der zahlreichen Teehäusern eine Tasse des köstlichen Heißgetränks genießt.

Eine Einladung zum Verweilen

Teegeschäfte gibt es in Darjeeling unzählige. In vielen können Sie nicht nur lose oder abgepackte Teeblätter kaufen, oft gibt es zudem Sitzmöglichkeiten sowie eine umfangreiche Karte mit verschiedensten Teesorten, die man vor Ort probieren kann. 

 Teegenuss im ersten Öko-Staat der Welt

Ein bisschen weiter nördlich befindet sich der bislang einzige Öko-Bundesstaat der Welt: Sikkim. Dort liegt die vergleichsweise kleine, aber sehenswerte TemiTea-Plantage. Hier können Sie – wie bei vielen Produktionsstellen in der Region – eine Besichtigung unternehmen, sich die Herstellung von Grünem und Schwarzem Tee erklären lassen und anschließend verschiedene Sorten probieren.

Unabhängig davon, welcher Tee Ihnen am besten schmeckt, entstammen beide Sorten derselben Pflanze mit dem botanischen Namen Camellia sinensis. Der Unterschied zwischen den Sorten besteht darin, dass Grüne Teeblätter nicht fermentiert (vergärt) sind. Gemeinhin gilt Grüner Tee als gesünder als sein schwarzer Verwandter.  

 

Wanderpfad durch einen Rhododendronwald im Himalaya

Grüne Teeblätter stecken voller sekundärer Pflanzenstoffe

Eine Besonderheit der Grünen Teeblätter liegt in der spezifischen Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe. Sie enthalten zum Beispiel:

  • Alkaloide, wie anregendes Koffein
  • Sekundäre Pflanzenstoffe, wie das antioxidative Epigallocatechingallat (EGCG) und andere Gerbstoffe
  • Spurenelemente, wie Flourid

Die Menge des Inhaltsstoffgemischs ist stark von dem Klima und den vorherrschenden Bodeneigenschaften abhängig.

Grüner Tee in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Zu medizinischen Zwecken werden die Auszüge aus Grünen Teeblättern bei zwei Anwendungsgebieten einsetzt:

  • Sie vertreiben Müdigkeit
  • Sie wirken Kraftlosigkeit entgegen
Anwendungsbereiche aufgrund erster Studienlage

Zu den Effekten von Grünem Tee existieren viele Studien, bei denen der Extrakt vielversprechende Ergebnisse erzielte. Ob sich diese Resultate auf die Allgemeinheit übertragen lassen, muss jedoch noch gezeigt werden. So scheint eine positive Wirkung von Grünem Tee zum Beispiel zu bestehen, wenn Sie:

  • Demenzerkrankungen vorbeugen wollen (innere Anwendung)
  • Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen vorbeugen möchten (innere Anwendung)
  • Ihre festen Knochen bis ins hohe Alter erhalten wollen (innere Anwendung)
  • übergewichtig sind und abnehmen möchten (innere Anwendung)
  • Durchfall haben, ohne dass eine Infektion Ursache für Ihre Beschwerden ist (innere Anwendung)
  • aufgrund einer Erkrankung wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder durch eine Verletzung an einer juckenden, entzündeten Haut leiden (äußere Anwendung)
  • einen leichten Sonnenbrand haben (äußere Anwendung)

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz getrockneter Grüner Teeblätter

 

Grüne Teeblätter

Einzelportion

2 Gramm

Tagesmenge

6-11 Gramm

Einsatz als

Tee, Umschlag

Grüne Teeblätter können Sie in jedem Supermarkt kaufen.

Basisrezepte mit Grünen Teeblättern

Grüner Tee für jeden Tag

Übergießen Sie für eine Portion einen Teelöffel getrocknete Grüne Teeblätter (zwei Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blätter, einen Teefilter oder ein Teeei verwenden. Den Tee zudecken und drei bis fünf Minuten ziehen lassen, dann die Blätter absieben.

Genießen Sie täglich zwischen drei bis fünf Tassen Grünen Tee.

Grüner Tee bei Durchfall

Bereiten Sie den Grünen Tee wie im Rezept „Grüner Tee für jeden Tag“ zu. Lassen Sie die Blätter acht bis zehn Minuten ziehen, bevor Sie sie abseihen und das zubereitete Getränkt zu sich nehmen.

Grüner Tee juckender, wunder Haut

Bereiten Sie den Grünen Tee ebenfalls wie im Rezept „Grüner Tee für jeden Tag“ zu. Lassen Sie die Blätter zehn Minuten ziehen, dann filtern Sie diese ab. Geben Sie dem Extrakt ein wenig Zeit zum Abkühlen, bis er lauwarm oder kalt ist. Danach tränken Sie ein kleines Handtuch, einen Waschlappen oder ein Stück Mull in der Flüssigkeit. Anschließend auswringen, auf die betroffene Stelle legen und zum Beispiel mit einem trockenen Handtuch, einem Schlauchverband oder einer Mullbinde befestigen. Wechseln Sie den Verband mehrmals täglich.

Der Grüne Tee als Lebensmittel

Grüner Tee ist ein Lebensmittel und als solches in der Europäischen Union zugelassen. Erhältlich ist dieser als lose Ware, abgepackt in Teebeuteln und als Nahrungsergänzungsmittel.

Eine Besonderheit: Grüner Tee ist besonders reich an Fluorid. Der Genuss von einem Liter Grüntee deckt bis zu 50 Prozent des Tagesbedarfs an dem Spurenelement. Flourid ist wichtig für den Zahnschmelz, weil es dabei hilft, Mineralien in die Zähne einzubauen und die Zähne so härter macht.

 

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Die richtige Menge und der richtige Einsatz

Grüne Teeblätter werden in Europa in getrockneter Form hauptsächlich für die Herstellung von Tees verwendet und der tägliche Genuss von bis zu fünf Tassen Grüntee gilt als gesund. 

Nichts desto trotz gibt es auch Negativschlagzeilen zum Grünen Tee. Diese beziehen sich weniger auf das Getränk an sich, sondern vielmehr auf die Herstellungsverfahren, mögliche Schadstoffbelastungen und Verunreinigungen. Welche Sorten gut abschneiden und in vollen Zügen genossen werden können, erfahren Sie zum Beispiel auf den Seiten der Stiftung Warentest.

Abzuraten ist nach derzeitigem Kenntnisstand hingegen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Grünem Tee oder dessen Extrakt. Das Problem: Diese speziellen Erzeugnisse sind nach dem Lebensmittelrecht zugelassen. Dadurch gibt es deutlich weniger Kontrollen hinsichtlich der Qualität. Auch Studien zur Wirksamkeit müssen nicht durchgeführt werden. Zudem häufen sich in der letzten Zeit Fälle, in denen Nahrungsergänzungsmittel, die als Grünteeextrakt deklariert waren, mit gesundheitsgefährdenden Substanzen gemischt wurden. Darüber hinaus ist von einer Einnahme hochdosierter Grünteeextrakte aus einem anderen Grund abzuraten: Denn in sehr großen Mengen könnten sich die positiven Effekt des Getränks ins Gegenteil umkehren.

Grüner Eistee

Zutaten für 4 Portionen

✦ 4 Teelöffel Grüner Tee ✦ 5 Limetten ✦ 4 frische Pfefferminzblätter ✦ 1 Liter Wasser

  • Überbrühen Sie die Grünen Teeblätter mit kochend heißem Wasser. Den Tee zudecken und drei Minuten ziehen lassen, dann die Blätter abseihen.
  • Die Limetten auspressen und den Saft dem Tee hinzufügen. In den Kühlschrank stellen.
  • Beim Servieren mit einem frischen Pfefferminzblatt dekorieren.

Schmeckt herrlich erfrischend. Im Winter können Sie den Tee auch heiß genießen.

Die unerwünschten Wirkungen des Grünen Tees als Arzneimittel

Wenn Sie von einem Magen- oder Darmgeschwür oder Herz-Kreislaufbeschwerden betroffen sind, an einer anderen Magen-, Nieren- oder der Bluterkrankheit (Hämophilie) leiden oder andere Arzneien einnehmen, halten Sie vor der Anwendung Rücksprache mit Ihrem Arzt. Gleiches gilt für Jugendliche unter 18 Jahren und in der Schwangerschaft.

Literatur und Quellen

Chohen PA. et al. Presence of banned drugs in dietary supplements following FDA recalls. JAMA 2014:312:1691-3

Ernährungs-Umschau. Grüner Tee gegen Übergewicht? Internetportal 2005. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/01-03-2005-gruener-tee-gegen-uebergewicht/, Zugriff am 04.12.2018

Ernährungs-Umschau. Inhaltsstoffe von Grün- und Schwarztee. Internetportal 2013. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/16-01-2013-inhaltsstoffe-von-gruen-und-schwarztee/, Zugriff am 04.12.2018

Ernährungs-Umschau. Studie bestätigt positive Wirkung von Antioxidantien im Tee. Internetportal 2002. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/13-05-2002-studie-bestaetigt-positive-wirkung-von-antioxidantien-im-tee/, Zugriff am 04.12. 2018

Ernährungs-Umschau. Tee für starke Knochen. Internetportal 2002. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/25-07-2002-tee-fuer-starke-knochen/, Zugriff am 04.12.2018

European Medicines Agency (EMA). Community herbal monograph on Camellia sinensis (L.) Kuntze, non fermentatum folium. Internetportal 2013. https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-camellia-sinensis-l-kuntze-non-fermentatum-folium_en.pdf, Zugriff am 01.12.2018

Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Der vorliegende Artikel wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

 

Nährstoffbedarf: überbewertet oder wichtig?

Nährstoffbedarf: überschätztes Thema oder wichtige Grundlage für eine gute Gesundheit? 

Nährstoffe: Einflüsse und Bedarf

Nährstoffe sind Substanzen, die Lebewesen brauchen, um gesund zu bleiben oder gesund zu werden. Sie werden vom Körper aufgenommen und im Stoffwechsel verarbeitet. Wer den Bedarf an Nährstoffen festlegt, wie dieser bestimmt wird und warum einige Menschen einen höheren Bedarf als andere haben, erfahren Sie in diesem Artikel. 

Nährstoffbedarf und Zufuhrempfehlungen

Was sich hinter dem Nährstoffbedarf verbirgt

Der Nährstoffbedarf ist die tägliche Mindestmenge an Nährstoffen, die der Körper benötigt, um seine Funktionen optimal zu erfüllen, zum Beispiel um gesund und leistungsfähig zu bleiben, zu wachsen und für Vermehrung. Der Nährstoffbedarf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und verändert sich im Laufe des Lebens. Auch verschiedene Einflussfaktoren verändern den Nährstoffbedarf, etwa Krankheit, Alkoholkonsum und Stress.

Info! Nährstoffe sind Bausteine des Lebens. Es handelt sich um chemische Elemente wie Eisen und Kupfer oder um Verbindungen wie Eiweiß und Fett.

Eingeteilt werden Nährstoffe in:

  • energieliefernde Nährstoffe: (Proteine (Eiweiße), Fette, Kohlenhydrate und (neuerdings) Ballaststoffe sowie
  • nicht energieliefernde Nährstoffe: Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Wasser
Naturbelassene Lebensmittel sind besonders nährstoffreich

Zufuhrempfehlungen: ausreichend für alle Menschen?

Die Empfehlung für die tägliche Zufuhr von Nährstoffen wird festgelegt, indem der durchschnittliche Bedarf innerhalb einer Bevölkerungsgruppe berechnet wird. Beispiele hierfür sind Säuglinge im Alter zwischen 0 bis unter 4 Monate und stillende Frauen. Zudem können die Zufuhrempfehlungen (auch Referenzwerte genannt) von Land zu Land, auf verschiedenen Erdteilen und manchmal sogar innerhalb eines Landes schwanken. Ein Grund hierfür ist, dass es verschiedene Fachgesellschaften gibt: Die Berücksichtigung nationaler und internationaler Studien fließen etwa in die Berechnung des Nährstoffbedarfs ein. Auch klimatische, geographische und kulturelle Einflussfaktoren sowie die Aktualität von Studien und deren Interpretation haben einen Einfluss auf die Zufuhrempfehlung von Nährstoffen. 

Info! Die tägliche Zufuhrempfehlung richtet sich ausschließlich an gesunde Menschen. Sie berücksichtigt zudem einen Sicherheitszuschlag für Nährstoffe, um der Gefahr eines möglichen Mangels vorzubeugen. Bei einigen Krankheiten wie bei Durchfall, durch die Einnahme bestimmter Medikamente wie „die Pille“ und bei intensivem Ausdauersport kann sich der Nährstoffbedarf jedoch ändern und abfallen oder ansteigen. Veränderungen des Bedarfs bilden die Referenzwerte aber nicht ab. Daher ist eine Auseinandersetzung mit den Nährstoffen in bestimmten Lebensphasen sinnvoll.

Wer die Zufuhrempfehlungen festlegt

In den deutschsprachigen Ländern bilden die sogenannten D-A-CH-Referenzwerte der Gesellschaften für Ernährung die Grundlage für die Empfehlung für die Nährstoffzufuhr. „D-A-CH“ ist die Abkürzung für drei Länder, namentlich D = Deutschland, A = Österreich und CH = Schweiz. Zudem gibt es Fachkommissionen, die weltweit Zufuhrempfehlungen herausgeben wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Food and Agriculture Organization (FAO), The Nordic Nutrition Recommendations (NNR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). 

Im deutschsprachigen Raum gelten meistens die Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) und Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE). Meistens stimmen die Zufuhrempfehlungen der Gesellschaften für Ernährung überein, jedoch nicht in jedem Fall. Eine abweichende Empfehlung gibt es beispielsweise für den Mikronährstoff Jod: Hier gelten in Deutschland und Österreich die selben Empfehlungen. Die SGE orientiert sich hingegen an den Zufuhrempfehlungen der WHO und schlägt daher andere tägliche Einnahmen vor.

Einen zunehmenden Einfluss auf die Zufuhrempfehlungen hat darüber hinaus die EFSA.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Die DGE verfolgt im wesentlichen zwei Ziele: Die Gesellschaft will ernährungswissenschaftliche Forschung unterstützen und die vollwertige Ernährung durch Ernährungsberatung und Ernährungserziehung fördern. Diese Ziele setzt die DGE mit verschiedenen Maßnahmen um. Eine der Maßnahme ist die Herausgabe der D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr.

Für gesunde Menschen bilden die Referenzwerte eine gute Grundlage, um sich ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, und der Entstehung bestimmter Krankheiten vorzubeugen sowie eine Überversorgung zu verhindern. 

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Auf europäischer Ebene spielt neben den nationalen Gesellschaften für die Ernährung die EFSA eine Rolle. Wie die DGE gibt die Behörde Referenzwerte für die Nährstofffzufuhr heraus, die sich an gesunde Menschen richten.

Die Refernzwerte der EFSA kennen Verbraucher oft von Werten auf Lebensmittelverpackungen oder auf der Verpackung von Nahrungsergänzungsmitteln. In Nährwerttabellen kann abgelesen werden, wie hoch die prozentuale Menge eines Nährstoffes wie Fett, Eiweiß und Salz in einer bestimmten Menge (zum Beispiel 100 Gramm, 250 Milliliter, 1 Tablette (bei Nahrungsergänzungsmitteln)) des Lebensmittels enthalten ist. Da viele Pflanzenstoffe wie zum Beispiel die Extrakte aus Kamillenblüten nicht als Nährstoffe eingestuft werden, gibt es für sie keine Referenzwerte.

Menschen brauchen unterschiedliche Nährstoffmengen

Einflussfaktoren auf den Nährstoffbedarf

Alter und Nährstoffbedarf

Der Nährstoffbedarf ändert sich natürlicherweise im Laufe des Lebens. Säuglinge, Kinder und Jugendliche haben andere Bedürfnisse an Nährstoffen als Erwachsene und Senioren. 

Säuglinge, Kinder und Jugendliche

Während der ersten drei Lebensmonate brauchen Säuglinge bezogen auf das Körpergewicht rund 3mal so viel Eiweiß wie eine Jugendliche im Alter von 17 Jahren. Das bedeutet, dass der Eiweißbedarf mit steigendem Lebensalter nach und nach absinkt. Während ein Säugling im Alter von vier bis elf Monaten noch zwischen 1,1 bis 1,3 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht braucht, sind es ab dem 4. Lebensjahr „nur“ noch 0,9 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. So wie mit dem Eiweiß verändert sich der Bedarf bei vielen Nährstoffen mit steigendem Alter: Um sich entwickeln zu können, zu lernen und zu wachsen brauchen Säuglinge, Kinder und Jugendliche im Vergleich zu Erwachsenen von einigen Nährstoffen mehr, zum Beispiel Kalzium, Vitamin C und Vitamin D.

Erwachsene und Senioren

Ab dem vollendeten 19. Lebensjahr gilt ein Mensch in Deutschland als Erwachsen. Die meisten Referenzwerte für Nährstoffe in Ratgebern, Sachbüchern und Artikeln beziehen sich auf die Lebensphase im Erwachsenenalter. Ist etwa von einem täglichen Eiweißbedarf von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht die Rede, ist damit in der Regel eine erwachsene Person im Alter zwischen 19 und 64 Jahren gemeint. Ältere Menschen ab dem 65. Lebensjahr und unter 19. Jährige haben hingegen einen höheren Eiweißbedarf. Eine Ausnahme bilden weibliche Jugendliche: für sie gelten im Alter zwischen 15 und unter 19 Jahren der selbe Referenzwert wie für 19 bis 64 jährige.

Der Nährstoff Eiweiß ist nur ein Beispiel von vielen. Wichtig zu wissen ist zudem, dass die Fähigkeit des Körpers zur Nährstoffaufnahme mit steigendem Alter sinkt (etwa ab dem 65. Lebensjahr). Betroffen ist etwa um den Nährstoff Vitamin B12, weswegen Senioren einen erhöhten Bedarf haben können. Als kritisch sieht die DGE die Ernährungssituation von pflegebedürftigen älteren Menschen: Mehr als die Hälfte nehmen mit der Nahrung zu wenig Ballaststoffe, Kalzium, Vitamin D und Vitamin E zu sich, was langfristig die Entstehung von Mangelernährung und anderen Folgen begünstigen kann.

Info! Um zu erfahren, ob ein erhöhter Nährstoffbedarf besteht, sollte eine Ärztin oder ein Arzt befragt werden. In medizinischen Praxen können bei Verdacht auf eine Über- oder Unterversorgung entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden. Die Nährstoffversorgung kann etwa durch Bluttests oder Untersuchungen des Urins ermittelt werden.

Geschlecht: Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Es gibt zahlreiche Nährstoffe zu denen sich die Toleranzgrenze und der Bedarf von Frauen und Männern unterscheidet, darunter zum Beispiel die Vitamine Niacin (ein B-Vitamin), Vitamin B6, Vitamin C sowie Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Zink. Besonders stark ausgeprägt sind die Unterschiede beim Alkohol und bei Eisen.

Alkohol

Während gesunde Frauen täglich maximal 10 Gramm Alkohol pro Tag zu sich nehmen können, ohne gesundheitliche Schäden zu erleiden, sind es bei Männern höchstens 20 Gramm pro Tag. 10 Gramm Alkohol sind beispielsweise in 250 Milliliter Bier enthalten.

Eisen

Ab dem Zeitpunkt der Menstruation steigt der Eisenbedarf von Frauen stark an. Erwachsene Frauen brauchen täglich rund 1/3 mehr Eisen als Männer. Nach der hormonellen Umstellungsphase (Wechseljahre) und der letzten Regelblutung gleicht sich der Eisenbedarf von Frauen und Männern wieder an.

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere und stillende Frauen haben besondere Nährstoffbedürfnisse: Sie benötigen mehr Energie in Form von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten, sowie bestimmte Mikronährstoffe.

Vor und zu Beginn der Schwangerschaft ist das B-Vitamin Folsäure von großer Bedeutung. Zudem haben Schwangere einen erhöhten Bedarf zum Beispiel an B-Vitaminen, Vitamin C, Vitamin E, Eisen, Jod, Zink und der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA).

Auch in der Stillzeit kann ein erhöhter Bedarf an bestimmten Mikronährstoffen bestehen. Betroffen sind insbesondere Jod, Eisen, Zink, Kalzium, Magnesium, Vitamin D und B-Vitamine. 

Krankheiten können den Nährstoffbedarf verändern

Nährstoffbedarf bei Krankheiten

Bestimmte Erkrankungen können den Nährstoffbedarf beeinflussen. Faktoren sind beispielsweise:

Verringerte Aufnahme

Erkrankungen der Verdauungsorgane können zu einer Verschlechterung der Aufnahme bestimmter Nährstoffe führen und so die Entstehung eines oder mehrerer Nährstoffmängel begünstigen. Beispiele hierfür sind Eisenmangel bei unbehandelter Zöliäkie, ein Mangel an B-Vitaminen, Vitamin D, Kalzium, Magnesium, Eisen und anderen Nährstoffen bei einer Chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie ein Vitamin B12-Mangel bei einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis).

Gesteigerter Verbrauch

Bestimmte Erkrankungen steigern den Verbrauch von Nährstoffen. Krebspatienten können während einer Therapie beispielsweise einen erhöhten Energiebedarf an Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß entwickeln. Auch eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion kann einen Mehrbedarf an Nährstoffen verursachen. Zudem können entzündliche Erkrankungen wie Gicht und Schuppenflechte einen erhöhten Bedarf an antioxidativen Mikronährstoffen wie Vitamin C und Vitamin E verursachen. 

Erhöhte Ausscheidung

Erkrankungen wie Durchfall können zu einer gesteigerten Ausscheidung von Mineralien führen. Durch die gesteigerte Darmtätigkeit verliert der Körper neben Wasser Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Zink. Durchfall kann akut oder chronisch auftreten. Zu akutem Durchfall kommt es beispielsweise durch einen Magen-Darm-Infekt oder eine Lebensmittelvergiftung. Chronischer Durchfall tritt etwa bei Lebensmittelunverträglichkeiten wie bei Fruchtzuckerunverträglichkeit auf, bei Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie, Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Darmkrebs und bei Schilddrüsenüberfunktion.

Verminderte Ausscheidung

Einige Erkrankungen wie zum Beispiel bei Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) werden bestimmte Nährstoffe wie Eiweiß, Kalium und Kalzium schlechter ausgeschieden. Grund hierfür ist, dass die schwachen Nieren es nicht mehr schaffen einen Überschuss der Nährstoffe auszusondern. Aus diesem Grund sollten Menschen mit einer Niereninsuffizienz zudem vorsichtig bei der Einnahme von Vitamin D-Präparaten sein: Vitamin D steigert die Kalziumaufnahme in den Körper und kann den Blutspiegel dadurch noch weiter erhöhen. Nierenpatienten sollten die Einnahme von Nährstoffpräparaten generell mit der Ärztin oder dem Arzt absprechen.

Info! Krankheiten, die zu Veränderungen des Nährstoffbedarfs führen, sollten immer ursächlich und ärztlich behandelt werden.

Medikamenteneinnahmen haben oft einen Einfluss auf den Nährstoffbedarf

Medikamente können den Nährstoffbedarf verändern

Die Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln können den Nährstoffbedarf beeinflussen. Wird das Spurenelement Zink etwa in größeren Mengen ergänzt, hemmt es die Aufnahme von Kupfer. 

Beispiele für Faktoren, die einen Einfluss auf die Nährstoffversorgung haben sind:

Schlechte Aufnahme

Manche Medikamente hemmen die Aufnahme bestimmter Nährstoffe und können dadurch einen Mangel verursachen. Ein Beispiel hier ist das Medikament Colestyramin, das zur Senkung vom Cholesterinspiegel angewendet wird. Colestyramin hemmt die Fettverdauung, was bei langfristiger Einnahme zu einem Mangel an fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A, D, E und K führen kann. Ein weiteres Beispiel ist das Diabetesmedikament Metformin: Metformin ist ein wichtiges Arzneimittel für die Blutzuckerregulation. Es kann jedoch die Aufnahme von Vitamin B12 stören.

Verringerte Ausscheidung

Einige Medikamente wie zum Beispiel Entwässerungsmedikamente aus der Gruppe der Thiazide und Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer hemmen die Kalziumausscheidung über die Nieren. Dadurch bleibt das Kalzium im Blut, sodass es zu einem Kalziumüberschuss im Blut kommt. In Folge kann sich der Mineralstoff im Körper anreichern und zu Schäden wie zu Harnsteinbildung und einer Verkalkung von Lungen, Nieren und Unterhautgewebe kommen.

Herabgesetzte Wirksamkeit

Es gibt zahlreiche Medikamente, die ihre Wirksamkeit verändern, wenn sie zusammen mit bestimmten Nährstoffen eingenommen werden. Beispiele hierfür sind Herzmedikamente mit Wirkstoffen wie Digitoxin und Digoxin, die bei Herzschwäche oder Vorhofflimmern angewendet werden. Werden diese Medikamente zusammen mit Kalium eingenommen, wird die Medikamentenwirkung herabgesetzt. Ein weiteres Beispiel ist das Schilddrüsenmedikament L-Thyroxin: Wird es zusammen mit Eisen und Kalzium aufgenommen, hemmen die Mineralstoffe die Aufnahme des Medikaments. Daher sollte L-Thyroxin immer nüchtern eingenommen werden. Auch Magnesium und viele andere Mikronährstoffe können die Wirksamkeit von Medikamenten herabsetzen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Packungsbeilage eines Medikaments genau zu lesen oder sich informieren zu lassen, etwa von einer Apothekerin oder einem Apotheker.

Reduzierte körpereigene Bildung

Medikamentenwirkstoffe wie zum Beispiel bestimmte Cholesterinsenker (Statine) können die körpereigene Bildung von Coenzym Q10 hemmen. Der Grund hierfür ist, dass Cholesterin und Coenzym Q10 das selbe Enzym für die Bildung brauchen.

Welche Einflüsse der Lebensstil auf den Nährstoffbedarf haben kann

Zum Lebensstil gehören Faktoren wie Ernährung, Bewegung aber auch Stress und Alkoholkonsum. Die Ernährungsweise verändert den Bedarf nicht – sie beeinflusst die Versorgung mit Nährstoffen. Einflussfaktoren, die auf den Bedarf wirken können sind zum Beispiel:

Körperliche Aktivität und Sport

Durch eine starke körperliche Aktivität im Beruf oder durch Sport steigt der Energiebedarf insgesamt an. Je nach Art der Betätigung erhöht sich auch der Bedarf bestimmter Mikronährstoffe, wie zum Beispiel Magnesium. Ausdauersportler verlieren zudem durch Schwitzen vermehrt Mineralstoffe wie zum Beispiel Natrium, Kalium und Magnesium. 

Stress

Stress hat zahlreiche Auswirkungen auf die Psyche und den Körper. Unter anderem wird das Immunsystem durch Stress beeinflusst, was einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen nach sich ziehen kann. Betroffen sind zum Beispiel Vitamine wie Vitamin C und Vitamin E.

Rauchen

Raucher haben einen erhöhten Verbrauch an bestimmten Mikronährstoffen wie zum Beispiel Vitamin C, Vitamin E und Selen. Daher steigt der Bedarf. Andererseits steigt bei Rauchern auch das Risiko für die Gefahr von Hirnblutungen und für Lungenkrebs, wenn sie zu hohe Mengen Vitamin E einnehmen. Mehr als 50 Milligramm Vitamin E sollten Raucher daher täglich nicht zu sich nehmen.

Alkohol

Wer mehr als Alkohol trinkt als der Körper tolerieren kann, riskiert neben gesundheitlichen Schäden zudem einen Mangel an bestimmten Nährstoffen. Grund hierfür ist, dass viele Vitamine und Mineralstoffe verstärkt ausgeschieden oder nicht vollständig verwertet werden können. Betroffen sind zum Beispiel B-Vitamine, Vitamin D, Vitamin A, C und E und Mineralstoffe sowie Spurenelemente wie Magnesium, Zink und Selen.

Alkohol kann den Nährstoffbedarf stark beeinflussen

Nährstoffbedarf und Genetik

Neben dem Grundumsatz, der körperlichen Aktivität und der Thermogenese nach Nahrungszufuhr haben auch die Gene einen Einfluss auf den täglichen Nährstoffbedarf. Das bedeutet, dass der Energiebedarf eines jeden Menschen unterschiedlich ist und erklärt, weshalb manche Menschen beispielsweise leichter an Gewicht zunehmen als andere. Beim Gewichtsmanagement spielt die Genetik zwar eine wichtige Rolle, diese ist aber lediglich eine Säule von mehreren.

Auch auf den Nährstoffbedarf bestimmter Mikronährstoffe kann die Genetik einen Einfluss haben: Das B-Vitamin Folsäure wird durch genetische Einflüsse von vielen Menschen in Deutschland nicht richtig verwertet. Um das Defizit auszugleichen, müssen Betroffene größere Mengen Folsäure zu sich nehmen.

Zusammenfassung

Jedes Lebewesen hat einen bestimmten minimalen Bedarf an Nährstoffen, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Der Nährstoffbedarf verändert sich im Laufe des Lebens und wird von vielen Faktoren beeinflusst. Empfehlungen für die Aufnahme von Nährstoffen richten sich in Deutschland ausschließlich an gesunde Menschen. Für Lebensphasen wie Schwangerschaft und Stillzeit gibt es gesonderte Empfehlungen für die Nährstoffaufnahme. Zufuhrempfehlungen bei Krankheit, Medikamenteneinnahme, zu Nährstoffbedürfnissen, die mit dem Lebenstil und genetischen Faktoren verbunden sind, gibt es nicht.

Literatur und Quellen

AID Infodienst: Vitamine und Mineralstoffe – eine starke Truppe. 6. Auflage. AID Infodienst, Bonn 2014.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Vitamin E (α-Tocopherolacetat) in Zigaretten. Stellungnahme des BfR vom 31. März 2003. https://www.bfr.bund.de/cm/343/vitamin_e_in_zigaretten.pdf, Zugriff am 10.12.2019.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte: Energie: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/energie/, Zugriff am 09.12.2019.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Refernzwerte: Eisen: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen/, Zugriff am 09.12.2019.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Refernzwerte: Jod. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/jod/, Zugriff am 09.12.2019.

Gröber U. Interaktionen – Arzneimittel und Mikronährstoffe. 2. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2015.

Gröber U. Mikronährstoffe. 3. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2011.

Koletzko B. & Pietrzik K.: Gesundheitliche Bedeutung der Folsäurezufuhr. Dtsch Arztebl 2004:101. https://www.aerzteblatt.de/archiv/42187/Gesundheitliche-Bedeutung-der-Folsaeurezufuhr, Zugriff am 10.12.2019.

Poikolainen K. & Alho H.: Magnesium treatment in alcoholics: A randomized clinical trial. Subst Abuse Treat Prev Policy 2008:3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2265283/, Zugriff am 10.12.2019.

Terada N., Kinoshita K., Taguchi S. et al.: Wernicke encephalopathy and pellagra in an alcoholic and malnourished patient. BMJ Case Rep 2015. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4620227/, Zugriff am 10.12.2019.

Zimmermann M, Schurgast H & Burgerstein U: Burgerstein – Handbuch Nährstoffe. 12. Auflage. Trias Verlag, Stuttgart 2012.

Ölziehen: der neue Keimkiller?

Ölziehen

Mundgeruch, Zahnschmerz und Kopfschmerzen ade!?

Mundgeruch, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwermetallvergiftungen, Hautkrankheiten, Husten und Gelenkschmerzen sind nur eine kleine Beschwerdeauswahl, bei der die Ölziehkur helfen soll. Hier erfahren Sie wissenswertes über die Hintergründe vom Ölziehen, und wie Sie eine Ölziehkur richtig durchführen.

 
 
Olivenöl ist zum Ölziehen ebenso geeignet wie Sonnenblumenöl und andere Pflanzenöle

Ölziehen: überliefertes Wissen aus der Ukraine 

Gifte und Keime mit Öl binden 

Die Ölziehkur gehört in Europa zu den eher neueren naturheilkundlichen Verfahren und ist erst seit den 1990iger Jahren im deutschsprachigen Raum bekannt. Ihre Ursprünge werden in der ayurvedischen Medizin, Russland und)in der Ukraine gesehen. Ärzte und Heilpraktiker, die das Ölziehen empfehlen vermuten, dass Krankheitskeime wie Bakterien, Pilze und Viren sowie Gifte durch das Öl gebunden werden und so deren Aufnahme in den Körper gebremst werden kann. Durch das Ölziehen sollen sie sich schlechter in der Schleimhaut und der Zunge ablagern können. Daher wird die Ölziehkur immer häufiger zur Krankheitsvorbeugung und als unterstützende Maßnahme bei akuten und chronischen Erkrankungen in Betracht gezogen. Auch wenn für die Wirkung der Ölziehkur wissenschaftliche Nachweise weitestgehend fehlen, könnte sich ein Versuch aufgrund der vielen positiven Erfahrungsberichte lohnen.

Anwendungsgebiete von A wie Aphte bis Z wie Zahnfleischbluten

Die Wirkung bei Ölziehen soll aber nicht nur Giftstoffe entfernen, sondern soll ebenso das Immunsystem anregen und so den Körper vor Infekten schützen: Wird das Öl in der Mundhöhle hin und her bewegt, werden die Speicheldrüsen aktiv und es wird mehr Speichel gebildet. Speichel enthält unter anderem das Enzym Lysozym. Lysozym hat antibakterielle Eigenschaften und fördert den Abbau von bestimmten Bakterien wie zum Beispiel Streptokokken und Staphylokokken. Die Anregung des Immunsystems beruht daher weniger auf dem Öl, sondern vielmehr auf(die) Bewegung einer Flüssigkeit in der Mundhöhle. Mit anderen Worten: Wer den Geschmack und die Konsistenz von Öl nicht mag kann andere Substanzen wie beispielsweise einen Bitterorangentee als Mundspülung anwenden, um die Speichelbildung anzukurbeln.

Info: Ölziehen, Ölsaugen, Ölkauen sind drei Begriffe, die für das selbe Verfahren stehen. Bekannt wurde das Ölziehen durch den Arzt Dr. Karach, der das Verfahren während einer Fachtagung in der Ukraine in den 1990iger Jahren anderen Kollegen vorstellte.

Traditionell wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden angewendet wie zum Beispiel:

  • Beschwerden im Mund- und Rachenraum wie Aphten (Aphte: schmerzhafte Entzündung im Mund), Zahnfleischentzündung, Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Zahnschmerz
  • Gelenkbeschwerden wie Arthrose, Rheuma und Rückenschmerzen
  • Magen-Darmbeschwerden wie Sodbrennen, Verstopfung
  • Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte und Ekzeme
  • Infekte wie Erkältung, Halsschmerzen und Schnupfen 
  • Kopfschmerzen und Migräne

Ölziehen: was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Erforschung der Ölziehkur steht im Gegensatz zu dem Erfahrungswissen noch ganz am Anfang. Am besten untersucht ist die Wirksamkeit bei Beschwerden im Mundraum. In einigen Studien stellte sich heraus, dass Ölziehen bei Zahnfleischentzündungen hilft. Ob die Ölziehkur bei Mundgeruch hilft ist hingegen noch nicht ganz klar: In einigen Studien verminderte das Ölziehen unangenehme Gerüche in anderen nicht. Auch zur vorbeugenden Wirkung von Karies liegen erste Erkenntnisse vor: Ölziehen mit Kokosöl erwies sich in einer Studie als ebenso effektiv, wie Chlorhexidin. Chlorhexidin ist ein Desinfektionsmittel, das in vielen Mundspülungen enthalten ist. Eine Alternative zur herkömmlichen Mundhygiene ist die Ölziehkur aber nicht.

In der Summe deuten die ersten Studienergebnisse auf eine positive Wirkung der Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum hin. Nun müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob die Ölziehkur generell zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum helfen kann und welche Öle hierfür geeignet sind. Zu allen übrigen traditionellen Anwendungsgebieten muss noch geprüft werden, ob die Annahmen einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten oder nicht.

Traditionell wird Sonnenblumenöl zum Ölziehen verwendet

Ölziehkur richtig durchführen

Öl im Mund halten, aber nicht verschlucken! 

Eine Ölziehkur läuft wie folgt ab: Gehen Sie in den Supermarkt und kaufen Sie ein qualitativ hochwertiges Sonnenblumenöl, Kokosöl, Leinöl, Olivenöl oder Sesamöl. Auch andere Speiseöle sind geeignet. Am nächsten Morgen geben Sie das Öl auf einen Esslöffel und schlürfen es nüchtern und vor dem Zähneputzen. Achtung! Nicht verschlucken. Ziehen Sie das Öl für zehn bis 15 Minuten durch Ihre Mundhöhle und Ihre Zähne hin und her. Ist die Zeit um, dann spucken Sie das Öl aus, spülen Sie den Mund mit warmem Wasser und dann reinigen Sie Ihre Zähne anschließend ausgiebig. 

Wiederholen Sie die Ölziehkur über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen, am besten kurmäßig zweimal im Jahr.

Zusammenfassung

Die Ölziehkur ist ein traditionelles Verfahren bei dem Krankheitskeime und Giftstoffe durch Öl gebunden werden sollen. Durch Ölziehen kann zudem das Immunsystem angeregt werden. Angewendet wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden wie Hauterkrankungen, Gelenkbeschwerden und Infekte. Wissenschaftlich untersucht wurde die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum, etwa bei Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch: erste Ergebnisse deuten auf mögliche positive Wirkungen hin.

Literatur und Quellen

Asokan S, Kumar R, Emmadi P, et al. (2011): Effect of oil pulling on halitosis and microorganisms causing halitosis: a randomized controlled pilot trial. J Indian Soc Pedod Prev Dent 2011:29:90-4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21911944, Zugriff am 02.12.2019.

Aung E, Ueno M, Zaitsu T, et al. (2015): Effectiveness of three oral hygiene regimens on oral malodor reduction: a randomized clinical trial. Trials 2015:16. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effectiveness+of+three+oral+hygiene+regimens+on+oral+malodor+reduction%3A+a+randomized+clinical+trial., Zugriff am 02.12.2019.

Gbinigie O, Onakpoya I, Spencer E, et al. (2016): Effect of oil pulling in promoting oro dental hygiene: A systematic review of randomized clinical trials. Complement Ther Med 2016:26:47-54. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effect+of+oil+pulling+in+promoting+oro+dental+hygiene%3A+A+systematic+review+of+randomized+clinical+trials., Zugriff am 02.12.2019.

Jauhari D, Srivastava N, Rana V, et al. (2015): Comparative Evaluation of the Effects of Fluoride Mouthrinse, Herbal Mouthrinse and Oil Pulling on the Caries Activity and Streptococcus mutans Count using Oratest and Dentocult SM Strip Mutans Kit. In J Clin Pediatr Dent 2015:8:114-8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4562043/, Zugriff am 02.12.2019.

Sood P. Devi M, Narang R, et al. (2014): Comparative efficacy of oil pulling and chlorhexidine on oral malodor: a randomized controlled trial. J Clin Diagn Res 2014:8:18-21. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25584309, Zugriff am 02.12.2019.

Johanniskraut

Johanniskraut

Hypericum perforatum

Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Universalpflanze gegen Depression und Muskelschmerz 

Spätestens im Juni zur Sommersonnenwende strahlt das Johanniskraut mit voller Kraft der Sonne entgegen. Es säumt Feldwege ein, und schmückt Wegesränder in Waldnähe.

Zudem ist die Pflanze schwer zu übersehen: Sie erreicht oft eine Wuchshöhe von bis zu einen Meter.

Eine gesellige Pflanze 

Eine Johanniskrautpflanze findet man selten allein: Sie lieben die Gesellschaft anderer Johanniskrautpflanzen und bilden so regelrechte Kolonien, die an den Enden mit immer kleiner werdenden Pflanzen häufig abrupt enden. 

Wer sich bei einem Spaziergang unsicher ist, ob es sich tatsächlich um das Johanniskraut handelt, findet es beim Pflücken leicht heraus: Denn wird ein Stängelchen abgebrochen, so tritt ein rötlicher Pflanzensaft aus. Aber Vorsicht! Dieser Pflanzensaft hinterlässt auf der Haut, den Nägeln und auf der Kleidung seine Spuren indem er sie rötlich verfärbt. 

16 mal Johanniskraut 

Wer das schöne Johanniskraut als Gartenblume anbauen möchte, kann zwischen verschiedenen Sorten wählen: Allein in Europa haben 16 verschiedene Johanniskrautsorten ihre Heimat. Aber auch in Kanada und anderen Ländern kommt die Pflanze vor. Egal auf welchem Teil des Globus ein Johanniskraut zuhause ist: Sie alle sind miteinander verwandt und haben rein äußerlich viel Ähnlichkeit miteinander. Auch in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe wird die Verwandtschaft sichtbar. Hier liegt der Teufel im Detail, denn nicht alle Johanniskrautpflanzen eignen sich für den medizinischen Gebrauch – zumindest nicht aus wissenschaftlicher Sichtweise.

In Europa wird daher nur eine einzige Johanniskrautsorte in der Medizin eingesetzt: Das Hypericum perforatum. Dafür sind die Extrakte aus dem Kraut sehr gut untersucht. Zudem ist das Johanniskraut nach heutigem Wissensstand die einzige Heilpflanze, deren Extrakte bei leichten bis mittelschweren Depressionen ebenso wirksam sind wie synthetische Arzneimittel: Dies ergab die Auswertung von 35 Studien mit insgesamt fast 7.000 Teilnehmern im Jahr 2016. Aber das Johanniskraut kann noch mehr!

Johanniskraut enthält Hypericine und Flavonoide

Eine Besonderheit des Johanniskrauts besteht darin, dass seine Inhaltsstoffe am wirksamsten sind, wenn sie gemeinschaftlich angewendet werden. Mit anderen Worten: Werden einzelne Inhaltsstoffe aus der Pflanze isoliert, so ist deren Wirksamkeit geringer als eine Kombination aller Inhaltsstoffe, da sie sich gegenseitig unterstützen.

Nichts desto weniger enthält Johanniskraut Inhaltsstoffe, die für die Hauptwirkung verantwortlich sind. Genauer gesagt, handelt es sich um sogenannte Hypericine wie Hypericin, Hyperforin und Pseudohypericin. Sie entfalten ihre volle Wirkkraft durch die Anwesenheit von Flavonoiden, ätherischen Ölen, Gerbstoffen und Kaffeesäurederivaten.

In einer exakten Dosierung beeinflussen die Inhaltsstoffe vom Johanniskraut die Kommunikation bestimmter Signalsubstanzen (genauer Neurotransmitter) im Gehirn und mildern dadurch nach und nach depressive Symptome ab.

Das Johanniskraut wird zudem als Johannisöl (Rotöl) angewandt. Es wird anders hergestellt als der Extrakt, der zur Behandlung von Depression zum Einsatz kommt und hat entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Eigenschaften.

Das Johanniskraut in der Medizin

Lichtblicke in Zeiten der Traurigkeit

Anwendungsgebiete mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit

Johanniskrautextrakte sind nachweislich hilfreich wenn: 

  • Sie von einer leichten oder mittelschweren Depression betroffen und keine anderen Medikamente gegen die Depression einnehmen (Johanniskrautextrakte vertragen sich nicht mit anderen Antidepressiva). Anzeichen einer Depression sind zum Beispiel eine anhaltende gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Interessenverlust aber auch körperliche Symptome wie Schwindel und ungewöhnliche Konzentrationsschwäche.

Achtung! Eine Depression sollte stets von einem Arzt oder einer Ärztin behandelt werden. Diese(r) stellt auch den Schweregrad fest und ist Ansprechpartner für die individuell geeignete Behandlung, wie zum Beispiel eine medikamentöse Therapie und/ oder Psychotherapie. Bei schweren Depressionen ist die Wirksamkeit von Johanniskraut nicht ausreicht. Hier müssen andere Behandlungen erfolgen.

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Das Johanniskraut können Sie innerlich als Pflanzenextrakt einsetzen, wenn:

  • Sie etwa durch zu viel Stress mentale Erschöpfung abmildern wollen. 

Zudem können Sie das Johanniskraut als Johannisöl (Rotöl) innerlich anwenden wenn:

  • Sie leichte Magen-Darmbeschwerden (dyspeptische Beschwerden) haben. Bei innerer Anwendung kann das Johannisöl Blähungen, Völlegefühl und leichte Bauchschmerzen abschwächen.

Johannisöl wird zudem äußerlich angewendet. Es kann Ihnen helfen, wenn:

  • Sie Muskelschmerzen haben, etwa durch einen Muskelkater oder eine Verspannung.
  • Sie wunde Haut haben, zum Beispiel durch eine kleine Schnittverletzung, einen Insektenstich, einen Sonnenbrand oder einer Entzündung der Haut.

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz von Johanniskrautextrakt und Johannisöl

Die Wirksamkeit von Johanniskrautextrakt und Johannisöl unterscheiden sich. Daher variieren auch die Einnahmeempfehlungen zu den Einzelportionen und der Tagesmenge.

 

Einzelportion

Tagesmenge

Einsatz

Johanniskrautextrakt

250-800 Milligramm (je nach Präparat)

900-1.800 Milligramm in 1-3 Einnahmeportionen (je nach Präparat)

als Arzneimittel

Johannisöl (innere Anwendung)

3 Gramm (kleiner Teelöffel)

9 Gramm in 3 Einnahmeportionen

pur oder ins Lebensmittel eingerührt

Johannisöl (äußere Anwendung)

5 Gramm oder mehr (je nach Fläche)

Keine

direkt auf die betroffene Hautstelle

Achtung! Johanniskrautextrakte sollten bei einer Depression immer in Form von Fertigarzneimitteln aus der Apotheke angewendet werden. Nur die Anwendung als Arzneimittel hilft garantiert gegen die Symptome der Depression. Gründe hierfür sind beispielsweise die gleichmäßige und ausreichend hohe Dosierung sowie eine geprüfte Qualität.

Eine Anwendung als Tee ist bei mentaler Erschöpfung möglich.

Johannisöl eignet sich hingegen prima als Hausmittel, das Sie selber herstellen können.

Basisrezepte mit Johanniskraut

Johanniskraut-Tee für mentale Stärke

Übergießen Sie für eine Portion einen gestrichenen Teelöffel getrocknetes Johanniskraut (etwa zwei Gramm) mit rund 150 Millilitern 60-80° Celsius heißen Wassers. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zwei bis fünf Minuten ziehen lassen, dann Kraut absieben.

Genießen Sie täglich 2 Tassen Johanniskraut-Tee.

Johannisöl bei Magen-Darmbeschwerden

Setzen Sie 25 Gramm frische und zerstoßene Johanniskrautblüten, junge Blätter und Blütenknospen mit 100 Millilitern Pflanzenöl (etwa Mandel- oder Olivenöl) in einer Braunglasflasche an. Lassen Sie die Mischung sechs Wochen lang ziehen, regelmäßig schütteln. Wenn das Öl eine kräftige, rote Farbe hat werden die Pflanzenbestandteile abgesiebt. 

Nehmen Sie zur Vorbeugung oder Behandlung von MagenDarmbeschwerden 1 Teelöffel (3 Gramm) vor oder mit einer Mahlzeit ein. Täglich können Sie bis zu drei Portionen einnehmen.

Johannisöl bei Hautbeschwerden

Setzen Sie 25 Gramm frische und zerstoßene Johanniskrautblüten, junge Blätter und Blütenknospen mit 100 Millilitern Pflanzenöl (etwa Mandel- oder Olivenöl) in einer Braunglasflasche an. Lassen Sie die Mischung sechs Wochen lang ziehen, regelmäßig schütteln. Wenn das Öl eine kräftige, rote Farbe hat werden die Pflanzenbestandteile abgesiebt. 

Tragen Sie das Johannisöl bei Muskelschmerzen, leichten Verletzungen der Haut, Sonnenbrand oder Insektenstich zwei bis drei mal pro Tag auf die betroffenen Hautstellen auf, und massieren Sie es sanft ein.

Die unerwünschten Wirkungen vom Johanniskraut

Bei einer bekannten Lichtempfindlichkeit der Haut dürfen keineJohanniskraut-Extrakte angewendet werden, weil das direkte Sonnenlicht sonnenbrandähnliche Symptome hervorrufen kann. 

Zur Behandlung von schweren Depressionen ist Johanniskraut nicht geeignet. Die Wirkung reicht nicht aus. Johanniskrautextrakte können Wechselwirkungen mit gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln auslösen und deren Wirkung herabsetzen. Es handelt sich um Arzneimittel, die zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen gegenüber Transplantaten eingesetzt werden, zur Behandlung von HIV-Infektionen oder AIDS, Zytostatika mit Ausnahme von monoklonalen Antikörpern, Gerinnungshemmer, trizyklische Antidepressiva, hormonelle Empfängnisverhütungsmittel und die Arzneien Simvastatin, Verapamil, Digoxin, Theophyllin, Midazolam.

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Literatur und Quellen

Apaydin E, Maher A, Shanman R, et al. (2016), „A systematic review of St. John’s wort for major depressive disorder.,“ Syst Rev ,1un. 5:148, Sep 2016.

European Medicines Agency, „COMMUNITY HERBAL MONOGRAPH ON HYPERICUM PERFORATUM L., HERBA (WELL-ESTABLISHED MEDICINAL USE),“ 12 Nov 2009. [Online]. Available: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-hypericum-perforatum-l-herba-well-established-medicinal-use_en.pdf. Zugriff am 19.11.2019.

Hänsel, R. und Sticher, O. Pharmakognosie – Phythopharmazie. 8. Auflage. Heidelberg : Springer Medizin Verlag, 2007.

World Health Organization (WHO). WHO monographs on selected medicinal plants. Volume 2. WHO, Geneva 2004.

Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Der vorliegende Text wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

 

Fructoseintoleranz

Fructoseintoleranz

Häufige Unverträglichkeit bei Kindern und Erwachsenen 

Die Fructoseintoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker aus Obst und anderen fruchtzuckerreichen Lebensmitteln. Betroffene leiden oft unter Blähungen, Bauchschmerzen und Übelkeit. Auch depressive Verstimmungen werden mit der Lebensmittelunverträglichkeit in Verbindung gebracht. Hier erfahren Sie Wissenswertes über die Entstehung und Diagnose der Fructoseintoleranz. Welche Veränderungen in der Ernährung helfen können, um die Symptome zu lindern, lesen Sie ebenfalls in diesem Artikel.

Eigenschaften der Fructoseintoleranz

Fructoseintoleranz: Was ist das?

Die Fructoseintoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber dem Kohlenhydrat Fructose, auch Fruktose oder Fruchtzucker genannt. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten: Sowohl Kinder und Erwachsene können betroffen sein. Schätzungen zufolge sind zwischen 20 und 30 Prozent der Menschen von der Fruktoseunverträglichkeit betroffen. Allerdings haben nicht alle Personen mit einer Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker dieselben Symptome. Auch die Symtomstärke kann variieren: Während manche Menschen mit diagnostizierter Fructoseintoleranz nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel für einige Stunden Blähungen haben, leiden andere noch Tage danach an Beschwerden wie Übelkeit und Bauchkrämpfen.

Info!

Für die Fructoseintoleranz gibt es keine einheitliche Schreibweise. Andere gängige Bezeichnungen sind: Fructosemalabsorption, Fruktoseintoleranz und Fruchtzuckerunverträglichkeit. Gemeint ist aber im allgemeinen Sprachgebrauch dasselbe.

Ursache und Symptome der Fructoseintoleranz

Ursache für die Fructoseintoleranz ist ein Mangel an einem Transportenzym, das GLUT-5 heißt. GLUT-5 wird im Dünndarm gebildet. Seine Aufgabe besteht darin, Fruchtzucker durch die Zellen vom Dünndarm zu schleusen, sodass ein Transport in die Leber möglich ist. Dort wird der Fruchtzucker natürlicherweise weiterverarbeitet. 

Wie viel GLUT-5 produziert wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich: Fruchtzucker ist anders als Traubenzucker (Glucose) kein überlebensnotwendiges Kohlenhydrat. Daher ist die gebildete Menge an GLUT-5 bei jedem Menschen begrenzt. Das bedeutet, dass auch Personen, die nicht von einer Fructoseintoleranz betroffen sind nach dem Verzehr großer Fruchtzuckermengen Beschwerden entwickeln können. Menschen mit Fructoseintoleranz vertragen jedoch vergleichsweise weniger Fruchtzucker als Personen ohne Fructoseintoleranz.

Ist die Menge an GLUT-5-Transportern aufgebraucht, kann kein Fruchtzucker in den Körperkreislauf aufgenommen werden. In Folge gelangt der überschüssige Fruchtzucker in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zersetzt. Dadurch kommt es zu Beschwerden wie Blähungen und Blähbauch, Bauchschmerzen und breiigen Stuhlgang bis Durchfall. Auch Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung sind mögliche Symptome bei Fructoseintoleranz.

Zudem wird ein Zusammenhang zwischen der Fructoseintoleranz und depressiven Verstimmungen diskutiert. Es wird vermutet, dass überschüssiger Fruchtzucker die Bildung des Botenstoffs Serotonin hemmt. Serotonin gilt als Gute-Laune-Hormon.

Info!

Es gibt zwei Formen der Fructoseintoleranz. Die häufigste Form ist die Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker, bei der Beschwerden durch eine zu große Verzehrmenge ausgelöst werden. Zudem gibt es die sogenannte hereditäre Fructoseintoleranz (HFI). Die HFI ist eine seltene und angeborene Stoffwechselstörung, bei der die Fructose nicht abgebaut werden kann. Bei der HFI muss der Verzehr von Fruchtzucker ein Leben lang gemieden werden. Der Begriff Fructoseintoleranz bezieht sich in diesem Artikel auf die Unverträglichkeit und nicht auf HFI.

Bauchschmerzen und Blähungen sind typische Symptome der Fruchtzuckerunverträglichkeit.

Fructose und Sorbit: Zwei Konkurrenten

Sorbit ist ein Zuckeraustauschstoff (Zuckeralkohol) der natürlicherweise in bestimmten Obstsorten wie Äpfeln, Birnen und Pflaumen vorkommt. Bei einer Fructoseintoleranz kann Sorbit zudem die Symptome verschlimmern. Hierfür gibt es zwei Ursachen: Zum einen blockiert Sorbit das Enzym GLUT-5. Dadurch wird der Fruchtzuckertransport weiter eingeschränkt. Weiterhin hat Sorbit osmotische Eigenschaften: Es entzieht dem Darm Wasser und macht den Stuhl dadurch breiig bis wässrig. Sorbit kommt zum wie andere Zuckeralkohole etwa als Süßungsmittel in Bonbons oder Kaugummis vor. Durch seine Eigenschaften ist daher auf den Verpackungen der Warnhinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ zu finden. Personen mit einer Fructoseintoleranz sollten grundsätzlich sorbithaltige Lebensmittel meiden.

Folgen der Fructoseintoleranz

Besteht die Fructoseintoleranz über einen langen Zeitraum und wird nicht behandelt, kann es zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität kommen: Ständige Schmerzen im Bauchraum, Durchfälle und Übelkeit können etwa häufige Fehltage in der Schule oder Krankmeldungen bei der Arbeit begünstigen. Auch die Leistungsfähigkeit und die Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivitäten wie zum Beispiel Sportveranstaltungen kann durch anhaltende Beschwerden beeinträchtigt werden. Bestehen Symptome wie Erbrechen oder Durchfälle, entwickeln Betroffene zudem oft Angst etwa vor Reisen: Die Furcht keine Toilette finden zu können, ist manchmal ein Grund eine Reise abzusagen. 

Dementsprechend ist es wichtig, die Symptome der Fructoseintoleranz ernst zu nehmen und die Beschwerden zu behandeln.

Diagnose der Fructoseintoleranz

Atemtest

Die Diagnose der Fructoseintoleranz erfolgt in den meisten Fällen durch einen Atemtest beim Arzt. Durchgeführt wird der sogenannte Wasserstoff-Atemtest (H2-Atemtest) zumeist in Facharztpraxen für Magen-Darmbeschwerden (Gastroenterologie) oder Innere Medizin. Besteht der Verdacht auf Fructoseunverträglichkeit nimmt der Patient oder die Patientin 25 Gramm Fruchtzucker zusammen mit 250 Millilitern Wasser auf nüchternen Magen ein. Anschließend wird die Menge an Wasserstoff in der Atemluft über einen Gesamtzeitraum von bis zu drei Stunden gemessen. Üblicherweise liegen zwischen den einzelnen Messungen etwa 20 Minuten. Steigt der Wasserstoffwert in diesem Zeitraum auf über 20 Anteile pro Million (kurz: 20 ppm) zusammen mit typischen Beschwerden auf, wird von Fructoseintoleranz gesprochen.

Ernährungstagebuch führen

Ergänzend zum Atemtest kann das Aufschreiben aller Speisen und Getränke in einem Ernährungs- und Beschwerdetagebuch hilfreich sein. In dem die Lebensmittel zusammen mit der Uhrzeit des Verzehrs und der Uhrzeit von bestimmten Beschwerden genau erfasst werden, können Auslöser leichter identifiziert werden. Üblicherweise dient das Ernährungstagebuch auch als ein Hilfsmittel für Mediziner und eine Ernährungsfachkraft: Das Aufschreiben erleichtert die Identifikation beschwerdeauslösender Lebensmittel, beziehungsweise ab welcher Menge ein Lebensmittel zu Symptomen führt.

Therapie bei Fructoseintoleranz

Auslöser kennen und vermeiden

Nachdem die Diagnose „Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorbtion“ von einem Arzt gestellt wurde, stellt dieser idealerweise eine Verordnung für eine Ernährungstherapie aus. Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst oder voll übernommen. Diese Verordnung belastet das Praxis-Budget nicht und kann formlos ausgestellt werden. Die Ernährungstherapie beinhaltet üblicherweise zwischen drei und sechs Sitzungen und hat das Ziel die Beschwerden zu reduzieren oder eine Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Neben einer allgemeinen Schulung über die Fructoseintoleranz werden die Betroffenen Schritt für Schritt an die Thematik herangeführt. Dabei werden notwendige Kenntnisse über Lebensmittel vermittelt, die besonders viel Fruchtzucker enthalten, wie zum Beispiel Birnen, Pflaumen und Trockenobst im Allgemeinen. Die Stärkung der eigenen Kompetenz spielt demnach eine wichtige Rolle. Bislang ist eine fruchtzuckerarme Ernährungsweise die einzige wirksame Therapie bei Fructoseintoleranz.

Es gibt aber auch Mediziner, die den Betroffenen einen Merkzettel geben oder Literaturempfehlungen aussprechen und keine Ernährungstherapie verordnen.

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Diät halten, aber richtig

Äpfel enthalten besonders viel Fruchtzucker und Sorbit.

Die Ernährungstherapie wird üblicherweise in drei Phasen durchgeführt. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Menschen mit einer diagnostizierten Fructoseintoleranz trotzdem kleine Mengen fruchtzuckerhaltiger Lebensmittel verzehren können. Im Tagesverlauf werden zumeist bis zu 20 Gramm Fruchtzucker vertragen.

Phase 1 – die Diätphase: Die Ernährungstherapie bei Fructoseintoleranz startet mit einer Reduktion der Fructoseaufnahme. Auch sorbithaltige Lebensmittel werden in dieser Zeit gemieden, da sie die Beschwerden verschlimmern können. Während eines Zeitraums von maximal zwei Wochen werden ausschließlich Lebensmittel verzehrt, die wenig Fruchtzucker enthalten oder ein gutes Fruchtzucker-Traubenzucker-Verhältnis haben. Ein Beispiel hierfür ist die Banane. Durch ihr günstiges Verhältnis der Fruchtzucker- und Traubenzuckermenge, kann der Fruchtzucker leichter vom Körper aufgenommen werden. Mit anderen Worten: Traubenzucker kann die Aufnahme von Fruchtzucker verbessern. 

Andere Lebensmittel mit einem günstigen Verhältnis sind zum Beispiel Mandarinen und Litschi. Gemüse kann in dieser Phase verzehrt werden. Allerdings sollten stark blähende Sorten wie Kohl oder Zwiebeln mit Obacht genossen werden. Vorsicht ist zudem bei sogenannten Sportgetränken und vielen Süßigkeiten geboten: Sie werden oft mit Fruchtzucker gesüßt und können so zu Beschwerden führen. Ob auf Kristallzucker verzichtet werden sollte, ist zumeist von der Beschwerdestärke abhängig und ist individuell zu entscheiden. Viele Betroffene profitieren von einer zuckerarmen Ernährungsweise. Es gibt aber auch Menschen bei denen Kristallzucker keinen Einfluss auf die Beschwerden hat.

Fünf fruchtzuckereiche und fruchtzuckerarme Obstsorten

Fruchtzuckerreich

Fruchtzuckerarm

Apfel

Banane

Birne

Brombeere

Kaki

Honigmelone

Kirsche

Litschi

Wassermelone

Mandarine

Phase 2 – die Testphase: In der Testphase werden verschiedene Obstsorten und andere fruchtzuckerreiche Lebensmittel nach und nach ausgetestet. Die bis zu sechswöchige Phase dient dazu, herauszufinden wo die persönliche Verträglichkeitsgrenze liegt. Auch der Zeitpunkt der Fruktoseaufnahme spielt eine wichtige Rolle: Wird im ersten Schritt ein fruchtzuckerarmes Lebensmittel verzehrt, zum Beispiel Knäckebrot mit Kräuterquark oder eine Scheibe Mischbrot mit Erdnussbutter, werden fruchtzuckerreiche Lebensmittel im Anschluss oft besser vertragen. Der Grund hierfür ist, dass sich die Lebensmittel vermischen und erst nach und nach an den Dünndarm weitergegeben werden. Dadurch können sich die GLUT-5-Transporter erneuern. Während der Testphase werden Zuckeralkohole aber weiterhin gemieden.

Phase 3 – Übergang in die Dauerernährung: Nachdem die persönliche Verträglichkeitsgrenze ermittelt wurde, werden individuelle Empfehlung für die Ernährung der Betroffenen ausgesprochen. Dabei geht es etwa um die Anzahl der täglichen Mahlzeiten und den Rhythmus. Idealerweise ist der Betroffene zu diesem Zeitpunkt beschwerdefrei oder die Beschwerden wurden auf ein individuell annehmbares Maß reduziert.

Nahrungsergänzungsmittel, Enzyme und Probiotika: Die Lösung für Betroffene?

Nahrungsergänzungsmittel

Bei einer Fructoseintoleranz kann der Tryptophanspiegel im Blut absinken, wie die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie nahelegen. Tryptophan ist eine lebenswichtige Aminosäure und eine Vorstufe zum Beispiel vom „Glückshormon“ Serotonin. Unter Umständen nimmt der Darm bei Menschen mit Fructoseintoleranz durch die Störung Tryptophan schlechter auf. Mögliche Folgen können beispielsweise depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit sein. Aus diesem Grund wird derzeit untersucht, welchen Einfluss Tryptophan bei Menschen mit Fructoseintoleranz hat. Derzeit ist aber noch nicht bekannt, ob die Einnahme von Tryptophan einen Nutzen für Menschen mit Fructoseintoleranz hat. Es fehlen Studien.

Ist die Lebensmittelauswahl durch Fructoseintoleranz über einen längeren Zeitraum (Monate oder Jahre) stark eingeschränkt, sodass etwa nur wenig Gemüse und Vollkornprodukte verzehrt werden, kann die Gefahr eines Nährstoffmangels steigen. In diesem Fall ist es sinnvoll, die Versorgung etwa mit B-Vitaminen wie Folsäure, Vitamin C oder Magnesium vom Arzt prüfen zu lassen. Besteht ein Mangel, sollte dieser ausgeglichen werden.

Enzymersatztherapie

Das Enzym Glucose-Isomerase soll Fruchtzucker im Dünndarm zu Traubenzucker umwandeln und dadurch Beschwerden vermeiden. Erhältlich ist das Enzym als Medizinprodukt. Die Wirksamkeit ist umstritten.

Probiotika

Bei der Fructoseintoleranz besteht die Möglichkeit, dass die Zusammensetzung der Darmflora ursächlich an den Beschwerden beteiligt ist. Eine kürzlich veröffentlichte Laborstudie legte offen, dass das Bakterium Lactobacillus fermentum bei Fructoseintoleranz helfen kann. Erste Wasserstoff-Atemtests mit Patienten, die das Bakterium eingenommen hatten, führten zu einem positiven Ergebnis. Nun müssen systematische Studien am Menschen klären, ob und in wie weit das Probiotikum bei Fructoseunverträglichkeit helfen kann.

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Zusammenfassung

Die Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorbiton) gehört zu den häufigsten Kohlenhydratunverträglichkeiten. Etwa jede dritte bis vierte Person ist davon betroffen. Fruchtzucker (Fructose) ist vor allem in Obst zu finden. Er wird aber auch als Süßungsmittel etwa von Getränken, Süßigkeiten und Backwaren eingesetzt. Besonders häufig treten Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall auf. Auch eine Neigung zu depressiven Verstimmungen wird diskutiert, ist aber nicht bewiesen.

Nach der Diagnose durch einen Arzt erfolgt im Idealfall eine Ernährungstherapie, die in drei Stufen abläuft und das Ziel der Beschwerdefreiheit oder Beschwerdereduktion hat. Bislang ist eine fruchtzuckerarme Ernährungsweise die einzige wirksame Therapie bei Fructoseintoleranz. Bestimmte fruchtzucker- und sorbithaltige Lebensmittel werden dann für einen bestimmten Zeitraum oder ein Leben lang gemieden.

Ob die Einnahme bestimmter Probiotika und Enzymersatzpräparate die Ursachen und Beschwerden lindern können wird derzeit erforscht. Auch ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen Tryptophanspiegel und möglichen depressiven Verstimmungen ist derzeit Gegenstand der Forschung.

Literatur und Quellen

Goroncy K (2019): Präklinische Studie: Probiotika als neue Therapieoption bei intestinaler Fruktoseintoleranz. Ernährung & Medizin 2019:34:122-6. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-0831-6177.pdf, Zugriff am 18.11.2019.

Ledochowski M, Widner B, Murr C, et al. (2001): Fructose malabsorption is associated with decreased plasma tryptophan. Scand J Gastroenterol 2001:36:367-71. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11336160, Zugriff am 18.11.2019.

Sadava D, Hillis D, Heller H, et al. (2011): Purves Biologie. 9. Auflage, Heidelberg Spektrum Akademischer Verlag.

Schäfer C, Reese I, Ballmer-Weber B, et al. (2009): Fruktosemalabsorption. Allergo J 2009:19:66-9. https://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/StellungnahmeFruktosemalabsorption2010.pdf, Zugriff am 18.11.2019.

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