Chili (Capsicum frutescens & annuum): Mit Schärfe gegen Schmerzen

Chili gehört zu den beliebtesten Gewürzen, Gemüse und Heilpflanzen. Die mehr oder weniger scharfen Früchte sind auf allen Erdteilen bekannt und beliebt, allerdings unter teils verschiedenen Namen: Ob Cayennepfeffer, Tabasco, Peperoni, Jalapeño oder Paprika: Sie alle sind durch denselben botanischen Vornamen miteinander vereint. Dieser lautet Capsicum. In diesem Artikel erfahren Sie Wissenswertes  über Chilis, über deren Anwendung in der Medizin und als Gemüse- und Gewürzpflanze.

Chilis gehören zu den schärfsten Lebensmitteln der Welt

Mittlerweile dürfte es keinen Erdteil mehr geben, an dem Chilis kein Zuhause gefunden haben. Ganz im Gegenteil Chilis oder besser gesagt, die Chili-Gattung Capsicum ist vermutlich auf jedem Wochenmarkt und in jedem Lebensmittelgeschäft zu kaufen: zum Beispiel als Paprika!

Scharf, schärfer, am schärfsten

Keine Frage, Paprikas (botanisch: Capsicum annuum) sind tolle Lebensmittel. Sie enthalten beispielsweise viel Vitamin C und sind ein leckeres Gemüse. Wenn es allerdings um medizinische Eigenschaften geht, sind Paprikas nicht zu gebrauchen. Das liegt daran, dass das Gemüse nur wenige Scharfstoffe enthält, worüber Sie im Abschnitt ≫Chili als Lebensmittel≪mehr erfahren. Auf genau diese Scharfstoffe kommt es aber an, wenn es etwa um die Behandlung von Rückenschmerzen geht, da sie eine Reizwirkung haben. Manche Chili-Sorten enthalten sogar so viele Scharfstoffe, dass bei der Ernte Schutzkleidung getragen werden muss! Beim bloßen anfassen der scharfen Früchtchen, könnte es sonst zu starken Hautreizungen kommen, die so ausgeprägt sind, dass Blasen und Geschwüre entstehen können. Aber soweit muss es nicht kommen. Der Schärfegrad der Chili-Familie hat eine große Spannbreite. Richtig dosiert sind sie eine Wohltat für die Gesundheit.

Chilis speichern Scharfstoffe

Für medizinische Zwecke schreibt das Europäische Arzneibuch einen Mindestgehalt von 0,4 Prozent Gesamtcapsaicinoide vor. Dann entfalten die Chili-Inhaltsstoffe ihre wohltuende Wärmewirkung und sie kurbeln die Durchblutung an, lindern Schmerzen und Juckreiz. Durch diese Wirkungen kommen Chilis in praktisch allen Medizinsystemen weltweit zum Einsatz, zum Beispiel in der Tibetischen Medizin. Der wichtigste Inhaltsstoff innerhalb der Capsaicinoide heißt Capsaicin. Diese Substanz ist auch für den scharfen Geschmack der Chilis als Gewürz verantwortlich. Chilis enthalten außerdem Mineralien wie Kalium und Vitamine, etwa Vitamin A und Vitamin C.

Chilis in der Medizin

Die Inhaltsstoffe der Chilis helfen bei Schmerzen und Juckreiz

Anwendungsgebiete mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit

Einige Wirkungen der Chili-Arten Capsicum annuum und Capsicum frutescens sind sehr gut untersucht und die Wirksamkeit gilt als gesichert.

Stellen Sie sich einmal folgende Szenarien vor:

  • Sie haben Muskelschmerzen im Rücken, im Nacken oder in einer anderen Körperregion. Dann helfen medizinische Chili-Zubereitungen nachweislich gegen den Muskelschmerz.

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Die Wirkungen und medizinischen Anwendungsbereiche der Chilis reichen jedoch noch weiter. Die Extrakte aus den Chilifrüchten können Sie einsetzen, wenn:

  • Sie Diabetiker sind und an Nervenschmerzen leiden (diabetische Polyneuropathie).
  • Sie von (entzündlichen) Gelenkveränderungen betroffen sind, die mit einem Abbau von Knorpel einhergehen, etwa in den Knien, Fingergelenken oder am Fußknöchel. Dieses Beschwerdebild wird als Osteoathritis bezeichnet und ist von Schmerzen und Einschränkungen der Funktion gekennzeichnet.
  • Sie von der entzündlich-rheumatischen Erkrankung rheumatoide Arthritis betroffen sind und die Schmerzen der Autoimmunerkrankung lindern möchten. Dadurch können sie beispielsweise eine entzündungshemmende Ernährungsweise unterstützen.
  • Sie aufgrund von Krankheiten an Nervenschmerzen leiden, genauer an einer Neuralgie. Neuralgien können beispielsweise nach einem Bandscheibenvorfall oder einer Gürtelrose auftreten.
  • Sie wegen einer Krankheit oder einer medizinischen Behandlung ständigen Juckreiz. Dieser Juckreiz kann zum Beispiel als Folge der Dialyse auftreten, bei Schuppenflechte aber auch als Medikamentennebenwirkung.
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Anwendungsgebiete aufgrund von ersten Studien

Chilis können außerdem ein unterstützendes Potential haben, wenn:

  • Sie abnehmen möchten. Chili fördert ersten Studien am Menschen zufolge eines Gewichtsverlustes indem es den Kalorienverbrauch steigert. Ob sich die ersten Studien auf die Allgemeinheit übertragen lassen, muss noch erforscht werden.
  • Sie von Fibromyalgie betroffen sind. Bei einer Untersuchung an Betroffenen konnte gezeigt werden, dass die Empfindlichkeit der Haut nachließ.

Der richtige Einsatz von Chili als Arzneimittel

Chilis sollten immer in Form von standardisierten Fertigarzneimitteln verwendet werden, etwa in Form von Creme, Salbe oder als Pflaster. Die richtige Dosierung ist im Hautgebrauch kaum machbar, weil sich die Sorten hinsichtlich der Gehalte an Capsaicinoiden oft erheblich unterscheiden. Für die Praxis bedeutet dies, dass bei einer zu niedrigen Capsaicin-Menge keine oder eine zu geringe Wirkung eintritt. Höhere Mengen an Capsaicin als es das Europäische Arzneibuch vorschreibt, kann hingegen mit erheblichen unerwünschten Wirkungen einhergehen. Der Kauf eines Fertigarzneimittels ist damit besser geeignet.

Gut zu wissen! In der medizinischen und pharmazeutischen Literatur ist oft von Cayennepfeffer und seltener von Chili die Rede. Die Chili-Sorte Cayennepfeffer wird manchmal auch als Scharfer Paprika bezeichnet und trägt den botanischen Namen Capsicum frutescens.

Je nach Schärfegrad sind Chilis ein leckeres Gewürz

Chili als Lebensmittel

Die Früchte aller Chilisorten (zum Beispiel Capsicum annum und Capsicum frutescens) sind essbar und sie sind rund um den Globus beliebt. Eine der bekanntesten Capsicum annum-Sorten ist die Paprika. Sie gehört zu den beliebtesten Gemüsen und hat in der Regel keinen scharfen Geschmack. Das ist bei nahezu allen anderen Chili-Sorten anders: Ob Peperoni, Tabasco, Habanero oder Jalapeño, sie alle enthalten mehr von dem Schärfe-Inhaltsstoff Capsaicin als die Gemüse-Paprika. Weltweit gesehen gibt es unzählige Chilizüchtungen, die jedoch botanisch gesehen von vergleichsweise wenige Arten gezüchtet werden. So gibt es neben den medizinisch gebrauchten Chilis (C. annum und C. frutescens) zum Beispiel Arten wie C. chinense, C. baccatum und C. pubescens.

Wie scharf eine Chili ist wird entweder in „Scoville“ angegeben oder in einer Schärfeskala von eins bis zehn. Der Schärfegrad nach Scoville (Maßeinheit Scoville Heat Units, SHU) besagt, wie viel Milliliter Wasser gebraucht wird, um die Schärfekonzentration so zu verdünnen, dass man die Schärfe gerade noch wahrnehmen kann. Um beispielsweise 1 Milligramm Jalapeño Chili mit 2.500 SHU zu neutralisieren, werden 2,5 Liter Wasser gebraucht. Die meisten Menschen empfinden Chilis als scharf, wenn diese 1.000 SHU oder mehr haben. Zu den schärfsten Chili-Sorten der Welt gehören Trinidad Scorpion mit 1.200000-2.000000 SHU und Carolina Reaper deren SHU von 1.400000-2.200000 reicht.

Die Einteilung der Schärfeskala hingegen variiert von 1 (nicht scharf) bis 10 reicht (extrem scharf). Sie erfolgt nach subjektivem Empfinden. Deshalb finden sich bei der Skala manchmal noch Ergänzungen, etwa 10++ bei einigen Habernero-Sorten.

Übrigens: Das meiste Capsaicin befindet sich in den weißlichen Scheidewänden (genauer in der Plazentawand). Schneidet man diese heraus, wird die Schärfe dadurch etwas gelindert. Aber Vorsicht! Wird die Plazentawand verletzt und nicht vollständig entfernt, geht das Capsaicin in die Frucht über und verbreitet sich dort. Sollten Sie einmal die Schärfewirkung der Chili unterschätzt haben und einen „Feuerlöscher“ benötigen, können fetthaltige Speisen und Getränke wie Erdnussbutter, Joghurt oder Milch helfen. Capsaicin ist fettlöslich. Wasser zu trinken oder etwas Reis zu essen bringt hingegen nichts gegen die Schärfe, weil der Inhaltsstoff nicht in Wasser gelöst werden kann.

Chilis entfalten je nach Sorte ihren ganz persönlichen Eigengeschmack. Außerdem enthalten sie viele Vitalstoffe und tragen so zur Deckung vom Nährstoffbedarf bei. Deren Gehalt kann je nach Sorte, Standort, Boden und Klima schwanken.

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische, grüne Chili (C. annuum)

 

Energie

20 Kilokalorien

 

Eiweiß

1,2 Gramm

 

Fett

0,3 Gramm

 

Kohlenhydrate

2,9 Gramm

 
  

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

177 Milligramm

4.000 Milligramm

Vitamin A

0,5 Milligramm

0,8-1 Milligramm

Vitamin C

138 Milligramm

1.000 Milligramm

Folat

60 Mikrogramm

300 Mikrogramm

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz als Lebensmittel

Chilis können roh oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel als „Snack“, für Salate, Pfannengerichte und Suppen.

Chili passt zu vielen Gerichten

Basisrezepte mit Chili

Chili-Öl

Zutaten für 100 Milliliter Öl

✦ 1 Chili ✦ 100 Gramm Öl (zum Beispiel Rapsöl oder Olivenöl)

  • Zerschneiden Sie die Chili und geben Sie diese in eine verschließbare Flasche.
  • Füllen Sie die Flasche mit dem Öl auf. Und verschießen Sie diese. Lassen Sie das Chili-Öl rund vier Wochen lang ziehen. Die Chili-Schoten können danach in der Flasche verbleiben oder abgeseiht werden.

Passt hervorragend als würzig, scharfe Salatsoße. Wenn Sie erhitzbares Öl verwenden, etwa Rapsöl, kann das Chili-Öl zum für Wok- und Pfannengerichte verwendet werden.

Nepalesische Linsensuppe

Zutaten für 4 Portionen

✦ 1 Zwiebel ✦ 2 Tomaten ✦ 1 Esslöffel Rapsöl ✦ 150 Gramm gelbe oder rote Linsen ✦ 1 Chili frisch oder 1/2 Chili getrocknet ✦ 2 Teelöffel Salz ✦ 1 Teelöffel Pfeffer ✦ mindestens 500 Milliliter Wasser

  • Schälen Sie die Zwiebel und hacken Sie diese in kleine Würfel. Waschen Sie Tomaten sowie die Chili und zerschneiden Sie diese ebenfalls in kleine Stücke. (Achten Sie bei der Chili darauf Augenkontakt zu vermeiden. Waschen Sie die Hände direkt nach dem Berühren. Tragen Sie eventuell Handschuhe.)
  • Heizen Sie den Herd vor (höchste Stufe) und bereiten Sie einen Schnellkochtopf vor.
  • Geben Sie das Rapsöl in den Topf. Wenn es heiß ist, geben Sie zuerst die Zwiebel, dann die Tomaten hinzu. Lassen Sie die Mischung für eine Minute unter ständigem Rühren köcheln.
  • Fügen Sie die Linsen hinzu. Dann alles verrühren.
  • Rühren Sie Chili, Salz und Pfeffer unter und fügen Sie im nächsten Schritt das Wasser hinzu.
  • Verschließen Sie den Deckel und lassen Sie die Linsensuppe zehn Minuten kochen.
  • Nehmen Sie den Schnellkochtopf von der Herdplatte. Warten Sie weitere fünf Minuten bevor Sie den Deckel (Druckausgleich beachten) entfernen. Rühren Sie die Linsensuppe um und servieren Sie diese heiß.

Linsen sind besonders eiweißreich. Die meisten Nepalesen verzehren die Suppe zweimal pro Tag zu den Hauptmahlzeiten zusammen mit anderen Gemüsegerichten und Reis. Auf Nepali und Hindi wird die Linsensuppe als ≫Daal≪ bezeichnet, wobei Linsen in unterschiedlicher Größe und Farbe verwendet werden.

Die unerwünschten Wirkungen der Chilis

Äußere Anwendung von Chili

Selten treten allergische Reaktionen (urtikarielles Exanthem) auf. Wenn der Extrakt aus den Chili langfristig und in hoher Dosierung eingesetzt wird, können Schädigungen der sensiblen Nerven auftreten. Auch die Entzündung von Hautentzündung, Blasen- und Geschwürbildung können dann vorkommen.

Chilifrüchte-Extrakte dürfen niemals auf verletzter Haut, auf geschädigten Schleimhäuten oder bei einer Überempfindlichkeit gegen Paprika verwendet werden.

Verzehr von Chili

Personen mit einem empfindsamen Magen, sollten vorsichtig mit dem Genuss scharfer Speisen umgehen. Es können Magenschmerzen, Durchfall und Sodbrennen auftreten. Von dem Verzehr sehr großer und ungewohnt scharfen Chilimengen ist abzuraten: Es kann zu Bluthochdruck, Übelkeit, Erbrechen und Schleimhautreizungen kommen, die lebensbedrohlich werden können. Kinder reagieren sehr empfindlich auf Chilis. Sollten Sie frische Chilis in der Küche verarbeiten, waschen Sie sich anschließend gründlich die Hände. Capsaicinoide reizen wie alle Scharfstoffe bei Augenkontakt die Gewebe.

Literatur und Quellen

European Scientitic Cooperative On Phytotherapy (ESCOP). ESCOP Monographs Supplement. 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2009

European Medicines Agency (EMA). Community herbal monograph on Capsicum annuum L. var. minimum (Miller) Heiser and small fruited varieties of Capsicum frutescens L., fructus. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-community-herbal-monograph-capsicum-annuum-l-var-minimum-miller-heiser-small-fruited-varieties_en.pdf, Zugriff am 15.01.2019

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte. Online Portal: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/, Zugriff am 15.01.2019

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Glücksnahrung: Besser essen für Geist und Seele – Teil 2

Bei Glücksnahrung (Mood Food) handelt es sich um bestimmte Lebensmittel, die einen Einfluss auf die Stimmung und den Körper haben soll. Im ersten Teil dieses Blogbeitrags ging es um bestimmte Mikronährstoffe und Lebensmittel, die die Stimmung positiv beeinflussen sollen. In diesem Artikel erfahren Sie, was Depressionen mit Bauchfett zu tun haben, weshalb der Darm einen Einfluss auf die Gefühlswelt ausübt und welche Rolle das Umfeld und die Gewohnheiten mit Ernährung und der Stimmungslage zu tun haben.

Die Ernährung des Menschen beeinflusst Körper, Geist und Seele

Warum Gemüse schützt und Zytokine gefährlich sind

Gemüse ist besonders reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen. Durch ihr komplexes Wechselspiel im Körper sind sie an unzählbaren Prozessen im menschlichem Körper beteiligt. Wer viel Gemüse isst und reichlich Bewegung hat, neigt zudem weniger zu gefährlichem Bauchfett, Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). 

Bauchfett ist aus verschiedenen Gründen unbeliebt und unerwünscht, da es zur Bildung sogenannter Zytokine beiträgt. Zytokine sind Entzündungsstoffe, die in Fettzellen massenhaft produziert werden. Was aber haben Bauchfett und Depressionen gemeinsam? Schließlich sind nicht alle depressiven Menschen von Übergewicht und Adipositas betroffen. Umgekehrt ist es jedoch so, dass depressive Menschen, die zusätzlich fettleibig (adipös) sind, die höchsten Mengen an Zytokinen im Blut überhaupt haben. Mit anderen Worten: Adipöse Menschen, die viel Bauchfett haben, haben ein erhöhtes Risiko dafür an einer Depression zu erkranken.

Die Darmgesundheit kann das persönliche Wohlbefinden und die Stimmung beeinflussen

Die Rolle des Darms

Nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm wird Serotonin gebildet. Dort übt das „Glückshormon“ jedoch andere Effekte aus. Es ist zum Beispiel für die Darmbewegungen und die Tätigkeiten anderer Hormone zuständig. 

Gleichzeitig ist der Darm die Heimat einer ganzen Armee von Bakterien und Abwehrzellen. Sie tragen maßgeblich zu einem gesunden Leben bei, und damit auch zu einer gesunden Psyche. Gerät die Darmflora durch Krankheiten, Unverträglichkeiten oder Stress aus dem Takt, sind Auswirkungen auf das Seelische möglich, denn Darm und Gehirn stehen in einem ständigem Austausch miteinander. 

Fermentierte Lebensmittel und bestimmte Probiotika wie Laktobazillen können zur Wiederherstellung der gesunden Darmflora und zur Verbesserung der Stimmung beitragen, das zeigen viele Tierversuche sowie erste Studien am Menschen. Wie weit der Effekt probiotischer Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, Kefir und Joghurt oder von probiotischen Präparaten reicht, um die Entstehung oder den Verlauf einer Depression zu beeinflussen, ist bislang aber wenig untersucht.

Der Kopf isst mit

In dem oft zitierten Ausspruch „Essen ist mehr als die bloße Aufnahme von Nährstoffen“ steckt viel Wahres dran. 

Zwar übt die chemische Zusammensetzung von Lebensmitteln, die Nährstoffversorgung, der Ernährungszustand und die Darmgesundheit mit Sicherheit einen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf von Depressionen aus. Gleichzeitig spielen aber auch erlerntes Verhalten und eine konkrete Ess-Situation wichtige Rollen. Das heißt: die Umgebung, negative und positive Einflüsse beeinflussen die Stimmung und auch das Essverhalten. 

Gewohnheit oder körperlicher Effekt?

Wird beispielsweise ein Kind bei Misserfolgen wiederholend mit Süßigkeiten getröstet, liegt es nahe, dass das Kind in Zukunft den süßen Geschmack mit positiven oder erleichternden Gedanken verbindet. Die Grundlage für Belohnungen im Unterbewusstsein ist gelegt. 

Das erklärt neben den physiologischen Vorgängen im Körper, wie den Anstieg und Abfall vom Blutzuckerspiegel zumindest teilweise, weshalb viele Menschen bei Stress und Traurigkeit an unerklärlichem Heißhunger leiden oder in bestimmten Situationen der Süßigkeitenschrank wie von Geisterhand geöffnet wird. Dass der Genuss der Vollmilchschokolade durch das Tryptophan den Serotoninspiegel anhebt ist dann unwahrscheinlich, da der Aminosäuregehalt zu gering ist, um einen physiologischen Effekt auszulösen. Vielmehr sind es die Sensorik, der Geschmack, die damit verbundenen Gefühle und der schon erwähnte Blutzuckeranstieg, der Körper und Geist mit einem guten Gefühl belohnt – zumindest kurzzeitig. 

Meditation als Belohnung?

Langfristig kann die Koppelung zwischen Lebensmitteln wie Schokolade, Keksen und vielen Datteln zu einem echten Problem werden. Denn das Gefühl nicht anders zu können, als bei Traurigkeit und Stress zu Schokolade zu greifen, macht sicher nicht glücklich. Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein.

Es kommt also wie so oft auf ein ausgewogenes Verhältnis an: Sich nach einem stressigen Tag oder einem traurigen Termin bewusst zu belohnen und so die negativen Gedanken und Gefühle verblassen zu lassen, kann eine gute Strategie sein, um sich vor einer negativen Gedankenspirale zu schützen. Da darf es auch mal ein Stück Kuchen oder Schokolade sein, wenn diese Entscheidung bewusst getroffen wird. Andererseits gibt es auch andere schöne Belohnungen, wie zum Beispiel ein Gespräch mit einem nahestehenden Menschen, eine Tasse Tee oder Kaffee, Meditation, Atemübungen, ein Spaziergang oder ein Lauf durch den Wald. Die Auswahl der Möglichkeiten ist schier endlos. Wichtig dabei ist nur, dass zu tun, was wirklich gut tut.

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Fazit: Echte Depressionen müssen ärztlich behandelt werden, Glücksnahrung kann unterstützen 

Die Entstehung von Depressionen können zahlreiche Ursachen haben: Genetik, persönliche Erlebnisse und Lichtarmut zum Beispiel. Auch der Lebensstil wie Essgewohnheiten kann eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielen. Die individuell geeignete Ernährungsweise kann hier möglicherweise dazu beitragen, der Entstehung von Depressionen vorzubeugen. Bei einer bestehenden Depression ist es anders: Eine bestimmte Ernährungsweise kann weder ein Medikament noch eine Psychotherapie ersetzen, begleitend kann Glücksnahrung aber dazu beitragen die Symptome abzumildern und so eine Besserung zu unterstützen. Eine echte Depression sollte in jedem Fall ärztlich behandelt werden.

Quellen und Literatur

Jenkins T, Nguyen J, Polglaze Kate & Bertrand P. (2016): Influence of Tryptophan and Serotonin on Mood and Cognition with a Possible Role of the Gut-Brain Axis. Nutrients 2016:8: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4728667/, Zugriff am 20.04.2020.

Lespérance F, Fransure-Smith N, St-André E, et al. (2011): The efficacy of omega-3 supplementation for major depression: a randomized controlled trial. J Clin Psychiatry 2011:72:1054-62. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20584525, Zugriff am 20.04.2020.

Markus C, Panhuysen G, Jonkman L & Bachmann M. (1999): Carbohydrate intake improves cognitive performance of stress-prone individuals under controllable laboratory stress. Br J Nutr 1999:82:457-67. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10690161, Zugriff am 20.04.2020.

NN (2015): Zytokine – Fett fördert Entzündung und Depression. ÄrzteZeitung 2015. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Fett-foerdert-Entzuendung-und-Depression-247117.html, Zugriff am 20.04.2020.

Pinto-Sanchez M, Hall G, Ghajar K, et al. (2017): Probiotic Bifidobacterium longum NCC3001 Reduces Depression Scores and Alters Brain Activity: A Pilot Study in Patients With Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology 2017:153:448-59. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28483500, Zugriff am 21.04.2020.

Slyepchenko A, Maes M, Jacka F, et al. (2017): Gut Microbiota, Bacterial Translocation, and Interactions with Diet: Pathophysiological Links between Major Depressive Disorder and Non-Communicable Medical Comorbidities. Psychother Psychosom 2017:86:31-46. https://www.karger.com/Article/FullText/448957, Zugriff am 21.04.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Glücksnahrung – Besser essen für Geist und Seele: Teil 1

Essen ist mehr als die bloße Aufnahme von Nährstoffen. Essen macht zufrieden und glücklich. Einigen Lebensmitteln wird zudem eine stimmungsverbessernde Wirkung zugeschrieben: Die sogenannte Glücksnahrung (Mood Food). Was an der Ernährungsweise dran ist und weshalb die Lebensmittelauswahl Körper, Geist und Seele beeinflusst, erfahren Sie in diesem Artikel.

Glücksnahrungsmittel sind Nudeln, Fisch, Öl und viele Obstsorten

Was ist Glücksnahrung?

Glücksnahrung (Mood Food) sind Lebensmittel wie Bananen und Parmesankäse, die reich an der Aminosäure Tryptophan sind. Sie können die körpereigene Bildung vom Glückshormon Serotonin steigern. Serotonin wird mit Hilfe von Tryptophan gebildet. Aber auch kohlenhydratreiche Lebensmittel, Fisch und bestimmte Fettsäuren zählen zur Glücksnahrung.

Essen und Psyche stehen in einem engen Zusammenhang. Aber gibt es tatsächlich Lebensmittel, mit der sich eine Depression gezielt vorbeugen oder behandeln lässt? 

Je nachdem aus welchem Blickwinkel die Frage betrachtet wird, fällt die Antwort unterschiedlich aus.

Aus ernährungswissenschaftlicher und biochemischer Sicht können bestimmte Lebensmittel und Nährstoffe die Stimmung beeinflussen.

Tryptophan: Die Vorstufe vom Glückshormon Serotonin

Tryptophan ist eine Vorläufersubstanz vom „Glückshormon“ Serotonin und beeinflusst die Stimmung nachweislich. Menschen mit depressiven Beschwerden haben im Vergleich zu gesunden Personen einen 50 Prozent niedrigeren Serotoninspiegel im Blut. Allerdings hat die Einnahme von Serotonin keinen Einfluss auf die Stimmung, da es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Tryptophan hingegen gelangt ins Gehirn: Allerdings konkurriert die Aminosäure mit anderen Eiweißbausteinen wie Valin und Leucin, sodass die Aminosäure nicht vollständig aufgenommen werden kann. 

Bestimmte Lebensmittel wie Sojabohnen/ Tofu, Bananen, Feigen, Parmesankäse und Schokolade enthalten allerdings besonders viel Tryptophan. Und in der Tat, konnte in einigen Studien ein Effekt auf die Stimmung durch den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel beobachtet werden – wenngleich auch nur kurzzeitig. Mit anderen Worten: Um die Stimmung dauerhaft zu verbessern, scheint die Tryptophanmenge in den Lebensmitteln zu gering zu sein. 

Wissenswertes 

Um einen stimmungsaufhellenden Effekt durch Tryptophan zu erreichen, wird die Einnahme von mindestens 1.000 Milligramm täglich empfohlen. Diese Menge stecken in etwa 170 Gramm Sojabohnen, 180 Gramm Parmesan-Käse oder 200 Gramm Datteln.

Die Einnahme von Tryptophan als Präparat ist in Ländern wie Kanada und Großbritannien als Medikament bei leichten Depressionen zugelassen. Im deutschsprachigem Raum ist Tryptophan als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Wichtig ist, dass die Einnahme von tryptophanhaltigen Präparaten nicht mit der Medikamentengruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer kombiniert werden dürfen. Die Symptome der Depression können sich sonst verschlimmern. Für den Genuss tryptophanhaltiger Lebensmittel gilt diese Warnung aber nicht, da die Menge der Aminosäure in Lebensmitteln zu niedrig ist.

Serotoninspiegel bei Depression versus gesunde Menschen
Das Glückshormon Serotonin wird mit Tryptophan gebildet

Nudeln machen glücklich – oder nicht?

Eine Tryptophan-Diät alleine scheint demnach nicht die Lösung gegen depressive Symptome zu sein. Allerdings ist schon seit Ende der 1990iger Jahre der Einfluss kohlenhydratreicher und eiweißarmer Lebensmittel auf die Stimmung bekannt. Menschen, die sich bei Stress besonders schnell niedergeschlagen fühlen oder Stimmungsschwankungen haben, haben weniger Symptome, wenn sie vier Wochen lang regelmäßig Gerichte mit mehr als 60 Prozent Kohlenhydraten aber einem niedrigen Eiweißgehalt aßen: So das Ergebnis der niederländischen Studie. Zudem wurde bei den Studienteilnehmern ein niedrigerer Cortisonwert im Speichel während Stresssituationen gemessen. Cortison ist ein Stresshormon. In belastenden Situationen steigt es im Körper an. Auf Menschen, die nicht von depressiven Symptomen betroffen sind, hat die kohlenhydratreiche und eiweißarme Ernährungsweise hingegen keinen Einfluss auf die Stimmung und den Cortiosonspiegel.

Es gibt zwei Erklärungsansätze dafür, weshalb Kohlenhydrate die Stimmung heben:

  • Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel werden im Körper in großen Mengen zu Traubenzucker (Glucose) umgewandelt. Vergleichbar mit einem Dominoeffekt regt Glucose die Bildung und Ausschüttung von Insulin in der Bauspeicheldrüse an. Insulin steigert seinerseits wiederum den Tryptophanspiegel im Gehirn. Tryptophan dient wie bereits oben beschrieben als Ausgangssubstanz für die Bildung von Serotonin.
  • Steigt der Insulinspiegel im Blut durch den Verzehr kohlenhydratreicher Lebensmittel an, werden die konkurrierenden Aminosäuren vom Tryptophan vermehrt ins Muskelgewebe verdrängt, während Tryptophan im Blut verbleibt. In Folge gelangen größere Mengen ins Gehirn, wo wiederum Serotonin gebildet wird.
Werden viele zuckerreiche Lebensmittel und Weißmehlprodukte gegessen, fährt der Blutzuckerspiegel Achterbahn

Über gute und böse Kohlenhydrate

Eine Ernährungsweise mit mehr als 60 Prozent Kohlenhydraten, aber wenig Eiweiß kann allerdings auch negative Folgen haben – besonders wenn zu viele „böse“ Kohlenhydrate auf dem Speiseplan stehen. Gemeint sind Zucker, Weißmehlprodukte und große Mengen Obst (mehr als 250 Gramm pro Tag). Werden zu viele Gummibonbons, Schokolade, Baguette, Toast und Co. gegessen, begibt sich der Blutzuckerspiegel auf eine regelrechte Achterbahnfahrt: Wird viel Insulin ausgeschüttet, fühlt man sich zwar kurzzeitig gut. Lässt die Wirkung nach, fällt der Insulinspiegel in den Keller, was wiederum Stress auslöst und den Griff zu noch mehr Essen fördert. In Folge steigt das Gewicht und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck kann entstehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, viele „gute“ Kohlenhydrate zu essen, die zum Beispiel in Vollkornnudeln, Vollkornbrot und Haferflocken stecken. Die niederländische Studie zeigte, dass der tägliche Verzehr von 41 Prozent Kohlenhydraten keinen stimmungshebenden Effekt bei depressiven Menschen hatte. 

Daher kann auch die Frage gestellt werden, ob es tatsächlich über 60 Prozent Kohlenhydrate täglich für die Nährstoffversorgung sein müssen, oder ob der Verzehr von 50 Prozent wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, ausreichen.

Vitamin D fördert die Serotoninbildung

Neben Kartoffeln, Reis, Brot und Co. hat auch Vitamin D einen Einfluss auf die Stimmung. Vitamin D ist eine hormonähnliche Substanz, die entweder über die Haut durch Sonnenlicht gebildet wird oder über die Nahrung aufgenommen werden kann. In nennenswerten Mengen ist Vitamin D allerdings nur in fettem Fisch enthalten, beispielsweise in Hering und Lachs. Fehlt es im Herbst und Winter an Sonnenlicht, steigt oft der Heißhunger auf Süßigkeiten. Ein Grund hierfür ist, dass Vitamin D an der Bildung von Serotonin beteiligt ist: Sinkt der Vitamin-D-Spiegel im Blut ab, kann es zu einem Abfall der Serotoninkonzentration im Gehirn kommen. Aus diesem Grund kann es während der dunklen Jahreszeit sinnvoll sein, den Vitamin-D-Spiegel vom Arzt oder Heilpraktiker prüfen zu lassen.

Licht und gute Laune stehen aber nicht nur im Zusammenhang mit der Vitamin-D-Versorgung. Wer im Winter an depressiven Beschwerden leidet, dem kann auch die Lichttherapie helfen, denn helles Licht steigert für sich genommen die Serotoninbildung im Gehirn indem es den Melatoninspiegel senkt. Melatonin ist ein Hormon, das müde macht und für einen guten Schlaf sorgt. In großen Mengen kann es jedoch die Entstehung von Depressionen fördern.

Während die UV-B-Strahlen vom Sonnenlicht die Vitamin-D-Bildung in der Haut anregen und so den Serotoninspiegel ansteigen lassen, ist es bei der Lichttherapie das helle Licht an sich. Bei dem Verfahren kommen keine UV-Strahlen zum Einsatz, da diese die Haut schädigen können.

Helfen Fisch und Fett gegen depressive Beschwerden?

In Ländern, in denen viel Fisch gegessen wird, leiden die Menschen seltener an Depression als in anderen Staaten. Für die Gründe gibt es mehrere Theorien. Zu den wichtigsten gehören die Wirkungen von Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D auf die Stimmung:

  • Fetter Fisch wie Aal, Hering, Lachs und Sardinen sind reich an verschiedenen Omega-3-Fettsäuren. Auch Rapsöl, Leinöl und Leinsamen, Perillaöl und Chiasamen enthalten viel von der pflanzlichen Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure, die aber schwächer wirksam ist als ihre tierischen Verwandten. Omega-3-Fettsäuren sind Bestandteile von Nervenzellen im Gehirn und tragen zu einem ausgeglichenen Serotonin-Spiegel bei. Fehlen Omega-3-Fettsäuren sinkt der Serotoninspiegel ab. Erste Studien am Menschen ergaben, dass die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren die Stimmung verbessert. Dieser Effekt wird zudem der antientzündlichen Wirkung der Omega-3-Fettsäuren zugeschrieben.
  • Fisch, der reich an Omega-3-Fettsäuren ist, enthält gleichzeitig viel Vitamin D. Vitamin D fördert wiederum die Bildung von Serotonin.

Ob ein reichlicher Fischverzehr tatsächlich der Entstehung einer Depression vorbeugen kann, oder gar zu einer Abmilderung der Symptome bei einer bestehenden Depression beiträgt, kann noch nicht abschließend beantwortet werden. In jedem Fall ist es aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll, zweimal pro Woche oder häufiger Fisch zu essen. Das bestätigt auch die DGE.

Wissenswertes für Veganer und Vegetarier 

Veganer und Vegetarier versorgen sich durch den Verzehr von pflanzlichen Fetten, Ölen, Nüssen und Samen mit Omega-3-Fettsäuren. Wer Omega-3-Fettsäuren aus medizinischen Gründen ergänzen möchte, kann auf ein Produkt aus Algenöl zurückreifen. Es enthält wie Fischöle Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). EPA und DHA sind wirksame Omega-3-Fettsäuren.

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Wie es weiter geht…

In der nächsten Woche geht es weiter zu Thema Glücksnahrung. Sie erfahren, was Depressionen mit Bauchfett zu haben, weshalb der Darm einen Einfluss auf die Gefühlswelt ausübt und welche Rolle das Umfeld und Gewohnheiten mit Ernährung und Depression zu tun haben.

Quellen und Literatur

Jenkins T, Nguyen J, Polglaze Kate & Bertrand P. (2016): Influence of Tryptophan and Serotonin on Mood and Cognition with a Possible Role of the Gut-Brain Axis. Nutrients 2016:8: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4728667/, Zugriff am 20.04.2020.

Lespérance F, Fransure-Smith N, St-André E, et al. (2011): The efficacy of omega-3 supplementation for major depression: a randomized controlled trial. J Clin Psychiatry 2011:72:1054-62. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20584525, Zugriff am 20.04.2020.

Markus C, Panhuysen G, Jonkman L & Bachmann M. (1999): Carbohydrate intake improves cognitive performance of stress-prone individuals under controllable laboratory stress. Br J Nutr 1999:82:457-67. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10690161, Zugriff am 20.04.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Lichttherapie: gute Laune und gesunde Haut

Winterdepression, Müdigkeit, Migräne, Bulimie, Schuppenflechte und Schlafstörungen sind eine kleine Beschwerdeauswahl, bei der die Lichttherapie helfen kann. Allerdings gilt: Lichttherapie ist nicht gleich Lichttherapie. Hier erfahren Sie Wissenswertes über die Hintergründe der Lichttherapie, und wie Sie eine Lichttherapie richtig durchführen.

Die Lichttherapie hilft bei verschiedenen Beschwerden

Lichttherapie: Was ist das? 

Die Lichttherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verfahren, mit deren Hilfe bestimmte gesundheitliche Beschwerden effektiv behandelt werden können. Sie reichen von seelischen Beschwerden über Hauterkrankungen bis hin zur Neugeborenengelbsucht. Ihre Ursprünge sind auf Beobachtungen zurückzuführen, denn viele Menschen leiden in der Zeit zwischen Oktober und März an getrübter Stimmung, Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Schätzungen zufolge, sind zudem jedes Jahr in diesem Zeitraum zehn bis 20 Prozent der Menschen von einer Winterdepression betroffen – eine ernsthafte Erkrankung. Werden die Tage hingegen wieder länger und heller, sind die traurigen Symptome wie weggefegt! Hier setzt die Lichttherapie an: Gezielt eingesetzt, lassen sich mit sehr hellem Licht depressive Beschwerden herabsetzen. 

Anwendungsgebiete der Lichttherapie 

Lichttherapien haben ein breites Anwendungsspektrum. Ihre Wirkungen sind je nach Licht-Art und Anwendungsform allerdings überaus verschieden. Zu den bekanntesten Verfahren gehören:

  • Lichttherapie mit hellem Licht, beispielsweise bei depressiven Beschwerden, Schlafstörungen und Migräne
  • Lichttherapie mit UV-Strahlung, zum Beispiel bei Schuppenflechte und Schmetterlingsflechte und
  • Lichttherapie mit kurzwelligem, blauen Licht bei Neugeborenen mit Gelbsucht

Lichttherapie mit hellem Licht

Wer während der dunklen Jahreszeit morgens ständig grummelig und traurig aufwacht, schlecht aus dem Bett kommt und auch tagsüber antriebslos und ohne erkennbaren Grund müde ist, dem kann die Lichttherapie helfen. Die Lichttherapie nützt zudem Menschen, die von einer Winterdepression betroffen sind. In Fachkreisen wird übrigens bei Winterdepressionen auch von saisonal abhängige Depression gesprochen, kurz SAD. Die Wirksamkeit der Lichttherapie bei Depressionen ist gut untersucht und gilt als wissenschaftlich belegt. Daher kommt die Lichttherapie mit ihren speziellen Lampen nicht nur zu Hause, sondern auch in Kliniken zum Einsatz. 

Zudem gibt es ermutigende Hinweise dafür, dass die Lichttherapie mit hellem Licht auch bei anderen Beschwerden helfen kann, die nicht immer mit depressiven Beschwerden einhergehen. Zu den wichtigsten gehören:

  • Migräne
  • Schlafstörungen
  • Essstörungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Anorexie (Magersucht) und Binge-Eating (Esssucht)
  • Burn-Out

Die Beleuchtungsstärke ist wichtig

Bei der Lichttherapie mit hellem Licht werden spezielle Licht-Therapielampen eingesetzt, die an jedem Ort angewendet werden können. Diese Lampen haben eine Stärke zwischen 2.500 bis 10.000 Lux. Zum Vergleich: Gut beleuchtete Räume haben rund 500 Lux.

Je nachdem wie stark die Lampe ist, sollte die „Lichtdusche“ zwischen 30 und 60 Minuten betragen. Einige Therapeuten empfehlen sogar eine Anwendung von bis zu zwei Stunden. Wichtig bei der Lichttherapie ist, dass die Augen geöffnet sind, da die Wirkung vom Licht mehrheitlich über die Augen und weniger über die Haut erzielt wird. Zu diesem Zweck werden das Rotlicht und die UV-Strahlen aus dem Licht herausgefiltert. Andernfalls können Nebenwirkungen auftreten. 

Ein Lichtbad nehmen und dabei lesen

Während der Lichttherapie können alle anderen Tätigkeiten durchgeführt werden, lesen, Musik hören oder Musik spielen zum Beispiel. Einzig bei bekannten Augenschäden, sollte vorab mit einem Augenarzt abgeklärt werden, ob die Lichttherapie geeignet ist.

Wissenswertes 

Die Lichttherapie mit hellem Licht wird idealerweise am Vormittag, besser noch direkt nach dem Aufwachen durchgeführt. Der Grund hierfür ist simpel: Im Herbst und Winter sind die Tage kurz und damit ist die Sonneneinstrahlung vermindert. Fehlt Licht, beginnt der Körper das Schlafhormon Melatonin zu bilden, weswegen jeder Mensch abends bei Dunkelheit müde wird. Ein zu viel an Melatonin kann allerdings auch Depressionen fördern oder auslösen. Hinzu kommt, dass bei Lichtmangel der Spiegel am Glückshormon Serotonin abfällt, da der Körper natürlicherweise Serotonin in Melatonin umwandelt. Das helle Licht bremst die Melatonin-Bildung sofort. Menschen, die ein Morgentief und den Rest des Tages weniger Beschwerden haben, können also von der Lichttherapie als Lichtdusche am Morgen profitieren.

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Lichttherapie mit UV-Strahlung (Phototherapie)

Eine Lichttherapie mit UV-Strahlen wird bei Erkrankungen der Haut angewendet. Beispiele für den Einsatz der Lichttherapie mit UV-Strahlen sind:

  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes)
  • Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • Weißfleckenkrankheit (Vitiligo)
  • Knötchenflechte (Lichen ruber)
  • T-Zell-Lymphome der Haut (Mycosis fungoides)
Lichttherapien mit UV-Strahlen können die Haut altern lassen

Wissenswertes 

Lichttherapien mit UV-Strahlen können Entzündungen in der Haut lindern. Sie vermindern zudem Juckreiz und regen die Regeneration der Haut an, sodass sie sich schneller erneuert. Auch das Immunsystem soll durch die Lichttherapie gestärkt werden.

Die Lichttherapie mit UV-Strahlen wird mit Teil- oder Ganzkörper-Bestrahlungsgeräten durchgeführt, etwa in einer Kabine. Die speziellen Beleuchtungsröhren kommen meistens in Hautarzt-Praxen zum Einsatz. Um die Augen vor den Strahlungen zu schützen, tragen Betroffene während der Behandlung eine UV-Schutzbrille. Unterschieden werden zwei Verfahren:

  • Psoralen-UV-A-Therapie (kurz PUVA): Die PUVA-Therapie gilt als besonders effektiv. Zur Vorbereitung auf die eigentliche Lichtbehandlung nehmen Betroffene eine Tablette mit dem Wirkstoff Psoralen ein, wenn eine Ganzkörper-Bestrahlung nötig ist. Alternativ tragen sie eine Creme mit dem Wirkstoff auf oder nehmen ein (Teil-)Bad mit Psoralen, wenn einzelne Hautstellen betroffen und bestrahlt werden sollen. Psoralen ist ein Pflanzenstoff, der die Haut empfindlicher für UV-A-Bestrahlung macht. Die Effekte der PUVA-Lichttherapie werden erst mit der Zeit sichtbar. Oft sind 15 bis 30Anwendungen nötig, um eine Verbesserung zu erzielen. Wer eine PUVA-Therapie durchführt, muss zudem beachten, dass die Haut durch das Psoralen mindestens zwölf Stunden sehr sensibel ist. Ein durchgängiger Hautschutz im Freien und das Tragen einer Schutzbrille auch im Haus, ist während dieser Zeit nötig. UV-A-Strahlen gelangen auch durch das Fensterglas in geschlossene Räume.
  • Schmalband UV-B-Therapie: Nach dem aktuellen Stand der Forschung ist die UV-B-Therapie schwächer wirksam als die PUVA-Therapie. Sie soll aber weniger Nebenwirkungen haben. Bei der Schmalband UV-B-Therapie werden betroffene Hautareale mit einer Wellenlänge von 311 bis 313 Nanometern bestrahlt. Gesunde Hautpartien bleiben unberührt.

Zu viele UV-Strahlen sind ungesund

Lichttherapien mit UV-Strahlen können auch mit Risiken verbunden sein. Die Entstehung von Hautkrebs etwa kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Menschen, die sehr empfindliche Haut haben, können von einer phototoxischen Reaktion betroffen werden. Dieser Effekt kann zudem durch die Einnahme von Pflanzen-Extrakten wie Johanniskraut gesteigert werden. Auch ist eine beschleunigte Alterung der Haut durch das Licht, Sonnenbrände, Bindehaut- und Hornhautentzündungen ebenso wie die Entstehung von Leberflecken möglich. Bei Menschen, die zu Lippenherpes neigen, wird zudem ein erhöhtes Aufflammen der Viruskrankheit beobachtet. 

Wissenswertes

Da Solarien zumeist ebenfalls UV-A-Strahlen „aussenden“, liegt der Gedanke nahe, die Lichttherapie statt in der Arztpraxis unter dem Solarium durchzuführen. Fachleute raten hiervon jedoch ab, da sich die Strahlen für Betroffene kaum richtig „dosieren“ lassen.

Auch der Gedanke an eine gesteigerte Vitamin-D-Bildung durch UV-Strahlen klingt logisch. Und tatsächlich bildet der Körper durch UV-B-Strahlen das Sonnenvitamin. Bei einer Wellenlänge zwischen 290 bis 325 Nanometern wird das Provitamin D3 gebildet. Die Schmalband UV-B-Therapie könnte also tatsächlich einen Beitrag zur Vitamin D-Bildung liefern. Eine PUVA-Therapie oder ein Sonnenbad unter dem Solarium taugen hingegen nichts: Der Grund ist die Strahlungsart, denn Vitamin D kann nicht mit UV-A-Strahlen gebildet werden.

Babys mit Neugeborenengelbsucht werden mit Lichttherapie behandelt

Lichttherapie mit kurzwelligem, blauen Licht 

Entsteht im Körper von Babys zu viel vom gelben Blutfarbstoff Bilirubin, wird bei Neugeborenen einer speziellen Form der Gelbsucht (Ikterus neonatorum) gesprochen. Die Leber vom Baby schafft es manchmal direkt nach der Geburt noch nicht das Bilirubin abzubauen, so dass es sich im Gewebe ablagert und die Haut sowie Augen gelb färbt. Auch Teilnahmelosigkeit und Trinkunlust können auftreten. Wird die Neugeborenengelbsucht nicht behandelt, lagert sich der Blutfarbstoff im schlimmsten Fall im Gehirn ab. Um dies zu verhindern, kommt ab einem Bilirubingehalt von etwa 18 Milligramm pro Deziliter die Lichttherapie zum Einsatz. 

Bei diesem Verfahren wird Baby´s Haut ohne Unterbrechung mit sichtbarem, blauem und weißem Licht, aber ohne UV-Strahlen bestrahlt. Trotzdem müssen die Augen des Neugeborenen verbunden werden: Das Licht könnte sonst die Netzhaut schädigen. 

Der spezielle Energiebereich vom Licht trägt dazu bei, dass das Bilirubin in der Haut abgebaut wird und dann als wasserlöslicher Stoff mit dem Urin ausgeschieden werden kann. So wird die Leber entlastet und die Gelbfärbung von Haut und Augen nimmt ab.

Die Dauer der Lichttherapie hängt von der Menge des Bilirubins im Blut ab.

Tipp!

Wer von Muskel- und Gelenkschmerzen und einer schlechten Durchblutung betroffen ist, dem kann eine Rotlicht-Therapie helfen. Auch gegen Halsschmerzen und die Symptome einer Nasennebenhöhlenentzündung kann die Infrarotstrahlung nützen. 

Zusammenfassung

Die Lichttherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verfahren, bei denen Licht als Therapie eingesetzt wird. Helles Licht, ohne UV-Strahlen, kommt beispielsweise gegen Winterdepression, Burn-Out und Migräne zum Einsatz. Die Lichttherapie mit hellem Licht ist üblicherweise gut verträglich. Risiken durch die Behandlung gibt es nur wenige. 

Gänzlich andere Anwendungsbereiche haben Lichttherapien mit UV-Strahlen: Sie werden bei entzündlichen Hauterkrankungen und Autoimmunerkrankungen angewendet, die sich über die Haut äußern. Die effektivste Behandlungsmethode von Schuppenflechte, Neurodermitis und Weißfleckenkrankheit unter den Lichttherapien ist die Psorale-UV-A-Lichttherapie. Lichttherapien mit UV-Strahlen haben jedoch auch Risiken: Sie können zum Beispiel einen Sonnenbrand verursachen und die Haut schneller altern lassen. Andererseits regt die Therapie aber auch die Regenerationsfähigkeit der Haut an.

Auch für die Kleinsten unter uns kommt die Lichttherapie in Frage: Kurzwelliges, blaues Licht wird bei Neugeborenengelbsucht eingesetzt. Das Licht enthält keine UV-Strahlen. Dafür fördert es den Abbau vom Blutfarbstoff Bilirubin und entlastet so Baby´s Leber.

Literatur und Quellen

Chen X, Yang M, Cheng Y, et al. (2013): Narrow-band ultraviolet B phototherapy versus broad-band ultraviolet B or psoralen-ultraviolet A photochemotherapy for psoriasis. Cochrane Database Syst Rev 2013:10. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009481.pub2/full, Zugriff am 14.04.2020.

Kinder- & Jugendärzte im Netz (2018): Neugeborenen-Gelbsucht (Neugeborenen-Ikterus). https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/neugeborenen-gelbsucht-neugeborenen-ikterus/#c1044, Zugriff am 14.04.2020.

Sonnenmoser, M (2002): Hautkrankheiten: Wechselwirkung zwischen Haut und Psyche. Deutsches Ärzteblatt 2002:11:501. https://www.aerzteblatt.de/archiv/34406/Hautkrankheiten-Wechselwirkung-zwischen-Haut-und-Psyche, Zugriff am 14.04.2020.

Ziehaus O & Kerckhoff A (2016): Was tun bei…Depression. 2. Auflage, KVC-Verlag Essen.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Bärlauch (Allium ursinum): Vitamin C-reicher Waldbewohner

Wenn im Frühjahr die Sonne an Kraft gewinnt, beginnt die Zeit des Bärlauchs. Die un-überriechbare Wildpflanze sprießt dann auf nährstoffreichen Waldböden und breitet sich wie ein grüner Teppech über ihn aus. Für Pflanzenfreunde beginnt nun ein Festmahl, denn der Bärlauch ist ein leckeres Lebensmittel, aromatisches Gewürz und eine Heilpflanze in einem. Was den Bärlauch so gesund macht, und wie er richtig eingesetzt wird, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bärlauch ist ein Lauchgewächs und blüht im Frühjahr

Im März, wenn die Tage spürbar länger werden und die Temperaturen zu steigen beginnen, zieht es die Menschen mehr und mehr nach draussen ins Freie. Nach den langen, düsteren und kalten Wintermonaten läd die Frühlingssonne geradezu mit Nachdruck zu Spaziergängen ein. Wer sich dann auf einen Gang durch den Wald begibt, bemerkt vielerorts einen würzigen Geruch, der beim genaueren Hinriechen an Knoblauch erinnert. Es ist der Bärlauch, ein enger Verwandter vom Knoblauch. Schon im März ragen seine Blätter an halbschattigen und schattigen Orten aus dem Waldboden heraus. Seine Blüte lässt sich erst später blicken, im April oder im Mai. Das kommt ganz auf den Standort und das Klima an.

Ein grüner Teppich aus Bärlauch

Zurückhaltend ist der Bärlauch nicht. Er verfügt über einen starken Ausbreitungsdrang und besiedelt gerne großflächig mehrere hunderte Quadratmeter Waldboden, bis es an der Zeit ist sich erneut zurückzuziehen und anderen Waldbewohnern Platz zu machen. Meistens ist das im Mai oder Juni der Fall. Auf der anderen Seite ist der Bärlauch auch empfindlich, zumal er sich den Platz im Wald und an Wegrändern mit anderen Pflanzen teilen muss. Da kann es schon mal vorkommen, dass eine Horde Buschwindröschen noch ein wenig durchsetzungsfähiger ist, und den Waldboden für sich beansprucht. Meistens aber arrangieren sich die Frühlingspflanzen untereinander.

Bärlauch liebt nährstoffreiche, lockere und feuchte Waldböden

Was der Bärlauch nicht verträgt, sind harte Gewerke. Auf verdichteten und überanspruchten Waldböden überlebt der Bärlauch nicht. Vielerorts aber, zum Beispiel in den Wädern zwischen Ulm und Stuttgart sowie im Harz wächst und gedeiht er geradezu massenhaft. Das ist erfreulich, denn der Bärlauch ist essbar und vielseitig einsetzbar.

Wissenswertes

Wer wenig oder keine Erfahrung zum Bestimmen von essbaren Wildpflanzen und Heilkräutern hat, kann zum Beispiel an einem Bestimmungs- und Enddeckungskurs von ausgebildeten Botanikern oder Kräuterpädagogen teilnehmen. In den Kursen lernen Sie, wie Bärlauch in seinem natürlichen Lebensraum aussieht und von anderen Pflanzen zu unterscheiden ist. So können Verwechslungen mit anderen Pflanzen, wie dem Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose vermieden werden. Auch die Benutzung von Bestimmungsbücher kann helfen.

 

Bärlauchkraut speichert Alliine und Flavonoide

Zerreibt man die Blätter von frischem Bärlauch zwischen den Fingern, wird ein knoblauchähnlicher Geruch freigesetzt. Das liegt an schwefelhaltigen Verbindung im Bärlauch, die Alliine. Werden die Blätter vom Bärlauch zerdrückt oder zerschnitten, bauen bestimmte Enzyme in den Zellen vom Bärlauch das Alliin in die wirksame Substanz Allicin ab. Allicin wirkt leicht blutdruck- und cholesterinsenkend sowie antibakteriell. Außerdem tragen die Schwefelverbindungen dazu bei Insekten abzuwehren.

Wissenswertes

Der Anteil an schwefelhaltigen Verbindungen ist rund 1/3 niedriger als beim Knoblauch. Folglich ist seine Wirksamkeit schwächer als die vom Knoblauch. Als Vorteilhaft empfinden viele Menschen, dass der typische Knoblauchgeruch nach dem Verzehr aus dem Mund und der Haut beim Bärlauch nicht oder weniger stark ausgeprägt ist.

Weitere Inhaltsstoffe vom Bärlauch sind Flavonoide und Lektine.

Bestimmte Inhaltsstoffe im Bärlauch können die Gefäßgesundheit verbessern

Der Bärlauch in der Medizin

In der Volksheilkunde hat der Bärlauch eine lange Tradition. In der modernen Phytotherapie spielt die Pflanze hingegen eine untergeordnete Rolle.

Wissenswertes

In der Volksheilkunde wird Erfahrungswissen über die Wirkungen und Anwendung von Heilpflanzen innerhalb der Bevölkerung weitergegeben. Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in der Volksmedizin keine oder eine untergeordnete Rolle. In der Phytotherapie ist es umgekehrt: Hier gelten die selben Regeln wie in der konventionellen Medizin. Mit anderen Worten: Ob eine Heilpflanze als wirksam oder unwirksam eingestuft wird, wird anhand der selben Bewertungskriterien ermittelt, die auch für synthetische Arzneimittel gelten.

Anwendungsgebiete aufgrund erster Studien

Tier- und Laboruntersuchungen ergaben, dass die Extrakte aus dem Bärlauch vergleichbare Wirkungen wie der Knoblauch hat. Der regelmäßige Verzehr könnte helfen um

  • Den Blutdruck leicht zu senken
  • Den Cholesterinspiegel herabzusetzen
  • Die Entstehung von Atheriosklerose (Gefäßverkaltung) zu mindern
  • Die Fließeigenschaften vom Blut durch eine leicht blutverdünnende Wirkung zu verbessern
  • Das Herz zu schützen

Anwendungsgebiete in der Volksmedizin

Traditionell und aufgrund von Erfahrung werden die Blätter und das Kraut vom Bärlauch eingesetzt bei:

  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen (durch Bakterien im Magen)
  • Äußerlich bei Hautausschlägen

Die Einzelportion, Tagesmenge und der Einsatz von Bärlauch in der Medizin

Trotz des therapeutischen Potentials vom Bärlauch, wird die Pflanze in erster Linie als Gemüse- und Gewürzpflanze verwendet. Aus diesem Grund liegen genaue Angaben zur Dosierung vom Bärlauch nicht vor.

Zubereitungen mit Bärlauch wie zum Beispiel Frischpflanzensaft, Tropfen und Kapseln erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und im Online-Handel.

Bärlauch Tinktur

  • 20 Gramm frische, junge Bärlauchblätter
  • 100 Milliliter hochprozentigen Alkohol (mind. 50%)

Zerschneiden Sie die gewaschenen Bärlauchblätter und füllen sie diese in eine beschriftete Braunglasflasche. Übergießen Sie die Blätter mit dem Alkohol, dann den gut verschlossenen Ansatz für drei Wochen ziehen lassen. Gelegentlich schütteln.

Die Tinktur durch einen Teefilter oder ein feines Sieb abfiltern, zurück in die Braunglasflasche füllen und einen Tropfeinsatz (erhältlich in Apotheke oder Online-Handel) hinzufügen. Dreimal täglich 20 Tropfen einnehmen. Die Tinktur innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.

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Der Bärlauch als Lebensmittel

Blätter, Stängel, Blüten und Zwiebeln vom Bärlauch sind essbar. Die oberirdischen Pflanzenteile werden zwischen März und Mai geerntet, die Zwiebeln im Herbst. Wenn Sie den Bärlauch einwandfrei identifizieren können, kann die Pflanze im Wald gesammelt werden. Alternativ bieten Direktvermarkter (Bauernhöfe) und gut sortierte Supermärkte die aromatischen Blätter im Frühjahr zum Kauf an.

Falls Sie schon einmal eine Bärlauchsuppe genossen haben, kennen Sie bereits den aromatisch-würzigen Geschmack der Pflanze. Bärlauch kann aber auch als Belag für Pizza, zur Herstellung von Pesto, Kräuterbutter und Gewürzmischungen verwendet werden.

Hinsichtlich der Nährstoffe sind die Blätter vom Bärlauch am besten untersucht. Ihr Gehalt kann allerdings je nach Standort, Boden, Klima und Jahreszeit schwanken.

Nährstoffe

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Energie in Kilokalorien (kcal)

23

Eiweiß

0,90 Gramm

Fett

0,30 Gramm

Kohlenhydrate

2,93 Gramm

Ballaststoffe

2,18 Gramm

Wasser

92,64 Gramm

 

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

336 Milligramm

4000 Milligramm

Magnesium

22 Milligramm

350-400 Milligramm

Kalzium

76 Milligramm

1000 Milligramm

Eisen

2,87 Milligramm

10,0-15,0 Milligramm

Kupfer

80,0 Mikrogramm

1.000-1.500 Mikrogramm

Vitamin C

150 Milligramm

95-110 Milligramm

Folsäure

17 Milligramm

300 Milligramm

Thiamin (Vitamin B1)

0,13 Milligramm

1,2 Milligramm (Männer), 1,0 Milligramm (Frauen)

Vitamin B6

0,20 Milligramm

1,6 Milligramm (Männer), 1,4 Milligramm (Frauen)

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz in der Küche

Bärlauchblätter oder Bärlauchkraut können roh, gekocht oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel für Pesto, Salate und Suppen. Trocknen erhöht die Haltbarkeit der Blätter und des Krautes. Allerdings gehen dabei auch wertvolle Geschmacks- und Duftstoffe verloren.

Bärlauchpesto passt hervorragend zu Tomaten und Mozzarella

Bärlauchpesto für 6-8 Portionen

Als Zutaten für ein Bärlauchpesto brauchen Sie:

  • 200 Gramm frischer Bärlauch
  • 25 Gramm Pinienkerne, geröstet
  • 25 Gramm Parmesan, gerieben
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1 Messerspitze Pfeffer
  • 200 Milliliter Olivenöl

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden.
  2. Pinienkerne in einer Küchenmaschine fein zerhacken.
  3. Bärlauchblätter, Salz, Parmesan, Pfeffer und Olivenöl dazugeben und alles zu einem sämigen Pesto vermischen.
  4. Das Bärlauchpesto nun in ein beschriftetes Glas füllen und innerhalb von zwei Wochen verbrauchen.

Es schmeckt besonders gut zu Nudeln, auf Mozzarella-Käse, gekochten Eiern und zu warmen und kalten Gemüsegerichten.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 30 Minuten.

Kinder lieben grüne Nudeln

Bärlauchsuppe für 4 Portionen

Für die Bärlauchsuppe brauchen Sie:

  • 150 Gramm frische Bärlauchblätter
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • 5 mittelgroße Kartoffeln
  • 1,2 Liter Gemüsebrühe
  • 100 Milliliter Kokosmilch
  • 2 Esslöffel Rapsöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden. Vier kleine Bärlauchblätter zur Seite legen.
  2. Die Zwiebel abziehen, waschen und würfeln.
  3. Die Kartoffeln schälen, waschen und ebenfalls würfeln.
  4. Rapsöl im Topf erhitzen. Zwiebeln andünsten. Anschließend mit Gemüsebrühe übergießen und alles zum kochen bringen.
  5. Kartoffeln und Bärlauch hinzufügen. Die Suppe zehn bis 15 Minuten kochen lassen, dann alles pürrieren.
  6. Kokosmilch hinzufügen, die Zutaten verrühren und nochmals kurz aufkochen lassen.
  7. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann die Suppe mit einem Bärlauchblatt servieren.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 45 Minuten.

Die unerwünschten Wirkungen vom Bärlauch als Arzneimittel

In sehr hohen Mengen soll der Bärlauch Magenreizungen auslösen können.

Literatur

Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Die besten Hausmittel gegen Fieber

Fieber tritt als eine Abwehrreaktion vom Körper gegen Krankheitskeime auf. Dadurch können Viren und Bakterien besser bekämpft werden. Hausmittel helfen dabei, das Fieber zu lindern und das Immunsystem zu unterstützen. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bei Fieber ist das Immunsystem besonders aktiv

Fieber: Beschreibung und Ursachen

Bei Fieber steigt die Körpertemperatur auf über 38 Grad Celsius (°C) an. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Diese reagieren empfindlich auf die hohe Körpertemperatur und lassen sich dadurch besser bekämpfen. Gleichzeitig sind bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems bei Fieber besonders aktiv: Sie bedrängen die Krankheitskeime, greifen sie an und schalten sie dann aus. Wichtig bei Fieber ist, dem Körper Ruhe zu gönnen, sodass sich das Immunsystem voll auf seine Aufgabe konzentrieren kann. Ein Infekt klingt dann oft binnen weniger Tage wieder ab.

Neben der Abwehr von Krankheitskeimen kann Fieber zudem andere Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Autoimmunerkrankungen und Krebserkrankungen. 

Fieber entsteht im Gehirn

Fieber ist ein Symptom, das von einem Steuerungszentrum im Gehirn reguliert wird, dem Hypothalamus. Im Hypothalamus befindet sich das Wärmeregulationszentrum. Es erhält seine Informationen über Wärme- und Kältefühler, die sich im Körper und auf der Haut befinden. Misst der Hypothalamus zu warme Temperaturen im Körperinneren, werden die Blutgefäße der Haut weitergestellt und er befiehlt vermehrtes Schwitzen. Ist es im Körperinneren hingegen zu kalt, tritt das Gegenteil ein: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, Gänsehaut entsteht und ein Muskelzittern (Schlottern vor Kälte) wird „eingeleitet“, damit die Körperkerntemperatur ansteigt. 

Wie entsteht Schüttelfrost? 

Bei Fieber kann auch die Wärmeabgabe herabgesetzt werden. Die Blutgefäße in der Haut stellen sich enger, weswegen Menschen mit Fieber oft eine kalte, blasse Haut haben und trotz Wärme im Inneren nicht schwitzen. Diese Reaktion dient dazu den Stoffwechsel anzuregen: Es kommt zu Schüttelfrost (Muskelzittern), wodurch wiederum die Wärmebildung ansteigt.

Schwitzen und Schüttelfrost bei Fieber – Warum ist das so?

Ordnet der Hypothalamus an, das Fieber zu senken, weiten sich die Blutgefäße der Haut. Sie wird warm, rot und Betroffene beginnen zu schwitzen.

Sowohl der Schüttelfrost und das Schwitzen dienen dazu, dass übermäßige Wärme den Körper verlässt. In Folge kühlt der Körper ab.

Wie wird Fieber eingeteilt?

Fiebermessen im Po ist zwar unangenehm, aber am genausten. Die nachfolgenden Werte beziehen sich auf die Fiebermessung im Po (Rektalmessung):

Temperatur in Grad Celsius (°C)

Beurteilung

37,5 bis 38,0

Erhöhte Körpertemperatur

38,0 bis 38,5

Leichtes Fieber

38,5 bis 39,0

Fieber

39,0 bis 40,0

Hohes Fieber

Über 40°C

Sehr hohes Fieber

Fieber ist oft eine Reaktion gegen Krankheitskeime

Ursachen von Fieber

Fieber ist ein typisches Symptom bei einer Erkältung, Influenza-Grippe oder bei einer Infektion mit Corona Viren, COVID-19. 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Entzündungskrankheiten bei denen Fieber auftreten kann wie zum Beispiel Lungenentzündung, eitrige Mandelentzündung mit Halsschmerzen, Blutentzündung und akuten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. 

Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • Nierenbeckentzündung
  • Blinddarmentzündung
  • Entzündungen der Gefäße, der Leber und des Bindegewebes (Kollagenosen)
  • Krebserkrankungen wie Lymphdrüsenkrebs
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Tuberkulose
  • Allergien
  • Thrombose

Fieber: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Fieber ist bei einer Erkältung ein häufiges Symptom. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie Fieber über 39 Grad haben, aber keine Erkältungssymptome bestehen.
  • Sie hohes Fieber haben und gleichzeitig starke Kopfschmerzen bekommen, einen steifen Nacken oder Sie zunehmend teilnahmelos werden.
  • Sie mehr als drei Tage Fieber haben.
  • Sie in Intervallen Fieber haben.
  • Ihr Allgemeinzustand zunehmend schlechter wird.
  • Sie unsicher sind.

Achtung!

Ein Fieberkrampf ist ein Notfall.Tritt dieser bei Kindern erstmals auf oder hält länger als drei Minuten an, sollte ein Notarzt oder ein Kinderarzt gerufen werden. Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall, der an einen epilepsieartigen Anfall erinnert.

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Die besten Hausmittel gegen Fieber

Hausmittel bei Fieber helfen auf verschiedene Art und Weise. Bei erhöhter Körpertemperatur und Fieber ist Ruhe zudem eine wichtige unterstützende Maßnahme. Achten Sie generell darauf viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das vermehrte Schwitzen auszugleichen. Gut geeignet sind zimmerwarmes Wasser, Kräuter- und Früchtetees. Zudem sollten Sie die Körpertemperatur im Auge behalten und regelmäßig Fiebermessen.

Wadenwickel

Wadenwickel setzen die Körpertemperatur herab indem die kalte Nässe vom Wickel auf der warmen Haut des Fieber-Betroffenen verdunstet. Durch die Verdunstungskälte wird dem Körper Wärme entzogen und die Körpertemperatur fällt um 0,5 bis 2°C. Wichtig ist es den Wickel nach spätestens zehn Minuten zu entfernen, wenn die Tücher warm geworden sind.

Für einen Wadenwickel werden fünf Handtücher aus Naturfasern benötigt, zum Beispiel aus Baumwolle, Hanf oder Leinen: 

  • zwei Handtücher für die Innenlage
  • zwei Handtücher für äußere Lagen
  • ein großes Handtuch als Unterlage damit die Matratze nicht feucht wird und zusätzlich 
  • eine Wolldecke oder einen Schal. 

Synthetische Fasern lassen weder Feuchtigkeit noch Luft durch.

Anwendung

Ein Wadenwickel sollte im Liegen durchgeführt werden. Wichtig ist, dass der Körper vom Fieberpatienten mit Ausnahme der Waden warm gehalten wird, besonders die Füße. Bei einem Wadenwickel können daher Socken getragen werden. Um den Oberkörper warm zu halten, kann die wärmende Bettdecke helfen. Über die Unterschenkel sollte die Bettdecke aber nicht reichen, damit die Wärme von innen nach außen abgeleitet werden kann.

Für die Innenlagen zwei dünne Handtücher in kühlem Wasser tränken, das eine Temperatur von 16 bis 20 °C hat. Bei Kindern sollte die Temperatur höher sein und zwischen 28 bis 32 °C betragen, damit der Kreislauf nicht zu sehr beansprucht wird. Im nächsten Schritt werden die Tücher ausgewrungen und eng um die Waden gewickelt. Der Wickel sollte von der Kniekehle bis zum Fußgelenk reichen. Auf die feuchte Innenschicht folgen zwei weitere trockene Tücher, die um die feuchten Tücher gelegt werden. Abschließend erfolgt noch eine warme Lage, etwa eine Wolldecke.

Den Wickel nun zehn Minuten oder länger einwirken lassen, bis dieser warm geworden ist. Danach die Tücher entfernen und eine Pause von 15 bis 20 Minuten einhalten. Der Wadenwickel kann bis zur dreimal wiederholt werden. Die Anwendungen können somit zwischen 20 Minuten bis zwei Stunden dauern.

Vorsicht!

Ein Wadenwickel sollte nur dann angewendet werden, wenn der ganze Körper warm ist. Bei Schüttelfrost, kalten Händen und Füßen, sollten keine Wadenwickel angewendet werden, da die Umschläge das Fieber noch weiter ansteigen lassen und die Immunabwehr hemmen können. Nicht angewendet werden sollte ein Wadenwickel bei Durchblutungsstörungen der Beine, Fieber unter 39°C, bzw. unter 40°C bei Kindern, Infektionen der Harnwege und Ischiasnervproblemen.

Quark-Wadenwickel

Das Wirkprinzip vom Wadenwickel und Quark-Wadenwikel ist ähnlich. Der kalte Quark-Wickel soll die Wärme über die Haut abtransportieren und den Blut- und Lymphfluss aktivieren. Sie benötigen:

  • 250 bis 500 Gramm zimmerwarmen oder gekühlten Quark
  • zwei dünne Handtücher aus Baumwolle, Lein oder Hanffasern als Kompresse
  • zwei weitere Handtücher oder Mullbinden zum fixieren

Anwendung

Zimmerwarmer Quark wird messerrückendick auf das Handtuch verteilt und einmal gefaltet. Dann wird die Quark-Kompresse um die Waden gelegt. Wichtig ist, dass die Stoffseite vom Handtuch auf der Haut liegt und nicht der Quark. Jetzt kann der Quark-Wickel 15 bis 40 Minuten einwirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Vorsicht!

Menschen mit einer Kuhmilcheiweißallergie dürfen den Quarkwickel nicht anwenden. Gleiches gilt bei offenen Wunden.

Mädesüß ist eine einheimische Heilpflanze

Mädesüßtee

Die Blüten und das Kraut vom Mädesüß enthalten eine Vorläufersubstanz der sogenannten Acetylsalicylsäure (ASS), besser bekannt unter dem Markennamen Aspirin®. Der fiebersenkende und schmerzlindernde Inhaltsstoff der Mädesüßblüten und dessen Kraut sind aber für den Körper weniger belastend als ASS, da die aktive Substanz erst im Körper selbst gebildet wird.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (1 Gramm) getrocknete Mädesüßblüten oder einen Teelöffel (1-2 Gramm) Mädesüßkraut (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Pflanzenteile, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn Minuten ziehen lassen, dann die Blüten oder das Kraut abseihen.

Trinken Sie bis zu drei Tassen Mädesüßtee täglich. Bis eine Wirkung spürbar wird, können zwei Stunden oder mehr vergehen. 

Vorsicht!

Nicht bei einer Allergie gegenüber Salicylaten anwenden. Die gleichzeitige Anwendung von Salicylaten und anderen „Nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR) sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Bekannte NSAR-Wirkstoff sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Mädesüß bei schwangeren und stillenden Frauen vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden.

Weidenrindentee

Auszüge aus der Weidenrinde werden schon seit Jahrhunderten gegen Fieber und Schmerzen angewendet. Das Wirkprinzip ist mit dem vom Mädesüß vergleichbar. Bei der Anwendung der Weidenrinde als Tee ist zu beachten, dass ein Effekt frühestens zwei Stunden nach der Einnahme einsetzt. Grund hierfür ist, dass der Hauptinhaltsstoff, das Salicin, erst im Körper zur wirksamen Salicylsäure umgewandet werden muss.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (2 Gramm) getrocknete Weidenrinde (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kaltem Wasser. Sie können lose Rinde oder einen Teefilter beziehungsweise ein Tee-Ei verwenden. Die Mischung zum kochen bringen, dann den Topf vom Herd nehmen und 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach die Rinde absieben und den Tee trinken.

Pro Tag können drei bis fünf Tassen Weidenrindentee getrunken werden.

Vorsicht!

Nicht bei einer Allergie gegenüber Salicylaten anwenden. Die gleichzeitige Anwendung von Salicylaten und anderen „Nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR) sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Weidenrinden bei schwangeren und stillenden Frauen vorliegen, sollte auf eine Anwendung verzichtet werden.

Holunderblütentee

Ein Tee mit Holunderblüten wirkt leicht schweißtreibend und eignet sich bei leichtem Fieber mit Kältegefühl bis Schüttelfrost. Die schweißtreibende Wirkung geht vermutlich auf die enthaltenen Glykoside der Holunderblüten zurück. Abschließend kann die Frage nach dem fiebersenkenden Wirkmechanismus aber noch nicht beantwortet werden. 

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion zwei bis drei Teelöffel (3-4 Gramm) getrocknete Holunderblüten (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, dann die Blüten abseihen.

Trinken Sie bis zu drei Tassen Holunderblüten täglich, bevorzugt in der zweiten Tageshälfte.

Vorsicht!

Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Holunderblüten bei Schwangerschaft und während der Stillzeit vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden.

Info!

Hausmittel können Fieber lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Behandlungen ergänzen oder alleinig angewendet werden. Dennoch haben Hausmittel auch ihre Grenzen. Sollte das Fieber länger als drei Tage anhalten oder trotz Behandlung andauern oder sich sogar verschlimmern, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Andere Gründe, für die eine medizinische Konsultation notwendig ist, finden Sie oben im Kapitel „Wann sollten Sie zum Arzt gehen?“

Quellen und Literatur

European Medicines Agency (EMA): Community herbal monograph on Filipendula ulmaria (L.) Maxim., herba. 2011. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-filipendula-ulmaria-l-maxim-herba-first-version_en.pdf, Zugriff am 31.03.2020.

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Salix [various species including S. purpurea L., S. daphnoides Vill., S. fragilis L.], cortex. 2017. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-salix-various-species-including-s-purpurea-l-s-daphnoides-vill_en.pdf, Zugriff am 31.03.2020.

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Sambucus nigra L., flos. 2018.Online Portal: https://www.fitoterapia.net/archivos/201807/wc500251100.pdf?1, Zugriff am 31.03.2020.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Halsschmerzen: Welche Hausmittel helfen?

Halsschmerzen entstehen oft durch Entzündungen im Halsraum. Begleitet werden die Schmerzen häufig von Schluckbeschwerden, Heiserkeit und einem Kloßgefühl im Hals. Hausmittel können die Schmerzen abmildern und die Abheilung fördern. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Halsschmerzen sind bei Erkältungen besonders häufig

Halsschmerzen: Beschreibung und Ursachen

Bei Halsschmerzen kommt es oft zu Schmerzen im Bereich vom Kehlkopf und Rachen. Die empfundenen Schmerzen werden oft als kratzend, brennend oder stechend beschrieben. Zudem leiden Betroffene oft an Schluckbeschwerden, Heiserkeit, dem Gefühl einen Kloß im Hals zu haben oder sie haben das Empfinden, das der Hals trocken ist. Starke Halsschmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen und je nach Ursache von Fieber und vermehrtem Speichelfluss begleitet werden.

Meistens treten Halsschmerzen durch eine Entzündung der Schleimhäute im Rachen durch Viren und Bakterien auf: Die Schleimhäute sind dann gerötet und häufig angeschwollen. Dabei können auch die Mandeln sowie die Lympfknoten am Hals merklich geschwollen sein. Die Schwellungen zeigen an, dass das Immunsystem mit Hochdruck daran arbeitet, die Krankheitserreger zu bekämpfen.

Bei einer Erkältung kommt es fast immer zu Halsschmerzen. Auch bei eine Influenza-Grippe oder bei einer Infektion mit Corona Viren, COVID-19, kann es manchmal zu Halsschmerzen kommen. 

Zudem gibt es zahlreiche Entzündungskrankheiten bei denen Halsschmerzen auftreten wie zum Beispiel die Mandelentzündung (Tonsillitis), Kehldeckelentzündung (Epiglossitis), Diphtherie, Pfeiffersches Drüsenfieber und Schilddrüsenentzündung. 

Daneben kommen auch Entzündungen der Speiseröhre und der Atemwege für die Halsschmerzen in Frage. Menschen, die an saurem Aufstoßen leiden (Refluxkrankheit) oder reizende Stoffe einatmen sind ebenfalls oft von Halsschmerzen betroffen. Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • Mundsoor (Pilzerkrankung)
  • Kinderkrankheiten wie Scharlach, Mumps, Masern und Röteln
  • Herpangina (Infekt durch Coxackie-Viren)
  • Einatmen oder Verschlucken von Fremdkörpern
  • Verätzungen oder Verbrühungen vom Rachen oder der Speiseröhre
  • Insektenbisse oder Insektenstiche
  • Tumore im Bereichen von Zunge, Rachen, Speiseröhre, Mandeln und Kehlkopf

Halsschmerzen, die durch einen Infekt verursacht wurden, lassen meistens nach wenigen Tagen nach und klingen von alleine ab. 

Halsschmerzen: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Halsschmerzen sind bei einer Erkältung ein häufiges Symptom. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie von sehr plötzlichen und sehr starken Halsschmerzen betroffen sind.
  • Sie heftige Schluckbeschwerden haben.
  • Sie mehrere Tage Halsschmerzen haben oder die Schmerzen schlimmer werden.
  • Sie zusätzlich Fieber bekommen.
  • Sie zudem an Atembeschwerden leiden.
  • Sie zusätzlich von Übelkeit und Erbrechen betroffen sind.
  • Sie einen Fremdkörper verschluckt haben oder sich den Rachen oder die Speiseröhre verbrannt oder verätzt haben.
  • Ihr Hals durch einen Insektenstich oder Insektenbiss schmerzt.
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Die besten Hausmittel gegen Halsschmerzen

Hausmittel bei Halsschmerzen helfen auf verschiedene Art und Weise. Sie lindern die Entzündung, mildern den Schmerz oder sie fördern die Abheilung.

Eichenrinden-Gurgellösung

Die Rinde der Eiche enthält besonders viele Gerbstoffe. Gerbstoffe wirken oberflächenverdichtend auf die Schleimhäute: Sie gehen eine unlösliche Verbindung mit den Eiweißen auf der Schleimhaut ein, sodass sich diese zusammenzieht. Dadurch ist die gereizte Schleimhaut im Hals besser abgedichtet und kann schneller abheilen. 

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknete Eichenrinde (2 Gramm) mit 250 Millilitern kaltem Wasser in einem kleinen Topf. Erhitzen Sie die Mischung, bis sie kocht. Nehmen Sie den Topf vom Herd, decken Sie ihn mit einem Deckel zu und lassen Sie die Mischung zehn Minuten ziehen. Danach die Rinde durch ein Teesieb abseihen und die Flüssigkeit abkühlen lassen. 

Gurgeln Sie mit dem abgekühlten Auszug so lange wie möglich, bevor sie ihn ausspucken. Wiederholen Sie die Anwendung mehrmals täglich.

Vorsicht!

Kinder, die jünger als zehn Jahre sind, sollten nicht mit Eichenrinde gurgeln.

Die Rinde der Eiche steckt voller Gerbstoffe

Quark-Wickel

Der kalte Quark-Wickel soll die Wärme über die Haut abtransportieren und den Blut- und Lymphfluss aktivieren. Dadurch zählt er zu den ableitenden Therapien. 

Anwendung

Zimmerwarmer Quark wird messerrückendick auf eine Kompresse oder ein kleines Geschirrtuch verteilt. Dann wird die Quark-Kompresse auf den Hals gelegt. Dort kann der Quark-Wickel 15 Minuten einwirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Vorsicht!

Menschen mit einer Kuhmilcheiweißallergie dürfen den Quarkwickel nicht anwenden (Gilt nich bei Laktoseunverträglichkeit!). Gleiches gilt bei offenen Wunden.

Kartoffel-Halswickel

Wickel mit Kartoffeln sind ein altbewährtes Hausmittel bei Halsweh. Dazu werden 300 Gramm frische, gekochte Pellkartoffeln mit Schale in ein längs gefaltetes Handtuch gegeben und zerdrückt.

Anwendung

Geben Sie die Kartoffelmasse in ein Tuch und legen Sie dieses auf den Hals. Umwickeln Sie dieses mit einem großen Handtuch, um die Wärme zu erhalten und die Masse zu fixieren. Lassen Sie den Kartoffelwickel 20 Minuten oder länger einwirken. Danach die Masse entfernen und ruhen.

Vorsicht!

Die Kartoffelmasse sollte nicht zu heiß sein.

Eibischwurzeltee

Die Wurzeln der Eibischpflanze sind reich an sogenannten Schleimstoffen. Werden sie mit Wasser übergossen, gehen sie in die Flüssigkeit über. Gelangen die Schleimstoffe in den Mund und Rachen breiten sie sich wie ein schützendes Gel aus und lindern so den Hustenreiz.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (2 Gramm) getrocknete Eibischwurzeln (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kaltem Wasser, 1/2 Stunde ziehen lassen, dann abfiltern. Sie können lose Wurzeln, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden.

Erwärmen Sie den Tee nun auf Trinktemperatur. Kochen sollte die Mischung nicht, da die Schleimstoffe sonst zerstört werden und ihre Wirkung verlieren.

Alternativ können Sie auch mit dem Eibischwurzeltee eine Minute lang bei Halsschmerzen gurgeln. Anschließend wird die Lösung ausgespuckt..

Trinken Sie täglich bis zu vier Tassen Eibischwurzeltee.

Vorsicht!

Wenn Sie die Eibischwurzel-Extrakte als Tee einnehmen, sollten andere Arzneimittel etwa 30 bis 60 Minuten früher oder später eingenommen werden. Die Schleimstoffe könnten die Aufnahme anderer Medikamente in den Körper hemmen.

Die Extrakte der Blätter vom Salbei lindern Halsschmerzen

Salbeitee

Die Blätter vom Salbei enthalten einen entzündungshemmenden Cocktail aus Inhaltsstoffen, der die Vermehrung von Viren, Bakterien und Pilzen hemmt und zusätzlich die entzündeten Schleimhäute verdichtet. Genauer handelt es sich bei den Inhaltsstoffen um ätherische Öle, Gerbstoffe und Flavonoide. Dadurch gehört der Salbeitee zu den besten und wirksamsten Hausmitteln gegen Halsschmerzen.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion zwei Teelöffel (1,5 Gramm) getrocknete Salbeiblätter (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann die Blätter abseihen.

Trinken Sie bis zu vier Tassen Salbeitee täglich, oder gurgeln Sie mit der kalten Lösung bei Bedarf. Salbeitee sollte nicht länger als vier Wochen am Stück angewendet werden.

Vorsicht!

Bei langfristiger, innerer Anwendung der Salbeiblätter und bei Dosierungen von mehr als 15 Gramm täglich kann es zu Hitzegefühlen, rasendem Herzschlag, Schwindel und Krämpfen kommen.

Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Salbeiblättern bei Schwangerschaft und während der Stillzeit vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden. Zudem hemmt Salbeitee den Milchfluss bei stillenden Müttern. Schwangere und Stillende dürfen aber mit Salbeitee bei Halsweh gurgeln.

Menschen, die Barbiturate und Benzodiazepine einnehmen, sollten Rücksprache zu der Einnahme von Salbeitee mit der Ärztin oder dem Arzt halten, da Wechselwirkungen möglich sind.

Reizlindernde Nahrung

Um die gereizte Schleimhaut im Rachen zu beruhigen, kann das Schlecken von Eiscreme ebenso wie der Genuss kalter Getränke helfen. Die Entzündung lindern sie aber nicht.

Zudem tun weiche und flüssige Nahrungsmittel dem Rachen gut: Warme Milch oder ein Pflanzendrink mit Honig, Naturjoghurt mit püriertem Obst, mild gewürzte Suppen und Brote ohne Körner schützen die Schleimhäute vor Reibung und Druck. Dadurch können sie das Schlucken erleichtern.

Nicht zu empfehlen sind hingegen saure und salzige Lebensmittel. Sie reizend den schmerzenden Hals ebenso wie grobkörnige oder faserige Nahrungsmittel nur noch mehr.

Info!

Hausmittel können die Halsschmerzen lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Behandlungen ergänzen oder alleinig angewendet werden – haben allerdings auch ihre Grenzen. Sollten die Halsschmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten oder trotz Behandlung andauern oder sich sogar verschlimmern, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Quellen und Literatur

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Althaea officinalis L., radix. 2016. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-althaea-officinalis-l-radix_en.pdf, Zugriff am 23.03.2020.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Hausmittel gegen Reizhusten durch Viren und Bakterien

Reizhusten ist ein Husten ohne Auswurf. Ausgelöst wird er durch eine Reizung der Atemwege, die von Viren und Bakterien verursacht werden. Hausmittel können den Hustenreiz lindern und die Abheilung fördern. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Gesunde Menschen brauchen keine Atemschutzmaske als COVID-19 Schutz

Was ist Reizhusten?

Reizhusten entsteht durch die Reizung der unteren Atemwege und ist ein Reflex: In der Schleimhaut vom Rachen befinden sich Husten-Rezeptorstellen, die bei gesunden Menschen von einer Schleimhautschicht bedeckt sind. Ist diese Schleimschicht trocken und beeinträchtigt, werden die Husten-Rezeptorstellen angegriffen, und es kommt zu einem Hustenreiz. Dabei wird ein ruckartiges Ausstoßen von Luft von der Atemmuskulatur erzeugt, um Krankheitskeime oder andere Schadstoffe aus den Atemwegen zu befördern. Aus diesem Grund sollte ein Hustenreflex möglichst nicht unterdrückt werden.

Oft tritt akuter Reizhusten zu Beginn einer akuten Bronchitis, Kehlkopfentzündung, Entzündung der Luftröhre, Tumore und bei kleinen Verstopfungen von Blutgefäßen in der Lunge (Lungenembolie). Auch das COVID-19 Virus verursacht Reizhusten.

Zudem können Reizungen der Nase, Nasennebenhöhlen und im Rachenraum trockenen Reizhusten auslösen. Gleiches gilt für bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel ACE-Hemmer. Sie werden gegen Herzschwäche (Herzinsuffizienz und Bluthochdruck) eingenommen: Reizhusten ist dann eine Nebenwirkung dieser Medikamente.

Wissenswertes!

Reizhusten wird auch als trockner Husten oder unproduktiver Husten bezeichnet, da dieser Husten ohne Auswurf einhergeht. Bei Husten mit Auswurf wird hingegen von Schleimhusten oder produktivem Husten gesprochen. Bei Schleimhusten sind die Atemwege wie beim Reizhusten überansprucht, wobei die Ursachen unterschiedlich sein können. Gleiches gilt für Bluthusten: Diese Husten-Form tritt bei schweren Krankheiten wie bei einer schweren Bronchitis mit Blutung der Schleimhaut oder Tuberkulose auf. Sehr selten können auch Krankheiten, die die Blutgerinnung beeinträchtigen wie die Bluterkrankheit oder die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie zum Beispiel Marcumar, Bluthusten auslösen.

Meistens dauert akuter Husten weniger als vier Wochen an, wenn er durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird. Verschwindet der Husten nach drei oder vier Wochen nicht, wird er als chronischer Husten oder Dauerhusten bezeichnet. Von chronischem Husten betroffen sind oft Menschen mit chronischer Bronchitis, Asthma oder Allergien. 

Reizhusten: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Bei Reizhusten ist die Schleimhaut im Rachen im wahrsten Sinne des Wortes gereizt. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie bei Husten in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie lang anhaltende, ausgeprägte Hustenanfälle haben.
  • Sie länger als eine Woche unverändert stark von Reizhusten betroffen sind.
  • Sie von Atemnot betroffen sind.
  • Sie zunehmend matter werden und Fieber hinzukommt.
  • Ihr Husten schmerzhaft und stärker wird.
  • Sie Blut beim Abhusten sehen.
  • Sie Kontakt mit Personen hatten, die eine Infektionskrankheit haben.
  • Sie in der Vergangenheit eine bekannte Krebserkrankung hatten oder an einer Immunschwäche leiden.

Die besten Hausmittel gegen Reizhusten

Um die gereizte Rachenschleimhaut zu beruhigen, ist Feuchtigkeit das Mittel der ersten Wahl. Zur Verfügung stehen zum Beispiel Kräutertees und Inhalationen. Auch Wickel oder Inhalationen mit Pflanzenextrakten können bei Reizhusten helfen. Bei Reizhusten mit Fieber, darf nicht gebadet werden, da das Herz-Kreislaufsystem überansprucht werden kann.

Malventee

Die Blätter und Blüten der Malve sind reich an sogenannten Schleimstoffen. Werden sie mit Wasser übergossen, gehen sie in die Flüssigkeit über. Gelangen die Schleimstoffe in den Mund und Rachen breiten sie sich wie ein schützendes Gel aus und lindern so den Hustenreiz.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknete Malvenblätter (1,8 Gramm) oder Malvenblüten (1-2 Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blätter oder Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen, dann die Blätter oder Blüten abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Malvenblättern in kleinen Schlucken. Bei angegriffener Schleimhaut in Mund und Rachen können Sie den Auszug für einige Sekunden im Mund halten und verteilen, bevor Sie den Tee herunterschlucken. So verteilen sich die schützenden Schleimstoffe noch besser. Alternativ können Sie den Tee auch wieder ausspucken oder zum Gurgeln verwenden. Dazu sollte er jedoch kalt sein.

Trinken Sie täglich bis zu drei Tassen Malventee.

Vorsicht!

Ob Malvenblätter und Malvenblüten in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen mit der Malve während dieser Zeit nicht angewendet werden.

Malven stecken voller schleimhautschützender Schleimstoffe

Bienenwachs-Wickel

Ein Bienenwachs-Wickel ist eine Stoffkompresse, die mit Bienenwachs beschichtet ist. Sie wird auf die Brust und den Rücken aufgetragen. Sie speichert, vertieft und reguliert die körpereigene Wärme und kann so den Hustenreiz abmildern. 

Anwendung

Aufgewärmt wird die Kompresse für zwei bis vier Minuten im Backofen bei 40°C oder sie wird auf eine Wärmflasche gelegt. Anschließend wird die Kompresse auf die Brust und bei Bedarf zusätzlich auf den Rücken gelegt. Dort kann der Bienenwachs-Wickel 20 Minuten oder mehrere Stunden wirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Sie erhalten Bienenwachskompressen in Apotheken, Reformhäusern oder im Online-Handel. Ein Vorteil der Kompressen ist ihre Wiederverwertbarkeit: Sie können für zehn bis zwölf Anwendung gebraucht werden.

Vorsicht!

Achten Sie darauf, dass der Bienenwachs-Wickel nicht zu heiß auf die Haut aufgetragen wird. Es kann sonst zu Verbrennungen kommen.

Kartoffelwickel

Der bewährte Kartoffel-Brustwickel lindert den Hustenreiz. Dazu werden 300 Gramm frische Pellkartoffeln mit Schale in ein längs gefaltetes Handtuch gegeben und zerdrückt.

Anwendung

Legen Sie die Kartoffelmasse auf die Brust und umwickeln Sie diese mit einem großen Handtuch, um die Wärme zu erhalten und die Masse zu fixieren. Lassen Sie den Kartoffelwickel 20 Minuten oder länger einwirken. Danach die Masse entfernen und ruhen.

Vorsicht!

Die Kartoffelmasse sollte nicht zu heiß sein.

Desinfizierender Raumduft mit Kiefernnadelöl

Während Feuchtigkeit in der Luft die gereizten Schleimhäute der Atemwege beruhigt, hat Kiefernnadelöl eine leicht desinfizierende Wirkung.

Anwendung

Befüllen Sie eine Schale mit Wasser und geben Sie fünf Tropfen Kiefernnadelöl (Apothekenqualität) hinzu. Stellen Sie das Schälchen an einen warmen Platz, zum Beispiel auf die Heizung oder den Ofen und atmen Sie die Dämpfe ein. Das Schälchen mit dem Kiefernnadelöl sollte in einem Raum stehen, indem Sie sich häufig aufhalten.

Vorsicht!

Wenn Sie an Asthma leiden oder Keuchhusten diagnostiziert wurde, darf kein Kiefernnadelöl angewendet werden. In großen Mengen, kann die direkte Inhalation von konzentriertem Kiefernnadelöl die Haut und Schleimhäute reizen.

Thymiantee

Das Kraut vom Thymian lindert Reizhusten indem seine Inhaltsstoffe (Flavonoide und ätherische Öle) die Bronchialmuskulatur entspannen. Gerade bei krampfartigem Husten, der mit Schmerzen verbunden ist, ist eine Tasse Thyimantee wohltuend.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknetes Thymiankraut (1,5 Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann das Kraut abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Thymiankraut in kleinen Schlucken. Im Tagesverlauf nehmen Erwachsene bis zu drei Tassen ein.

Vorsicht!

Ob Thymiankraut in therapeutischen Mengen in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen mit dem Thymian während dieser Zeit nicht angewendet werden.

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Efeu-Brausetabletten

Bestimmte Inhaltsstoffe der Efeublätter mildern trockenen Reizhusten und lindern die Entzündung der Atemwege. Angewendet werden die Extrakte aus den Efeublättern nur in Form von Fertigarzneimitteln, die in Apotheken erhältlich sind: Die Herstellung von korrekt dosierten Tees ist schwierig, da die enthaltenen Inhaltsstoffe punktgenau abgemessen werden müssen. 

Anwendung

Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene nehmen zwei mal täglich 1 Brausetablette (600 Milligramm) aufgelöst in Wasser ein.

Über die richtige Dosierung von Jugendlichen und Kindern unter 12 Jahren geben Apotheker-Innen und Ärzt-Innen Auskunft.

Vorsicht!

Efeu-Brausetabletten dürfen nicht zusammen mit hustenreizstillenden Medikamenten wie Codein eingenommen werden. Menschen mit Magenschleimhautentzündung oder Magengeschwüren sollten Efeu-Extrakte nur nach Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt einnehmen, da die Inhaltsstoffe die Schleimhäute im Magen reizen können.

Anti-Hustenreiztee

Gegen gereizte, entzündete Schleimhäute kann eine Mischung aus verschiedenen Heilpflanzen helfen. Für 100 Gramm Anti-Hustenreiz-Teemischung brauchen Sie:

  • 40 Gramm Eibischwurzeln
  • 40 Gramm Malvenblätter
  • 20 Gramm Kamillenblüten

Kaufen Sie die Zutaten in der Apotheke oder im Reformhaus. Achten Sie dabei auf das Qualitätsmerkmal „Arzneiqualität“. Nur so ist die erforderliche Menge an wirksamen Inhaltsstoffen garantiert. Vermischen Sie die Zutaten und geben Sie diese in eine beschriftete Teedose.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel der Teemischung (1,5 Gramm) mit 250 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Kräuter, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann das Kraut abseihen.

Trinken den ausreichend abgekühlten Tee in kleinen Schlucken. Im Tagesverlauf nehmen Erwachsene bis zu drei Tassen ein.

Vorsicht!

Ob die Heilpflanzen in therapeutischen Mengen in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen der Teemischung während dieser Zeit nicht angewendet werden. 

Auch bei bekannten Allergien und Unverträglichkeiten gegenüber eine oder mehrere Heilpflanzen der Teemischung sollten Sie auf die Anwendung verzichten.

Einreibungen

Salben, Cremes und Gele mit ätherischen Ölen wie Kampfer, Fichte, Kiefer und Eukalyptus entspannen die Atemwegsmuskulatur und lindern den Hustenreiz. Entsprechende Präparate können Sie in der Apotheke oder in Drogerien kaufen.

Anwendung

Bitte wenden Sie das Präparat nach den Anweisungen des Herstellers an.

Vorsicht!

Bitte beachten Sie die Warnhinweise der Hersteller.

Info!

Hausmittel können je nach Stärke der Symptome und Krankheitsbild Reizhusten lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Therapien ergänzen oder alleinig angewendet werden. Wichtig ist, dass Hausmittel immer einen Effekt auf die Gesundheit auslösen – so mild sie auch sein mögen. Sollte jedoch Ihre Ärztin oder Ihr Arzt der Meinung sein, dass die Anwendung von Hausmitteln den Erfolg einer anderen medizinisch notwendigenTherapie behindern könnte, sollen Sie auf den Einsatz der Hausmittel verzichten.

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Quellen und Literatur

Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007.

Committe on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L., flos. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-european-union-herbal-monograph-malva-sylvestris-l-flos-first-version_en.pdf, Zugriff am 18.03.2020.

Committe on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L. and/or Malva neglecta Wallr., folium. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-european-union-herbal-monograph-malva-sylvestris-l/malva-neglecta-wallr-folium-first-version_en.pdf, Zugriff am 18.03.2020.

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Lavendel – das violette Duftwunder für einen ruhigen Geist

Der Lavendel ist das Symbol der Provence. Durch seine wohltuenden und beruhigenden Wirkungen, gehört das violette Duftwunder zu den beliebtesten Heilpflanzen überhaupt. Heute wird das ätherische Lavendelöl standardmäßig in der Medizin als Arzneimittel eingesetzt. Wem die Heilpflanze helfen kann, und wie der Lavendel als Hausmittel richtig eingesetzt wird, das erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Lavendel ist ein Duft- und Heilpflanze

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Im August, dem heißesten Monat des Jahres, ist die beste Zeit für die Lavendelernte. Die Trockenheit und die Hitze bewirken, dass die ätherischen Öle in die Blüte steigen. Anschließend werden die blau-violetten Blüten zur Destillerie gebracht, wo ihnen das ätherische Öl entzogen wird. Jede Destillerie hat hierfür ihre eigenen Methoden. In den meisten Fällen wird das ätherische Öl den Blüten jedoch mit Hilfe von Wasserdampf entzogen. Dazu wird in einem Heizkessel Wasser erhitzt. Der dabei entstehende Wasserdampf wird in einen großen Behälter, dem Destillierkolben geleitet. In diesem Destillierkolben liegen gleichmäßig verteilet, aber dicht gepresst die geernteten Lavendelpflanzen. 

Ätherisches Lavendelöl und Lavendel-Hydrolate

Durch den Wasserdampf werden die ätherischen Öle aus dem Lavendel freigesetzt, sodass er sich mit ihnen vermischt. Dann wird der Wasserdampf in ein Gefäß mit kaltem Wasser geleitet, sodass er kondensiert. In der dabei entstehenden Flüssigkeit schwimmt das ätherische Öl oben, weil es eine niedrigere Dichte als das Wasser hat. Dadurch wird einerseits das reine Lavendelöl gewonnen und gleichzeitig auch das Lavendel-Hydrolat. Ein Hydrolat ist ein „übrig gebliebenes“ Wasser mit Spuren vom ätherischen Lavendelöl. Hydrolate werden zum Beispiel zum Parfümieren von Wäsche verwendet. Zudem kommt es in der Aromatherapie zum Einsatz.

Reines Lavendelöl hat eine gelbliche Farbe. Es duftet süßlich und frisch. Um einen Liter davon herzustellen, werden rund 130 Kilogramm Lavendelpflanzen gebraucht.

Weiße, rosa und blau-violette Lavendelblüten

Es gibt weit über 200 verschiedene Lavendelarten. Sie unterscheiden sich durch ihre Blüten und deren Farben, ihre Blätter und auch durch ihren Duft. Zudem müssen vor allem zwei Lavendel-Pflanzensorten unterschieden werden: der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) und der Speick-Lavendel, dem Lavandin. Lavandin ist eine Kreuzung, die entweder auf natürliche Weise entsteht oder bewusst gezüchtet wird. 

Der Echte Lavendel ist eine Heilpflanze und hat therapeutische Eigenschaften. Er wirkt zum Beispiel beruhigend und krampflösend. Auch helfen die Extrakte aus dem Echten Lavendel bei Magenkrämpfen und Nervosität. 

Bei der Sorte Lavandin handelt es sich um eine sterile Pflanze. Sie enthält mehr Kampfer als der Echte Lavendel, weswegen sie intensiver duftet als der Echte Lavendel. Aus diesem Grund kommt das preiswerte Lavandin oft in der Industrie als Zusatz von Reinigungsmitteln zum Einsatz. Zu medizinischen Zwecken ist der Echte Lavendel dem Lavandin überlegen.

Lavendel: entspannungsfördernde Terpene und Gerbstoffe

Würden alle 200 verschiedene Lavendelsorten in ihre „Einzelteile“, die Inhaltsstoffe, aufgetrennt werden, so käme als Ergebnis eine Mischung aus über 2.000 verschiedenen Komponenten dabei heraus! Wissenschaftler vermuten, dass zwischen 15 und 20 Prozent dieser Inhaltsstoffe eine Wirkung auf die Gesundheit haben. Diese gewaltige Menge verschiedener Inhaltsstoffe lässt bereits vermuten, dass keine einzelne Substanz für die medizinischen Wirkungen vom Lavendel verantwortlich ist: und so ist es auch. Dennoch gibt es einige Schlüssel-Inhaltsstoffe im Lavendel, die für die Hauptwirkungen der Heilpflanze unerlässlich sind. Durch diesen Umstand sind die vielen anderen Substanzen jedoch keineswegs wertlos, denn sie unterstützen die Schlüssel-Inhaltsstoffe, damit sie deren Wirkung voll entfalten können.

Der Lavendel hat zwei Wirkstoffe: Lavendelblüten und das ätherische Öl (Lavendelöl). Das ätherische Lavendelöl wird aus den Blüten vom Echten Lavendel gewonnen.

Inhaltsstoffe medizinischer Lavendelblüten

Medizinische Lavendelblüten enthalten mindestens 1,5 Prozent ätherisches Öl. Es setzt sich hauptsächlich aus Monoterpenen wie Linalylacetat, Linalool, Campher, Ocimen und Cineol zusammen. Linalyacetat hat beruhigende und entspannungsfördernde Wirkungen. Zudem ist es für den typischen Duft der Pflanze verantwortlich. Linalool hat desinfizierende, keimhemmende und antientzündliche Eigenschaften.

Zudem enthalten getrocknete Lavendelblüten bis zu zwölf Prozent Gerbstoffe, sogenannte Lamiaceen-Gerbstoffe. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören Rosmarinsäure und Chlorogensäure. Auch Flavonoide, Triterpene und Phytosterole sind in den Lavendelblüten in kleinen Mengen zu finden.

Inhaltsstoffe von medizinischem Lavendelöl

Lavendelöl setzt sich aus ätherischen Ölen zusammen. Um einen therapeutischen Nutzen zu haben, muss es 25 bis 46 Prozent Linalylacetat und 20 bis 45 Prozent Linalool enthalten. Andere Inhaltsstoffe kommen in Spuren vor.

Lavendel-Extrakte verbessern den gesunden Schlaf

Lavendel in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Lavendelblüten und Lavendelöl werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) empfohlen, um leichte Symptome zu lindern. Zum Beispiel bei:

  • psychischem Stress und Erschöpfung, zum Beispiel durch Verluste von geliebten Menschen und Tieren, durch psychische Belastungen vor und während Prüfungen, durch familiäre Belastungen und Probleme beim Arbeitsplatz
  • Schlafbeschwerden, zum Beispiel bei angstbedingten Schlafbeschwerden und bei Ein- und Durchschlafbeschwerden durch Stress

Der Einsatz von Lavendelblüten und Lavendelöl werden ab dem vollendeten zwölften Lebensjahr empfohlen.

Wissenswertes

Äußert sich der psychische Stress durch depressive Symptome, ist die Anwendung von Johanniskraut gut geeignet. Das Johanniskraut ist die einzige Heilpflanze, die derzeit auch in der konventionellen Medizin als wirksames Arzneimittel zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Depression anerkannt ist.

Anwendungsgebiete aufgrund der Studienlage

Die Wirkungen von Lavendelblüten und Lavendelöl werden derzeit weiter erforscht. Aufgrund erster Studienergebnisse können sie innerlich und äußerlich angewendet helfen bei:

  • Stimmungsschwankungen, die mit Unruhe, Rastlosigkeit, Reizbarkeit oder Schlaflosigkeit einhergehen
  • Schmerzen im Unterbauch (Unterleib)
  • Blähungen und Bauchkrämpfe durch Nervosität

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zudem die Anwendung von Bädern mit Lavendelblüten-Extrakten oder Lavendelöl bei:

  • Herz-Kreislaufbeschwerden 

Anwendungsgebiete aufgrund von Erfahrungswissen

Die medizinische Anwendung von Lavendelblüten und Lavendelöl haben eine lange Tradition. Sie werden daher traditionell äußerlich eingesetzt bei:

  • Kopfschmerzen
  • Erkältung
  • Wunden wie Schrammen, Insektenstiche, Prellungen

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz von Lavendelblüten und Lavendelöl

 

Einzelportion

Tagesmenge

Einsatz als

Lavendelblüten

1-2 Gramm

3-6 Gramm

Tee

Lavendelöl (innere Anwendung)

20-80 Milligramm

80 Milligramm

Fertigarzneimittel oder Tropfen in Wasser

Lavendelöl (äussere Anwendung)

60-3.000 Milligramm

60-3.000 Milligramm

Inhalat, Badezusatz

Getrocknete Lavendelblüten und Lavendelöl erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und in der Drogerie. Achten Sie bitte auf das Qualitätsmerkmal „Arzneimittelqualität“. Hierbei handelt es sich um schadstoffgeprüfte Ware mit einem garantierten Anteil an Inhaltsstoffen.

Lavendelblütentee kann den nervösen Magen beruhigen

Basisrezepte mit Lavendel

Lavendelblüten-Tee

Übergießen Sie für eine Portion einen Teelöffel (1,5 Gramm ) getrocknete Lavendelblüten (Arzneiqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen, dann die Blüten abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Lavendelblüten dreimal täglich in kleinen Schlucken. 

Lavendelölbad gegen Stress

Lassen Sie für ein Vollbad rund 100 Liter Wasser mit einer Temperatur von 37°C in die Badewanne ein. Geben Sie ein bis drei Gramm Lavendelöl in das Badewasser. 50 Tropfen ergeben rund ein Gramm. Baden Sie für rund 15 Minuten, und ruhen Sie sich anschließend für 15 bis 30 Minuten aus. Wiederholen Sie das Bad täglich, bis sich die Symptome bessern.

Tipp! 

Auch die Extrakte der Rosenwurz können bei vorübergehendem Stress helfen. Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Anti-Kopfschmerz-Inhalation mit Lavendelöl

Nehmen Sie für die Inhalation ein größeres, breites Gefäß. Geben Sie in das Gefäß etwa ein Liter heißes Wasser und fünf bis acht Tropfen des ätherischen Lavendelöls. Zur Inhalation legen Sie sich ein großes Handtuch über den Kopf, damit die Dämpfe nicht entweichen können.

Inhalieren Sie je nach Intensität der Beschwerden zwei bis dreimal täglich zwischen fünf und zehn Minuten.

Tipp!

Eine Inhalation mit Lavendelöl kann auch bei Erkältung und Atemwegsbeschwerden helfen. Geben Sie drei Tropfen Lavendelöl in eine Duftlampe und inhalieren Sie die Dämpfe 30 Minuten ein.

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Die unerwünschten Wirkungen vom Lavendel

Unerwünschte Wirkungen zu den Lavendelblüten sind nicht bekannt.

Empfindsame Menschen können durch Lavendelöl Kopfschmerzen bekommen. Durch das direkte Auftragen auf die Haut kann es zudem selten zu allergischen Reaktionen kommen. Bei innerer Anwendung sind Nebenwirkungen wie Aufstoßen, Übelkeit und Verstopfung möglich. Zudem kann Lavendelöl schläfrig machen. Dadurch kann die Reaktionszeit negativ beeinträchtigt werden. Dies ist beim Autofahren oder dem Bedienen von anderen Maschinen zu bedenken.

Für Babys und Kleinkinder ist die Anwendung von ätherischen Ölen in Kopfnähe ungeeignet. Die Anwendung im Bereich des Kopfes kann zu Krämpfen und Atemlähmungen führen.

Literatur und Quellen

European Medicines Agency (EMA) (2010): Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, flos. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-lavandula-angustifolia-p-mill-flos_en.pdf, Zugriff am 09.03.2020.

European Medicines Agency (EMA) (2011): Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, aetheroleum. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-lavandula-angustifolia-miller-aetheroleum_en.pdf, Zugriff am 09.03.2020.

World Health Organiziation (2007): WHO monographs on selected medicinal plants. Volume 3. Genf.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Lauftherapie: Laufen im Namen der Gesundheit

Die Lauftherapie ist eine noch relativ junge Disziplin innerhalb der Bewegungstherapien. Sie zielt darauf ab, seelischen und körperlichen Beschwerden vorzubeugen und zu behandeln. Lauftherapeuten unterstützen motivierte Anfänger und Wiedereinsteiger dabei einen gesunden Einstieg ins Laufen zu bekommen und dranzubleiben. Welchen Nutzen die Lauftherapie hat, für wen sie geeignet ist und wie Sie einen professionellen Lauftherapeuten finden, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Laufen kann die seelische und körperliche Gesundheit fördern

Laufen als Therapie

Die Lauftherapie ist ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining. Ziel ist es, die Gesundheit zu unterstützen und zu fördern. 

Langsames, ausdauerndes Laufen (Joggen/ Jogging) hat zahlreiche positive Auswirkungen auf die Psyche und den Körper. Daher trägt das Laufen als Therapie zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden und Krankheiten bei, und beeinflusst zum Beispiel die Gesundheit von Herz, Stoffwechsel, Skelettmuskulatur und Gehirn.

Wissenswertes

Laufen als Therapie ist im deutschsprachigen Raum einen noch junge Form der Bewegungstherapie. In Deutschland geht sie auf den Psychologen und Erziehungswissenschaftler Professor Alexander Weber zurück, der in den 1980-iger Jahren das Konzept der Lauftherapie entwickelte. Im Jahr 1988 gründete er das Deutsche Lauftherapiezentrum e.V. in dem seit der Gründung qualifizierte Lauftherapeuten ausgebildet werden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Lauftherapie und Laufsport

Die Vorbeugung von Erkrankung und die Linderung von gesundheitlichen Beschwerden wie die Stärkung vom Herz-Kreislaufsystem stehen bei der Lauftherapie im Vordergrund. Der Leistungsgedanke wie zum Beispiel an einem Marathon teilzunehmen, nimmt dabei einen untergeordneten Stellenwert ein. Zudem wird bei der Lauftherapie darauf geachtet, dass sich die Teilnehmer vor Überbelastung schützen. Ein Grund hierfür ist, dass zu schnelles und unachtsames Laufen oft mehr schadet als nützt: Eine Überbelastung vom Herz-Kreislaufsystem, der Gelenke, Knochen, Muskeln und Sehnen kann dann nicht nur die Gesundheit beeinträchtigen, sondern verdirbt oft jegliche Freude am Laufen.

Soweit muss es aber nicht kommen, und es gibt auch zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen der Lauftherapie und dem (gesunden) Laufsport: Der Aufenthalt in der Natur, eine gute Körperwahrnehmung und der Spaß, welchen viele Menschen durch das Laufen empfinden, tragen oft zu mehr seelischem und körperlichem Wohlbefinden bei. Gerade bei längeren Läufen gelangen Läuferinnen und Läufer nicht selten in einen Flow, der auch als ein meditativer Geisteszustand beschrieben wird.

Die Grenzen zwischen Laufen als Therapie und als Sport gehen daher fließend ineinander über. Wer erst einmal vom „Lauffieber“ ergriffen ist, wird davon kaum noch wegkommen.

Die Ernährung des Menschen beeinflusst Körper, Geist und Seele

Der Mensch – von Natur aus ein Läufer

Die meisten Menschen beginnen mit den ersten Schritten zum ersten Geburtstag, und bleiben gehend in Bewegung bis ins hohe Alter. Aber das war nicht immer so. Die Vorfahren des Menschen bewegten sich auf allen vieren: Im Laufe der Evolution sind Menschen dann zum zweibeinigen Läufer geworden, und sind es bis heute. 

Die Anatomie des Menschen ist in großen Teilen vom Laufen geprägt, beginnend mit der Form der Füße über die Muskeln und Sehnen in den Beinen sowie das Becken, die Wirbelsäule und den Brustkorb. Sogar der Kopf ist perfekt für das Laufen ausgerichtet: Er sitzt auf den Halswirbeln so auf, dass beim rennen ein gerader Blick nach vorne möglich ist. Das Innenohr hilft zusätzlich dabei das Gleichgewicht zu halten und so auch beim schnellen Laufen in Balance zu bleiben. Zusätzlich ist die Haut des Menschen perfekt fürs Laufen von längeren Strecken ausgelegt. Die Schweißdrüsen und die wenigen Haare helfen dabei bei Anstrengung effektiv abkühlen zu können und nicht zu überhitzen. Die meisten Tiere haben diese Eigenschaft nicht. Zwar kann der Mensch mit der Geschwindigkeit vieler Tiere beim laufen nicht mithalten. Dafür ist der Körper geradezu prädestiniert dafür enorm lange Zeiträume in einem gleichmäßigem Tempo zu laufen. Das zurücklegen von Strecken von 20 bis 40 Kilometern pro Tag war für den Menschen damals normal und ist es bei manchen Naturvölkern bis heute. Die Menschen dürften aber keineswegs täglich 40 Kilometer gelaufen sein, im Sinne von Jogging. Vielmehr dürfte es ein ständiger Wechsel zwischen gehen und laufen gewesen sein. 

Gesundheitliche Wirkungen vom Laufen

Die Lauftherapie ist ein moderates Ausdauertraining, das den Allgemeinzustand, die Funktion bestimmter Organe und die Psyche positiv beeinflusst, wie zum Beispiel:

Allgemeinzustand 

Regelmäßiges Laufen verbessert das Bewusstsein für den Körper, das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Auch die Schlafqualität und die persönliche Fitness nehmen zu. Wer zu Übergewicht neigt, nimmt durch Lauftraining leichter ab.

Gehirn

Die Durchblutung vom Gehirn steigt durch das Lauftraining. Es fördert zudem das Wachstum von Nerven. Auch Leistungsverluste im Alter werden verlangsamt.

Psyche

Das moderates Lauftraining die Stimmung verbessert, die Stressresistenz ansteigen lässt und die innere Ruhe fördert, wurde in vielen Studien am Menschen gezeigt. Auch bei Depression, Angst und Antriebslosigkeit ist Laufen hilfreich. So wurde etwa in einer Studie von Blumenthal et al. offengelegt, dass Laufen ähnlich wirksam wie ein Antidepressivum ist.

Wissenswertes 

Wer viel Stress hat, oft müde und antriebslos ist, kann das Lauftraining mit den Extrakten der Rosenwurz kombinieren. Die Heilpflanze fördert die Stressresistenz und hilft bei Müdigkeit und Schwäche indem sie den körpereigenen Cortisonspiegel senkt und die Zellen dazu anregt, mehr Energie zu bilden.

Herz und Gefäßsystem 

 Unter körperlicher Belastung und während der Ruhephasen (sportfreie Zeit) beziehungsweise im Alltag kommt es zu einer Abnahme der Herzschlagfrequenz. Dadurch wird der Muskel entlastet und auch der Blutdruck sinkt. Gleichzeitig werden seine Funktionen durch das regelmäßige Training verbessert. So steigt die Menge vom Blutvolumen mit jedem Herzschlag und das Organ erholt sich schneller nach körperlicher Belastung. Zudem wird das Herz selbst besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Laufen verbessert die Funktion von Herz, Kreislauf und der Blutgefäße

Blut 

Regelmäßiges Laufen beeinflusst die Eigenschaften und Zusammensetzung des Blutes. So nimmt etwa die Fließeigenschaft vom Blut zu. Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Hämoglobin steigen. Gleichzeitig neigen die Blutplättchen weniger dazu sich zusammenzuballen (Thrombozytenaggregation), was wichtig für die Vorbeugung vor Blutgerinnseln und Thrombosen ist. Zudem sinken bestimmte Entzündungswerte im Blut wie der CRP-Wert. CRP ist die Abkürzung für C-reaktives Protein (Eiweiß) und ein wichtiger Laborwert, der Entzündungen im Körper anzeigt.

Wissenswertes

Wer viel läuft, sollte seinen Eisen-Status im Blut regelmäßig prüfen, da das Spurenelement durch das Schwitzen schneller verloren geht. Eisen ist beispielsweise wichtig für den Sauerstofftransport. Mehr über das Spurenelement erfahren Sie hier.

Stoffwechsel 

Laufen beeinflusst den gesamten Stoffwechsel. Besonders gut untersucht sind die Auswirkungen auf die Blutfette und die Vorbeugung vor Atherosklerose. Während das schädliche LDL-Cholesterin durch regelmäßiges Laufen abnimmt, steigt die Menge an gefäßschützendem HDL-Cholesterin. Zudem erhöht regelmäßiges Laufen den Energieumsatz und ist damit als Unterstützung beim Abnehmen oder zu Stabilisierung vom Körpergewicht bestens geeignet.

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Verdauung

Wer zu einer schwachen Verdauung oder Verstopfung neigt, wird vom Laufen profitieren. Laufen fördert die Durchblutung aller Organe – auch die von Dünndarm und Dickdarm. Dadurch wird die Verdauung gesteigert. Für all diejenigen, die bereits eine gute Verdauung haben, bedeutet das allerdings, dass sie an Lauftagen und den Stunden vor dem Lauf nicht zu ballaststoff- und fruchtzuckerreich essen sollten. Es kann sonst zu einer gesteigerten Verdauung auf der Strecke kommen.

Muskeln 

Es werden mehr Muskeln, die das Skelett umgeben (Skelettmuskulatur) gebildet. Gleiches gilt für die kleinsten Blutgefäße, die die Muskeln mit Sauerstoff und Nährstoffe versorgen. In Folge gelangen mehr Sauerstoff und Nährstoffe in die Skelettmuskulatur und die Durchblutung wird verbessert.

Atemwege 

Laufen verbessert die Lungenfunktion sowie die Durchblutung der Organe. Zudem nehmen die Atemmuskulatur und das Atemzug- und Atemminutenvolumen zu. Die Atemfrequenz nimmt hingegen ab. Mit anderen Worten: Die Lungen können mehr Sauerstoff aufnehmen und verwerten, müssen aber dafür weniger „arbeiten“.

Immunsystem

Moderates Lauftraining stärkt das Immunsystem. Insbesondere Menschen, die über lange Zeiträume viel Ausdauersport treiben, haben ein deutlich aktiveres Immunsystem als Nichtsportler. Dadurch sinkt die Anfälligkeit gegenüber Infektionen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen.

Hormonsystem

Durch das Laufen wird der Insulinspiegel im Blut abgesenkt. Zudem sprechen bestimmte Körperzellen besser auf Insulin an. So kann das regelmäßige Lauftraining zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes) beitragen.

Die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin wird zudem verringert. Die Konzentrationen von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im Blut nehmen hingegen zu. Dies trägt wiederum zu mehr Gelassenheit in Stresssituationen bei und entlastet das Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem. 

Ausdauersport und Krebserkrankungen

Neuere Untersuchungen zeigen, dass regelmäßiger Sport das Risiko für bestimmte Krebsarten zwischen 13 bis 42 Prozent reduziert (Schmid D & Leitzmann MF, 2014). Grund hierfür ist der Anstieg besonderer Immunzellen im Blut, die sogenannten natürlichen Killerzellen. Auch wer von einer Krebserkrankung betroffen ist, kann vom Laufen profitieren. Im Schnitt sinkt die Sterbewahrscheinlichkeit um rund 28 Prozent, selbst wenn mit dem Training erst nach der Diagnose begonnen wird. Bei der Diagnose Prostata-Krebs sind es sogar mehr als 60 Prozent, wenn mehr als drei Stunden pro Woche trainiert wird (Kenfield SA, et al., 2011).

Ablauf einer Lauftherapie

In der Regel wird eine Lauftherapie in einer Gruppe durchgeführt, die von einer Therapeutin oder einem Therapeuten geleitet wird. Es gibt aber auch die Möglichkeit als Einzelperson eine Lauftherapie durchzuführen. Informationen über die Laufkurse erhalten Sie zum Beispiel auf Nachfrage bei Ihrer Krankenkasse. Dort erfahren Sie auch, welche Kostenzuschüsse die gesetzlichen Krankenkassen für eine Lauftherapie oder andere Laufkurse leisten. 

Über die Internetseite vom Lauftherapie-Verband finden Sie zudem Listen von Lauftherapeuten und deren Kontaktdaten. 

Ein Lauftherapiekurs dauert in der Regel zwischen zehn und zwölf Wochen. Trainiert wird meistens zweimal wöchentlich. Die meisten Einsteiger schaffen es am Ende des Kurses rund 30 Minuten am Stück zu laufen.

Zu Beginn vom Kurs wird auf den Status der Gesundheit eingegangen und über die richtige Ausrüstung sowie über ein mögliches Verletzungsrisiko gesprochen

Lauftherapie auch bei schweren und chronischen Erkrankungen

Speziell ausgebildete Lauftherapeuten bieten Kurse speziell bei Erkrankungen wie Mukoviszidose, anderen Lungen- und Atemwegskrankheiten, Demenz und Depression an. Auch für geistig behinderte sowie sehbehinderte und blinde Menschen gibt es Angebote. Je nach Status der Gesundheit wird entweder gelaufen oder gewalkt.

Kinder und Jugendliche fürs Laufen begeistern

Dem Bewegungsmangel entgegenwirken, das Seelische stärken und sogenannten Zivilisationskrankheiten im Erwachsenenalter vorbeugen – das sind wichtige Ziele der Lauftherapie für Kinder und Jugendliche. Für sie gibt es spezielle und altersgerechte Angebote.

Gibt es Menschen für die eine Lauftherapie ungeeignet ist?

Wer von (starkem) Übergewicht betroffen ist, sollte zunächst mit Ausdauersportarten wie Walking, Schwimmen oder Radfahren beginnen und erst nach und nach mit der Lauftherapie beginnen. Auch bei bestimmten Herz-Kreislauferkrankungen wie peripheren Durchblutungsstörungen und Gelenkverschleiß (Arthrose) etwa im Knie und Hüftgelenk ist Laufen ungeeignet. Zudem gilt wie bei allen Sportarten: kein Sport bei akuten Infekten und Erkrankungen. 

Zusammenfassung

Die Lauftherapie ist eine Form der Bewegungstherapie. Sie wird zur Vorbeugung und Linderung von Krankheiten eingesetzt. Laufen hat zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit, die von einer Verbesserung des Allgemeinbefindens bis zu psychischen und körperlichen Effekten reichen. Durchgeführt wird die Lauftherapie üblicherweise in Gruppen, die von ausgebildeten Therapeuten geleitet werden. Hiervon profitieren besonders Einsteiger und Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen: Die Unterstützung der Gesundheit steht im Vordergrund der Lauftherapie.

Literatur und Quellen

Aderhold L & Weigelt S: Laufen!…durchstarten und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Schattauer-Verlag, Stuttgart 2012.

Blumenthal JA, Babyak MA, Moore KA, et al.: Effects of exercise training on older patients with major depression. Arch Intern Med 1999; 159: 2349–56. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10547175, Zugriff am 03.03.2020.

Hollstein T: Sport als Prävention: Fakten und Zahlen für das individuelle Maß an Bewegung. Dtsch Arztebl 2019; 116.https://www.aerzteblatt.de/archiv/209444/Sport-als-Praevention-Fakten-und-Zahlen-fuer-das-individuelle-Mass-an-Bewegung, Zugriff am 03.03.2020.

Kenfield SA, Stampfer MJ, Giovannucci E, Chan JM: Physical activity and survival after prostate cancer diagnosis in the health professionals follow-up study. J Clin Oncol 2011; 29: 726–32. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21205749, Zugriff am 03.03.2020.

Schmid D & Leitzmann MF: Association between physical activity and mortality among breast cancer and colorectal cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. Ann Oncol 2014; 25: 1293–311. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24644304, Zugriff am 03.03.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

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