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Eisen: unentbehrlich für ein gutes Gedächtnis, die Blutbildung und schlagkräftige Abwehrkräfte

Das Spurenelement Eisen ist ein lebenswichtiger Mikronährstoff. Es ist an der Blutbildung beteiligt und ist zudem für ein funktionierendes Immunsystem wichtig. In manchen Bevölkerungsgruppen ist die Versorgung mit Eisen allerdings ungenügend. Warum das so ist, welche Folgen das hat und wie Sie sich ausreichend mit Eisen versorgen können, erfahren Sie in diesem Beitrag. 

Eisen ist für den Transport von Sauerstoff und die Blutbildung unerlässlich

Was ist Eisen?

Eisen ist ein Mikronährstoff, genauer ein lebensnotwendiges (essentielles) Spurenelement. Da der Körper Eisen nicht selber bilden kann, muss es mit der Nahrung zugeführt werden. Aufgenommen wird das Spurenelement über die Darmschleimhaut. Wie viel Eisen aufgenommen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Sind die Eisenspeicher gut gefüllt, wird weniger Eisen aufgenommen, sind sie beinahe leer, steigert der Dünndarm die Aufnahme. 

Zudem speichert der menschliche Körper Eisen. Das meiste Eisen befindet sich in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), genauer im Hämoglobin. Darüber hinaus wird Eisen als Ferritin in der Leber, der Milz, dem Knochenmark und den Schleimhautzellen gespeichert. Ferritin ist ein Eiweiß, das das Spurenelement umhüllt und abspeichert. Daher wird Ferritin auch als Depot-Eisen bezeichnet.

Welche Aufgaben hat Eisen?

Eisen hat zahlreiche Aufgaben im menschlichen Körper. Zu den wichtigsten gehören:

  • Transport von Sauerstoff: Über die Lungen wird Sauerstoff aufgenommen. Mit Hilfe von Eisen wird dieser in die roten Blutkörperchen und dessen Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden. Hämoglobin verteilt den Sauerstoff dann im ganzen Körper. So können die Zellen Sauerstoff für die Energiegewinnung nutzen. Zudem bindet das Muskeleiweiß Myoglobin Eisen. Myoglobin kann wie Hämoglobin Sauerstoff binden. Es versorgt die Muskeln so mit Sauerstoff.
  • Blutbildung: Damit Hämoglobin gebildet werden kann, wird Eisen benötigt. Dadurch trägt Eisen direkt zur Blutbildung bei.
  • Stärkung der Abwehrkräfte: Eine ausreichende Eisenversorgung trägt zu einem intakten Immunsystem bei. Da Eisen die Bildung von Abwehrzellen fördert, die Krankheitskeime abtöten, ist ein normaler Eisenspiegel wichtig für ein schlagkräftiges Immunsystem.
  • Gehirnentwicklung: Besonders im Kindesalter und für Jugendliche ist eine ausreichende Eisenversorgung wichtig, damit sich das Gehirn richtig entwickelt. Aber auch für Erwachsene ist Eisen wichtig, denn das Spurenelement ist am Aufbau von Nervenzellen im Gehirn wichtig. Eisen ist somit für die Lernfähigkeit und das Gedächtnis unentbehrlich. 
  • Energiebildung: Eisen ist Bestandteil bestimmter Enzyme, die für die Bildung von Energie notwendig sind. Nur mit Eisen können diese Enzyme richtig arbeiten.
  • Abbau von Giften: Eisen ist Baustein mehrerer Enzyme der Leber. Aufgabe der Leberenzyme ist es, Giftstoffe wie Arzneimittel und Gifte aus der Umwelt abzubauen, sodass sie über den Urin ausgeschieden werden können. 
  • Zellteilung: Für die Neubildung von Informationen im Erbgut und die Zellteilung wird Eisen benötigt. Zudem wird es für die Bildung von Eiweiß gebraucht. 

Wie hoch ist der tägliche Eisenbedarf?

Der tägliche Eisenbedarf ist vom Alter und der Lebensphase eines Menschen abhängig. Die empfohlene Zufuhr wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) festgelegt. Kinder und Erwachsene brauchen pro Tag:

Alter

Tagesbedarf in Milligramm

Säuglinge bis zum vollendeten 4. Monate

0,5

Säuglinge ab 4 Monate bis Kinder 6 Jahre

8

Kinder: 7 bis 9 Jahre

10

Jugendliche Mädchen: 10 bis 19 Jahre

15

Jugendliche Jungen: 10 bis 18 Jahre

12

Erwachsene Frauen: 19 bis 50

15

Erwachsene Frauen: 51 Jahre und älter

10

Erwachsene Männer: 19 Jahre und älter

10

Frauen in der Schwangerschaft

30

Frauen in der Stillzeit

20

Frauen haben während der Schwangerschaft und Stillzeit einen erhöhten Eisenbedarf

Wichtige Eisenwerte im Blut

Der Eisenstatus kann im Blut auf verschiedene Weise bestimmt werden. Ärztinnen, Ärzte, Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker kombinieren oft vier Messwerte, um zu erfahren ob ein Eisenmangel vorliegt, oder ob es sich um eine Entzündung im Körper handelt:

  • Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
  • Ferritin (Depot-Eisen)
  • Transferrin und
  • C-raktives Protein, kurz CRP (CRP ist ein Entzündungswert)

Bei Entzündungen im Körper ist neben dem CRP-Wert auch der Ferritin-Wert im Blut zu hoch.

Normal-Werte

Hämoglobin im Vollblut in Gramm pro Deziliter

Eisen in der Blutflüssigkeit (Serum) in Mikrogramm pro Deziliter

Ferritin im Serum in Mikrogramm pro Liter

Transferrin-Sättigung in Prozent

C-reaktives Protein pro Deziliter in Prozent

Frauen

12-16

40-150

23-110

35 +/-15

<0,5

Männer

13,5-17,5

60-160

34-310

35 +/-15

<0,5

Eisen: auf die Form kommt es an!

Eisen in der Nahrung kommt in zwei Formen vor: als zweiwertiges Eisen (Hämeisen) und als dreiwertiges Eisen (Nicht-Hämeisen). Zweiwertiges Eisen ist vom Körper gut verwertbar und kommt in tierischen Lebensmitteln vor. Dreiwertiges Eisen wird im Vergleich zum zweiwertigen Eisen deutlich schlechter verwertet, denn es muss im Körper in Hämeisen umgewandelt werden. Nicht-Hämeisen kommt in pflanzlichen Lebensmitteln vor, etwa in Nüssen und Getreide. Trotzdem ist es möglich, den täglichen Eisenbedarf mit pflanzlichen Lebensmitteln zu decken, denn Vitamin C, Fruchtsäuren und Eiweiß steigern die Aufnahme von Eisen im Darm.

Lebensmittel, die die Eisenverwertung hemmen

Nicht alle eiweißhaltigen Lebensmittel verbessern die Verwertung von Eisen. Milch und Milchprodukte können durch das enthaltene Calcium die Aufnahme hemmen. Auch Phytin aus Getreide und Hülsenfrüchten hemmen die Eisenaufnahme: Sorgen um das Phytin brauchen Sie sich aber nicht zu machen, denn während der Zubereitung der Lebensmittel, durch Einweichen und Keimen wird Phytin abgebaut. Sauerteigbrote etwa enthalten kein Phytin mehr, wenn der Teig zehn Stunden einweichen konnte. Auch gebackene Hefeteig-Brote enthalten nur noch die Hälfte vom Phytin, das im vollen und unverarbeiteten Korn vorkommt. 

Kaffee und Tee setzen die Eisenverwertung herab

Kaffee, schwarzer und grüner Tee setzen durch ihre Inhaltsstoffe die Aufnahme von Eisen im Darm herab. Wer die Verfügbarkeit vom Eisen optimal ausnutzen möchte, sollte daher eine Pause zwischen dem Genuss von Kaffee und Tee sowie dem Verzehr eisenhaltiger Lebensmittel von etwa einer Stunde einhalten.

Info! 

Es gibt Medikamente, die einen Einfluss auf die Eisenverwertung haben. Säureblocker – etwa mit dem Wirkstoff Omeprazol – werden beispielsweise bei Sodbrennen eingesetzt. Der Wirkstoff setzt die Bildung von Magensäure herab. Fällt die Magensäure stark ab, wird Eisen aus der Nahrung nur noch in sehr kleinen Mengen aufgenommen. Betroffen ist insbesondere das Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Wer regelmäßig Säureblocker einnimmt, sollte daher die Eisenwerte im Blut regelmäßig prüfen lassen. Gleiches gilt, wenn Sie Arzneimittel zur Cholesterinsenkung einnehmen. Betroffen sind Anionentauscher, etwa der Wirkstoff Cholestyramin. 

Daher ist es empfehlenswert einen Einnahmeabstand zwischen dem Säureblocker oder/ und Anionentauscher und der Mahlzeit von zwei Stunden oder länger einzuhalten. Der Genuss Vitamin-C-reicher Lebensmittel hilft zusätzlich dabei, das Eisen besser zu verwerten. Viel Vitamin C steckt zum Beispiel in roter Paprika, Kohl, Sanddornbeeren, Zitrusfrüchten und in Beerenobst.

Zehn Lebensmittel, die besonders eisenreich sind

Eisen steckt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln. Da die Leber ein Speicherorgan für Eisen ist, liefern Lebergerichte besonders viel Eisen, genauer zwischen acht bis 30 Milligramm pro 100 Gramm. Viele Menschen mögen jedoch keine Leber. Zehn weitere gute Eisenlieferanten sind:

Lebensmittel

Eisen in Milligramm pro 100 Gramm 

Linsen

7,5

Pistazienkerne

7,3

Kichererbsen

7,0

Pfifferlinge 

6,5

Haferflocken

4,6 (-6)

Spinat

3,4

Rindfleisch (mager)

2,1

Garnele (Nordsee)

1,8

Hering

1,5

Huhn (Brust)

1,1

Linsen und andere Hülsenfrüchte enthalten viel Eisen

Eisen: Wie gut ist die Versorgungslage?

In Deutschland gilt die Versorgung mit Eisen als gut. Insbesondere bei Jungen und Männer jeden Alters gilt die Versorgung sogar als mehr als ausreichend. Grund hierfür ist der häufig hohe Fleisch- und Fischverzehr. Auch Frauen im Alter ab dem 50. Lebensjahr (beziehungsweise nach der Menopause) sind ausreichend mit dem Spurenelement versorgt. Mehr zum Nährstoffbedarf erfahren Sie hier.

Erhöhter Bedarf von Frauen und in Schwangerschaft und Stillzeit

Mit anderen Worten: Die Eisenversorgung ist bei Mädchen und Frauen oft unzureichend. Ein zentraler Grund ist die monatliche Regelblutung, durch die sich ein erhöhter Bedarf ergibt. Zudem essen Frauen im Schnitt weniger Fleisch als Männer. Besonders von einem Eisenmangel gefährdet sind Schwangere und Stillende. In der Schwangerschaft verdoppelt sich der Eisenbedarf durch das Wachstum der Gebärmutter und den gesteigerten Bedarf an Sauerstoff. In der Stillzeit, wird Eisen über die Muttermilch abgegeben.

Risikogruppen: Veganer, Leistungssportler und Menschen mit Darmerkrankungen

Eisen aus pflanzlicher Nahrung ist weniger gut vom Körper verwertbar, als tierisches. Vegetarier und Veganer haben daher ein erhöhtes Risiko für einen Mangel an Eisen.

Info! 

Auch wer wenig Fleisch und Fisch ist, sich vegetarisch oder vegan ernährt, kann den täglichen Eisenbedarf über die Ernährung decken. Wichtig ist dann ein gezielter und regelmäßiger Verzehr von eisenreichen pflanzlichen Lebensmitteln zusammen mit Vitamin C. Bei Fragen zu weiterführenden Informationen und Interesse an einer Ernährungsberatung, berate ich Sie gerne persönlich.

Wer viel schwitzt, etwa durch Ausdauersport wie Laufen oder Radfahren, verliert bis zu 1,2 Milligramm Eisen pro Liter Schweiß! Daher sollten Ausdauersportler stets ein Augenmerk auf die Eisenversorgung legen. Insbesondere Frauen, die viel Ausdauersport betreiben, sind anfällig für einen Mangel. Sie verlieren während der monatlichen Regelblutung zusätzliches Eisen.

Für die Aufnahme von Eisen ist eine intakte Darmschleimhaut notwendig. Daher ist die Gefahr einen Eisenmangel zu entwickeln für Menschen hoch, die eine geschädigte Darmschleimhaut haben. Betroffen sind Menschen, etwa mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und bei der Krankheit Zöliakie.

Die Folgen eines Eisenmangels

Eisen beeinflusst die Sauerstoffversorgung der Zellen, Leistungen vom Gehirn und die Funktion von Nerven. 

Besteht ein Mangel an Eisen zeigt sich dieser zu Beginn meist durch Müdigkeit, Blässe, brüchige Nägel, Haare und durch trockene und rissige Haut. Zudem kann sich ein beginnender Eisenmangel durch Lern- und Konzentrationsschwäche sowie durch Kurzatmigkeit äußern. Ein Mangel beginnt bei Frauen, wenn der Hämoglobinwert in Gramm pro Deziliter unter 12 liegt und bei Männern unter 13,5.

Wird der Eisenmangel nicht behoben, kann es zu einer Eisenmangel-Anämie (Blutarmut) kommen. Die leeren Speicher des Körpers verursachen dann schwere Beschwerden wie Kopfschmerzen, bleierne Müdigkeit, Probleme beim hören und sehen, Atemnot, Herzrasen und eingerissene Mundwinkel. 

Wie behebe ich einen Eisenmangel?

Stellt eine Ärztin, ein Arzt, eine Heilpraktikerin oder ein Heilpraktiker einen Eisenmangel fest, wird je nach Ausprägung des Mangels ein Präparat in einer passenden Dosierung verordnet, das zweiwertiges Eisen enthält. Eisenpräparate sind in Form von Kapseln, Tabletten und Ampullen verfügbar. Bei einem besonders schweren Eisenmangel erfolgt die Gabe von Eisen zumeist als Infusion direkt in die Blutbahn. 

Die Einnahme von hochdosierten Eisenpräparaten kann jedoch auch unerwünschte Wirkungen auslösen, wie zum Beispiel Übelkeit, Bauchschmerzen und Verstopfung.

Info! 

Ist die Versorgung mit Eisen auf der Grenze zum Mangel, kann eine Ernährungsweise, die gezielt auf eisenreiche Lebensmittel ausgerichtet ist, einen weiteren Abfall der Werte bewirken. Unterstützung erhalten Sie von einer zertifizierten Ernährungsfachkraft. Zudem bezuschussen die gesetzlichen Krankenkassen oft die Ernährungsberatung finanziell, damit Sie gesund bleiben.

Frauen mit einer starken Periode, Vegetarier- und VeganerInnen sollten mit der Ärztin oder dem Heilpraktiker abklären, ob eine tägliche zusätzliche Ergänzung von zehn Milligramm Eisen sinnvoll ist.

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Warum ist eine Überversorgung mit Eisen schädlich?

Bei dem Verzehr von zu viel Eisen in der Nahrung schützt sich der menschliche Körper vor einer Überversorgung in dem die Aufnahme im Darm herunterreguliert wird. Trotzdem kann eine übermäßige Einnahme von Eisen im schlimmsten Fall zu einer Eisenvergiftung führen und Organe wie das Herz, die Nieren, die Bauchspeicheldrüse und die Leber schädigen, etwa wenn Eisenpräparate regelmäßig und in hoher Dosis ergänzt werden. Aus diesem Grund sollte die Einnahme von Eisenpräparaten stets unter ärztlicher Beratung erfolgen.

Zudem wird diskutiert, ob eine Überversorgung mit Eisen das Risiko für Erkrankungen wie Atherosklerose, Parkinson und Krebserkrankungen steigert: Zu viel Eisen kann oxidativen Stress verursachen und die Bildung von freien Radikalen steigern.

Auch gibt es einige Personengruppen, für die eine Ergänzung von Eisen nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder Arzt erfolgen sollte:

  • Krankheiten vom Magen-Darm-Trakt, Leber und Nieren: Eisen kann die Schleimhaut vom Magen und Darm reizen. Arbeiten Leber und Nieren nicht richtig, besteht eine erhöhte Gefahr, dass sich das Spurenelement anreichert.
  • Gicht: Personen die von Gicht betroffen sind und den Arzneimittel-Wirkstoff Allopurinol einnehmen, sollen während der Behandlung kein Eisen ergänzen. Allopurinol kann die Speicherung von Eisen in der Leber steigern.

Während Menschen mit den Krankheiten Thalassämie (Mittelmeeranämie) und Eisenspeicherkrankheit (Hämachromatose) nur auf stark eisenhaltige Nahrung verzichten brauchen, sollten sie jedoch kein Eisen in Form von Präparaten ergänzen. Bei der Hämochromatose nimmt der Dünndarm krankheitsbedingt zu viel Eisen auf. In Folge würde sich Eisen im Körper anreichern.

Medikamente, deren Wirkung durch Eisen gehemmt werden

Wer von einem Eisenmangel betroffen ist und Eisen ergänzt, sollte beachten, dass die Wirksamkeit bestimmter Medikamente durch die Einnahme von Eisen herabgesetzt werden kann. Dies trifft aber nur zu, wenn Eisen zusammen mit dem Medikament eingenommen wird. Bei den folgenden Medikamenten ist es daher empfehlenswert einen Einnahmeabstand von zwei bis drei Stunden einzuhalten, um die Wirksamkeit nicht zu beeinträchtigen:

  • Antibiotika wie zum Beispiel Ciprofloxazin, Norfloxazin, Rifampicin, Penicillin und Tetracycline.
  • Blutdrucksenkende Arzneimittel wie ACE-Hemmer, die Wirkstoffe wie zum Beispiel Captopril enthalten
  • Osteoporose-Arzneimittel aus der Gruppe der Bisphosphonate wie Alendronat
  • Parkinson-Arzneimittel mit Wirkstoffen wie L-Dopa und Carbidopa
  • das Schilddrüsen-Arzneimittel Thyroxin
  • das Rheuma-Arzneimittel Penicillamin

Zusammenfassung

Eisen ist ein überlebenswichtiges Spurenelement, das der Körper für die Blutbildung, den Transport von Sauerstoff, die Energiebildung, die Bildung von Gehirnnervenzellen und das Immunsystem braucht. Während die Versorgung mit Eisen bei Jungen und Männern in Deutschland im Schnitt ausreichend ist, sind Mädchen und Frauen oft unterversorgt mit Eisen. Bestimmte Ernährungsformen und Krankheiten können zudem einen Eisenmangel begünstigen. Prinzipiell es ist möglich, sich in allen Lebenslagen ausreichend über die Nahrung mit Eisen zu versorgen – auch bei veganer und vegetarischer Ernährung. Allerdings ist es wichtig, eisenreiche pflanzliche Lebensmittel in den Ernährungsalltag fest zu integrieren und die Aufnahme von Eisen zu unterstützen, etwa durch den Verzehr Vitamin-C-reicher Speisen.

Besteht ein Eisenmangel, kommt es oft zu Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Hautveränderungen. Ein Eisenmangel wird zumeist durch Eisenpräparate behandelt. Die Einnahme von Eisen sollte aber niemals pauschal und ohne medizinische Beratung erfolgen, da die Einnahme von zu viel Eisen negative Wirkungen auf die Gesundheit haben kann. Zudem gibt es einige Personengruppen, die vorsichtig bei der Einnahme von Eisenpräparaten sein sollten, da Eisen die Wirkung mancher Medikamente beeinflusst. 

Quellen und Literatur:

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Eisen in Lebensmitteln. 2008. Online Portal: https://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_eisen_in_lebensmitteln-28383.html, Zugriff am 25.02.2020.

Gröber, U.: Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. 3. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2011.

Heseker, B. & Heseker, H.: Nährstoffe in Lebensmitteln. 3. Auf. Umschau Zeitschriftenverlag Sulzbach im Taunus 2007.

Schek A.: Ernährungslehre kompakt. 4 Aufl. Umschau Zeitschriftenverlag, Sulzbach im Taunus 2011.

Zimmermann, M. et al.: Burgerstein, Handbuch Nährstoffe. 12. Aufl. TRIAS Verlag Stuttgart 2012.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Rosenwurz (Rhodiola rosea) für starke Nerven, Kraft und Ausdauer

Die Rosenwurz ist eine widerstandsfähige Pflanze für starke Nerven, Kraft und Ausdauer. Welche Wirkungen die Rosenwurz außerdem hat, und in welchen Lebensphasen die Heilpflanze besonders geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Rosenwurz: stressresistente Pflanze gegen Stress

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Raue, eisige Winde fegen über die zerklüftete, karge Landschaft. Dann kommt der Winter und der Schnee breitet sich wie ein Mantel aus. Unter dem Mantel ruht geduldig die Rosenwurz.

Anpassungsfähig und stressresistent

Wenn im Frühjahr die Schneeschmelze beginnt, dann erwacht die Rosenwurz überall dort wo sie zu Hause ist aus ihrem Winterschlaf: In Skandinavien, in Grönland und in Sibirien zum Beispiel. Ihre dicken Stängel und ihre fleischigen Blätter verhelfen ihr zu Stabilität, denn schließlich ist es nicht leicht sich in einer derart stressreichen Umgebung zu behaupten. Vielleicht liegt das Geheimnis der hohen Widerstandsfähigkeit der Rosenwurz aber auch in ihr selbst, genauer in ihren Inhaltsstoffen, die ihr dazu verhilft Zeiten eisiger Kälte, extremer Wärme und bei Sturm, Hagel und Gewitter stabil und stark zu bleiben.

Unterstützer für mehr Ausdauer

Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 1.000 vor Christus. Sie leben in Norwegen und die Jahreszeiten, das Wetter und der lange, dunkle Winter machen Ihnen schwer zu schaffen. Dass Sie die Blätter der Rosenwurz essen können, wissen Sie bereits und auch die Wurzel, die einen herrlichen rosenartigen Duft verbreitet, ist offensichtlich ungiftig. Sie probieren ein wenig davon und bemerken wenige Tage später, dass Sie sich aufmerksamer, kräftiger, fitter und wacher fühlen.

So oder so ähnlich könnte es gewesen sein, als die ersten Menschen Erfahrungen mit der Wurzelheilkraft der Rosenwurz machten. Sicher ist: das Wissen wurde innerhalb verschiedener Völker und von Generation zu Generation weitergegeben – bis in die heutige Zeit.

Sekundäre Pflanzenstoffe gegen Stress

Die Rosenwurz-Wurzel enthält ein spezielles Inhaltsstoffgemisch, dass die Bildung.des Stresshormons Cortison reduziert und die Zellatmung fördert. Einer der wichtigsten Inhaltsstoffe der Rosenwurz-Wurzel ist die Substanz namens Salidrosid. Die Rosenwurz-Wurzel speichert neben dem Salidrosid außerdem verschiedenste sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe zu denen beispielsweise Rosavin und Rosin gehören. Alle Inhaltsstoffe der Rosenwurz wirken gemeinschaftlich und entfalten so deren antioxidativen und leistungssteigernden Eigenschaften.

Die Rosenwurz-Wurzel in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Die Rosenwurz-Wurzel ist eine Heilpflanze für besondere Situationen, beispielsweise wenn:

  • Sie wegen einer Krankheit oder durch viel Stress unter Müdigkeit und Erschöpfung

Anwendungsbereiche aufgrund der Studienlage

Die Wurzeln der Rosenwurz-Wurzel werden schon lange in der Naturheilkunde eingesetzt und werden weiter erforscht. Aufgrund von Erfahrungen und Studien könnten die Extrakte aus den Wurzeln helfen, wenn:

  • Sie stressbedingt schlecht abnehmen. Die Rosenwurz-Wurzel kann den Cortison-Spiegel senken, sodass etwa Symptome wie Heißhunger nachlassen. Untersuchungen zur Wirksamkeit der Rosenwurz-Wurzel zur Unterstützung beim Abnehmen basieren bislang auf Tierversuchen.
  • Sie Ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern wollen. Studien am Menschen zeigen, dass die Extrakte aus der Rosenwurz zur geistigen und körperlichen Leistungssteigerung Sowohl die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis werden Studien zufolge durch die Rosenwurz-Wurzel verbessert. Auch bei Ausdauer-Sportlern kann der Extrakt positiv auswirken, weil die Erschöpfung erst später einsetzt.

Sie von einer depressiven Verstimmung oder einer leichten Depressionen betroffen sind: Mehrere Studien an Menschen zeigen eine stimmungsaufhellende, anregende und müdigkeitsvertreibende Wirkungen. Bei einer Depression sollten die Extrakte aus der Rosenwurz-Wurzel nur nach Absprache mit einem Arzt erfolgen.

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Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz der Rosenwurz-Wurzel

 

Rosenwurz-Wurzel

Einzelportion (Trockenextrakt)

144-200 Milligramm

Tagesmenge (Trockenextrakt)

144-400 Milligramm

Tagesmenge Wurzel

keine Angabe

Einsatz auch als

Tee, Tinktur

Die Extrakte aus der Rosenwurz-Wurzel sind in der Europäischen Union als traditionelles Arzneimittel zugelassen. Um eine ausreichend hohe und gleichmäßige Dosierung zu gewährleisten, ist es empfehlenswert Extrakte aus der Rosenwurz-Wurzel in Form von Fertigarzneimitteln einzunehmen. Die Wurzel kann zudem als Hausmittel, zum Beispiel als Tinktur zubereitet werden und als Nahrungsergänzungsmittel erworben werden. Die Qualität ist jedoch geringer als die von Fertigarzneimitteln.

Basisrezept mit Rosenwurz-Wurzel

Rosenwurz-Wurzel-Tinktur

Bereiten Sie eine Braunglasflasche (Fassungsvermögen 100 Milliliter) vor, indem Sie Namen und Herstellungsdatum der Tinktur auf ein Etikett schreiben. Füllen Sie zehn Gramm grob geschnittene Rosenwurz-Wurzel in die Braunglasflasche und füllen Sie diese mit hochprozentigem Alkohol (50 Prozent oder mehr) auf. Verschließen Sie die Flasche und lagern Sie diese an einem warmen Ort. Schütteln Sie die Tinktur täglich. Nach vier Wochen kann die Wurzel abgefiltert werden.

Nehmen Sie bis zu dreimal täglich einen Teelöffel der Tinktur 15 Minuten vor einer Mahlzeit ein.

Die Rosenwurz als Lebensmittel

In Ländern in denen die Rosenwurz zu Hause ist, werden die jungen Triebe, Blätter und Stängel als Lebensmittel verzehrt. Blätter und Triebe können gekocht und als Gemüse genossen werden, der Stängel wird in manchen Kulturen auch roh verzehrt. 

Die unerwünschten Wirkungen der Rosenwurz

Personen mit psychischen Krankheiten, Erkrankungen der Leber und der Nieren, sollten die Anwendung vorab mit ihrem Arzt absprechen. Der Rosenwurz sollte nicht in der Schwangerschaft, Stillzeit und vor dem vollendeten 18. Lebensjahr angewendet werden.

Literatur und Quellen

Cifani C. et al. Effect of salidroside, active principle of Rhodiola rosea extract, on binge eating. Physiol Behav 2010:101:555-62. https://www.pubmed.de/gateway/nlm-pubmed/, Zugriff am 08.01.2019

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Community herbal monograph on Rhodiola rosea L., rhizoma et radix. https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-rhodiola-rosea_en.pdf, Zugriff am 27.01.2019

Darbinyan V et al. Clinical trial of Rhodiola rosea L. extract SHR-5 in the treatment of mild to moderate depression. Nord J Psychiatry 2007:61:343-8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17990195, Zugriff am 27.01.2019

De Bock K et al. Acute Rhodiola rosea intake can improve endurance exercise performance. Int J Sport Nutr Exerc Metab 2004:14:298-307. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15256690, Zugriff am 27.01.2019

Hung SK et al. The effectiveness and efficacy of Rhodiola rosea L.: a systematic review of randomized clinical trials. Phytomedicine 2011:18:235-44. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21036578, Zugriff am 27.01.2019

Mao JJ et al. Rhodiola rosea versus sertraline for major depressive disorder: A randomized placebo-controlled trial. Phytomedicine 2015:22:394-9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25837277, Zugriff am 27.01.2019

Olsson EM et al. A randomised, double-blind, placebo-controlled, parallel-group study of the standardised extract shr-5 of the roots of Rhodiola rosea in the treatment of subjects with stress-related fatigue. Planta Med 2009:75:105-12. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19016404, Zugriff am 27.01.2019.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

 

Vitamin D: Warum das Sonnenvitamin für starke Knochen unverzichtbar ist

Vitamin D ist eine hormonähnliche Substanz und für die Knochengesundheit unverzichtbar. Ein Mangel lässt die Knochen über die Jahre spröde und brüchig werden – auch wenn genügend Calcium gegessen wird. In diesem Artikel erfahren Sie, was genau hinter dem Sonnenvitamin steckt, warum es eine Schlüsselrolle in der Vorbeugung der Knochenkrankheit Osteoporose spielt und wie Sie sich vor einem Mangel schützen können.  

Vitamin D wird mit Sonnenlicht gebildet und kann mit der Nahrung aufgenommen werden

Vitamin D: fettlösliches Vitamin und Hormonvorstufe 

Vitamin D kann über die Nahrung aufgenommen und mit dem Sonnenlicht gebildet werden. Es nimmt daher eine Doppelrolle ein. Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin: Damit es vom Körper aufgenommen und verwertet werden kann, ist der gleichzeitige Verzehr von Fett aus der Nahrung nötig. Zusätzlich kann der Körper Vitamin D mit Hilfe von Sonnenlicht selbst bilden, was das Vitamin – streng genommen – zu einer Hormonvorstufe macht.

Verschiedene Vitamin D-Sorten

Vitamin D ist ein Oberbegriff für verschiedene Verbindungen, die als Calciferole zusammengefasst werden. Für den Menschen sind vor allem zwei Verbindungen interessant, das Vitamin D2 (Ergocalciferol) und Vitamin D3 (Cholecalciferol). 

Vitamin D2 kommt überwiegend in Pflanzen vor und wird im Körper zu aktiven Vitamin D. Es ist jedoch weniger wirksam als Vitamin D3, das in tierischen Lebensmitteln vorkommt und vom Körper selbst gebildet wird: Bei einem Vitamin D-Mangel wird daher in der Regel die Einnahme von Vitamin D3 empfohlen.

Vitamin D kann vom Körper gespeichert werden, vor allem im Fettgewebe und in der Muskulatur. Es ist aber auch in der Leber zu finden. Gelangt es in den Körper oder wird mit Hilfe von Sonnenlicht gebildet, wird es in mehreren Schritten in der Leber und den Nieren in die aktive Vitamin D3-Form (Calcitriol) umgewandelt und gespeichert. Calcitriol hat eine Halbwertszeit von rund 19 Tagen. So können größere Schwankungen bei der Vitamin D-Bildung überbrückt und ausgeglichen werden. 

Wie viel Vitamin D pro Tag ist nötig?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt, dass der tägliche Bedarf an Vitamin D ab dem ersten Lebensjahr bis im Seniorenalter 20 Mikrogramm beträgt. Da Säuglinge zur Vorbeugung von Rachitis bereits in der ersten Lebenswoche eine Vitamin-D-Tablette bekommen, wird der Vitamin-D-Bedarf über die Nahrung (Muttermilch oder Flaschenmilch) auf täglich 10 Mikrogramm geschätzt. Diese Werte beziehen sich auf den Vitamin-D-Bedarf, wenn kein Vitamin D in der Haut gebildet wird.

Der Bedarf an Vitamin D wird oft in Internationalen Einheiten (IE) angegeben. Eine Internationale Einheit Vitamin D beträgt 0,025 Mikrogramm. Teilt man 20 durch 0,025 ergibt dies einen Wert von 800. 20 Mikrogramm Vitamin D entsprechen also 800 IE. 

Es gibt jedoch auch Experten, die der Meinung sind, dass die Empfehlung der DGE zu niedrig ist, beziehungsweise, dass in Deutschland nur bis zu 20 Prozent vom Vitamin-D-Bedarf über Lebensmittel gedeckt werden kann. 

Champignons enthalten wie alle Pilze Vitamin D

Lebensmittel, die Vitamin D enthalten

Nur wenige Nahrungsmittel sind reich an Vitamin D. Zu den besten Lebensmittelquellen gehören fettreiche Fischsorten. Sie sind zudem reich an Omega-3-Fettsäuren, weswegen Fisch für eine entzündungshemmende Ernährung ebenfalls geeignet ist. In kleinen Mengen kommt Vitamin D zudem in Pilzen, Avocado und in Eiern vor. Zu den besten Vitamin D-Lieferanten gehören zum Beispiel:

Lebensmittel

Vitamin D-Gehalt in Mikrogramm pro 100 Gramm

Lebensmittelmenge in Gramm, mit 20 Mikrogramm Vitamin D (Tagesbedarf)

Lebertran

300

6,6

Hering

27

74

Sardelle

20

100

Sprotten

20

100

Lachs

16,3

123

Aal

13

154

Thunfisch

4,5

445

Hühnerei

2,9

690

(entspricht 10-12 Eiern)

Champignon

1,9

1.053

Vitamin D-Versorgung durch Sonnenlicht

Im Sommer um die Zeit der Sommersonnenwende und wolkenlosem Himmel ist die Sonnenstrahlung am höchsten. An einem sonnigen Sommertag können so bis zu 20.000 Internationale Einheiten Vitamin D (50 Mikrogramm) in der Haut gebildet werden. Verringert wird die Bildung jedoch durch Wolken, Kleidung, Schatten, Fenster und Sonnencreme. 

Während der Wintermonate nimmt die Strahlung um ein Vielfaches ab. Dies ist der Grund weshalb selbst bei langen sonnigen Spaziergängen im Winter nur ein Bruchteil vom Vitamin D gebildet wird und zumeist für eine gesunde Versorgung nicht ausreicht. Das Weglassen von Sonnencreme und anderen Schutzmaßnahmen im Sommer und im Winter etwa beim Skifahren ist aber auch nicht die Lösung: Ohne einen ausreichenden Sonnenschutz steigt die Gefahr für einen Sonnenbrand und damit die Gefahr für die Entstehung von Hautkrebs.

Vitamin D-Versorgung: sind Solarien die Lösung? 

Vitamin D wird durch UV-B-Strahlen gebildet. Die übrigen Sonnenstrahlen (UV-A und UV-C) regen nicht zur Bildung von Vitamin D an. Da die meisten Solarien hauptsächlich mit UV-A-Strahlen „bestrahlen“, trägt die künstliche UV-Strahlung nicht zur Vitamin D Bildung bei, können aber das Risiko für die Hautkrebsentstehung fördern.

Die Lichttherapie hilft bei verschiedenen Beschwerden

Vitamin D Status ermitteln Normalwerte

Um die Versorgung mit Vitamin D zu ermitteln, ist eine Blutuntersuchung notwendig, die in Arztpraxen durchgeführt werden kann. Zumeist müssen die Patienten die Kosten selber zahlen: Für eine Analyse der Vitamin D Versorgung betragen die Kosten etwa 20 Euro.

Bestimmt wird in der Regel der 25-Hydroxy-Vitamin D-Wert in der Blutflüssigkeit (Serum). Dieser Wert kann in zwei Einheiten angegeben werden.

 

Vitamin D in Nanogramm pro Milliliter im Serum

Vitamin D in Nanogramm pro Liter im Serum

Schwerer Mangel

< 12

< 30

Mangel

12 bis 20

30 bis 50

Grenzwertig

20 bis 30

50 bis 75

Normal bis optimal

30 bis 50

75 bis 125

Oberer Normalwert

50 bis 70

125 bis 175

Wer ist von einem Vitamin D-Mangel betroffen?

In Deutschland sind zwischen 40 bis 45 Prozent der gesamten Bevölkerung von einer Vitamin D-Unterversorgung betroffen. Davon haben zwischen 15 bis 30 Prozent der Menschen einen Mangel. Ausreichend versorgt mit Vitamin D sind hingegen nur rund vier von zehn Menschen. Hinzu kommt, dass die Fähigkeit des Körpers im Laufe des Lebens nachlässt das Sonnenvitamin über die Haut zu bilden. Daher sind Senioren besonders gefährdet für einen Mangel an Vitamin D und anderen Nährstoffen. 

Weitere Risikogruppen sind Menschen mit einer dunklen Hautfarbe (Melanin blockiert die Aufnahme von UV-B-Strahlen), Kleinkinder, Schwangere und Stillende. Auch Übergewichtige und Untergewichtige haben ein erhöhtes Risiko, da Vitamin D vor allem im Fettgewebe gespeichert wird. Ist bei Übergewicht viel Fettgewebe vorhanden, ist viel Vitamin D im Gewebe eingelagert: Es steht jedoch nicht dem Körper für die verschiedenen Funktionen zur Verfügung. Bei Untergewicht fehlt Fettgewebe, um das Vitamin zu speichern. 

Eine weitere Risikogruppe sind Menschen, die den Körper verhüllen und all diejenigen, die sich viel in geschlossenen Räumen aufhalten.

Vitamin D: Nahrungsergänzungsmittel oder nicht?

Wer von einem Vitamin-D-Mangel betroffen ist, sollte diesen beheben. Die Dosierung legt dann üblicherweise eine Ärztin oder ein Arzt fest. 

Schnelle Erhöhung vom Vitamin-D-Spiegel: Als Faustregel gilt zehn Tage lang 10.000 IE Vitamin D3 pro Tag einzunehmen, um den Blutspiegel um insgesamt zehn Nanogramm pro Milliliter anzuheben. 

Langsame Erhöhung vom Vitamin-D-Spiegel: Die Einnahme von 1.000 IE Vitamin D3 pro Tag führt zu einem langsamen Anstieg des Vitamin-D-Status im Blut.

Im Sommer ist es möglich den täglichen Bedarf an Vitamin D über Lebensmittel und die Sonne zu decken. Dagegen wird es im Frühjahr und im Herbst bereits schwieriger. In den Wintermonaten ist es hingegen kaum noch möglich, den täglichen Vitamin-D-Bedarf zu decken. Viele Experten raten daher dazu, im Winter ein Präparat mit Vitamin D3 (1.000 I.E. pro Tag) zu ergänzen. Die Einnahme sollte aber mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. 

Es gibt auch pflanzliches Vitamin D3, das für Veganer und Vegetarier geeignet ist. Gewonnen wird es aus Schafwolle gewonnen oder aus Flechten. 

Gefahr für Osteoporose durch Vitamin D-Mangel

Für die Stabilität der Knochen ist Vitamin D unentbehrlich. Es steigert die Aufnahme von Calcium im Darm und trägt dadurch zum Erhalt gesunder, starker Knochen bei. Gleichzeitig senkt Vitamin D die Ausscheidung von Calcium über die Nieren. Zudem hat Vitamin D einen Einfluss auf die Knochenzellen: Es fördert die Aktivität, Bildung und Reifung dieser Zellen. 

Fehlt es steigt die Gefahr der Osteoporose, da die Versorgung des Knochen mit Calcium gestört wird.

Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, ist eine Störung des Knochenstoffwechsels. Bei der Osteoporose nimmt die Knochenmasse schneller ab, als sie wieder aufgebaut werden kann. Als Folge werden die Knochen porös, sodass sie leichter brechen. Zwar ist ein Abbau der Knochenmasse im Alter ein natürlicher Prozess. Bei Osteoporose tritt der Knochenschwund jedoch zu stark auf. Die Krankheit kann verschiedene Ursachen haben, die von erblicher Veranlagung, über calciumarme Ernährung und Vitamin D-Mangel bis hin zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente oder als Folge von Erkrankungen auftritt. Während die Osteoporose zu Beginn oft keine Beschwerden macht, treten im Verlauf zunehmende Symptome wie Rückenschmerzen, Skelettverformungen und spontane Knochenbrüche auf.

Osteoporose verursacht auf Dauer Schmerzen und einen unsicheren Gang

Vitamin D, Calcium und anderen Mikronährstoffe: Vorbeugen ist besser als heilen 

Um der Entstehung von Osteoporose vorzubeugen empfiehlt der Dachverband Osteologie eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D und Calcium. Die tägliche Aufnahme sollte 800 IE proTag Vitamin D und 1.000 Milligramm Calcium betragen. Zudem gibt es weitere Mikronährstoffe, die einen positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel haben, zum Beispiel Folsäure, Vitamin B12, Vitamin K, Kalium und Magnesium. Der Verzehr von zu viel Eiweiß, ein hoher Phosphatgehalt in der Nahrung (wie Cola, Energiedrinks, Wurst, Schmerzkäse) und Alkohol sind Beispiele für Nährstoffe, die den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen können.

Was bringt eine hohe Vitamin D-Zufuhr bei bestehender Osteoporose?

Für die Senkung eines Knochenbruchrisikos kann die Kombination aus Vitamin D und Calcium helfen: Der Verzehr von fettem Fisch zusammen mit calciumreichen Lebensmitteln wie Käse, Milch, Brokkoli, Grünkohl und calciumreichen Mineralwasser ist empfehlenswert. Kann der Bedarf nicht über die Nahrung gedeckt werden, ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zu empfehlen. Die Einnahme von Vitamin D alleine, scheint bei einer bestehenden Osteoporose keinen Einfluss auf das Risiko für Knochenbrüche zu haben.

Vitamin D wird nicht nur zur Vorbeugung von Osteoporose eingesetzt. Es hat ein breites Wirkspektrum und ist wichtig für das Immunsystem, die Muskeln, die Zellteilung und das Herz-Kreislaufsystem. Zudem ist Vitamin D an der Bildung bestimmter Botenstoffe (Hormone) beteiligt. Daher könnte Vitamin D bei vielen Beschwerden und Krankheiten helfen: Erkältungen, Blasenentzündungen, Depressionen, Multiple Sklerose, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Asthma sind Beispiele für Erkrankungen bei denen die Wirkung von Vitamin D getestet wird.

Zusammenfassung

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und eine hormonähnliche Substanz. Es kann mit der Nahrung zugeführt werden oder mit Hilfe von Sonnenlicht (UV-B-Strahlen) gebildet werden. Der menschliche Körper braucht Vitamin D unter anderem, um die Aufnahme von Calcium im Darm zu erhöhen und so den Knochen das Calcium zur Verfügung zu stellen. Fehlt es, steht Knochen weniger Calcium zur Verfügung: die Gefahr für die Entstehung von Osteoporose steigt. Daher nimmt Vitamin D einen wichtigen Stellenwert bei der Vorbeugung von Osteoporose ein. Allerdings sind nur rund 40 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ausreichend mit dem Sonnenvitamin versorgt. Um möglichen Schäden durch die Mangelversorgung vorzubeugen, stehen neben fettreichen Fischsorten in den Wintermonaten auch Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung.

Quellen

Dachverband Osteologie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose. Leitlinie 2017. http://www.dv-osteologie.org/uploads/Leitlinie%202017/Slide-Satz_DVO_LL_2017.pdf, Zugriff am 10.02.2020.

Glogowski, S.: 13. DGE-Ernährungsbericht: Vitamin-D-Versorgung in Deutschland unzureichend. Ernährungs Umschau 2017:M485, https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-news/13-09-2017-13-dge-ernaehrungsbericht-vitamin-d-versorgung-in-deutschland-unzureichend/, Zugriff am 10.02.2020.

Gröber, U.: Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. 3. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2011.

Heseker, B. & Heseker, H.: Nährstoffe in Lebensmitteln. 3. Aufl. Umschau Zeitschriftenverlag Sulzbach im Taunus 2007.

Bundesamt für Strahlenschutz: Bildung des körpereigenen Vitamin D. https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/vitamin-d.html, Zugriff am 10.02.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Ordnungstherapie: Ein geordnetes Leben für eine gute Gesundheit

Die Ordnungstherapie ist ein Konzept der gesunden Lebensführung. Sie zielt darauf ab Überflüssiges und Schädliches wegzulassen und Fehlendes zu ergänzen. Dementsprechend nimmt die Selbstverantwortung des Menschen für seine Gesundheit eine Schlüsselrolle bei der Ordnungstherapie ein. Welche Ursprünge und Prinzipien hinter der Ordnungstherapie stecken, und für wen sie geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Hören auf die innere Uhr ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Was ist die Ordnungstherapie?

Den Ausspruch „Ordnung ist das halbe Leben“ hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Und in der Tat dürfte der Wahrheitsgehalt der Aussage für viele Menschen hoch sein: Sei es, dass der Haustürschlüssel seinen festen Platz im Flur hat, T-Shirts und Hemden nach einem individuellen System geordnet sind, täglich zur selben Uhrzeit zu Abend gegessen wird oder dreimal wöchentlich Laufschuhe angezogen werden und gejoggt wird. Alle Beispiele haben etwas mit Ordnung zu tun. Auch Wiederholungen und Regelmäßigkeiten spielen hierbei eine Rolle. 

Gerät die persönliche Ordnung aus dem Gleichgewicht, sorgt das oft für Unruhe. Wird etwa in einem unachtsamen Moment der Haustürschlüssel an einem anderen Ort als gewöhnlich abgelegt, dann beginnt die oft aufreibende Suche nach dem Utensil.

Dementsprechend ist die Gestaltung vom Tagesablauf ein zentraler Punkt der Ordnungstherapie. Sie zielt aber auch auf andere Bereiche wie gesunder Schlaf, Entspannung, Bewegung und das Leben mit der inneren Uhr ab.

Ordnung, aber mit Flexibilität

Geprägt wurde der Begriff der Ordnungstherapie unter anderem von Sebastian Kneipp (1821-1897) und Max Bircher-Brenner (1867-1939). Die Ordnungstherapie wie wir sie heute kennen, ist zwar vom Grundsatz her dieselbe wie die von früher: Inhalte und Methoden haben sich jedoch weiterentwickelt und orientieren sich am Wissenstand der Forschung und Medizin.

Auch in asiatischen Medizinsystem wie der Tibetischen Medizin und Ayurveda sind Bestandteile der Ordnungstherapie zu finden.

Der Fokus der Ordnungstherapie liegt auf den folgenden Bereichen:

  • Wahrnehmung des Körpers und Bewegung
  • Entspannung
  • Gesunde Lebensweise
  • Seelischer Gesundheitsschutz (Psychohygiene)
  • Ernährung

Grundsätzlich schließt die Ordnungstherapie medizinische Verfahren und die Umwelt mit ein. Auch das Klima, Licht und Luft üben einen Reiz auf den Körper und den Geist aus und müssen reguliert werden. Wenn der Körper und der Geist darin geübt sind, Reize zu regulieren, können Faktoren, die zu Krankheiten führen besser bewältigt werden. Dementsprechend spielen die innere Uhr, der Rhythmus von Tag und Nacht, die Jahreszeiten ebenso wie ein Jetlag eine Rolle für die persönliche Ordnung. Aber auch Zeit nimmt einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein: Zeit zum Schlafen, Sport, Entspannen, Essen und Arbeiten. Die Ordnungstherapie betrifft damit alle Bereiche des Lebens und kann – richtig eingesetzt – zu einer Bereicherung werden.

Die Ordnungstherapie, auch Lebensordnung genannt, ist eine der fünf Säulen der Kneipp-Therapie. Weitere Säulen sind Hydrotherapie, Phytotherapie, Bewegungstherapie und Ernährungstherapie. Oft sind diese Therapien miteinander verwoben. So nehmen etwa die Hydrotherapie und die Ernährungstherapie einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein. Durch die unscharfen Grenzen der Ordnungstherapie findet sie als ein Gesamtkonzept aber in medizinischen Fachkreisen wenig Akzeptanz. Anders verhält es sich mit einzelnen Aspekten der Ordnungstherapie: Sie sind Bestandteil von fast allen medizinischen Behandlungskonzepten.

Ordnungstherapie als Prävention, Therapie und zur Rehabilitation 

Die Ordnungstherapie spielt sowohl in der Prävention, Therapie und Rehabilitation eine Rolle, wie sich an folgenden Beispielen darstellen lässt.

Prävention: Isst ein Mensch beispielsweise pro Tag regelmäßig rund 450 Gramm Gemüse, trägt dies nachweislich zur Vorbeugung bestimmter ernährungsbedingter Krankheiten bei. 

Therapie: Bei der Behandlung von Erkrankungen sprechen Ärzte und andere Therapeuten Therapieempfehlungen aus. Das kann etwa die regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente betreffen, physiotherapeutische Übungen für Zuhause oder Atemübungen bei Sprechstörungen.

Rehabilitation: Nach einer schweren Erkrankung, zum Beispiel einem Schlaganfall, hilft beispielsweise die Ergotherapie Betroffenen dabei, Einschränkungen zu verbessern oder zu überwinden. Das regelmäßige fördern der körperlichen Beweglichkeit, Belastbarkeit und Geschicklichkeit gehören zum Behandlungskonzept und lassen sich auch in die Ordnungstherapie eingliedern.

Entspannung ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Für wen ist die Ordnungstherapie geeignet?

Die Ordnungstherapie ist für jeden Menschen geeignet, denn eine stabile Ordnung ist für jeden Menschen hilfreich. Bei chronischen Krankheiten etwa müssen die Ernährung und manchmal auch die Medikamenteneinnahme geplant werden. Bei Diabetes, Gicht und Allergien ist dies beispielsweise der Fall. Aber auch bei Erkrankungen der Verdauung und vom Stoffwechsel ist eine Regelmäßigkeit beim Essen und Trinken von Vorteil: Bei Verstopfung, Sodbrennen und Leberproblemen spielt die Planung der Ernährung ebenfalls eine Rolle.

Regelmäßige Entspannungsübungen und Sport können Verspannungen und Schmerzen lindern. Zudem gilt Entspannung und Sport seit langem als hilfreicher Unterstützer bei Depression, Angst, Schlafbeschwerden, ständiger Müdigkeit und Stress. Mit anderen Worten: Die Ordnungstherapie zielt darauf ab, die eigenen Ressourcen zu aktivieren. So können die Reize besser vom Körper reguliert werden.

Wann kann die Ordnungstherapie helfen und warum?

Bevor die Ordnungstherapie beginnt, oder Teile der Ordnungstherapie empfohlen werden, erfolgt zu Beginn üblicherweise eine ausführliche Befragung zur Lebensweise durch einen Therapeuten. Dem schließen sich drei weitere Schritte an. Hierzu ein Beispiel. 

Stellen Sie sich vor, dass Sie von starkem Übergewicht betroffen sind. Ihre Ärztin hat einen beginnenden Altersdiabetes diagnostiziert. 

  1. Information: Die Ärztin informiert über die Zusammenhänge ihrer Erkrankung und über mögliche Therapieoptionen.
  2. Änderung des Bewusstseins: Sie erkennen das Problem und sind bereit für Veränderungen, etwa in der Ernährung, der Bewegung oder Sie sind bereit für eine medikamentöse Therapie.
  3. Veränderung des Verhaltens: Um Ihre Gesundheit zu fördern, verändern Sie Ihr Verhalten und Ihre Gewohnheiten. Sie setzen die geplanten Veränderungen in die Tat um.

Die Ordnungstherapie ist zudem auf verschiedene soziale Ebenen ausgerichtet. Zumeist zielen dann die Empfehlungen von Therapeuten auf die persönliche Ebene ab. Wie im genannten Beispiel wären dies Empfehlungen zur gesunden Ernährung, Gewichtsreduktion, mehr Bewegung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen. 

Wichtig sind in der Ordnungstherapie zudem die soziokulturelle Ebene und übergeordnete soziale Systeme. Das heißt anhand des Beispiels: Die Unterstützung durch die Familie sowie durch die Gesellschaft, Zeit für Entspannung und Angebote zur Unterstützung gegen Diabetes und Übergewicht haben einen Einfluss darauf, ob die Therapiemaßnahmen erfolgreich sein werden und die Gesundheit zurück in die Balance kehrt. 

Die Mind-Body-Medizin (MBM) und Ordnungstherapie sind einander inhaltlich ähnlich. Beide Therapie zielen darauf ab, einen Lebensstil zu entwickeln und zu erhalten, der die Gesundheit fördert. Ein Unterschied besteht in der Entstehungsgeschichte: Die Ordnungstherapie ist auf die persönliche Erfahrung von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Benner zurückzuführen. Die MBM hat ihre Wurzeln hingegen in den Ergebnissen der Stressforschung.

Zusammenfassung

Die Ordnungstherapie zielt auf Ordnung in allen Lebensbereichen ab: Von der Wohnung, über den Arbeitsplatz bis hin zu Körper und Geist. In Europa wurde die Ordnungstherapie von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Brenner entwickelt. In Asien existieren einzelne Komponenten der Ordnungstherapie hingegen schon länger. 

Ein Grundsatz der Ordnungstherapie lautet dranzubleiben. Denn ein guter Vorsatz allein reicht nicht aus, um ein Ziel zu erreichen. Man muss den Vorsatz in die Tat umsetzen. Dementsprechend eignet sich die Ordnungstherapie für die Prävention, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten – vorausgesetzt, die Ordnung artet nicht in Stress aus.

Literatur und Quellen

Schmidel V. & Augustin M.: Leitfaden Naturheilkunde. 5. Aufl. Elsevier Verlag München 2008.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Pfefferbaum (Schinus molle)

Der Pfefferbaum gilt in vielen südamerikanischen Ländern als ein medizinisches Allroundtalent. Seine Blätter, Früchte und das ätherische Pfefferbaumöl soll Krankheitskeime bekämpfen, bestimmte Blutkrebsarten eindämmen können und vieles mehr. Was an den Wirkungen vom Pfefferbaum dran ist und was der Pfefferbaum mit dem Pfeffer als Gewürz zu tun hat, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Rosa Pfeffer: die Früchte vom Pfefferbaum ähneln denen vom Schwarzen Pfeffer

Pfeffer, der keiner ist

Der Pfefferbaum, auch bekannt als Peruanischer Pfefferbaum, hat anders als man vermuten würde nichts mit dem Pfeffer als Gewürz zu tun. Während es sich bei dem Pfefferbaum tatsächlich um einen Baum handelt, wächst der Schwarze Pfeffer (lateinisch: Piper nigrum) auf kletternden Sträuchern. Auch die Herkunftsregionen beider Pflanzen sind höhst unterschiedlich: die Heimat vom Pfefferbaum sind mittel- und südamerikanische Länder wie Peru, Bolivien und Mexico. Der Pfefferstrauch ist hingegen in Asien beheimatet und wächst beispielsweise in Indien, Malaysia und Indonesien. 

Allerdings macht die Globalisierung auch vor Pflanzen nicht halt: Daher wird der Peruanische Pfefferbaum heute auch in Marokko, Südafrika und Australien angebaut und hat sich dort eingebürgert. Auch im Süden der USA sind die elegant aussehenden Pfefferbäume zu finden. 

Pfefferbaum: ein südamerikanischer Alleskönner?

Pfefferbäume haben in Südamerika eine lange Tradition. Zerreibt man die Laubblätter zwischen den Fingern, wird ein aromatischer Duft freigesetzt. Das liegt an den ätherischen Ölen, die eine leicht desinfizierende Wirkung haben. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die eingeborenen Südamerikaner die Blätter bereits seit langem medizinisch nutzen. Auch die Früchte kommen traditionell zu Einsatz.

Die Liste der traditionellen Anwendungsgebiete ist dementsprechend lang. Bei innerer Anwendung reicht sie von Beschwerden der Atemwege, Harnwege und Haut über Menstruationsbeschwerden bis hin zum Einsatz als Antidepressivum, Stimulans und Entwässerungsmittel. Äußerlich eingesetzt kommen Blätter, Früchte und das ätherische Öl traditionell als Antiseptikum, zur Wundheilung und zur Abwehr von Mücken und anderen Insekten zum Einsatz.

Das ätherische Pfefferbaumöl hemmt das Wachstum bestimmter Bakterien

Ein Baum, drei Wirkstoffe, viele Inhaltsstoffe

Früchte

Pfefferbaum-Früchte enthalten verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Darunter befinden sich Anthocanidine (Farbstoffe), Flavonoide und Gerbstoffe wie Gallotannine. Weiterhin speichern die Früchte verschiedene ätherische Öle, die weiter unten in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Blätter 

Die Blätter des Pfefferbaum enthalten Flavonoide, von denen Rutin als besonders wirksam gilt. Zudem sind die Blätter reich an Quercetin, Chologensäure und Gerbstoffen. Dadurch haben sie antioxdiave Wirkungen. Weiterhin speichern die Blätter nennenswerte Mengen ätherische Öle wie Alpha- und Beta-Pinen. Ätherische Öle haben eine antiseptische Wirkung und verleihen den Blättern ihren typischen Geruch.

Ätherische Öle

Ätherisches Öl wird sowohl aus den Früchten und den Blättern des Pfefferbaums gewonnen. Wichtige Bestandteile des ätherischen Öls sind Alpha und Beta-Pinen, Alpha-Cadinol, Myrcen und Sabinen. Sie wirken keimhemmend auf Bakterien und bestimmte Pilze. Laborstudien zufolge, bewirken die ätherischen Öle aus den Blättern des Pfefferbaums eine Aktivierung des Immunsystems.

Der Pfefferbaum in der Medizin

Anwendungsbereiche aufgrund von experimentellen Studien und Erfahrung

In der Erfahrungsheilkunde werden verschiedene Pflanzenteile vom Pfefferbaum schon lange in Peru, Mexiko und Bolivien sowie in anderen mittel- und südamerikanischen Ländern eingesetzt. Labor- und Tierstudien zufolge könnte der Pfefferbaum helfen wenn: 

  • Sie von einer Depression betroffen sind. In Laborstudien konnten Inhaltsstoffe aus dem ätherischem Öl des Pfefferbaums (Shyobunon und Preisocalamendiol) nachgewiesen werden, die möglicherweise die Funktion bestimmter Andock-Proteine von Nervenzellen verbessern können. Erste Tierstudien fielen bereits positiv aus: depressive Symptome besserten sich. Gesichert sind die Wirkungen vom Pfefferbaumöl (anders als etwa beim Johanniskraut) aber nicht. 
  • Sie von einer Entzündungskrankheit betroffen sind oder Schmerzen haben. Im Tierversuch milderte der Extrakt aus Pfefferbaum-Früchten entzündete Geschwüre und Schmerzen ab.
  • Sie eine bakterielle Infektion haben. In Laborstudien hemmte das ätherische Öl aus den Früchten und Blättern des Pfefferbaums Bakterien wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli. Auch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa konnte das ätherische Öl eindämmen. Die Wirkung fiel aber schwächer aus als bei den Staphylococcus und Escherichia coli-Erregern.

Ob das ätherische Öl und der Extrakt aus den Früchten aus dem Pfefferbaum auch bei Menschen wirksam ist, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Studien durchgeführt werden, in denen geprüft wird ob sich die Ergebnisse auch auf Menschen übertragen lassen. 

Anwendungsbereiche, die derzeit untersucht werden

Die Blüten, Blätter und das ätherische Öl vom Pfefferbaum werden derzeit in Laborstudien untersucht. Ziel ist es herauszufinden, ob die Extrakte das Potential haben, bei bestimmten Erkrankungen helfen zu können. Für eine Anwendung (auch für eine unterstützende) am Menschen ist es aber noch zu früh. Untersucht werden die Wirkungen der Pfefferbaumblätter beispielsweise bei:

  • Leukämie (HL-60 Leukämie-Zellen)
  • Brustkrebs
  • Pilzinfektionen, zum Beispiel Paracoccidioides brasiliensis: ein Pilz, der Husten, Fieber, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden auslösen kann
  • Parasiten wie die Leishmanien-Art Leishmania amazonensis und Haemonchus contortus (Roter Magenwurm): Leishmania amazonensis kommt in Gebieten des Amazon vor. Ein Befall löst bei Menschen unter anderem Geschwüre der Haut, im Mund und in der Nase aus. Der Rote Magenwurm ist ein Parasit, der Schafe und Ziegen befällt. Menschlicher Befall ist nicht bekannt.

Die Einzelportion und der richtige Einsatz von Pfefferbaumzubereitungen

 

Rosa Pfefferöl

Einzelportion

1 bis 2 Tropfen 

Einsatz als

Ätherisches Öl eingerührt in Creme, Salbe oder Lotion

In gut sortierten Gewürzhandlungen, Reformhäusern oder im Online-Handel ist der Rosa Pfeffer erhältlich. Bitte achten Sie beim Kauf auf die korrekte botanische Bezeichnung: Rosa Pfeffer wird von der Pflanze Schinus molle oder seinem Verwandten Schinus terebinthifolius geerntet und weiterverarbeitet. 100 Gramm kosten zwischen 8,00 Euro und 12,00 Euro. 

Auch ätherisches Rosa-Pfefferöl kann im deutschsprachigem Raum erworben werden. Drei Milliliter kosten etwa 10,00 Euro.

Rosa Pfeffer: Pfefferbaum-Früchte als Gewürz

Rosa Pfeffer hat einen aromatischen und würzigen Geschmack. Da er anders als der Schwarze Pfeffer kein Piperin enthält, hat er einen milden Geschmack und allenfalls eine leichte scharfe Note. Zudem sind die Früchte (Körner) weicher als die vom Schwarzen Pfeffer. Dennoch kann der Rosa Pfeffer genauso wie „herkömmlicher“ Pfeffer eingesetzt werden. Das mach ihn zu einem Kandidaten für sämtliche würzige Speisen, zum Beispiel für Aufläufe, Gemüsegerichte, Eierspeisen oder zu Fleisch und Fisch.

Rezept mit Rosa Pfeffer

Möhreneintopf mit Kichererbsen und Rosa Pfeffer 

Reich an Vitamin C und Eiweiß 

Für zwei Portion

300 Gramm geschälte Möhren

1 kleine Stange Porree (circa 150 Gramm)

1 kleines Stück frische, geschälte Ingwerknolle (circa 5 Gramm)

20 Gramm Butter, Margarine oder Kokosfett

1 gestrichenen Teelöffel Currypulver

Salz

400 Milliliter Gemüsebrühe (ohne Geschmacksverstärker)

120 Millilliter Orangensaft

1 Dose Kichererbsen (Abtropfgewicht 265 g)

1 Teelöffel gemahlener Rosa Pfeffer

Utensilien 

Kochtopf

Pürrierstab

Kochlöffel

Zubereitung

  • Die geputzten Möhren abspülen, abtropfen lassen und in kleine Stücke schneiden. Porree waschen, den Stängel am Wurzelende abschneiden und in in kleine Stücke schneiden. Nochmals waschen
  • Ingwer schälen und würfeln. 
  • Fett in einem Topf zerlassen. Ingwerwürfel, Möhren- und Porreestücke portionsweise hinzugeben und mit andünsten. Gemüse mit Curry und Salz würzen. Gemüsebrühe und Orangensaft hinzugießen, zum Kochen bringen und 10 bis 15 Minuten kochen lassen.
  • Die Kichererbsen in einem Sieb abtropfen lassen. Die Hälfte Kichererbsen unterrühren. Die Suppe pürieren und nochmals mit den Gewürzen abschmecken.
  • Restliche Kichererbsen in die Suppe geben und kurz miterwärmen.
  • Den Eintopf in zwei Portionen teilen und mit dem Rosa Pfeffer bestreut servieren.

Die Zubereitungszeit beträgt 30 Minuten.

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Die unerwünschten Wirkungen vom Pfefferbaum

Derzeit sind keine unerwünschten Wirkungen bei der Anwendung von Pflanzenteilen oder ätherischem Öl vom Pfefferbaum bekannt. Eine mögliche hautreizende Wirkung und Überempfindlichkeitsreaktioen werden diskutiert. Schwangere und stillende Frauen sollten dennoch vorsichtshalber keine Pfefferbaum-Zubereitungen zu medizinischen Zwecken einnehmen. Es fehlen Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Literatur und Quellen

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Bras C, Domíngues S, Codón S, et al.: Consequences of subchronic exposure to ethanolic extract from fruits and leaves of Schinus molle var. areira L. in mice. J Ethnopharmacol 2010 132:321-7. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874110005829?via%3Dihub, Zugriff am 27.01.2020.

Bras C, Gumilar F, Gandini N, et al.: Evaluation of the acute dermal exposure of the ethanolic and hexanic extracts from leaves of Schinus molle var. areira L. in rats. J Ethnopharmacol 2011:137:1450-6. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S037887411100609X?via%3Dihub, Zugriff am 27.01.2020.

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Duarte J, Zambrano L, Quintana L, et al.: Immunotoxicological Evaluation of Schinus molle L. (Anacardiaceae) Essential Oil in Lymphocytes and Macrophages. Evid Based Complemt Alternat Med 2018. https://www.hindawi.com/journals/ecam/2018/6541583/, Zugriff am 27.01.2020.

Feuereisen M, Zimmermann B, Schulze-Kayers N, et al.: Differentiation of Brazilian Peppertree (Schinus terebinthifolius Raddi) and Peruvian Peppertree (Schinus molle L.) Fruits by UHPLC-UV-MS Analysis of Their Anthocyanin and Biflavonoid Profiles. J Agric Food Chem 2017:65:5330-8. https://pubs.acs.org/doi/full/10.1021/acs.jafc.7b00480, Zugriff am 27.01.2020.

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Martins M, Arantes S, Candeias F, et al.: Antioxidant, antimicrobial and toxicological properties of Schinus molle L. essential oils. J Ethnopharmacol 2014:151:485-92. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874113007897?via%3Dihub, Zugriff am 27.01.2020.

Machado D, Bettio L, Cunha M, et al.: Antidepressant-like effect of rutin isolated from the ethanolic extract from Schinus molle L. in mice: evidence for the involvement of the serotonergic and noradrenergic systems. Eur J Pharmacol 2008:587:163-8. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0014299908003580?via%3Dihub, Zugriff am 27.01.2020.

Marzouk M, Moharram F, Haggag E, et al.: Antioxidant flavonol glycosides from Schinus molle. Phytother Res 2006:20:200-5. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ptr.1834, Zugriff am 27.01.2020.

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St-Gelais A, Mathieu M, Levasseur V, et al.: Preisocalamendiol, Shyobunol and Related Oxygenated Sesquiterpenes from Bolivian Schinus molle Essential Oil. Nat Prod Commun 2016:11:547-50. (keine DOI)

Taylor A, Oyedeji O, Aremu O, et al.: Assessment of the analgesic, anti-inflammatory and sedative effects of the dichloromethanol extract of Schinus molle. Eur Rev Med Pharmacol Sci 2016:20:372-80. https://pdfs.semanticscholar.org/1440/d3cbfcffbd69be7a11a583d804d56939f8b6.pdf, Zugriff am 27.01.2020.

Zenebe S, Feyera T & Assefa S: In Vitro Anthelmintic Activity of Crude Extracts of Aerial Parts of Cissus quadrangularis L. and Leaves of Schinus molle L. against Haemonchus contortus. Biomed Res Int 2017. https://www.hindawi.com/journals/bmri/2017/1905987/, Zugriff am 27.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Birkenzucker (Xylit)

Süßungsmittel aus der Rinde von Birken

Birkenzucker (Xylit) ist ein natürliches kalorienarmes Süßungsmittel, das in verschiedenen Pflanzen vorkommt. Birkenzucker wird zudem industriell hergestellt und wird ähnlich wie Zucker verwendet. Hier erfahren Sie, was Birkenzucker ist, wie er eingesetzt wird und für wen Birkenzucker geeignet ist.

Was ist Birkenzucker?

Birkenzucker ist ein natürlicher Zuckeraustauschstoff, der aus der Rinde von Birken gewonnen wird und einen ähnlichen Geschmack wie Kristallzucker hat. Auch die Verwendungsmöglichkeiten von Birkenzucker und Kristallzucker sind vergleichbar. Allerdings ist Birkenzucker chemisch gesehen, kein Kohlenhydrat, sondern ein Zuckeraustauschstoff, beziehungsweise ein Zuckeralkohol. Hergestellt wird Birkenzucker aus Xylose (Holzzucker), anderen Hölzern, Resten von Maiskolben, Stroh oder aus Begleitprodukten der Zuckerherstellung.

Wie alle Zuckeraustauschstoffe hat auch Birkenzucker eine E-Nummer: Sie lautet E 967. Bekannt ist der Birkenzucker zudem unter dem Synonymen Xylit und Xylitol.

Birkenzucker ist ein Süßungsmittel aus der Rinde von Birken
Birkenzucker ist ein Süßungsmittel aus der Rinde von Birken

Birkenzucker: natürliches Vorkommen und Einsatz in Lebensmitteln

Birkenzucker kommt einerseits in der Rinde von Holz vor. Er ist zudem ein natürlicher Bestandteil vieler Gemüse und Obstsorten. Zu finden ist er beispielsweise in Blumenkohl, Pilzen, Pflaumen, Erdbeeren und Himbeeren.

Als Zusatzstoff wird Birkenzucker in verschiedenen Lebensmitteln eingesetzt, zum Beispiel als:

  • Kalorienreduzierte Lebensmittel wie Marmelade, Brotaufstriche, Milchprodukte, Schokoladen und Desserts
  • Zuckerfreie Bonbons und Kaugummis
  • Streusüße zum Zuckerersatz
  • Glutenfreie Nahrungsmittel
  • Nahrungsergänzungsmittel 
  • Süße Getränke
  • Fertigprodukte und spezielle Nahrungsmittel zur Gewichtsreduktion

Birkenzucker versus Zucker

Optisch gleicht der Birkenzucker dem bekannten Kristallzucker (Saccharose): Er hat eine kristalline Struktur und dieselbe Farbe. Auch der Geschmack ähnelt dem herkömmlichen Kristallzucker.

In Europa zählt Birkenzucker wie alle Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe zu den Zusatzstoffen. Im Gegensatz zu Süßstoffen liefern Zuckeraustauschstoffe jedoch Kalorien. Ihr Verzehr belastet den Stoffwechsel aber weniger als Kristallzucker, da für die Verstoffwechselung kein Insulin gebraucht wird.

  • Kalorien: Birkenzucker hat weniger Kalorien als Kristallzucker und liefert 240 Kilokalorien pro 100 Gramm. 100 Gramm Kristallzucker liefern 400 Kilokalorien. Daher kann der Austausch von Kristallzucker in Birkenzucker einen unterstützenden Beitrag bei der Gewichtsabnahme liefern.
  • Zähne: Bakterien, die Karies verursachen können Birkenzucker nicht oder nur unzureichend verwerten. Daher verursacht Birkenzucker kein Karies. Dies ist ein Grund dafür, dass in bestimmten Zahnpflegekaugummis Birkenzucker enthalten ist. In der Zutatenliste ist dann zumeist von Xylit die Rede.
  • Blutzuckerspiegel: Da Birkenzucker kein Kohlenhydrat ist, wird für dessen Abbau auch kein Insulin gebraucht. Dadurch wird der Stoffwechsel entlastet, was für Menschen mit Übergewicht und Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes hilfreich sein kann.
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Kochen und backen mit Birkenzucker

Birkenzucker kann in der täglichen Ernährung eingesetzt werden. Zwar löst er sich in warmen Speisen und Getränken besser als in kalten – dafür hat er eine vergleichbare Süßkraft wie Zucker. Auch durch die kristalline Konsistenz kann Birkenzucker zu einem Ersatz für Kristallzucker werden: Ob Kuchen, Kekse, Pudding oder Marmelade – Birkenzucker eignet sich zur Verwendung aller Lebensmittel. Er ist zudem wasserlöslich und hitzestabil.

Birkenzucker eignet sich zur Herstellung von Marmelade
Birkenzucker eignet sich zur Herstellung von Marmelade

Wo kann man Birkenzucker kaufen?

Birkenzucker kann in gut sortierten Supermärkten, Reformhäusern, Drogerien und im Online-Geschäften gekauft werden. Ein Kilogramm Birkenzucker kostet meist zwischen 10,00 bis 12,00 Euro.

Hat Birkenzucker unerwünschte Wirkungen?

Beträgt der Xylitanteil mehr als zehn Prozent, muss das Lebensmittel entsprechend gekennzeichnet sein. Der Verzehr größerer Birkenzuckermengen wirkt abführend. Ab wann der abführende Effekt einsetzt ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Als Faustregel gilt, das bei gesunden Menschen der tägliche Verzehr von bis zu 50 Gramm Birkenzucker problemlos vertragen wird. Voraussetzung hierfür ist, das der Verzehr über den Tag verteilt und nicht mit einer einzelnen Mahlzeit erfolgt. 

Da Birkenzucker wie Sorbit ein Zuckeraustauschstoff ist, brauchen Menschen mit einer Sorbitunverträglichkeit oder Fructoseunverträglichkeit zwar per se nicht auf den Verzehr von Birkenzucker verzichten. Sie sollten jedoch vorsichtshalber mit kleinen Verzehrmengen starten, um zu beobachten, ob der Birkenzucker vertragen wird. 

Grund für die abführende Wirkung ist der beschleunigte Abbau vom Birkenzucker durch die Darmbakterien. Je nach Empfindlichkeit und Zeitpunkt des Verzehrs können Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfall folgen. Gesundheitsschädlich ist Birkenzucker aber nicht.

Zusammenfassung

Birkenzucker (Xylit) kommt natürlicherweise in Pflanzen wie Birken und anderen Gehölzen sowie in vielen Gemüse- und Obstsorten vor. Er schmeckt ähnlich wie Kristallzucker und hat vergleichbare technologische Eigenschaften. Daher kann Birkenzucker wie Kristallzucker zum Kochen und Backen eingesetzt werden. Birkenzucker hat mehrere Vorteile: er liefert etwa 40 Prozent weniger Kalorien als Kristallzucker, verursacht kein Karies und der Verzehr wirkt sich kaum auf den Stoffwechsel aus. Allerdings liefert Birkenzucker auch Kalorien (240 Kilokalorien pro 100 Gramm) und er wirkt bei übermäßigem Verzehr abführend. Daher sollten täglich nicht mehr als 50 Gramm Birkenzucker genossen werden.

Literatur

Anderle P, Schwarz H, Krüger-Stolp K: Lebens- und Genussmittel – Warenkunde. 2. Aufl. Bildungsverlag EINS, Köln 2013.

Schek A.: Ernährungslehre kompakt. 4 Aufl. Umschau Zeitschriftenverlag, Sulzbach im Taunus 2011.

Teuscher E, Melzig MF und Lindequist,U: Biogene Arzneimittel. 6. Aufl. Stuttgart : Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2004.

Sebastian Kneipp und die Kneipp-Therapie

Sebastian Kneipp wurde durch seine Wasserkur berühmt. Sein Gesundheitskonzept umfasste zudem die Ernährungstherapie, Heilpflanzenkunde und vieles mehr. Auch 120 Jahre nach seinem Tod ist der Pfarrer aus Bad Wörrishofen eine bekannte Persönlichkeit. Zu Lebzeiten verhalf er zahlreichen Menschen zu mehr Gesundheit. Dabei setzte er auf vorbeugende und behandlerische Maßnahmen. Welche das sind und ob die Behandlung des Pfarrers noch immer aktuell sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bilden eine wichtige Säule in der Kneipp-Therapie

Bei Kneipp-Therapien (auch Kneipp`sche Therapie genannt) handelt es sich um verschiedene Behandlungsansätze, die der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) entwickelt und zusammengetragen hat. Im Laufe der Zeit entstand so ein ganzheitliches Therapiekonzept. Er wendete es bei zahlreichen Krankheiten an und behandelte Menschen zum Beispiel mit: 

  • Asthma
  • Adipositas (Fettleibigkeit) 
  • Lungenentzündung 
  • Hepatitis (Gelbsucht) und andere Erkrankungen der Leber
  • Gicht
  • Nervenerkrankungen
  • Magenbeschwerden, Darmleiden und andere Verdauungsbeschwerden
  • Lumbago, Lumbalgie (Hexenschuss) und
  • Herzkrankheiten

In seinen Büchern trug Sebastian Kneipp seine Erfahrungen und Heilerfolge zusammen. Viele seiner Werke wurden zu internationalen Bestsellern, und sind es bis heute. Die Früchte seiner Arbeit erntete Sebastian Kneipp noch zu Lebzeiten, wobei sein Wirken bis in die heutige Zeit an Bedeutung noch dazu gewonnen hat. Dabei begann das Lebens des späteren Pfarrers alles andere als aussichtsreich.

Der Weberssohn, der Pfarrer wurde 

Geboren wird Sebastian Kneipp am 17.05.1821 als einziger Sohn eines Webers in Stephansried, einem Ortsteil der Marktgemeinde Ottobeuren. Er hat vier Schwestern und sein Leben gestaltet sich von Anfang an als schwierig: Ökonomisch ging es derFamilie schlecht. Um die Eltern bei der Arbeit zu unterstützten und Geld zu verdienen, arbeitete er ab seinem siebten Lebensjahr nach der Schule als Weber. In den Schulferien hütete er das Vieh der Bauern. Doch Sebastian Kneipp wünschte sich ein anderes Leben: Er wollte studieren.

Dieser Wunsch wurde ihm durch seine Eltern zunächst verwehrt. Als er 21 Jahre alt ist kommt der Umschwung in seinem Leben. Ein geistlicher Verwandter erkennt sein Talent und unterrichtet den jungen Mann in lateinischer Sprache. Zudem arbeitet Sebastian Kneipp in dieser Zeit als Knecht bei einem Bauer und verdient so etwas Geld.

Mit 23 Jahren endlich zurück auf die Schulbank

Nach zweijährigem Lateinstudium besteht Sebastian Kneipp die Aufnahmeprüfung am Gymnasium in Dillingen und macht nach weiteren vier Jahren das Abitur. 

Im Jahr 1848 startet er sein Theologiestudium und wird 1852 zum Priester geweiht.

Krank im Studium: Tuberkulose

Allerdings gelingt ihm die Ausbildung nur mit viel Disziplin, denn bereits 1849 erkrankt Sebastian Kneipp an Tuberkulose: Er spuckt Blut und verliert stark an Gewicht.

Für zwei Ärzte, die den jungen Sebastian Kneipp behandeln, ist die Situation klar: Sie bescheinigen ihm, dass er unheilbar krank ist und an der Tuberkulose sterben wird. Sebastian Kneipp sagt später dazu in seinem Ratgeber „SO SOLLT IHR LEBEN“, dass er seine Genesung nur der Hilfe des Wassers zu verdanken hat: Er tauchte mehrmals wöchentlich bis zum Hals in die eiskalte Donau, zog sich danach schleunigst seine Kleider wieder an und joggte nach Hause.

Sebastian Kneipp überlebte die Tuberkulose und wurde wieder gesund. Er selbst führte seine Genesung auf die Heilkraft des Wassers und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte zurück.

Für Pfarrer Kneipp war psychische Gesundheit ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebens

Hydrotherapie: Verfahren nach Johann Siegmund Hahn

Auf die Hydrotherapie wurde Sebastian Kneipp durch den Arzt Johann Siegmund Hahn (1694-1773) und dessen Veröffentlichung „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“ aufmerksam. Es folgten Experimente an sich selbst mit Wasser, Schöpfkelle und Eimer. Im Verlauf der darauf folgenden 30 Jahre erweiterte und überarbeitete Pfarrer Kneipp seine Therapiemethoden immer weiter. Manchmal verwarf er auch nach dem Experiment einen neuen Therapieansatz, etwa wenn er diesen für zu „hart“ empfand.

Durch seine Experimentierfreudigkeit entwickelt Sebastian Kneipp im Laufe seines Lebens so mehr als 100 verschiedene Hydrobehandlungen, zu denen Güsse, Wickel, Packungen, Bäder und Dämpfe gehören. Zudem macht er das Barfusslaufen auf Wiesen, die nass vom Tau sind, und das Wassertreten im Storchengang populär. Nach und nach entwickelt sich so für sein Anwendungsspektrum ein eigenständiger Begriff: Kneipen.

Der Kneipp´sche Kaffee

Das Gefäßnetz der Unterarme hat starke Auswirkungen auf das Herz. Die Anregung der Gefäße wirkt daher belebend und erfrischend, beispielsweise durch kaltes Wasser.

Befürworter der Kneipp-Therapien empfehlen daher ein Unterarmbad in kaltem Wasser bei Müdigkeit und Abgeschlagenheit: einen Kneipp´schen Kaffee.

Ausgeschlossen von der Anwendung sind allerdings Menschen mit Herzbeschwerden, etwa bei Angina pectoris und nach einem Herzinfarkt.

Das Wirkprinzip vom Kneipp´schen Kaffee ist einfach, denn Wasser löst einen Reiz auf der Haut aus.

Info: Auf der Haut befinden sich Wärmerezeptoren und etwa doppelt so viele Kälterezeptoren. Bei einem Wärmereiz stellen sich die Blutgefäße weit. Ein Kältereiz löst eine Gegenreaktion aus: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und weiten sich danach wieder. Dadurch wird die Durchblutung angeregt und verbessert. Gleichzeitig wird die Elastizität der Blutgefäße trainiert und das Immunsystem soll durch den Kältereiz gestärkt werden.

Hydrotherapie bei Bluthochdruck und COPD

Untersuchungen an Menschen ergaben, dass die Hydrotherapie (Wasseranwendung) den Blutdruck senken kann. Die Durchführung zeigte bereits nach 14 Tagen und 2-mal täglicher Wasseranwendung erste Erfolge: Bei leicht erhöhtem Blutdruck, sank dieser so weit, dass nachfolgend keine Medikamente nötig waren oder Medikamente eingespart werden können. Zudem stieg die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer durch die Wasserbehandlung an. 

Auch bei der Krankheit „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ (COPD) können kalte Güsse die Lungenfunktion verbessern.

Hinweis: Bei bestehenden Erkrankungen sollten alle therapeutischen Maßnahmen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Es könnte sein, dass es Einwände gibt – auch gegen solche wie die Hydrotherapie.

Wassertreten gehört zu den bekanntesten Kneipp´schen Verfahren

Ganzheitliche Therapie mit fünf Säulen

Sebastian Kneipp baute sein Therapie-Konzept nach und nach weiter aus. Am Ende besteht es aus fünf Säulen:

Hydrotherapie 

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bildet zu Beginn des Wirkens von Pfarrer Kneipp das Fundament. Sie umfassen zum Beispiel Bäder, Wickel, Dämpfe und Güsse. Wechselduschen bei denen sich kalte und warme Phasen beim Duschen abwechseln sind ein weiteres Beispiel für die Hydrotherapie.

Phytotherapie 

Die Phytotherapie (Heilpflanzentherapie) bildet eine weitere Säule im Kneipp´schen Therapiekonzept. Sebastian Kneipp beschrieb zu Lebzeiten zahlreiche Heilpflanzen und wie er sie therapeutisch einsetzte. Heublumen bei Gelenkbeschwerden und Ackerschachtelhalm bei Blasenentzündung sind hierfür zwei Beispiele.

Bewegung

Sebastian Kneipp empfahl regelmäßigen Sport zur Gesunderhaltung – allerdings ohne Leistungsgedanken und den damit verbundenen psychischen Druck.

Ernährung

Der Verzehr von viel Gemüse und Obst empfahl der Pfarrer zur Gesunderhaltung und zur Genesung schon damals. Viele seiner Ernährungsempfehlungen haben bis heute ihre Gültigkeit beibehalten, wie zum Beispiel das Einschränken von Genussmitteln. Auch die zielgruppenspezifische Ernährung spielte damals sicherlich schon eine Rolle.

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Lebensordnung

Mit der Lebensordnung beschreibt Pfarrer Kneipp das „rechte Maß“ und den „richtigen Rhythmus des Lebens“ für eine gesunde Lebensgestaltung. Gemeint ist mit der Lebensordnung etwa der Umgang mit Zeitdruck, Stress und ein aufmerksames Leben: Anspannung und Entspannung sollen im Gleichgewicht sein.

Kurpfuscher und andere Anfeindungen

Heute gilt die Kneipp´sche Therapie als ein unterstützender Bestandteil der konventionellen Medizin. Aber das war nicht immer so: Zu Lebzeiten wurde Sebastian Kneipp sogar von einigen Ärzten und Apothekern angezeigt. Sie hielten seine Erfolge für Kurpfuscherei. Zwar gingen die Gerichtsverfahren für den Pfarrer relativ glimpflich aus, er musste aber Geldstrafen zahlen und vor Gericht versichern, dass er nie wieder medizinisch tätig sein würde. In den darauf folgenden Jahren wurden die Gesetze jedoch gelockert und auch im Geheimen behandelte Sebastian Kneipp weiterhin kranke Menschen, die bei ihm Rat suchten.

Er selbst sah sich nicht als ein Konkurrent der Ärzteschaft, sondern wollte konventionelle medizinische Maßnahmen unterstützen: Kam ein erkrankter Mensch zu ihm, empfahl Sebastian Kneipp diesem, sich im ersten Schritt an einen ausgebildeten Mediziner zu wenden.

Info: Die Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit des medizinischen Umbruchs, in denen die Naturwissenschaften einen zunehmend hohen Stellenwert einnahmen. Zu dieser Zeit wurde das Röntgen entwickelt und die ersten Keime unter dem Mikroskop entdeckt. Auch wurde die bis dahin bestehende Humoralpathologie (Veränderungen von Körpersäften) durch die zelluläre Pathologie (Veränderung an Zellen) nach und nach ersetzt.

Pfarrer in Bad Wörrishofen

1855 tritt Pfarrer Kneipp als Beichtvater eine Position in Bad Wörrishofen an. Dort wird er bis zu seinem Tode wirken. 

1891 ist er derart berühmt, dass binnen zehn Monate mehr als 14.000 Hilfesuchende zu ihm kommen. 

Sebastian Kneipp selbst lebt nach einem strengen Plan, um seine Pflichten bewältigen zu können. Er richtet Sprechstunden für kranke Menschen ein und arbeitet gleichzeitig als Pfarrer. Zudem schreibt er abends oder nachts Bücher wie „Meine Wasserkur“ und „So sollt ihr Leben“. „Meine Wasserkur“ wurde in 14 Sprachen übersetzt und ist ein Verkaufsschlager. Auch an seinen anderen Büchern verdient der Pfarrer viel Geld. Dieses Geld fließt später in seine Stiftungen ein.

Da der ehemals arme Pfarrer die Öffentlichkeit nicht scheut, lässt er sich zu Marketingzwecken mit prominenten Persönlichkeiten ablichten und macht (mehr oder weniger freiwillig) Werbung für bestimmte gesunde Lebensmittel.

Gründung medizinischer Einrichtungen

Seine Einnahmen stiftet der Pfarrer an verschiedene medizinische Einrichtungen und eine Kinderheilstätte für arme und kranke Kinder.

Um für seine Therapie zu werben reist Sebastian Kneipp quer durch Europa und hält Vorträge. Mit Erfolg, denn bis heute sind insbesondere seine Wasseranwendungen bekannt und gut untersucht.

1894 wird zudem der Verein „Internationale Kneipp Ärzte“ unter dem Vorsitz von Alfred Baumgarten gegründet. Dem Arzt lag die wissenschaftliche Erforschung der Kneipp´schen Therapie sehr am Herzen. Heute hat der Keipp-Verein mehr als 160.000 Mitglieder. Sebastian Kneipp starb am 17.06.1897 an einem Tumor im Bauchraum.

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Zusammenfassung

Die Kneipp-Therapie ist ein ganzheitliches Therapiekonzept, dass der Pfarrar Sebastian Kneipp in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Es zielt auf die Gesunderhaltung und die Wiederherstellung der Gesundheit nach Krankheit ab. 

Die Kneipp-Therapie umfasst die Hydrotherapie (Wassertherapie), Phytotherapie (Heilpflanzentherapie), Ernährung, Bewegung und Lebensordnung. Letzteres wird heute zumeist als Lebensstil bezeichnet. Durch seine Erfolge bei der Heilung kranker Menschen wird Sebastian Kneipp bereits zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit. Sein Therapiekonzept ist damals wie heute aktuell und spricht die Bedürfnisse vieler Menschen an.

Literatur

Castro-Sánchez A, Matarán-Peñarrocha G, Lara-Palomo I, et al. (2012): Hydrotherapy for the treatment of pain in people with multiple sclerosis: a randomized controlled trial. Evid Based Complement Alternat Med.2012. https://www.hindawi.com/journals/ecam/2012/473963/, Zugriff am 15.01.2020.

Hess, L. & Schärer, S. (2010): Der Effekt von Hydrotherapie auf chronische Rückenschmerzen. https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/606/1/Hess_Lea_Schaerer_Susanne_PT07d_BA.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Stein, C. (2011): Prospektive, klinische Studie

zum Einfluss serieller Kaltwasserreize (Kneippscher Oberguss)

auf die Lungenfunktion, die Immunabwehr und das subjektive Wohlbefinden bei gesunden Probanden. https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00024778/Neuer%20Ordner/stein.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Amla: Indische Stachelbeere

Amla: Indische Stachelbeere

Emblica officinalis (Synonym: Phyllanthus emblica)

Indische-Stachelbeere mit positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem

Die Indische Stachelbeere (Amla) wird in der asiatischen und persischen Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt: Die säuerlich schmeckenden Früchte sollen die Gesundheit schützen oder zurück in die Balance bringen. Besonders bei zu hohen Cholesterinwerten und Bluthochdruck sollen sie effektiv sein. Was Amla-Früchte genau sind, wofür sie geeignet sind und wie sie richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Amla, die Indische Stachelbeere, hat viele gesundheitsfördernde Wirkungen

Indische Stachelbeeren wachsen auf Bäumen

Die Indische Stachelbeere (auch Amla oder Amala genannt) ist ein Baum, der in tropischen bis subtropischen Regionen in Asien wächst. Besonders wohl fühlen sich Amla-Bäume in Ländern wie Indien, Nepal und Thailand. Er kommt aber auch im Nahen Osten vor, zum Beispiel im Iran. Seine stachelbeerartigen Früchte sind essbar und werden zu medizinischen Zwecken eingesetzt. 

Nicht zu verwechseln sind Amla-Früchte mit europäischen Stachelbeeren. Diese wachsen auf Sträuchern und sind wegen ihres Zuckergehalts weitaus süßer als ihre indischen Namensschwestern. Auch aus botanischer Sicht haben die beiden Pflanzen wenig miteinander gemeinsam: Amla gehört zu der Familie der Phyllanthaceae, die europäische Stachelbeere ist ein Stachelbeergewächs (Grossulariaceae).

Stachelbeerpaste gegen Migräne?

Amla gehört in der Ayurveda zu den wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Heilpflanzen. Der Frucht wird dort ein besonders hoher Stellenwert zugemessen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meiste Forschung zu den medizinischen Wirkungen von Amla in Indien stattfindet. 

Helfen sollen die süßsauer bis bitter schmeckenden Früchtchen bei unzähligen Beschwerden: Traditionell werden die zerstoßenen Früchte als ein dicker Brei etwa als Haarmaske auf den Kopf aufgetragen, um so Migräne zu lindern. Neben der traditionellen Anwendung werden Amla-Früchte auch in der konventionellen Medizin zunehmend mit Interesse erforscht und angewendet, zum Beispiel zur Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislaufbeschwerden. 

Auch in der Tibetischen Medizin gehört Amla zu den wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Heilpflanzen. Die Früchte kommen in mehr als jedem zweiten tibetischen Arzneimittel vor. Das könnte daran liegen, dass tibetische Ärzte den Früchten regulierende und ausbalancierende Wirkungen auf den Geist und den Körper zusprechen. In Tibet selbst, wächst der Amla-Baum aber nicht. Seine Früchte werden üblicherweise aus Indien importiert.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine

Amla-Früchte speichern zahlreiche verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Dies sind zum Beispiel Gerbstoffe wie Ellagtannine und Flavonoide wie Quercetin, Astragalin und Catechin. Zusammengenommen haben die Inhaltsstoffe ausgeprägte antioxidative Wirkungen und entzündungshemmende Eigenschaften.

Zudem sind Amla-Früchte besonders reich an Vitamin C. 

Amla-Früchte können das Herz und die Blutgefäße schützen
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Amla in der Medizin

Anwendungsgebiete aufgrund der Studienlage

Amla-Früchte sind im deutschsprachigen Raum zumeist in getrockneter, gepulverter Form erhältlich. Untersuchungen am Menschen ergaben, dass Sie den Extrakt unterstützend einnehmen können, beispielsweise wenn: 

  • Sie von erhöhten Cholesterinwerten betroffen sind. Der Extrakt senkte in teils randomisierten, kontrollierten Untersuchungen* am Menschen den Cholesterinspiegel, genauer den Gesamtcholesterinspiegel, die Triglyceride (TG), das Lipoprotein niederer Dichte (LDL-Cholesterin) und das Lipoprotein sehr niederer Dichte (VLDL-Cholesterin). In einigen Studien wurde zudem ein Rückgang bestimmter Entzündungswerte im Blut gemessen. Es gab aber auch Studien, in denen die Ergebnisse nicht eindeutig waren.Verschlechtert haben sich die Werte aber nicht.
  • Ihr Blutdruck erhöht ist. In einer Vorstudie verbesserte die Einnahme von 500 Milligramm getrockneten Amla-Früchten den Blutdruck.
  • Sie Diabetikerin oder Diabetiker sind. Einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie* zufolge, trägt die Einnahme von Amla-Früchten zu einer Verbesserung der Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1C) bei, wenn parallel konventionelle Arzneimittel eingenommen werden.

Zukünftig wäre es wünschenswert, wenn die Amla-Früchte noch genauer untersucht werden. Die Einnahme von Amla-Früchten ersetzen nach derzeitigem Kenntnisstand keine konventionelle Therapie, können aber als unterstützende Maßnahme geeignet sein.

*Eine randomisierte, kontrollierte Studie kann auch als hochwertig bezeichnet werden. Weder der Studienteilnehmer noch der Behandler weiß, ob die zu testende Substanz oder ein Scheinmedikament eingenommen wird. Die Zuteilung in eine Gruppe ist zudem zufällig.

Anwendungsbereiche aufgrund von experimentellen Studien und Erfahrung

Amla-Früchte werden schon lange in der Naturheilkunde eingesetzt und werden weiter erforscht. Aufgrund von Erfahrungen können Amla-Früchte helfen, wenn: 

  • Sie von der Nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) betroffen sind. Im Tierversuch verbesserte die Einnahme von Amla-Früchten die Leberfunktion.
  • Sie von einer Entzündungskrankheit betroffen sind. Im Tierversuch milderte Amla Entzündungen ab und neutralisierte oxidativen Stress.

Traditionell werden Amla-Früchte beispielsweise zudem eingesetzt bei:

  • Husten, Bronchitis und Asthma
  • Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Blähungen, Verstopfung)
  • Hepatitis 
  • Entzündungen
  • Fieber
  • Depression
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit (Anwendung auch als Anti-Aging-Mittel)
  • Kopfschmerzen, Migräne und Schwindel

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz getrockneter Amla-Früchte

 

Amla-Früchte

Einzelportion

0,5-5 Gramm

Tagesmenge

0,5-5 Gramm

Einsatz als

Pulver, Kapseln

Hochwertige getrocknete und gepulverte Amla-Früche erhalten Sie in der Apotheke und im Reformhaus.

Basisrezept mit Amla

Amla-Shake mit Erdbeeren 

Vitamin C-reicher Genuss  

Für eine Portion

2-5 Gramm Amla-Bio-Pulver (1/2-1 Teelöffel)

150 Milliliter Milch, Hafer- oder Mandeldrink

100 Gramm Erdbeeren (frisch oder tiefgekühlt)

Hohes Gefäß

Pürierstab

1 Glas

  • Amla-Pulver und Erdbeeren in das Gefäß geben. Mit Milch oder Pflanzendrink übergießen.
  • Alle Zutaten pürieren, danach trinken.

Pro Tag einen Amla-Shake genießen.

Die unerwünschten Wirkungen von Amla-Früchten

Diabetiker und Menschen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel, die Medikamente einnehmen, sollten Amlafrüchte nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Die Einnahme kann eine Senkung des Blutzuckerspiegel bewirken und eine Unterzuckerung auslösen. Da Amla-Früchte viel Vitamin C enthalten und gerbstoffreich sind, könnte ein übermäßiger Verzehr (mehr als fünf Gramm getrocknete Früchte pro Tag) zu einer vermehrten Magensäurebildung führen und die Eisenaufnahme im Darm hemmen. Bei regelmäßigem Verzehr von Amla-Früchten, sollte der Eisenspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden. Schwangere und stillende Frauen sollten vorsichtshalber keine Amla-Früchte zu medizinischen Zwecken einnehmen. Es fehlen Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Literatur und Quellen

Berling N: Heilpflanzen in der Tibetischen Medizin. KVC-Verlag, Essen 2008.

Gaire B & Subedi L: Phytochemistry, pharmacology and medicinal properties of Phyllanthus emblica Linn. Chin J Integra Med 2014:1-8. https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11655-014-1984-2, Zugriff am 05.01.2020.

Hashem-Dabaghian F, Ziaee M, Ghaffari S, et al.: A systematic review on the cardiovascular pharmacology of Emblica officinalis Gaertn. J Cardiovasc Thorac Res 2018:10:118-28. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6203864/, Zugriff am 06.01.2020.

Huang C, Tung Y, Hsia S, et al.: The hepatoprotective effect of Phyllanthus emblica L. fruit on high fat diet-induced non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD) in SD rats. Food Funct 2017:8:842-50. https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2017/FO/C6FO01585A#!divAbstract, Zugriff am 05.01.2020.

Jantan I, Haque M, Ilangkovan M, et al.: An Insight Into the Modulatory Effects and Mechanisms of Action of Phyllanthus Species and Their Bioactive Metabolites on the Immune System. Front Pharmacol 2019:10. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphar.2019.00878/full, Zugriff am 06.01.2020. 

Middha S, Goyal A, Lokesh P, et al.: Toxicological Evaluation of Emblica officinalis Fruit Extract and its Anti-inflammatory and Free Radical Scavenging Properties. Pharmacogn Mag 2015:11:S427-33. http://www.phcog.com/article.asp?issn=0973-1296;year=2015;volume=11;issue=44;spage=427;epage=433;aulast=Middha, Zugriff am 06.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

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Essen gegen Entzündungen

Fisch is

Essen gegen Entzündungen

Die anti-entzündliche Ernährung kann dabei helfen viele akute und stille Entzündungen zu lindern. Zudem kann sie einen wertvollen Beitrag zu deren Abheilung leisten. Auch zur Prophylaxe verschiedener Krankheiten ist die anti-entzündliche Ernährung bestens geeignet.

Ursachen und Symptome von Entzündungen

Hinter jeder Entzündung steckt ein Reiz, dem das körpereigene Immunsystem eine Abwehrreaktion entgegensetzt. Entzündungen haben viele Gesichter, denn sie zeigen sich je nach Ursache lokal begrenzt oder systemisch, akut oder still. Sie können sich sowohl von außen als auch von innen heraus äußern und sich ausbreiten. Dabei reichen ihre Ursachen von Verletzungen, über Krankheitskeime bis hin zu Strahlenschäden und Chemikalien. Auch Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte und Morbus Chron sind durch Brände gekennzeichnet, die sich von innen heraus und von aussen zeigen.

Entzündungen äußern sich wahlweise durch akute Zeichen wie Funktionsstörungen, Schmerzen und Schwellungen, oder sie breiten sich still aus. Besonders die stillen, niederschwelligen Entzündungen können gravierende Folgen für die Gesundheit haben. Bei ihnen fehlen oft die typischen Symptome und sie schwelen dadurch lange und unbemerkt vor sich hin.

Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese stillen Brände etwa durch zu viel Körperfett, Stress, Bewegungsmangel und eine entzündungsfördernde Ernährungsweise mit vielen tierischen Lebensmitteln begünstigt werden. So wird seit längerem an Schnittstellen zwischen stillen Entzündungen und dem Auftreten von Erkrankungen wie Depressionen, Demenz, Darmerkrankungen und beschleunigten Alterungsprozessen geforscht.

Eine gute Ernährung fördert die Fitness und die Gesundheit bis ins hohe Alter

Die anti-entzündliche Ernährung: ein neues Forschungsfeld

In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden Wissenschaftler, die einen Zusammenhang zwischen einer entzündungsfördernden Ernährungsweise und dem Auftreten verschiedenster Beschwerden und Krankheiten sahen, allenfalls belächelt. Lediglich in der Ernährungstherapie von rheumatischen Erkrankungen ist die entzündungshemmende Diät schon lange bekannt. Die anti-entzündliche Ernährung ist damit eine noch recht junge Disziplin, deren Chancen und Grenzen noch besser erforscht werden müssen. Derzeit wird eine entzündungshemmende Ernährungsweise oft pauschal zur Bekämpfung und Vorbeugung vieler Erkrankungen empfohlen: Die Frage danach ob und in welchem Ausmaß die anti-entzündliche Ernährung etwa das Demenzrisiko verringert, Hautalterungsprozesse verzögert und Gefäßerkrankungen entgegenwirkt, ist aber bislang am Menschen kaum erforscht. Zukünftig müssen daher noch zahlreiche Fragen zu den Wirkungsweisen und – ähnlich wie in der Arzneimitteltherapie – die richtige „Dosierung“ geklärt werden. Auch die Rolle von Zusatzstoffen und Industrienahrung müssen ebenso wie die Form der Landwirtschaft (bio : konventionell) einbezogen werden. Vermutlich aber hat die anti-entzündliche Ernährung ein hohes Potenzial für den Einzug in die Integrative Medizin.

Die Rolle der Ernährung

Welche Chancen bietet die anti-entzündliche Ernährung und welche Einflüsse sind bereits bekannt?

  • Entzündungsfördernde Botenstoffe: Aus der Ernährungstherapie bei rheumatischen Erkrankungen, ist der Einfluss verschiedener Gewebshormone bekannt. Dabei handelt es sich um Botenstoffe aus der Gruppe der Prostaglandine und Leukotriene, die beide Entzündungen auslösen. Zusätzlich verursachen einige Prostaglandine Schmerzen. Die Ausgangssubstanz für Entzündungsreaktionen heißt Arachidonsäure – eine Fettsäure aus der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren. Sie ist in allen tierischen Lebensmitteln gespeichert. Omega-3-Fettsäuren, die etwa in fettreichem Fisch und Leinsamen vorkommen, sind ihre natürlichen Gegenspieler. In pflanzlichen Lebensmitteln fehlt die Arachidonsäure, sie kann aber aus anderen Omega-6-Fettsäuren im Körper hergestellt werden, etwa aus Sonnenblumenöl. Bei der anti-entzündlichen Ernährung nimmt die Reduktion der Arachidonsäure daher einen wichtigen Stellenwert ein.
  • Ablagerungen: Damit die Körperzellen und deren Hüllen voll funktionsfähig sind, ist ein ausgeglichener Stoffwechsel von übergeordneter Bedeutung. Denn er steuert alle natürlichen Prozesse und beugt Ablagerungen im Gefäßsystem vor.
  • Antioxidantien: Bei entzündlichen Prozessen im Körper werden vermehrt freie radikale Sauerstoffmoleküle freigesetzt, die den Zellen schaden und deren Abheilung behindern. Antioxidantien sind die Gegenspieler der freien Radikalen und können diese neutralisieren. Sie kommen reichlich in Gemüse und Obst vor.
  • Übergewicht: Ein hoher Körperfettanteil, vor allem am Bauch, setzt nachweislich vermehrte entzündungsfördernde Hormone frei und begünstigt so die Entstehung von vielen Krankheiten, etwa Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes.

Vermeidung der falschen Ernährung

Der Verzehr von zu vielen tierischen Lebensmitteln, Weißmehlprodukten und Zucker fördert das Entzündungsgeschehen im Körper und erhöht dessen Säurelast. Ähnlich wie bei einer Person, die jeden Tag Überstunden macht, und bei der sich überarbeitungsbedingt Fehler im Arbeitsprozess einschleichen können, schaffen auch das Immunsystem und die Körperzellen es irgendwann nicht mehr die Gesundheit in Balance zu halten. Kommt der erhöhte Ausstoß von Stresshormonen noch dazu, können sich nach und nach stille Entzündungen systemisch oder lokal ausbreiten. Dabei geht es in der Anti-Entzündungsernährung weniger darum Fleisch, Eier, Milch, Weizen und Zucker kategorisch zu verteufeln. Ein Lebensstil gemäß dem Motto „Fleisch ist mein Gemüse“ ist aber auch keine Option: Auf lange Zeit gesehen wirkt ein hoher Fleischkonsum (über 600 Gramm pro Woche) wie brennende Sägespäne, die das Feuer für stille und akute Entzündungen einheizen.

Bestimmte Lebensmittel können stille und akute Entzündungen anheizen

Anti-entzündliche Ernährung

Die anti-entzündliche Ernährung setzt auf eine naturbelassene, abwechslungsreiche und pflanzenbetonte Ernährungsweise. Auch die Berücksichtigung vom täglichen Nährstoffbedarf spielt eine wichtige Rolle. Neben dem täglichen Verzehr von mindestens 400 Gramm Gemüse und Salat sowie rund 250 Gramm frisches Obst, stehen Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte im Fokus. Fische wie Lachs und Forellen, die reich an antientzündlichen Omega-3-Fettsäuren sind, bereichern den Speiseplan ebenso wie leckere pflanzliche Öle. Besonders gut geeignet sind Leinöl, Hanföl, Perillaöl und Rapsöl.

Auch der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten ist erlaubt. Mehr als 600 Gramm Fleisch pro Woche sollten es jedoch nicht sein. Wurstprodukte und Schweinefleisch sollten Sie hingegen so gut es geht von Ihrem Speiseplan verbannen. Sie enthalten viel Arachidonsäure und feuern dadurch das Entzündungsgeschehen an. Ob Eier und Milchprodukte bei einer entzündungshemmenden Ernährungsweise zu empfehlen sind, ist derzeit noch unklar. Vermutlich ist der gelegentliche Genuss von Eiern unproblematisch. Auch der Verzehr von (Sauer-)Milchprodukten wird von den meisten Ernährungswissenschaftlern (noch) empfohlen. Wer lieber pflanzlichen Milchersatz verzehren möchte, sollte darauf achten, dass die Produkte mit Kalzium und Vitamin B12 angereichert und nicht zu stark verarbeitet sind.

Sie finden, dass die Auswahl der Lebensmittel kompliziert klingt und sich schwer in Ihren Ernährungsalltag einfügen lassen? Viele Ernährungsgewohnheiten sind an Rituale und langjährige Erfahrungen geknüpft. Starten Sie zunächst mit kleinen Veränderungen in Ihrer Ernährung. Bei welcher Mahlzeit fällt Ihnen eine Umstellung besonders einfach? Sie können sich beispielsweise zunächst angewöhnen Ihr Frühstück mit Haferflocken, Beerenobst, Kernen und Nüssen zu bereichern. Verwenden Sie statt fertigen Salatsoßen verschiedene Pflanzenöle mit leckerem Essig und Gewürzen. So zieht die anti-entzündliche Ernährungsweise nach und nach in Ihren Alltag ein und erhält einen festen Platz.

Zusammenfassung

Die anti-entzündliche Ernährung zielt darauf ab, akute und stille Entzündungen zu lindern, zu beheben oder der Entstehung vorzubeugen. Pflanzliche Lebensmittel nehmen in der antientzündlichen Ernährung zusammen mit Fisch den wichtigsten Stellenwert ein. Tierische Lebensmittel sollten hingegen nur in Maßen verzehrt werden. Ob die anti-entzündliche Ernährung tatsächlich zur Vorbeugung und unterstützenden Therapie bei Erkrankungen wie Demenz, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen hilft und Alterungsprozesse verlangsamt muss aber noch genauer untersucht werden. Erste Hinweise liegen hierzu bereits vor.

Literatur und Quellen

Gröber, U.: Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. 3. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2011.

Jacob, L-M.: Dr. Jacobs Weg. 3. Auflage, Nutricamedia Verlag, Heidesheim 2013.

Kasper, H.: Ernährungsmedizin und Diätetik. 10. Auflage, Urban und Fischer Verlag, München 20014

Monteiro, R. & Azevedo, I.: Chronic inflammation in obesity and the metabolic syndrome. Mediators Inflamm 2010 Jul. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20706689, abgerufen am 30.12.19

Verband für Ernährung und Diätetik (VFED): Adipositas in der Ernährungsberatung. VFED Aachen 2011.

Zimmermann M, Schurgast H & Burgerstein U: Burgerstein – Handbuch Nährstoffe. 12. Auflage. Trias Verlag, Stuttgart 2012.

 

Traditionelle Thai Massage

Thai Massage wird seit über 2.200 Jahren in Thailand praktiziert

Thai Massage: Effektiv bei Verspannungen, Kopfschmerzen und Wassereinlagerungen 

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie wird bei Beschwerden wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Verdauungsproblemen angewendet. Was die Thai Massage ist und für wen das Verfahren geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Thai Massage: Yoga für Geist und Körper

Ursprung und Ausbildung der Thai Massage

Die Traditionelle Thai Massage hat ihren Ursprung in der indischen Ayurveda und hat sich zu einem eigenen Massagesystem in Thailand weiterentwickelt. Dort wird die Thai Massage vermutlich schon seit dem dritten oder zweiten Jahrhundert vor Christus praktiziert.

Ähnlich wie in der Tibetischen Medizin kann die Traditionelle Thai Massage auf verschiedene Weise erlernt werden.

„In Thailand kennt eigentlich jeder Thai die Grundzüge der Thai Massage und kann sie anwenden. Wir haben das sozusagen im Blut“, meint Frau Rimkhong Hahn und lacht dabei. Die gebürtige Thailänderin betreibt seit rund vier Jahren eine Massagepraxis in Göppingen, in Baden Württemberg.

Sie selbst hat die Thai Massage zunächst von ihrer Großmutter erlernt und hat anschließend eine Berufsfachschule in Bangkok besucht, dem Wat Po Institut. Dort hat sie die Theorie und Praxis der Thai Massage bei gesundheitlichen Beschwerden und bei Krankheiten kennengelernt: Die Thailänder sehen die Traditionelle Thai Massage als wichtigen Bestandteil zur Vorbeugung von Krankheiten und Dysbalancen an und grenzen die Prävention von der Behandlung gesundheitlicher Beschwerden ab.

Während es in Thailand verschiedene Berufsfachschulen gibt, um ein Diplom zu erlangen, gewinnt die Ausbildung der Thai Massage in Europa erst langsam an Bedeutung. Erlernbar sind die Techniken in Deutschland zum Beispiel in Köln, Berlin und München. Darüber, dass die Techniken der Traditionellen Thai Massage in Seminaren und Workshops innerhalb von drei bis 14 Tagen erlernbar sind, müssen erfahrene Fachkräfte ein wenig schmunzeln. Die Mitarbeiterin von Frau Hahn, ebenfalls eine gebürtige Thailänderin, räumt aber ein, dass man bestimmte Grundtechniken der Thai Massage in einigen Tagen oder wenigen Wochen erlernen kann. Um das volle Spektrum zu erlernen, bedarf es hingegen viele Jahre.

„Wir praktizieren die Traditionelle Thai Massage schon seit über 20 Jahren und lernen immer noch Neues hinzu. Gerade bei kranken Menschen müssen wir vorsichtig sein, denn die Thai Massage ist nicht für alle Menschen geeignet. Bei Entzündungen und Knochenbrüchen sollte man sie zum Beispiel nicht anwenden.“, meinen die beiden Frauen.

In Thailand wird die Thai Massage nicht nur von Frauen ausgeübt. Es ist ein Beruf, der von Frauen und Männern gleichermaßen praktiziert wird. Allerdings ist der Frauenanteil etwa höher als der von Männern.

Ganzheitliche Behandlung des Menschen

Störungen erkennen und beheben

In Thailand gehen die Menschen davon aus, dass der menschliche Körper von einem energetischen Netz durchzogen wird, welches aus zehn Energielinien besteht. Mithilfe von Dehnung und Druck wird dieses energetische Netz beeinflusst und Blockaden aufgelöst, sodass die Energie in Folge ungehindert fließt.

Die praktische Durchführung der Thai Massage erinnert an eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur, weswegen sie auch als Thai Yoga Massage bezeichnet wird: Strecken, Dehnen, Gelenkmobilisation und die Massage bestimmter Druckpunkte wird mit rhythmischen Bewegungen und Druck der Hände, Daumen, Ellenbogen und Füßen durchgeführt.

Für Behandler und Klienten hat die Thai Massage gleichermaßen einen meditativen Effekt berichtet Frau Rimkhong Hahn. „Ich spüre wenn es an irgendeiner Stelle des Körpers Knoten gibt, die den Energiefluss stören. Diese Störung behandle ich so lange und auf verschiedene Art und Weise, bis die Energie wieder ungestört fließen kann.“

Zwar bieten viele Thai Massagepraxen mittlerweile wie im Westen oft üblich klassische Rücken- und Nackenmassagen an. Traditionell arbeitende Thai Masseure halten diese Form der Massage aber für unzureichend, da die Energiebahnen den gesamten Körper durchziehen und sich nicht ausschließlich auf einzelne Körperpartien beschränken. So werden beispielsweise bei Magenbeschwerden bestimmte Punkte auf den Fußsohlen behandelt, da sie durch Energiebahnen mit den Verdauungsorganen verbunden sein sollen.

Eine klassische Traditionelle Thai Massage ist daher eine Massage vom Kopf bis zum Fuß. Sie dauert mindestens eine Stunde und kann bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen.

Im Anschluss an eine Thai Massage sollte immer viel getrunken werden, mindestens 1,5 Liter, da die Massage den Lymphfluss aktiviert und leicht entwässernd wirken. Wasser und ungesüßter Kräutertee sind hierfür am besten geeignet.

Die meisten Menschen in Thailand sind Buddhisten

Thai Massage für alle?

Die Traditionelle Thai Massage wird präventiv zur Vorbeugung von bestimmten Erkrankungen angewendet. Sie eignet sich auch zur Behandlung und Linderung vieler Beschwerden und wird durch die lange Erfahrung etwa bei Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Tinnitus und Schlafstörungen angewendet.

Aus wissenschaftlicher Sicht, kann die Thai Massage durch die durchblutungsfördernde Wirkung etwa zur Entspannung der Muskulatur beitragen und den Lymphfluss verbessern. Durch die passiven Yogaübungen wird das Körpergefühl gestärkt und die Körperhaltung wird verbessert.

Bei bestimmten Erkrankungen sollte die Thai Massage aber nicht oder nur in abgeschwächter Form angewendet werden. Grund hierfür ist, dass sich die gesundheitlichen Beschwerden durch die Massage weiter verschlimmern, oder neue Symptome hinzukommen könnten. Einen guten Thai Masseur erkennt man unter anderem daran, dass vor der Massage die Frage nach Erkrankungen und Beschwerden gestellt wird.

Bei Patienten mit Bluthochdruck werden erfahrene Thai Masseure Vorsicht walten lassen: Durch die körperliche Anstrengung und die Förderung der Durchblutung, kann der Blutdruck weiter in die Höhe schnellen. Schwindel und Kopfschmerzen sind dann häufig die Folge. Auch schlimmere Folgen für Herz und Kreislauf sind möglich, zum Beispiel ein Schlaganfall.

Nicht durchgeführt werden sollte die Thai Massage bei Fieber, Infekten und Entzündungen im Körper: Durch die aktivierende Wirkung des Stoffwechsels, könnte sich die Erkrankung weiter verschlimmern. Auch bei Knochenbrüchen und Krebserkrankungen sollte auf eine Thai Massage verzichtet werden.

Erkrankungen wie Migräne, Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck sind zwar per se kein Ausschlusskriterium für eine Thai Massage: Die Massage wird dann aber zumeist in abgeschwächter Form und mit weniger Druck auf die jeweiligen Energiepunkte ausgeübt. Hierfür gibt es mehrere Gründe: durch die aktivierende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel kann eine intensiv durchgeführte Massage die Durchblutung und dadurch die Beschwerden verschlimmern. Weitere gesundheitliche Dysbalancen können dann die Folge sein. Zudem ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln – die Thai Massage kann hierbei unterstützend mitwirken.

Erotikmassage hat nichts mit Thai Massage zu tun

Verwechselung mit Prostitution 

Nicht nur in Deutschland wird die Thai Massage oft mit einer Erotikmassage verwechselt. Richtig ist zwar, dass manche thailändische Frauen aufgrund von ökonomischen Notlagen Erotikmassagen durchführen – und zwar auch unter dem „Deckmantel“ der Thai Massage. Dies wirft allerdings ein völlig verkehrtes Licht auf diejenigen Personen, die eine Berufsausbildung zum Thai Masseur absolviert haben und ist auch vom Grundsatz her falsch – von der Demütigung der angesprochenen Frauen ganz zu schweigen.

Speziell für Thailänderinnen, die nach Deutschland kommen und sich eine berufliche Existenz aufbauen wollen, stellt die Erfahrung von Anfragen für eine Erotikmassage oft ein Schock dar: Die positive Einstellung für Land und Leute kehrt sich dann nicht selten ins Gegenteil um. Neben der zunehmenden Angst vor Männern, entwickeln sich bei einigen Frauen nach und nach Depressionen und Paniksymptome, sodass sie schlussendlich kaum noch oder nicht mehr dazu in der Lage sind ihren Beruf auszuüben.

Zusammenfassung

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie zielt darauf ab, den Energiefluss innerhalb des Körpers ohne Störungen zu erhalten oder wieder herzustellen. Dementsprechend sollen Blockaden mit Hilfe der Thai Massage behoben werden, die zum Beispiel bei Verspannungen und Kopfschmerzen bestehen. In Thailand und anderen Ländern wird die Thai Massage zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden angewendet.

Grundkenntnisse über die Durchführung der Thai Massage können in Seminaren in Deutschland erworben werden. Für das Erlernen der professionellen Durchführung sind hingegen oft viele Jahre notwendig. Ausgebildete Fachkräfte verfügen über medizinische Kenntnisse und berücksichtigen dieses Wissen bei kranken Menschen. Nicht angewendet werden sollte die Thai Massage etwa bei Fieber und Entzündungen. Zudem müssen Menschen mit bestimmten Krankheiten wie Diabetes vorsichtig sein, um eine überschießende Reaktion des Stoffwechsels zu vermeiden. Ausgebildete Thai Masseure fragen daher nach Vorerkrankungen und passen die Massage auf den Gesundheitszustand und die Bedürfnisse der Personen an.

Danksagung

Dieser Bericht basiert auf einem Interview mit Frau Rimkhong Hahn aus Göppingen. Für ihre wertvollen Einblicke und Informationen in die Traditionelle Thai Massage möchte ich ihr herzlich Danken.

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