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Chili (Capsicum frutescens & annuum): Mit Schärfe gegen Schmerzen

Chili gehört zu den beliebtesten Gewürzen, Gemüse und Heilpflanzen. Die mehr oder weniger scharfen Früchte sind auf allen Erdteilen bekannt und beliebt, allerdings unter teils verschiedenen Namen: Ob Cayennepfeffer, Tabasco, Peperoni, Jalapeño oder Paprika: Sie alle sind durch denselben botanischen Vornamen miteinander vereint. Dieser lautet Capsicum. In diesem Artikel erfahren Sie Wissenswertes  über Chilis, über deren Anwendung in der Medizin und als Gemüse- und Gewürzpflanze.

Chilis gehören zu den schärfsten Lebensmitteln der Welt

Mittlerweile dürfte es keinen Erdteil mehr geben, an dem Chilis kein Zuhause gefunden haben. Ganz im Gegenteil Chilis oder besser gesagt, die Chili-Gattung Capsicum ist vermutlich auf jedem Wochenmarkt und in jedem Lebensmittelgeschäft zu kaufen: zum Beispiel als Paprika!

Scharf, schärfer, am schärfsten

Keine Frage, Paprikas (botanisch: Capsicum annuum) sind tolle Lebensmittel. Sie enthalten beispielsweise viel Vitamin C und sind ein leckeres Gemüse. Wenn es allerdings um medizinische Eigenschaften geht, sind Paprikas nicht zu gebrauchen. Das liegt daran, dass das Gemüse nur wenige Scharfstoffe enthält, worüber Sie im Abschnitt ≫Chili als Lebensmittel≪mehr erfahren. Auf genau diese Scharfstoffe kommt es aber an, wenn es etwa um die Behandlung von Rückenschmerzen geht, da sie eine Reizwirkung haben. Manche Chili-Sorten enthalten sogar so viele Scharfstoffe, dass bei der Ernte Schutzkleidung getragen werden muss! Beim bloßen anfassen der scharfen Früchtchen, könnte es sonst zu starken Hautreizungen kommen, die so ausgeprägt sind, dass Blasen und Geschwüre entstehen können. Aber soweit muss es nicht kommen. Der Schärfegrad der Chili-Familie hat eine große Spannbreite. Richtig dosiert sind sie eine Wohltat für die Gesundheit.

Chilis speichern Scharfstoffe

Für medizinische Zwecke schreibt das Europäische Arzneibuch einen Mindestgehalt von 0,4 Prozent Gesamtcapsaicinoide vor. Dann entfalten die Chili-Inhaltsstoffe ihre wohltuende Wärmewirkung und sie kurbeln die Durchblutung an, lindern Schmerzen und Juckreiz. Durch diese Wirkungen kommen Chilis in praktisch allen Medizinsystemen weltweit zum Einsatz, zum Beispiel in der Tibetischen Medizin. Der wichtigste Inhaltsstoff innerhalb der Capsaicinoide heißt Capsaicin. Diese Substanz ist auch für den scharfen Geschmack der Chilis als Gewürz verantwortlich. Chilis enthalten außerdem Mineralien wie Kalium und Vitamine, etwa Vitamin A und Vitamin C.

Chilis in der Medizin

Die Inhaltsstoffe der Chilis helfen bei Schmerzen und Juckreiz

Anwendungsgebiete mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit

Einige Wirkungen der Chili-Arten Capsicum annuum und Capsicum frutescens sind sehr gut untersucht und die Wirksamkeit gilt als gesichert.

Stellen Sie sich einmal folgende Szenarien vor:

  • Sie haben Muskelschmerzen im Rücken, im Nacken oder in einer anderen Körperregion. Dann helfen medizinische Chili-Zubereitungen nachweislich gegen den Muskelschmerz.

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Die Wirkungen und medizinischen Anwendungsbereiche der Chilis reichen jedoch noch weiter. Die Extrakte aus den Chilifrüchten können Sie einsetzen, wenn:

  • Sie Diabetiker sind und an Nervenschmerzen leiden (diabetische Polyneuropathie).
  • Sie von (entzündlichen) Gelenkveränderungen betroffen sind, die mit einem Abbau von Knorpel einhergehen, etwa in den Knien, Fingergelenken oder am Fußknöchel. Dieses Beschwerdebild wird als Osteoathritis bezeichnet und ist von Schmerzen und Einschränkungen der Funktion gekennzeichnet.
  • Sie von der entzündlich-rheumatischen Erkrankung rheumatoide Arthritis betroffen sind und die Schmerzen der Autoimmunerkrankung lindern möchten. Dadurch können sie beispielsweise eine entzündungshemmende Ernährungsweise unterstützen.
  • Sie aufgrund von Krankheiten an Nervenschmerzen leiden, genauer an einer Neuralgie. Neuralgien können beispielsweise nach einem Bandscheibenvorfall oder einer Gürtelrose auftreten.
  • Sie wegen einer Krankheit oder einer medizinischen Behandlung ständigen Juckreiz. Dieser Juckreiz kann zum Beispiel als Folge der Dialyse auftreten, bei Schuppenflechte aber auch als Medikamentennebenwirkung.
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Anwendungsgebiete aufgrund von ersten Studien

Chilis können außerdem ein unterstützendes Potential haben, wenn:

  • Sie abnehmen möchten. Chili fördert ersten Studien am Menschen zufolge eines Gewichtsverlustes indem es den Kalorienverbrauch steigert. Ob sich die ersten Studien auf die Allgemeinheit übertragen lassen, muss noch erforscht werden.
  • Sie von Fibromyalgie betroffen sind. Bei einer Untersuchung an Betroffenen konnte gezeigt werden, dass die Empfindlichkeit der Haut nachließ.

Der richtige Einsatz von Chili als Arzneimittel

Chilis sollten immer in Form von standardisierten Fertigarzneimitteln verwendet werden, etwa in Form von Creme, Salbe oder als Pflaster. Die richtige Dosierung ist im Hautgebrauch kaum machbar, weil sich die Sorten hinsichtlich der Gehalte an Capsaicinoiden oft erheblich unterscheiden. Für die Praxis bedeutet dies, dass bei einer zu niedrigen Capsaicin-Menge keine oder eine zu geringe Wirkung eintritt. Höhere Mengen an Capsaicin als es das Europäische Arzneibuch vorschreibt, kann hingegen mit erheblichen unerwünschten Wirkungen einhergehen. Der Kauf eines Fertigarzneimittels ist damit besser geeignet.

Gut zu wissen! In der medizinischen und pharmazeutischen Literatur ist oft von Cayennepfeffer und seltener von Chili die Rede. Die Chili-Sorte Cayennepfeffer wird manchmal auch als Scharfer Paprika bezeichnet und trägt den botanischen Namen Capsicum frutescens.

Je nach Schärfegrad sind Chilis ein leckeres Gewürz

Chili als Lebensmittel

Die Früchte aller Chilisorten (zum Beispiel Capsicum annum und Capsicum frutescens) sind essbar und sie sind rund um den Globus beliebt. Eine der bekanntesten Capsicum annum-Sorten ist die Paprika. Sie gehört zu den beliebtesten Gemüsen und hat in der Regel keinen scharfen Geschmack. Das ist bei nahezu allen anderen Chili-Sorten anders: Ob Peperoni, Tabasco, Habanero oder Jalapeño, sie alle enthalten mehr von dem Schärfe-Inhaltsstoff Capsaicin als die Gemüse-Paprika. Weltweit gesehen gibt es unzählige Chilizüchtungen, die jedoch botanisch gesehen von vergleichsweise wenige Arten gezüchtet werden. So gibt es neben den medizinisch gebrauchten Chilis (C. annum und C. frutescens) zum Beispiel Arten wie C. chinense, C. baccatum und C. pubescens.

Wie scharf eine Chili ist wird entweder in „Scoville“ angegeben oder in einer Schärfeskala von eins bis zehn. Der Schärfegrad nach Scoville (Maßeinheit Scoville Heat Units, SHU) besagt, wie viel Milliliter Wasser gebraucht wird, um die Schärfekonzentration so zu verdünnen, dass man die Schärfe gerade noch wahrnehmen kann. Um beispielsweise 1 Milligramm Jalapeño Chili mit 2.500 SHU zu neutralisieren, werden 2,5 Liter Wasser gebraucht. Die meisten Menschen empfinden Chilis als scharf, wenn diese 1.000 SHU oder mehr haben. Zu den schärfsten Chili-Sorten der Welt gehören Trinidad Scorpion mit 1.200000-2.000000 SHU und Carolina Reaper deren SHU von 1.400000-2.200000 reicht.

Die Einteilung der Schärfeskala hingegen variiert von 1 (nicht scharf) bis 10 reicht (extrem scharf). Sie erfolgt nach subjektivem Empfinden. Deshalb finden sich bei der Skala manchmal noch Ergänzungen, etwa 10++ bei einigen Habernero-Sorten.

Übrigens: Das meiste Capsaicin befindet sich in den weißlichen Scheidewänden (genauer in der Plazentawand). Schneidet man diese heraus, wird die Schärfe dadurch etwas gelindert. Aber Vorsicht! Wird die Plazentawand verletzt und nicht vollständig entfernt, geht das Capsaicin in die Frucht über und verbreitet sich dort. Sollten Sie einmal die Schärfewirkung der Chili unterschätzt haben und einen „Feuerlöscher“ benötigen, können fetthaltige Speisen und Getränke wie Erdnussbutter, Joghurt oder Milch helfen. Capsaicin ist fettlöslich. Wasser zu trinken oder etwas Reis zu essen bringt hingegen nichts gegen die Schärfe, weil der Inhaltsstoff nicht in Wasser gelöst werden kann.

Chilis entfalten je nach Sorte ihren ganz persönlichen Eigengeschmack. Außerdem enthalten sie viele Vitalstoffe und tragen so zur Deckung vom Nährstoffbedarf bei. Deren Gehalt kann je nach Sorte, Standort, Boden und Klima schwanken.

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische, grüne Chili (C. annuum)

 

Energie

20 Kilokalorien

 

Eiweiß

1,2 Gramm

 

Fett

0,3 Gramm

 

Kohlenhydrate

2,9 Gramm

 
  

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

177 Milligramm

4.000 Milligramm

Vitamin A

0,5 Milligramm

0,8-1 Milligramm

Vitamin C

138 Milligramm

1.000 Milligramm

Folat

60 Mikrogramm

300 Mikrogramm

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz als Lebensmittel

Chilis können roh oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel als „Snack“, für Salate, Pfannengerichte und Suppen.

Chili passt zu vielen Gerichten

Basisrezepte mit Chili

Chili-Öl

Zutaten für 100 Milliliter Öl

✦ 1 Chili ✦ 100 Gramm Öl (zum Beispiel Rapsöl oder Olivenöl)

  • Zerschneiden Sie die Chili und geben Sie diese in eine verschließbare Flasche.
  • Füllen Sie die Flasche mit dem Öl auf. Und verschießen Sie diese. Lassen Sie das Chili-Öl rund vier Wochen lang ziehen. Die Chili-Schoten können danach in der Flasche verbleiben oder abgeseiht werden.

Passt hervorragend als würzig, scharfe Salatsoße. Wenn Sie erhitzbares Öl verwenden, etwa Rapsöl, kann das Chili-Öl zum für Wok- und Pfannengerichte verwendet werden.

Nepalesische Linsensuppe

Zutaten für 4 Portionen

✦ 1 Zwiebel ✦ 2 Tomaten ✦ 1 Esslöffel Rapsöl ✦ 150 Gramm gelbe oder rote Linsen ✦ 1 Chili frisch oder 1/2 Chili getrocknet ✦ 2 Teelöffel Salz ✦ 1 Teelöffel Pfeffer ✦ mindestens 500 Milliliter Wasser

  • Schälen Sie die Zwiebel und hacken Sie diese in kleine Würfel. Waschen Sie Tomaten sowie die Chili und zerschneiden Sie diese ebenfalls in kleine Stücke. (Achten Sie bei der Chili darauf Augenkontakt zu vermeiden. Waschen Sie die Hände direkt nach dem Berühren. Tragen Sie eventuell Handschuhe.)
  • Heizen Sie den Herd vor (höchste Stufe) und bereiten Sie einen Schnellkochtopf vor.
  • Geben Sie das Rapsöl in den Topf. Wenn es heiß ist, geben Sie zuerst die Zwiebel, dann die Tomaten hinzu. Lassen Sie die Mischung für eine Minute unter ständigem Rühren köcheln.
  • Fügen Sie die Linsen hinzu. Dann alles verrühren.
  • Rühren Sie Chili, Salz und Pfeffer unter und fügen Sie im nächsten Schritt das Wasser hinzu.
  • Verschließen Sie den Deckel und lassen Sie die Linsensuppe zehn Minuten kochen.
  • Nehmen Sie den Schnellkochtopf von der Herdplatte. Warten Sie weitere fünf Minuten bevor Sie den Deckel (Druckausgleich beachten) entfernen. Rühren Sie die Linsensuppe um und servieren Sie diese heiß.

Linsen sind besonders eiweißreich. Die meisten Nepalesen verzehren die Suppe zweimal pro Tag zu den Hauptmahlzeiten zusammen mit anderen Gemüsegerichten und Reis. Auf Nepali und Hindi wird die Linsensuppe als ≫Daal≪ bezeichnet, wobei Linsen in unterschiedlicher Größe und Farbe verwendet werden.

Die unerwünschten Wirkungen der Chilis

Äußere Anwendung von Chili

Selten treten allergische Reaktionen (urtikarielles Exanthem) auf. Wenn der Extrakt aus den Chili langfristig und in hoher Dosierung eingesetzt wird, können Schädigungen der sensiblen Nerven auftreten. Auch die Entzündung von Hautentzündung, Blasen- und Geschwürbildung können dann vorkommen.

Chilifrüchte-Extrakte dürfen niemals auf verletzter Haut, auf geschädigten Schleimhäuten oder bei einer Überempfindlichkeit gegen Paprika verwendet werden.

Verzehr von Chili

Personen mit einem empfindsamen Magen, sollten vorsichtig mit dem Genuss scharfer Speisen umgehen. Es können Magenschmerzen, Durchfall und Sodbrennen auftreten. Von dem Verzehr sehr großer und ungewohnt scharfen Chilimengen ist abzuraten: Es kann zu Bluthochdruck, Übelkeit, Erbrechen und Schleimhautreizungen kommen, die lebensbedrohlich werden können. Kinder reagieren sehr empfindlich auf Chilis. Sollten Sie frische Chilis in der Küche verarbeiten, waschen Sie sich anschließend gründlich die Hände. Capsaicinoide reizen wie alle Scharfstoffe bei Augenkontakt die Gewebe.

Literatur und Quellen

European Scientitic Cooperative On Phytotherapy (ESCOP). ESCOP Monographs Supplement. 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2009

European Medicines Agency (EMA). Community herbal monograph on Capsicum annuum L. var. minimum (Miller) Heiser and small fruited varieties of Capsicum frutescens L., fructus. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-community-herbal-monograph-capsicum-annuum-l-var-minimum-miller-heiser-small-fruited-varieties_en.pdf, Zugriff am 15.01.2019

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte. Online Portal: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/, Zugriff am 15.01.2019

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Bärlauch (Allium ursinum): Vitamin C-reicher Waldbewohner

Wenn im Frühjahr die Sonne an Kraft gewinnt, beginnt die Zeit des Bärlauchs. Die un-überriechbare Wildpflanze sprießt dann auf nährstoffreichen Waldböden und breitet sich wie ein grüner Teppech über ihn aus. Für Pflanzenfreunde beginnt nun ein Festmahl, denn der Bärlauch ist ein leckeres Lebensmittel, aromatisches Gewürz und eine Heilpflanze in einem. Was den Bärlauch so gesund macht, und wie er richtig eingesetzt wird, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bärlauch ist ein Lauchgewächs und blüht im Frühjahr

Im März, wenn die Tage spürbar länger werden und die Temperaturen zu steigen beginnen, zieht es die Menschen mehr und mehr nach draussen ins Freie. Nach den langen, düsteren und kalten Wintermonaten läd die Frühlingssonne geradezu mit Nachdruck zu Spaziergängen ein. Wer sich dann auf einen Gang durch den Wald begibt, bemerkt vielerorts einen würzigen Geruch, der beim genaueren Hinriechen an Knoblauch erinnert. Es ist der Bärlauch, ein enger Verwandter vom Knoblauch. Schon im März ragen seine Blätter an halbschattigen und schattigen Orten aus dem Waldboden heraus. Seine Blüte lässt sich erst später blicken, im April oder im Mai. Das kommt ganz auf den Standort und das Klima an.

Ein grüner Teppich aus Bärlauch

Zurückhaltend ist der Bärlauch nicht. Er verfügt über einen starken Ausbreitungsdrang und besiedelt gerne großflächig mehrere hunderte Quadratmeter Waldboden, bis es an der Zeit ist sich erneut zurückzuziehen und anderen Waldbewohnern Platz zu machen. Meistens ist das im Mai oder Juni der Fall. Auf der anderen Seite ist der Bärlauch auch empfindlich, zumal er sich den Platz im Wald und an Wegrändern mit anderen Pflanzen teilen muss. Da kann es schon mal vorkommen, dass eine Horde Buschwindröschen noch ein wenig durchsetzungsfähiger ist, und den Waldboden für sich beansprucht. Meistens aber arrangieren sich die Frühlingspflanzen untereinander.

Bärlauch liebt nährstoffreiche, lockere und feuchte Waldböden

Was der Bärlauch nicht verträgt, sind harte Gewerke. Auf verdichteten und überanspruchten Waldböden überlebt der Bärlauch nicht. Vielerorts aber, zum Beispiel in den Wädern zwischen Ulm und Stuttgart sowie im Harz wächst und gedeiht er geradezu massenhaft. Das ist erfreulich, denn der Bärlauch ist essbar und vielseitig einsetzbar.

Wissenswertes

Wer wenig oder keine Erfahrung zum Bestimmen von essbaren Wildpflanzen und Heilkräutern hat, kann zum Beispiel an einem Bestimmungs- und Enddeckungskurs von ausgebildeten Botanikern oder Kräuterpädagogen teilnehmen. In den Kursen lernen Sie, wie Bärlauch in seinem natürlichen Lebensraum aussieht und von anderen Pflanzen zu unterscheiden ist. So können Verwechslungen mit anderen Pflanzen, wie dem Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose vermieden werden. Auch die Benutzung von Bestimmungsbücher kann helfen.

 

Bärlauchkraut speichert Alliine und Flavonoide

Zerreibt man die Blätter von frischem Bärlauch zwischen den Fingern, wird ein knoblauchähnlicher Geruch freigesetzt. Das liegt an schwefelhaltigen Verbindung im Bärlauch, die Alliine. Werden die Blätter vom Bärlauch zerdrückt oder zerschnitten, bauen bestimmte Enzyme in den Zellen vom Bärlauch das Alliin in die wirksame Substanz Allicin ab. Allicin wirkt leicht blutdruck- und cholesterinsenkend sowie antibakteriell. Außerdem tragen die Schwefelverbindungen dazu bei Insekten abzuwehren.

Wissenswertes

Der Anteil an schwefelhaltigen Verbindungen ist rund 1/3 niedriger als beim Knoblauch. Folglich ist seine Wirksamkeit schwächer als die vom Knoblauch. Als Vorteilhaft empfinden viele Menschen, dass der typische Knoblauchgeruch nach dem Verzehr aus dem Mund und der Haut beim Bärlauch nicht oder weniger stark ausgeprägt ist.

Weitere Inhaltsstoffe vom Bärlauch sind Flavonoide und Lektine.

Bestimmte Inhaltsstoffe im Bärlauch können die Gefäßgesundheit verbessern

Der Bärlauch in der Medizin

In der Volksheilkunde hat der Bärlauch eine lange Tradition. In der modernen Phytotherapie spielt die Pflanze hingegen eine untergeordnete Rolle.

Wissenswertes

In der Volksheilkunde wird Erfahrungswissen über die Wirkungen und Anwendung von Heilpflanzen innerhalb der Bevölkerung weitergegeben. Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in der Volksmedizin keine oder eine untergeordnete Rolle. In der Phytotherapie ist es umgekehrt: Hier gelten die selben Regeln wie in der konventionellen Medizin. Mit anderen Worten: Ob eine Heilpflanze als wirksam oder unwirksam eingestuft wird, wird anhand der selben Bewertungskriterien ermittelt, die auch für synthetische Arzneimittel gelten.

Anwendungsgebiete aufgrund erster Studien

Tier- und Laboruntersuchungen ergaben, dass die Extrakte aus dem Bärlauch vergleichbare Wirkungen wie der Knoblauch hat. Der regelmäßige Verzehr könnte helfen um

  • Den Blutdruck leicht zu senken
  • Den Cholesterinspiegel herabzusetzen
  • Die Entstehung von Atheriosklerose (Gefäßverkaltung) zu mindern
  • Die Fließeigenschaften vom Blut durch eine leicht blutverdünnende Wirkung zu verbessern
  • Das Herz zu schützen

Anwendungsgebiete in der Volksmedizin

Traditionell und aufgrund von Erfahrung werden die Blätter und das Kraut vom Bärlauch eingesetzt bei:

  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen (durch Bakterien im Magen)
  • Äußerlich bei Hautausschlägen

Die Einzelportion, Tagesmenge und der Einsatz von Bärlauch in der Medizin

Trotz des therapeutischen Potentials vom Bärlauch, wird die Pflanze in erster Linie als Gemüse- und Gewürzpflanze verwendet. Aus diesem Grund liegen genaue Angaben zur Dosierung vom Bärlauch nicht vor.

Zubereitungen mit Bärlauch wie zum Beispiel Frischpflanzensaft, Tropfen und Kapseln erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und im Online-Handel.

Bärlauch Tinktur

  • 20 Gramm frische, junge Bärlauchblätter
  • 100 Milliliter hochprozentigen Alkohol (mind. 50%)

Zerschneiden Sie die gewaschenen Bärlauchblätter und füllen sie diese in eine beschriftete Braunglasflasche. Übergießen Sie die Blätter mit dem Alkohol, dann den gut verschlossenen Ansatz für drei Wochen ziehen lassen. Gelegentlich schütteln.

Die Tinktur durch einen Teefilter oder ein feines Sieb abfiltern, zurück in die Braunglasflasche füllen und einen Tropfeinsatz (erhältlich in Apotheke oder Online-Handel) hinzufügen. Dreimal täglich 20 Tropfen einnehmen. Die Tinktur innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.

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Der Bärlauch als Lebensmittel

Blätter, Stängel, Blüten und Zwiebeln vom Bärlauch sind essbar. Die oberirdischen Pflanzenteile werden zwischen März und Mai geerntet, die Zwiebeln im Herbst. Wenn Sie den Bärlauch einwandfrei identifizieren können, kann die Pflanze im Wald gesammelt werden. Alternativ bieten Direktvermarkter (Bauernhöfe) und gut sortierte Supermärkte die aromatischen Blätter im Frühjahr zum Kauf an.

Falls Sie schon einmal eine Bärlauchsuppe genossen haben, kennen Sie bereits den aromatisch-würzigen Geschmack der Pflanze. Bärlauch kann aber auch als Belag für Pizza, zur Herstellung von Pesto, Kräuterbutter und Gewürzmischungen verwendet werden.

Hinsichtlich der Nährstoffe sind die Blätter vom Bärlauch am besten untersucht. Ihr Gehalt kann allerdings je nach Standort, Boden, Klima und Jahreszeit schwanken.

Nährstoffe

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Energie in Kilokalorien (kcal)

23

Eiweiß

0,90 Gramm

Fett

0,30 Gramm

Kohlenhydrate

2,93 Gramm

Ballaststoffe

2,18 Gramm

Wasser

92,64 Gramm

 

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

336 Milligramm

4000 Milligramm

Magnesium

22 Milligramm

350-400 Milligramm

Kalzium

76 Milligramm

1000 Milligramm

Eisen

2,87 Milligramm

10,0-15,0 Milligramm

Kupfer

80,0 Mikrogramm

1.000-1.500 Mikrogramm

Vitamin C

150 Milligramm

95-110 Milligramm

Folsäure

17 Milligramm

300 Milligramm

Thiamin (Vitamin B1)

0,13 Milligramm

1,2 Milligramm (Männer), 1,0 Milligramm (Frauen)

Vitamin B6

0,20 Milligramm

1,6 Milligramm (Männer), 1,4 Milligramm (Frauen)

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz in der Küche

Bärlauchblätter oder Bärlauchkraut können roh, gekocht oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel für Pesto, Salate und Suppen. Trocknen erhöht die Haltbarkeit der Blätter und des Krautes. Allerdings gehen dabei auch wertvolle Geschmacks- und Duftstoffe verloren.

Bärlauchpesto passt hervorragend zu Tomaten und Mozzarella

Bärlauchpesto für 6-8 Portionen

Als Zutaten für ein Bärlauchpesto brauchen Sie:

  • 200 Gramm frischer Bärlauch
  • 25 Gramm Pinienkerne, geröstet
  • 25 Gramm Parmesan, gerieben
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1 Messerspitze Pfeffer
  • 200 Milliliter Olivenöl

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden.
  2. Pinienkerne in einer Küchenmaschine fein zerhacken.
  3. Bärlauchblätter, Salz, Parmesan, Pfeffer und Olivenöl dazugeben und alles zu einem sämigen Pesto vermischen.
  4. Das Bärlauchpesto nun in ein beschriftetes Glas füllen und innerhalb von zwei Wochen verbrauchen.

Es schmeckt besonders gut zu Nudeln, auf Mozzarella-Käse, gekochten Eiern und zu warmen und kalten Gemüsegerichten.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 30 Minuten.

Kinder lieben grüne Nudeln

Bärlauchsuppe für 4 Portionen

Für die Bärlauchsuppe brauchen Sie:

  • 150 Gramm frische Bärlauchblätter
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • 5 mittelgroße Kartoffeln
  • 1,2 Liter Gemüsebrühe
  • 100 Milliliter Kokosmilch
  • 2 Esslöffel Rapsöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden. Vier kleine Bärlauchblätter zur Seite legen.
  2. Die Zwiebel abziehen, waschen und würfeln.
  3. Die Kartoffeln schälen, waschen und ebenfalls würfeln.
  4. Rapsöl im Topf erhitzen. Zwiebeln andünsten. Anschließend mit Gemüsebrühe übergießen und alles zum kochen bringen.
  5. Kartoffeln und Bärlauch hinzufügen. Die Suppe zehn bis 15 Minuten kochen lassen, dann alles pürrieren.
  6. Kokosmilch hinzufügen, die Zutaten verrühren und nochmals kurz aufkochen lassen.
  7. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann die Suppe mit einem Bärlauchblatt servieren.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 45 Minuten.

Die unerwünschten Wirkungen vom Bärlauch als Arzneimittel

In sehr hohen Mengen soll der Bärlauch Magenreizungen auslösen können.

Literatur

Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Die besten Hausmittel gegen Fieber

Fieber tritt als eine Abwehrreaktion vom Körper gegen Krankheitskeime auf. Dadurch können Viren und Bakterien besser bekämpft werden. Hausmittel helfen dabei, das Fieber zu lindern und das Immunsystem zu unterstützen. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bei Fieber ist das Immunsystem besonders aktiv

Fieber: Beschreibung und Ursachen

Bei Fieber steigt die Körpertemperatur auf über 38 Grad Celsius (°C) an. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Diese reagieren empfindlich auf die hohe Körpertemperatur und lassen sich dadurch besser bekämpfen. Gleichzeitig sind bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems bei Fieber besonders aktiv: Sie bedrängen die Krankheitskeime, greifen sie an und schalten sie dann aus. Wichtig bei Fieber ist, dem Körper Ruhe zu gönnen, sodass sich das Immunsystem voll auf seine Aufgabe konzentrieren kann. Ein Infekt klingt dann oft binnen weniger Tage wieder ab.

Neben der Abwehr von Krankheitskeimen kann Fieber zudem andere Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Autoimmunerkrankungen und Krebserkrankungen. 

Fieber entsteht im Gehirn

Fieber ist ein Symptom, das von einem Steuerungszentrum im Gehirn reguliert wird, dem Hypothalamus. Im Hypothalamus befindet sich das Wärmeregulationszentrum. Es erhält seine Informationen über Wärme- und Kältefühler, die sich im Körper und auf der Haut befinden. Misst der Hypothalamus zu warme Temperaturen im Körperinneren, werden die Blutgefäße der Haut weitergestellt und er befiehlt vermehrtes Schwitzen. Ist es im Körperinneren hingegen zu kalt, tritt das Gegenteil ein: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, Gänsehaut entsteht und ein Muskelzittern (Schlottern vor Kälte) wird „eingeleitet“, damit die Körperkerntemperatur ansteigt. 

Wie entsteht Schüttelfrost? 

Bei Fieber kann auch die Wärmeabgabe herabgesetzt werden. Die Blutgefäße in der Haut stellen sich enger, weswegen Menschen mit Fieber oft eine kalte, blasse Haut haben und trotz Wärme im Inneren nicht schwitzen. Diese Reaktion dient dazu den Stoffwechsel anzuregen: Es kommt zu Schüttelfrost (Muskelzittern), wodurch wiederum die Wärmebildung ansteigt.

Schwitzen und Schüttelfrost bei Fieber – Warum ist das so?

Ordnet der Hypothalamus an, das Fieber zu senken, weiten sich die Blutgefäße der Haut. Sie wird warm, rot und Betroffene beginnen zu schwitzen.

Sowohl der Schüttelfrost und das Schwitzen dienen dazu, dass übermäßige Wärme den Körper verlässt. In Folge kühlt der Körper ab.

Wie wird Fieber eingeteilt?

Fiebermessen im Po ist zwar unangenehm, aber am genausten. Die nachfolgenden Werte beziehen sich auf die Fiebermessung im Po (Rektalmessung):

Temperatur in Grad Celsius (°C)

Beurteilung

37,5 bis 38,0

Erhöhte Körpertemperatur

38,0 bis 38,5

Leichtes Fieber

38,5 bis 39,0

Fieber

39,0 bis 40,0

Hohes Fieber

Über 40°C

Sehr hohes Fieber

Fieber ist oft eine Reaktion gegen Krankheitskeime

Ursachen von Fieber

Fieber ist ein typisches Symptom bei einer Erkältung, Influenza-Grippe oder bei einer Infektion mit Corona Viren, COVID-19. 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Entzündungskrankheiten bei denen Fieber auftreten kann wie zum Beispiel Lungenentzündung, eitrige Mandelentzündung mit Halsschmerzen, Blutentzündung und akuten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. 

Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • Nierenbeckentzündung
  • Blinddarmentzündung
  • Entzündungen der Gefäße, der Leber und des Bindegewebes (Kollagenosen)
  • Krebserkrankungen wie Lymphdrüsenkrebs
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Tuberkulose
  • Allergien
  • Thrombose

Fieber: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Fieber ist bei einer Erkältung ein häufiges Symptom. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie Fieber über 39 Grad haben, aber keine Erkältungssymptome bestehen.
  • Sie hohes Fieber haben und gleichzeitig starke Kopfschmerzen bekommen, einen steifen Nacken oder Sie zunehmend teilnahmelos werden.
  • Sie mehr als drei Tage Fieber haben.
  • Sie in Intervallen Fieber haben.
  • Ihr Allgemeinzustand zunehmend schlechter wird.
  • Sie unsicher sind.

Achtung!

Ein Fieberkrampf ist ein Notfall.Tritt dieser bei Kindern erstmals auf oder hält länger als drei Minuten an, sollte ein Notarzt oder ein Kinderarzt gerufen werden. Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall, der an einen epilepsieartigen Anfall erinnert.

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Die besten Hausmittel gegen Fieber

Hausmittel bei Fieber helfen auf verschiedene Art und Weise. Bei erhöhter Körpertemperatur und Fieber ist Ruhe zudem eine wichtige unterstützende Maßnahme. Achten Sie generell darauf viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das vermehrte Schwitzen auszugleichen. Gut geeignet sind zimmerwarmes Wasser, Kräuter- und Früchtetees. Zudem sollten Sie die Körpertemperatur im Auge behalten und regelmäßig Fiebermessen.

Wadenwickel

Wadenwickel setzen die Körpertemperatur herab indem die kalte Nässe vom Wickel auf der warmen Haut des Fieber-Betroffenen verdunstet. Durch die Verdunstungskälte wird dem Körper Wärme entzogen und die Körpertemperatur fällt um 0,5 bis 2°C. Wichtig ist es den Wickel nach spätestens zehn Minuten zu entfernen, wenn die Tücher warm geworden sind.

Für einen Wadenwickel werden fünf Handtücher aus Naturfasern benötigt, zum Beispiel aus Baumwolle, Hanf oder Leinen: 

  • zwei Handtücher für die Innenlage
  • zwei Handtücher für äußere Lagen
  • ein großes Handtuch als Unterlage damit die Matratze nicht feucht wird und zusätzlich 
  • eine Wolldecke oder einen Schal. 

Synthetische Fasern lassen weder Feuchtigkeit noch Luft durch.

Anwendung

Ein Wadenwickel sollte im Liegen durchgeführt werden. Wichtig ist, dass der Körper vom Fieberpatienten mit Ausnahme der Waden warm gehalten wird, besonders die Füße. Bei einem Wadenwickel können daher Socken getragen werden. Um den Oberkörper warm zu halten, kann die wärmende Bettdecke helfen. Über die Unterschenkel sollte die Bettdecke aber nicht reichen, damit die Wärme von innen nach außen abgeleitet werden kann.

Für die Innenlagen zwei dünne Handtücher in kühlem Wasser tränken, das eine Temperatur von 16 bis 20 °C hat. Bei Kindern sollte die Temperatur höher sein und zwischen 28 bis 32 °C betragen, damit der Kreislauf nicht zu sehr beansprucht wird. Im nächsten Schritt werden die Tücher ausgewrungen und eng um die Waden gewickelt. Der Wickel sollte von der Kniekehle bis zum Fußgelenk reichen. Auf die feuchte Innenschicht folgen zwei weitere trockene Tücher, die um die feuchten Tücher gelegt werden. Abschließend erfolgt noch eine warme Lage, etwa eine Wolldecke.

Den Wickel nun zehn Minuten oder länger einwirken lassen, bis dieser warm geworden ist. Danach die Tücher entfernen und eine Pause von 15 bis 20 Minuten einhalten. Der Wadenwickel kann bis zur dreimal wiederholt werden. Die Anwendungen können somit zwischen 20 Minuten bis zwei Stunden dauern.

Vorsicht!

Ein Wadenwickel sollte nur dann angewendet werden, wenn der ganze Körper warm ist. Bei Schüttelfrost, kalten Händen und Füßen, sollten keine Wadenwickel angewendet werden, da die Umschläge das Fieber noch weiter ansteigen lassen und die Immunabwehr hemmen können. Nicht angewendet werden sollte ein Wadenwickel bei Durchblutungsstörungen der Beine, Fieber unter 39°C, bzw. unter 40°C bei Kindern, Infektionen der Harnwege und Ischiasnervproblemen.

Quark-Wadenwickel

Das Wirkprinzip vom Wadenwickel und Quark-Wadenwikel ist ähnlich. Der kalte Quark-Wickel soll die Wärme über die Haut abtransportieren und den Blut- und Lymphfluss aktivieren. Sie benötigen:

  • 250 bis 500 Gramm zimmerwarmen oder gekühlten Quark
  • zwei dünne Handtücher aus Baumwolle, Lein oder Hanffasern als Kompresse
  • zwei weitere Handtücher oder Mullbinden zum fixieren

Anwendung

Zimmerwarmer Quark wird messerrückendick auf das Handtuch verteilt und einmal gefaltet. Dann wird die Quark-Kompresse um die Waden gelegt. Wichtig ist, dass die Stoffseite vom Handtuch auf der Haut liegt und nicht der Quark. Jetzt kann der Quark-Wickel 15 bis 40 Minuten einwirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Vorsicht!

Menschen mit einer Kuhmilcheiweißallergie dürfen den Quarkwickel nicht anwenden. Gleiches gilt bei offenen Wunden.

Mädesüß ist eine einheimische Heilpflanze

Mädesüßtee

Die Blüten und das Kraut vom Mädesüß enthalten eine Vorläufersubstanz der sogenannten Acetylsalicylsäure (ASS), besser bekannt unter dem Markennamen Aspirin®. Der fiebersenkende und schmerzlindernde Inhaltsstoff der Mädesüßblüten und dessen Kraut sind aber für den Körper weniger belastend als ASS, da die aktive Substanz erst im Körper selbst gebildet wird.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (1 Gramm) getrocknete Mädesüßblüten oder einen Teelöffel (1-2 Gramm) Mädesüßkraut (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Pflanzenteile, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn Minuten ziehen lassen, dann die Blüten oder das Kraut abseihen.

Trinken Sie bis zu drei Tassen Mädesüßtee täglich. Bis eine Wirkung spürbar wird, können zwei Stunden oder mehr vergehen. 

Vorsicht!

Nicht bei einer Allergie gegenüber Salicylaten anwenden. Die gleichzeitige Anwendung von Salicylaten und anderen „Nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR) sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Bekannte NSAR-Wirkstoff sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Mädesüß bei schwangeren und stillenden Frauen vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden.

Weidenrindentee

Auszüge aus der Weidenrinde werden schon seit Jahrhunderten gegen Fieber und Schmerzen angewendet. Das Wirkprinzip ist mit dem vom Mädesüß vergleichbar. Bei der Anwendung der Weidenrinde als Tee ist zu beachten, dass ein Effekt frühestens zwei Stunden nach der Einnahme einsetzt. Grund hierfür ist, dass der Hauptinhaltsstoff, das Salicin, erst im Körper zur wirksamen Salicylsäure umgewandet werden muss.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (2 Gramm) getrocknete Weidenrinde (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kaltem Wasser. Sie können lose Rinde oder einen Teefilter beziehungsweise ein Tee-Ei verwenden. Die Mischung zum kochen bringen, dann den Topf vom Herd nehmen und 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach die Rinde absieben und den Tee trinken.

Pro Tag können drei bis fünf Tassen Weidenrindentee getrunken werden.

Vorsicht!

Nicht bei einer Allergie gegenüber Salicylaten anwenden. Die gleichzeitige Anwendung von Salicylaten und anderen „Nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR) sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Weidenrinden bei schwangeren und stillenden Frauen vorliegen, sollte auf eine Anwendung verzichtet werden.

Holunderblütentee

Ein Tee mit Holunderblüten wirkt leicht schweißtreibend und eignet sich bei leichtem Fieber mit Kältegefühl bis Schüttelfrost. Die schweißtreibende Wirkung geht vermutlich auf die enthaltenen Glykoside der Holunderblüten zurück. Abschließend kann die Frage nach dem fiebersenkenden Wirkmechanismus aber noch nicht beantwortet werden. 

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion zwei bis drei Teelöffel (3-4 Gramm) getrocknete Holunderblüten (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, dann die Blüten abseihen.

Trinken Sie bis zu drei Tassen Holunderblüten täglich, bevorzugt in der zweiten Tageshälfte.

Vorsicht!

Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Holunderblüten bei Schwangerschaft und während der Stillzeit vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden.

Info!

Hausmittel können Fieber lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Behandlungen ergänzen oder alleinig angewendet werden. Dennoch haben Hausmittel auch ihre Grenzen. Sollte das Fieber länger als drei Tage anhalten oder trotz Behandlung andauern oder sich sogar verschlimmern, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Andere Gründe, für die eine medizinische Konsultation notwendig ist, finden Sie oben im Kapitel „Wann sollten Sie zum Arzt gehen?“

Quellen und Literatur

European Medicines Agency (EMA): Community herbal monograph on Filipendula ulmaria (L.) Maxim., herba. 2011. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-filipendula-ulmaria-l-maxim-herba-first-version_en.pdf, Zugriff am 31.03.2020.

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Salix [various species including S. purpurea L., S. daphnoides Vill., S. fragilis L.], cortex. 2017. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-salix-various-species-including-s-purpurea-l-s-daphnoides-vill_en.pdf, Zugriff am 31.03.2020.

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Sambucus nigra L., flos. 2018.Online Portal: https://www.fitoterapia.net/archivos/201807/wc500251100.pdf?1, Zugriff am 31.03.2020.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Hausmittel gegen Reizhusten durch Viren und Bakterien

Reizhusten ist ein Husten ohne Auswurf. Ausgelöst wird er durch eine Reizung der Atemwege, die von Viren und Bakterien verursacht werden. Hausmittel können den Hustenreiz lindern und die Abheilung fördern. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Gesunde Menschen brauchen keine Atemschutzmaske als COVID-19 Schutz

Was ist Reizhusten?

Reizhusten entsteht durch die Reizung der unteren Atemwege und ist ein Reflex: In der Schleimhaut vom Rachen befinden sich Husten-Rezeptorstellen, die bei gesunden Menschen von einer Schleimhautschicht bedeckt sind. Ist diese Schleimschicht trocken und beeinträchtigt, werden die Husten-Rezeptorstellen angegriffen, und es kommt zu einem Hustenreiz. Dabei wird ein ruckartiges Ausstoßen von Luft von der Atemmuskulatur erzeugt, um Krankheitskeime oder andere Schadstoffe aus den Atemwegen zu befördern. Aus diesem Grund sollte ein Hustenreflex möglichst nicht unterdrückt werden.

Oft tritt akuter Reizhusten zu Beginn einer akuten Bronchitis, Kehlkopfentzündung, Entzündung der Luftröhre, Tumore und bei kleinen Verstopfungen von Blutgefäßen in der Lunge (Lungenembolie). Auch das COVID-19 Virus verursacht Reizhusten.

Zudem können Reizungen der Nase, Nasennebenhöhlen und im Rachenraum trockenen Reizhusten auslösen. Gleiches gilt für bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel ACE-Hemmer. Sie werden gegen Herzschwäche (Herzinsuffizienz und Bluthochdruck) eingenommen: Reizhusten ist dann eine Nebenwirkung dieser Medikamente.

Wissenswertes!

Reizhusten wird auch als trockner Husten oder unproduktiver Husten bezeichnet, da dieser Husten ohne Auswurf einhergeht. Bei Husten mit Auswurf wird hingegen von Schleimhusten oder produktivem Husten gesprochen. Bei Schleimhusten sind die Atemwege wie beim Reizhusten überansprucht, wobei die Ursachen unterschiedlich sein können. Gleiches gilt für Bluthusten: Diese Husten-Form tritt bei schweren Krankheiten wie bei einer schweren Bronchitis mit Blutung der Schleimhaut oder Tuberkulose auf. Sehr selten können auch Krankheiten, die die Blutgerinnung beeinträchtigen wie die Bluterkrankheit oder die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie zum Beispiel Marcumar, Bluthusten auslösen.

Meistens dauert akuter Husten weniger als vier Wochen an, wenn er durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird. Verschwindet der Husten nach drei oder vier Wochen nicht, wird er als chronischer Husten oder Dauerhusten bezeichnet. Von chronischem Husten betroffen sind oft Menschen mit chronischer Bronchitis, Asthma oder Allergien. 

Reizhusten: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Bei Reizhusten ist die Schleimhaut im Rachen im wahrsten Sinne des Wortes gereizt. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie bei Husten in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie lang anhaltende, ausgeprägte Hustenanfälle haben.
  • Sie länger als eine Woche unverändert stark von Reizhusten betroffen sind.
  • Sie von Atemnot betroffen sind.
  • Sie zunehmend matter werden und Fieber hinzukommt.
  • Ihr Husten schmerzhaft und stärker wird.
  • Sie Blut beim Abhusten sehen.
  • Sie Kontakt mit Personen hatten, die eine Infektionskrankheit haben.
  • Sie in der Vergangenheit eine bekannte Krebserkrankung hatten oder an einer Immunschwäche leiden.

Die besten Hausmittel gegen Reizhusten

Um die gereizte Rachenschleimhaut zu beruhigen, ist Feuchtigkeit das Mittel der ersten Wahl. Zur Verfügung stehen zum Beispiel Kräutertees und Inhalationen. Auch Wickel oder Inhalationen mit Pflanzenextrakten können bei Reizhusten helfen. Bei Reizhusten mit Fieber, darf nicht gebadet werden, da das Herz-Kreislaufsystem überansprucht werden kann.

Malventee

Die Blätter und Blüten der Malve sind reich an sogenannten Schleimstoffen. Werden sie mit Wasser übergossen, gehen sie in die Flüssigkeit über. Gelangen die Schleimstoffe in den Mund und Rachen breiten sie sich wie ein schützendes Gel aus und lindern so den Hustenreiz.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknete Malvenblätter (1,8 Gramm) oder Malvenblüten (1-2 Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blätter oder Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen, dann die Blätter oder Blüten abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Malvenblättern in kleinen Schlucken. Bei angegriffener Schleimhaut in Mund und Rachen können Sie den Auszug für einige Sekunden im Mund halten und verteilen, bevor Sie den Tee herunterschlucken. So verteilen sich die schützenden Schleimstoffe noch besser. Alternativ können Sie den Tee auch wieder ausspucken oder zum Gurgeln verwenden. Dazu sollte er jedoch kalt sein.

Trinken Sie täglich bis zu drei Tassen Malventee.

Vorsicht!

Ob Malvenblätter und Malvenblüten in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen mit der Malve während dieser Zeit nicht angewendet werden.

Malven stecken voller schleimhautschützender Schleimstoffe

Bienenwachs-Wickel

Ein Bienenwachs-Wickel ist eine Stoffkompresse, die mit Bienenwachs beschichtet ist. Sie wird auf die Brust und den Rücken aufgetragen. Sie speichert, vertieft und reguliert die körpereigene Wärme und kann so den Hustenreiz abmildern. 

Anwendung

Aufgewärmt wird die Kompresse für zwei bis vier Minuten im Backofen bei 40°C oder sie wird auf eine Wärmflasche gelegt. Anschließend wird die Kompresse auf die Brust und bei Bedarf zusätzlich auf den Rücken gelegt. Dort kann der Bienenwachs-Wickel 20 Minuten oder mehrere Stunden wirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Sie erhalten Bienenwachskompressen in Apotheken, Reformhäusern oder im Online-Handel. Ein Vorteil der Kompressen ist ihre Wiederverwertbarkeit: Sie können für zehn bis zwölf Anwendung gebraucht werden.

Vorsicht!

Achten Sie darauf, dass der Bienenwachs-Wickel nicht zu heiß auf die Haut aufgetragen wird. Es kann sonst zu Verbrennungen kommen.

Kartoffelwickel

Der bewährte Kartoffel-Brustwickel lindert den Hustenreiz. Dazu werden 300 Gramm frische Pellkartoffeln mit Schale in ein längs gefaltetes Handtuch gegeben und zerdrückt.

Anwendung

Legen Sie die Kartoffelmasse auf die Brust und umwickeln Sie diese mit einem großen Handtuch, um die Wärme zu erhalten und die Masse zu fixieren. Lassen Sie den Kartoffelwickel 20 Minuten oder länger einwirken. Danach die Masse entfernen und ruhen.

Vorsicht!

Die Kartoffelmasse sollte nicht zu heiß sein.

Desinfizierender Raumduft mit Kiefernnadelöl

Während Feuchtigkeit in der Luft die gereizten Schleimhäute der Atemwege beruhigt, hat Kiefernnadelöl eine leicht desinfizierende Wirkung.

Anwendung

Befüllen Sie eine Schale mit Wasser und geben Sie fünf Tropfen Kiefernnadelöl (Apothekenqualität) hinzu. Stellen Sie das Schälchen an einen warmen Platz, zum Beispiel auf die Heizung oder den Ofen und atmen Sie die Dämpfe ein. Das Schälchen mit dem Kiefernnadelöl sollte in einem Raum stehen, indem Sie sich häufig aufhalten.

Vorsicht!

Wenn Sie an Asthma leiden oder Keuchhusten diagnostiziert wurde, darf kein Kiefernnadelöl angewendet werden. In großen Mengen, kann die direkte Inhalation von konzentriertem Kiefernnadelöl die Haut und Schleimhäute reizen.

Thymiantee

Das Kraut vom Thymian lindert Reizhusten indem seine Inhaltsstoffe (Flavonoide und ätherische Öle) die Bronchialmuskulatur entspannen. Gerade bei krampfartigem Husten, der mit Schmerzen verbunden ist, ist eine Tasse Thyimantee wohltuend.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknetes Thymiankraut (1,5 Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann das Kraut abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Thymiankraut in kleinen Schlucken. Im Tagesverlauf nehmen Erwachsene bis zu drei Tassen ein.

Vorsicht!

Ob Thymiankraut in therapeutischen Mengen in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen mit dem Thymian während dieser Zeit nicht angewendet werden.

Heilpflanzen für Dummies
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Efeu-Brausetabletten

Bestimmte Inhaltsstoffe der Efeublätter mildern trockenen Reizhusten und lindern die Entzündung der Atemwege. Angewendet werden die Extrakte aus den Efeublättern nur in Form von Fertigarzneimitteln, die in Apotheken erhältlich sind: Die Herstellung von korrekt dosierten Tees ist schwierig, da die enthaltenen Inhaltsstoffe punktgenau abgemessen werden müssen. 

Anwendung

Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene nehmen zwei mal täglich 1 Brausetablette (600 Milligramm) aufgelöst in Wasser ein.

Über die richtige Dosierung von Jugendlichen und Kindern unter 12 Jahren geben Apotheker-Innen und Ärzt-Innen Auskunft.

Vorsicht!

Efeu-Brausetabletten dürfen nicht zusammen mit hustenreizstillenden Medikamenten wie Codein eingenommen werden. Menschen mit Magenschleimhautentzündung oder Magengeschwüren sollten Efeu-Extrakte nur nach Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt einnehmen, da die Inhaltsstoffe die Schleimhäute im Magen reizen können.

Anti-Hustenreiztee

Gegen gereizte, entzündete Schleimhäute kann eine Mischung aus verschiedenen Heilpflanzen helfen. Für 100 Gramm Anti-Hustenreiz-Teemischung brauchen Sie:

  • 40 Gramm Eibischwurzeln
  • 40 Gramm Malvenblätter
  • 20 Gramm Kamillenblüten

Kaufen Sie die Zutaten in der Apotheke oder im Reformhaus. Achten Sie dabei auf das Qualitätsmerkmal „Arzneiqualität“. Nur so ist die erforderliche Menge an wirksamen Inhaltsstoffen garantiert. Vermischen Sie die Zutaten und geben Sie diese in eine beschriftete Teedose.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel der Teemischung (1,5 Gramm) mit 250 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Kräuter, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann das Kraut abseihen.

Trinken den ausreichend abgekühlten Tee in kleinen Schlucken. Im Tagesverlauf nehmen Erwachsene bis zu drei Tassen ein.

Vorsicht!

Ob die Heilpflanzen in therapeutischen Mengen in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen der Teemischung während dieser Zeit nicht angewendet werden. 

Auch bei bekannten Allergien und Unverträglichkeiten gegenüber eine oder mehrere Heilpflanzen der Teemischung sollten Sie auf die Anwendung verzichten.

Einreibungen

Salben, Cremes und Gele mit ätherischen Ölen wie Kampfer, Fichte, Kiefer und Eukalyptus entspannen die Atemwegsmuskulatur und lindern den Hustenreiz. Entsprechende Präparate können Sie in der Apotheke oder in Drogerien kaufen.

Anwendung

Bitte wenden Sie das Präparat nach den Anweisungen des Herstellers an.

Vorsicht!

Bitte beachten Sie die Warnhinweise der Hersteller.

Info!

Hausmittel können je nach Stärke der Symptome und Krankheitsbild Reizhusten lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Therapien ergänzen oder alleinig angewendet werden. Wichtig ist, dass Hausmittel immer einen Effekt auf die Gesundheit auslösen – so mild sie auch sein mögen. Sollte jedoch Ihre Ärztin oder Ihr Arzt der Meinung sein, dass die Anwendung von Hausmitteln den Erfolg einer anderen medizinisch notwendigenTherapie behindern könnte, sollen Sie auf den Einsatz der Hausmittel verzichten.

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Quellen und Literatur

Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007.

Committe on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L., flos. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-european-union-herbal-monograph-malva-sylvestris-l-flos-first-version_en.pdf, Zugriff am 18.03.2020.

Committe on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L. and/or Malva neglecta Wallr., folium. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-european-union-herbal-monograph-malva-sylvestris-l/malva-neglecta-wallr-folium-first-version_en.pdf, Zugriff am 18.03.2020.

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Lavendel – das violette Duftwunder für einen ruhigen Geist

Der Lavendel ist das Symbol der Provence. Durch seine wohltuenden und beruhigenden Wirkungen, gehört das violette Duftwunder zu den beliebtesten Heilpflanzen überhaupt. Heute wird das ätherische Lavendelöl standardmäßig in der Medizin als Arzneimittel eingesetzt. Wem die Heilpflanze helfen kann, und wie der Lavendel als Hausmittel richtig eingesetzt wird, das erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Lavendel ist ein Duft- und Heilpflanze

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Im August, dem heißesten Monat des Jahres, ist die beste Zeit für die Lavendelernte. Die Trockenheit und die Hitze bewirken, dass die ätherischen Öle in die Blüte steigen. Anschließend werden die blau-violetten Blüten zur Destillerie gebracht, wo ihnen das ätherische Öl entzogen wird. Jede Destillerie hat hierfür ihre eigenen Methoden. In den meisten Fällen wird das ätherische Öl den Blüten jedoch mit Hilfe von Wasserdampf entzogen. Dazu wird in einem Heizkessel Wasser erhitzt. Der dabei entstehende Wasserdampf wird in einen großen Behälter, dem Destillierkolben geleitet. In diesem Destillierkolben liegen gleichmäßig verteilet, aber dicht gepresst die geernteten Lavendelpflanzen. 

Ätherisches Lavendelöl und Lavendel-Hydrolate

Durch den Wasserdampf werden die ätherischen Öle aus dem Lavendel freigesetzt, sodass er sich mit ihnen vermischt. Dann wird der Wasserdampf in ein Gefäß mit kaltem Wasser geleitet, sodass er kondensiert. In der dabei entstehenden Flüssigkeit schwimmt das ätherische Öl oben, weil es eine niedrigere Dichte als das Wasser hat. Dadurch wird einerseits das reine Lavendelöl gewonnen und gleichzeitig auch das Lavendel-Hydrolat. Ein Hydrolat ist ein „übrig gebliebenes“ Wasser mit Spuren vom ätherischen Lavendelöl. Hydrolate werden zum Beispiel zum Parfümieren von Wäsche verwendet. Zudem kommt es in der Aromatherapie zum Einsatz.

Reines Lavendelöl hat eine gelbliche Farbe. Es duftet süßlich und frisch. Um einen Liter davon herzustellen, werden rund 130 Kilogramm Lavendelpflanzen gebraucht.

Weiße, rosa und blau-violette Lavendelblüten

Es gibt weit über 200 verschiedene Lavendelarten. Sie unterscheiden sich durch ihre Blüten und deren Farben, ihre Blätter und auch durch ihren Duft. Zudem müssen vor allem zwei Lavendel-Pflanzensorten unterschieden werden: der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) und der Speick-Lavendel, dem Lavandin. Lavandin ist eine Kreuzung, die entweder auf natürliche Weise entsteht oder bewusst gezüchtet wird. 

Der Echte Lavendel ist eine Heilpflanze und hat therapeutische Eigenschaften. Er wirkt zum Beispiel beruhigend und krampflösend. Auch helfen die Extrakte aus dem Echten Lavendel bei Magenkrämpfen und Nervosität. 

Bei der Sorte Lavandin handelt es sich um eine sterile Pflanze. Sie enthält mehr Kampfer als der Echte Lavendel, weswegen sie intensiver duftet als der Echte Lavendel. Aus diesem Grund kommt das preiswerte Lavandin oft in der Industrie als Zusatz von Reinigungsmitteln zum Einsatz. Zu medizinischen Zwecken ist der Echte Lavendel dem Lavandin überlegen.

Lavendel: entspannungsfördernde Terpene und Gerbstoffe

Würden alle 200 verschiedene Lavendelsorten in ihre „Einzelteile“, die Inhaltsstoffe, aufgetrennt werden, so käme als Ergebnis eine Mischung aus über 2.000 verschiedenen Komponenten dabei heraus! Wissenschaftler vermuten, dass zwischen 15 und 20 Prozent dieser Inhaltsstoffe eine Wirkung auf die Gesundheit haben. Diese gewaltige Menge verschiedener Inhaltsstoffe lässt bereits vermuten, dass keine einzelne Substanz für die medizinischen Wirkungen vom Lavendel verantwortlich ist: und so ist es auch. Dennoch gibt es einige Schlüssel-Inhaltsstoffe im Lavendel, die für die Hauptwirkungen der Heilpflanze unerlässlich sind. Durch diesen Umstand sind die vielen anderen Substanzen jedoch keineswegs wertlos, denn sie unterstützen die Schlüssel-Inhaltsstoffe, damit sie deren Wirkung voll entfalten können.

Der Lavendel hat zwei Wirkstoffe: Lavendelblüten und das ätherische Öl (Lavendelöl). Das ätherische Lavendelöl wird aus den Blüten vom Echten Lavendel gewonnen.

Inhaltsstoffe medizinischer Lavendelblüten

Medizinische Lavendelblüten enthalten mindestens 1,5 Prozent ätherisches Öl. Es setzt sich hauptsächlich aus Monoterpenen wie Linalylacetat, Linalool, Campher, Ocimen und Cineol zusammen. Linalyacetat hat beruhigende und entspannungsfördernde Wirkungen. Zudem ist es für den typischen Duft der Pflanze verantwortlich. Linalool hat desinfizierende, keimhemmende und antientzündliche Eigenschaften.

Zudem enthalten getrocknete Lavendelblüten bis zu zwölf Prozent Gerbstoffe, sogenannte Lamiaceen-Gerbstoffe. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören Rosmarinsäure und Chlorogensäure. Auch Flavonoide, Triterpene und Phytosterole sind in den Lavendelblüten in kleinen Mengen zu finden.

Inhaltsstoffe von medizinischem Lavendelöl

Lavendelöl setzt sich aus ätherischen Ölen zusammen. Um einen therapeutischen Nutzen zu haben, muss es 25 bis 46 Prozent Linalylacetat und 20 bis 45 Prozent Linalool enthalten. Andere Inhaltsstoffe kommen in Spuren vor.

Lavendel-Extrakte verbessern den gesunden Schlaf

Lavendel in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Lavendelblüten und Lavendelöl werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) empfohlen, um leichte Symptome zu lindern. Zum Beispiel bei:

  • psychischem Stress und Erschöpfung, zum Beispiel durch Verluste von geliebten Menschen und Tieren, durch psychische Belastungen vor und während Prüfungen, durch familiäre Belastungen und Probleme beim Arbeitsplatz
  • Schlafbeschwerden, zum Beispiel bei angstbedingten Schlafbeschwerden und bei Ein- und Durchschlafbeschwerden durch Stress

Der Einsatz von Lavendelblüten und Lavendelöl werden ab dem vollendeten zwölften Lebensjahr empfohlen.

Wissenswertes

Äußert sich der psychische Stress durch depressive Symptome, ist die Anwendung von Johanniskraut gut geeignet. Das Johanniskraut ist die einzige Heilpflanze, die derzeit auch in der konventionellen Medizin als wirksames Arzneimittel zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Depression anerkannt ist.

Anwendungsgebiete aufgrund der Studienlage

Die Wirkungen von Lavendelblüten und Lavendelöl werden derzeit weiter erforscht. Aufgrund erster Studienergebnisse können sie innerlich und äußerlich angewendet helfen bei:

  • Stimmungsschwankungen, die mit Unruhe, Rastlosigkeit, Reizbarkeit oder Schlaflosigkeit einhergehen
  • Schmerzen im Unterbauch (Unterleib)
  • Blähungen und Bauchkrämpfe durch Nervosität

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zudem die Anwendung von Bädern mit Lavendelblüten-Extrakten oder Lavendelöl bei:

  • Herz-Kreislaufbeschwerden 

Anwendungsgebiete aufgrund von Erfahrungswissen

Die medizinische Anwendung von Lavendelblüten und Lavendelöl haben eine lange Tradition. Sie werden daher traditionell äußerlich eingesetzt bei:

  • Kopfschmerzen
  • Erkältung
  • Wunden wie Schrammen, Insektenstiche, Prellungen

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz von Lavendelblüten und Lavendelöl

 

Einzelportion

Tagesmenge

Einsatz als

Lavendelblüten

1-2 Gramm

3-6 Gramm

Tee

Lavendelöl (innere Anwendung)

20-80 Milligramm

80 Milligramm

Fertigarzneimittel oder Tropfen in Wasser

Lavendelöl (äussere Anwendung)

60-3.000 Milligramm

60-3.000 Milligramm

Inhalat, Badezusatz

Getrocknete Lavendelblüten und Lavendelöl erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und in der Drogerie. Achten Sie bitte auf das Qualitätsmerkmal „Arzneimittelqualität“. Hierbei handelt es sich um schadstoffgeprüfte Ware mit einem garantierten Anteil an Inhaltsstoffen.

Lavendelblütentee kann den nervösen Magen beruhigen

Basisrezepte mit Lavendel

Lavendelblüten-Tee

Übergießen Sie für eine Portion einen Teelöffel (1,5 Gramm ) getrocknete Lavendelblüten (Arzneiqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen, dann die Blüten abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Lavendelblüten dreimal täglich in kleinen Schlucken. 

Lavendelölbad gegen Stress

Lassen Sie für ein Vollbad rund 100 Liter Wasser mit einer Temperatur von 37°C in die Badewanne ein. Geben Sie ein bis drei Gramm Lavendelöl in das Badewasser. 50 Tropfen ergeben rund ein Gramm. Baden Sie für rund 15 Minuten, und ruhen Sie sich anschließend für 15 bis 30 Minuten aus. Wiederholen Sie das Bad täglich, bis sich die Symptome bessern.

Tipp! 

Auch die Extrakte der Rosenwurz können bei vorübergehendem Stress helfen. Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Anti-Kopfschmerz-Inhalation mit Lavendelöl

Nehmen Sie für die Inhalation ein größeres, breites Gefäß. Geben Sie in das Gefäß etwa ein Liter heißes Wasser und fünf bis acht Tropfen des ätherischen Lavendelöls. Zur Inhalation legen Sie sich ein großes Handtuch über den Kopf, damit die Dämpfe nicht entweichen können.

Inhalieren Sie je nach Intensität der Beschwerden zwei bis dreimal täglich zwischen fünf und zehn Minuten.

Tipp!

Eine Inhalation mit Lavendelöl kann auch bei Erkältung und Atemwegsbeschwerden helfen. Geben Sie drei Tropfen Lavendelöl in eine Duftlampe und inhalieren Sie die Dämpfe 30 Minuten ein.

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Die unerwünschten Wirkungen vom Lavendel

Unerwünschte Wirkungen zu den Lavendelblüten sind nicht bekannt.

Empfindsame Menschen können durch Lavendelöl Kopfschmerzen bekommen. Durch das direkte Auftragen auf die Haut kann es zudem selten zu allergischen Reaktionen kommen. Bei innerer Anwendung sind Nebenwirkungen wie Aufstoßen, Übelkeit und Verstopfung möglich. Zudem kann Lavendelöl schläfrig machen. Dadurch kann die Reaktionszeit negativ beeinträchtigt werden. Dies ist beim Autofahren oder dem Bedienen von anderen Maschinen zu bedenken.

Für Babys und Kleinkinder ist die Anwendung von ätherischen Ölen in Kopfnähe ungeeignet. Die Anwendung im Bereich des Kopfes kann zu Krämpfen und Atemlähmungen führen.

Literatur und Quellen

European Medicines Agency (EMA) (2010): Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, flos. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-lavandula-angustifolia-p-mill-flos_en.pdf, Zugriff am 09.03.2020.

European Medicines Agency (EMA) (2011): Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, aetheroleum. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-lavandula-angustifolia-miller-aetheroleum_en.pdf, Zugriff am 09.03.2020.

World Health Organiziation (2007): WHO monographs on selected medicinal plants. Volume 3. Genf.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Rosenwurz (Rhodiola rosea) für starke Nerven, Kraft und Ausdauer

Die Rosenwurz ist eine widerstandsfähige Pflanze für starke Nerven, Kraft und Ausdauer. Welche Wirkungen die Rosenwurz außerdem hat, und in welchen Lebensphasen die Heilpflanze besonders geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Rosenwurz: stressresistente Pflanze gegen Stress

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Raue, eisige Winde fegen über die zerklüftete, karge Landschaft. Dann kommt der Winter und der Schnee breitet sich wie ein Mantel aus. Unter dem Mantel ruht geduldig die Rosenwurz.

Anpassungsfähig und stressresistent

Wenn im Frühjahr die Schneeschmelze beginnt, dann erwacht die Rosenwurz überall dort wo sie zu Hause ist aus ihrem Winterschlaf: In Skandinavien, in Grönland und in Sibirien zum Beispiel. Ihre dicken Stängel und ihre fleischigen Blätter verhelfen ihr zu Stabilität, denn schließlich ist es nicht leicht sich in einer derart stressreichen Umgebung zu behaupten. Vielleicht liegt das Geheimnis der hohen Widerstandsfähigkeit der Rosenwurz aber auch in ihr selbst, genauer in ihren Inhaltsstoffen, die ihr dazu verhilft Zeiten eisiger Kälte, extremer Wärme und bei Sturm, Hagel und Gewitter stabil und stark zu bleiben.

Unterstützer für mehr Ausdauer

Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 1.000 vor Christus. Sie leben in Norwegen und die Jahreszeiten, das Wetter und der lange, dunkle Winter machen Ihnen schwer zu schaffen. Dass Sie die Blätter der Rosenwurz essen können, wissen Sie bereits und auch die Wurzel, die einen herrlichen rosenartigen Duft verbreitet, ist offensichtlich ungiftig. Sie probieren ein wenig davon und bemerken wenige Tage später, dass Sie sich aufmerksamer, kräftiger, fitter und wacher fühlen.

So oder so ähnlich könnte es gewesen sein, als die ersten Menschen Erfahrungen mit der Wurzelheilkraft der Rosenwurz machten. Sicher ist: das Wissen wurde innerhalb verschiedener Völker und von Generation zu Generation weitergegeben – bis in die heutige Zeit.

Sekundäre Pflanzenstoffe gegen Stress

Die Rosenwurz-Wurzel enthält ein spezielles Inhaltsstoffgemisch, dass die Bildung.des Stresshormons Cortison reduziert und die Zellatmung fördert. Einer der wichtigsten Inhaltsstoffe der Rosenwurz-Wurzel ist die Substanz namens Salidrosid. Die Rosenwurz-Wurzel speichert neben dem Salidrosid außerdem verschiedenste sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe zu denen beispielsweise Rosavin und Rosin gehören. Alle Inhaltsstoffe der Rosenwurz wirken gemeinschaftlich und entfalten so deren antioxidativen und leistungssteigernden Eigenschaften.

Die Rosenwurz-Wurzel in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Die Rosenwurz-Wurzel ist eine Heilpflanze für besondere Situationen, beispielsweise wenn:

  • Sie wegen einer Krankheit oder durch viel Stress unter Müdigkeit und Erschöpfung

Anwendungsbereiche aufgrund der Studienlage

Die Wurzeln der Rosenwurz-Wurzel werden schon lange in der Naturheilkunde eingesetzt und werden weiter erforscht. Aufgrund von Erfahrungen und Studien könnten die Extrakte aus den Wurzeln helfen, wenn:

  • Sie stressbedingt schlecht abnehmen. Die Rosenwurz-Wurzel kann den Cortison-Spiegel senken, sodass etwa Symptome wie Heißhunger nachlassen. Untersuchungen zur Wirksamkeit der Rosenwurz-Wurzel zur Unterstützung beim Abnehmen basieren bislang auf Tierversuchen.
  • Sie Ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern wollen. Studien am Menschen zeigen, dass die Extrakte aus der Rosenwurz zur geistigen und körperlichen Leistungssteigerung Sowohl die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis werden Studien zufolge durch die Rosenwurz-Wurzel verbessert. Auch bei Ausdauer-Sportlern kann der Extrakt positiv auswirken, weil die Erschöpfung erst später einsetzt.

Sie von einer depressiven Verstimmung oder einer leichten Depressionen betroffen sind: Mehrere Studien an Menschen zeigen eine stimmungsaufhellende, anregende und müdigkeitsvertreibende Wirkungen. Bei einer Depression sollten die Extrakte aus der Rosenwurz-Wurzel nur nach Absprache mit einem Arzt erfolgen.

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Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz der Rosenwurz-Wurzel

 

Rosenwurz-Wurzel

Einzelportion (Trockenextrakt)

144-200 Milligramm

Tagesmenge (Trockenextrakt)

144-400 Milligramm

Tagesmenge Wurzel

keine Angabe

Einsatz auch als

Tee, Tinktur

Die Extrakte aus der Rosenwurz-Wurzel sind in der Europäischen Union als traditionelles Arzneimittel zugelassen. Um eine ausreichend hohe und gleichmäßige Dosierung zu gewährleisten, ist es empfehlenswert Extrakte aus der Rosenwurz-Wurzel in Form von Fertigarzneimitteln einzunehmen. Die Wurzel kann zudem als Hausmittel, zum Beispiel als Tinktur zubereitet werden und als Nahrungsergänzungsmittel erworben werden. Die Qualität ist jedoch geringer als die von Fertigarzneimitteln.

Basisrezept mit Rosenwurz-Wurzel

Rosenwurz-Wurzel-Tinktur

Bereiten Sie eine Braunglasflasche (Fassungsvermögen 100 Milliliter) vor, indem Sie Namen und Herstellungsdatum der Tinktur auf ein Etikett schreiben. Füllen Sie zehn Gramm grob geschnittene Rosenwurz-Wurzel in die Braunglasflasche und füllen Sie diese mit hochprozentigem Alkohol (50 Prozent oder mehr) auf. Verschließen Sie die Flasche und lagern Sie diese an einem warmen Ort. Schütteln Sie die Tinktur täglich. Nach vier Wochen kann die Wurzel abgefiltert werden.

Nehmen Sie bis zu dreimal täglich einen Teelöffel der Tinktur 15 Minuten vor einer Mahlzeit ein.

Die Rosenwurz als Lebensmittel

In Ländern in denen die Rosenwurz zu Hause ist, werden die jungen Triebe, Blätter und Stängel als Lebensmittel verzehrt. Blätter und Triebe können gekocht und als Gemüse genossen werden, der Stängel wird in manchen Kulturen auch roh verzehrt. 

Die unerwünschten Wirkungen der Rosenwurz

Personen mit psychischen Krankheiten, Erkrankungen der Leber und der Nieren, sollten die Anwendung vorab mit ihrem Arzt absprechen. Der Rosenwurz sollte nicht in der Schwangerschaft, Stillzeit und vor dem vollendeten 18. Lebensjahr angewendet werden.

Literatur und Quellen

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Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Community herbal monograph on Rhodiola rosea L., rhizoma et radix. https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-rhodiola-rosea_en.pdf, Zugriff am 27.01.2019

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Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

 

Pfefferbaum (Schinus molle)

Der Pfefferbaum gilt in vielen südamerikanischen Ländern als ein medizinisches Allroundtalent. Seine Blätter, Früchte und das ätherische Pfefferbaumöl soll Krankheitskeime bekämpfen, bestimmte Blutkrebsarten eindämmen können und vieles mehr. Was an den Wirkungen vom Pfefferbaum dran ist und was der Pfefferbaum mit dem Pfeffer als Gewürz zu tun hat, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Rosa Pfeffer: die Früchte vom Pfefferbaum ähneln denen vom Schwarzen Pfeffer

Pfeffer, der keiner ist

Der Pfefferbaum, auch bekannt als Peruanischer Pfefferbaum, hat anders als man vermuten würde nichts mit dem Pfeffer als Gewürz zu tun. Während es sich bei dem Pfefferbaum tatsächlich um einen Baum handelt, wächst der Schwarze Pfeffer (lateinisch: Piper nigrum) auf kletternden Sträuchern. Auch die Herkunftsregionen beider Pflanzen sind höhst unterschiedlich: die Heimat vom Pfefferbaum sind mittel- und südamerikanische Länder wie Peru, Bolivien und Mexico. Der Pfefferstrauch ist hingegen in Asien beheimatet und wächst beispielsweise in Indien, Malaysia und Indonesien. 

Allerdings macht die Globalisierung auch vor Pflanzen nicht halt: Daher wird der Peruanische Pfefferbaum heute auch in Marokko, Südafrika und Australien angebaut und hat sich dort eingebürgert. Auch im Süden der USA sind die elegant aussehenden Pfefferbäume zu finden. 

Pfefferbaum: ein südamerikanischer Alleskönner?

Pfefferbäume haben in Südamerika eine lange Tradition. Zerreibt man die Laubblätter zwischen den Fingern, wird ein aromatischer Duft freigesetzt. Das liegt an den ätherischen Ölen, die eine leicht desinfizierende Wirkung haben. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die eingeborenen Südamerikaner die Blätter bereits seit langem medizinisch nutzen. Auch die Früchte kommen traditionell zu Einsatz.

Die Liste der traditionellen Anwendungsgebiete ist dementsprechend lang. Bei innerer Anwendung reicht sie von Beschwerden der Atemwege, Harnwege und Haut über Menstruationsbeschwerden bis hin zum Einsatz als Antidepressivum, Stimulans und Entwässerungsmittel. Äußerlich eingesetzt kommen Blätter, Früchte und das ätherische Öl traditionell als Antiseptikum, zur Wundheilung und zur Abwehr von Mücken und anderen Insekten zum Einsatz.

Das ätherische Pfefferbaumöl hemmt das Wachstum bestimmter Bakterien

Ein Baum, drei Wirkstoffe, viele Inhaltsstoffe

Früchte

Pfefferbaum-Früchte enthalten verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Darunter befinden sich Anthocanidine (Farbstoffe), Flavonoide und Gerbstoffe wie Gallotannine. Weiterhin speichern die Früchte verschiedene ätherische Öle, die weiter unten in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Blätter 

Die Blätter des Pfefferbaum enthalten Flavonoide, von denen Rutin als besonders wirksam gilt. Zudem sind die Blätter reich an Quercetin, Chologensäure und Gerbstoffen. Dadurch haben sie antioxdiave Wirkungen. Weiterhin speichern die Blätter nennenswerte Mengen ätherische Öle wie Alpha- und Beta-Pinen. Ätherische Öle haben eine antiseptische Wirkung und verleihen den Blättern ihren typischen Geruch.

Ätherische Öle

Ätherisches Öl wird sowohl aus den Früchten und den Blättern des Pfefferbaums gewonnen. Wichtige Bestandteile des ätherischen Öls sind Alpha und Beta-Pinen, Alpha-Cadinol, Myrcen und Sabinen. Sie wirken keimhemmend auf Bakterien und bestimmte Pilze. Laborstudien zufolge, bewirken die ätherischen Öle aus den Blättern des Pfefferbaums eine Aktivierung des Immunsystems.

Der Pfefferbaum in der Medizin

Anwendungsbereiche aufgrund von experimentellen Studien und Erfahrung

In der Erfahrungsheilkunde werden verschiedene Pflanzenteile vom Pfefferbaum schon lange in Peru, Mexiko und Bolivien sowie in anderen mittel- und südamerikanischen Ländern eingesetzt. Labor- und Tierstudien zufolge könnte der Pfefferbaum helfen wenn: 

  • Sie von einer Depression betroffen sind. In Laborstudien konnten Inhaltsstoffe aus dem ätherischem Öl des Pfefferbaums (Shyobunon und Preisocalamendiol) nachgewiesen werden, die möglicherweise die Funktion bestimmter Andock-Proteine von Nervenzellen verbessern können. Erste Tierstudien fielen bereits positiv aus: depressive Symptome besserten sich. Gesichert sind die Wirkungen vom Pfefferbaumöl (anders als etwa beim Johanniskraut) aber nicht. 
  • Sie von einer Entzündungskrankheit betroffen sind oder Schmerzen haben. Im Tierversuch milderte der Extrakt aus Pfefferbaum-Früchten entzündete Geschwüre und Schmerzen ab.
  • Sie eine bakterielle Infektion haben. In Laborstudien hemmte das ätherische Öl aus den Früchten und Blättern des Pfefferbaums Bakterien wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli. Auch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa konnte das ätherische Öl eindämmen. Die Wirkung fiel aber schwächer aus als bei den Staphylococcus und Escherichia coli-Erregern.

Ob das ätherische Öl und der Extrakt aus den Früchten aus dem Pfefferbaum auch bei Menschen wirksam ist, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Studien durchgeführt werden, in denen geprüft wird ob sich die Ergebnisse auch auf Menschen übertragen lassen. 

Anwendungsbereiche, die derzeit untersucht werden

Die Blüten, Blätter und das ätherische Öl vom Pfefferbaum werden derzeit in Laborstudien untersucht. Ziel ist es herauszufinden, ob die Extrakte das Potential haben, bei bestimmten Erkrankungen helfen zu können. Für eine Anwendung (auch für eine unterstützende) am Menschen ist es aber noch zu früh. Untersucht werden die Wirkungen der Pfefferbaumblätter beispielsweise bei:

  • Leukämie (HL-60 Leukämie-Zellen)
  • Brustkrebs
  • Pilzinfektionen, zum Beispiel Paracoccidioides brasiliensis: ein Pilz, der Husten, Fieber, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden auslösen kann
  • Parasiten wie die Leishmanien-Art Leishmania amazonensis und Haemonchus contortus (Roter Magenwurm): Leishmania amazonensis kommt in Gebieten des Amazon vor. Ein Befall löst bei Menschen unter anderem Geschwüre der Haut, im Mund und in der Nase aus. Der Rote Magenwurm ist ein Parasit, der Schafe und Ziegen befällt. Menschlicher Befall ist nicht bekannt.

Die Einzelportion und der richtige Einsatz von Pfefferbaumzubereitungen

 

Rosa Pfefferöl

Einzelportion

1 bis 2 Tropfen 

Einsatz als

Ätherisches Öl eingerührt in Creme, Salbe oder Lotion

In gut sortierten Gewürzhandlungen, Reformhäusern oder im Online-Handel ist der Rosa Pfeffer erhältlich. Bitte achten Sie beim Kauf auf die korrekte botanische Bezeichnung: Rosa Pfeffer wird von der Pflanze Schinus molle oder seinem Verwandten Schinus terebinthifolius geerntet und weiterverarbeitet. 100 Gramm kosten zwischen 8,00 Euro und 12,00 Euro. 

Auch ätherisches Rosa-Pfefferöl kann im deutschsprachigem Raum erworben werden. Drei Milliliter kosten etwa 10,00 Euro.

Rosa Pfeffer: Pfefferbaum-Früchte als Gewürz

Rosa Pfeffer hat einen aromatischen und würzigen Geschmack. Da er anders als der Schwarze Pfeffer kein Piperin enthält, hat er einen milden Geschmack und allenfalls eine leichte scharfe Note. Zudem sind die Früchte (Körner) weicher als die vom Schwarzen Pfeffer. Dennoch kann der Rosa Pfeffer genauso wie „herkömmlicher“ Pfeffer eingesetzt werden. Das mach ihn zu einem Kandidaten für sämtliche würzige Speisen, zum Beispiel für Aufläufe, Gemüsegerichte, Eierspeisen oder zu Fleisch und Fisch.

Rezept mit Rosa Pfeffer

Möhreneintopf mit Kichererbsen und Rosa Pfeffer 

Reich an Vitamin C und Eiweiß 

Für zwei Portion

300 Gramm geschälte Möhren

1 kleine Stange Porree (circa 150 Gramm)

1 kleines Stück frische, geschälte Ingwerknolle (circa 5 Gramm)

20 Gramm Butter, Margarine oder Kokosfett

1 gestrichenen Teelöffel Currypulver

Salz

400 Milliliter Gemüsebrühe (ohne Geschmacksverstärker)

120 Millilliter Orangensaft

1 Dose Kichererbsen (Abtropfgewicht 265 g)

1 Teelöffel gemahlener Rosa Pfeffer

Utensilien 

Kochtopf

Pürrierstab

Kochlöffel

Zubereitung

  • Die geputzten Möhren abspülen, abtropfen lassen und in kleine Stücke schneiden. Porree waschen, den Stängel am Wurzelende abschneiden und in in kleine Stücke schneiden. Nochmals waschen
  • Ingwer schälen und würfeln. 
  • Fett in einem Topf zerlassen. Ingwerwürfel, Möhren- und Porreestücke portionsweise hinzugeben und mit andünsten. Gemüse mit Curry und Salz würzen. Gemüsebrühe und Orangensaft hinzugießen, zum Kochen bringen und 10 bis 15 Minuten kochen lassen.
  • Die Kichererbsen in einem Sieb abtropfen lassen. Die Hälfte Kichererbsen unterrühren. Die Suppe pürieren und nochmals mit den Gewürzen abschmecken.
  • Restliche Kichererbsen in die Suppe geben und kurz miterwärmen.
  • Den Eintopf in zwei Portionen teilen und mit dem Rosa Pfeffer bestreut servieren.

Die Zubereitungszeit beträgt 30 Minuten.

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Die unerwünschten Wirkungen vom Pfefferbaum

Derzeit sind keine unerwünschten Wirkungen bei der Anwendung von Pflanzenteilen oder ätherischem Öl vom Pfefferbaum bekannt. Eine mögliche hautreizende Wirkung und Überempfindlichkeitsreaktioen werden diskutiert. Schwangere und stillende Frauen sollten dennoch vorsichtshalber keine Pfefferbaum-Zubereitungen zu medizinischen Zwecken einnehmen. Es fehlen Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Literatur und Quellen

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Bras C, Domíngues S, Codón S, et al.: Consequences of subchronic exposure to ethanolic extract from fruits and leaves of Schinus molle var. areira L. in mice. J Ethnopharmacol 2010 132:321-7. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874110005829?via%3Dihub, Zugriff am 27.01.2020.

Bras C, Gumilar F, Gandini N, et al.: Evaluation of the acute dermal exposure of the ethanolic and hexanic extracts from leaves of Schinus molle var. areira L. in rats. J Ethnopharmacol 2011:137:1450-6. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S037887411100609X?via%3Dihub, Zugriff am 27.01.2020.

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Feuereisen M, Zimmermann B, Schulze-Kayers N, et al.: Differentiation of Brazilian Peppertree (Schinus terebinthifolius Raddi) and Peruvian Peppertree (Schinus molle L.) Fruits by UHPLC-UV-MS Analysis of Their Anthocyanin and Biflavonoid Profiles. J Agric Food Chem 2017:65:5330-8. https://pubs.acs.org/doi/full/10.1021/acs.jafc.7b00480, Zugriff am 27.01.2020.

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Martins M, Arantes S, Candeias F, et al.: Antioxidant, antimicrobial and toxicological properties of Schinus molle L. essential oils. J Ethnopharmacol 2014:151:485-92. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874113007897?via%3Dihub, Zugriff am 27.01.2020.

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Marzouk M, Moharram F, Haggag E, et al.: Antioxidant flavonol glycosides from Schinus molle. Phytother Res 2006:20:200-5. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ptr.1834, Zugriff am 27.01.2020.

Ovidi E, Garzoli S, Laghezza M, et al.: GC-MS investigation and antiproliferative activities of extracts from male and female flowers of Schinus molle L. Nat Prod Res 2019:1-5. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/14786419.2019.1644628?journalCode=gnpl20, Zugriff am 27.01.2020.

St-Gelais A, Mathieu M, Levasseur V, et al.: Preisocalamendiol, Shyobunol and Related Oxygenated Sesquiterpenes from Bolivian Schinus molle Essential Oil. Nat Prod Commun 2016:11:547-50. (keine DOI)

Taylor A, Oyedeji O, Aremu O, et al.: Assessment of the analgesic, anti-inflammatory and sedative effects of the dichloromethanol extract of Schinus molle. Eur Rev Med Pharmacol Sci 2016:20:372-80. https://pdfs.semanticscholar.org/1440/d3cbfcffbd69be7a11a583d804d56939f8b6.pdf, Zugriff am 27.01.2020.

Zenebe S, Feyera T & Assefa S: In Vitro Anthelmintic Activity of Crude Extracts of Aerial Parts of Cissus quadrangularis L. and Leaves of Schinus molle L. against Haemonchus contortus. Biomed Res Int 2017. https://www.hindawi.com/journals/bmri/2017/1905987/, Zugriff am 27.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Amla: Indische Stachelbeere

Amla: Indische Stachelbeere

Emblica officinalis (Synonym: Phyllanthus emblica)

Indische-Stachelbeere mit positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem

Die Indische Stachelbeere (Amla) wird in der asiatischen und persischen Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt: Die säuerlich schmeckenden Früchte sollen die Gesundheit schützen oder zurück in die Balance bringen. Besonders bei zu hohen Cholesterinwerten und Bluthochdruck sollen sie effektiv sein. Was Amla-Früchte genau sind, wofür sie geeignet sind und wie sie richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Amla, die Indische Stachelbeere, hat viele gesundheitsfördernde Wirkungen

Indische Stachelbeeren wachsen auf Bäumen

Die Indische Stachelbeere (auch Amla oder Amala genannt) ist ein Baum, der in tropischen bis subtropischen Regionen in Asien wächst. Besonders wohl fühlen sich Amla-Bäume in Ländern wie Indien, Nepal und Thailand. Er kommt aber auch im Nahen Osten vor, zum Beispiel im Iran. Seine stachelbeerartigen Früchte sind essbar und werden zu medizinischen Zwecken eingesetzt. 

Nicht zu verwechseln sind Amla-Früchte mit europäischen Stachelbeeren. Diese wachsen auf Sträuchern und sind wegen ihres Zuckergehalts weitaus süßer als ihre indischen Namensschwestern. Auch aus botanischer Sicht haben die beiden Pflanzen wenig miteinander gemeinsam: Amla gehört zu der Familie der Phyllanthaceae, die europäische Stachelbeere ist ein Stachelbeergewächs (Grossulariaceae).

Stachelbeerpaste gegen Migräne?

Amla gehört in der Ayurveda zu den wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Heilpflanzen. Der Frucht wird dort ein besonders hoher Stellenwert zugemessen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meiste Forschung zu den medizinischen Wirkungen von Amla in Indien stattfindet. 

Helfen sollen die süßsauer bis bitter schmeckenden Früchtchen bei unzähligen Beschwerden: Traditionell werden die zerstoßenen Früchte als ein dicker Brei etwa als Haarmaske auf den Kopf aufgetragen, um so Migräne zu lindern. Neben der traditionellen Anwendung werden Amla-Früchte auch in der konventionellen Medizin zunehmend mit Interesse erforscht und angewendet, zum Beispiel zur Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislaufbeschwerden. 

Auch in der Tibetischen Medizin gehört Amla zu den wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Heilpflanzen. Die Früchte kommen in mehr als jedem zweiten tibetischen Arzneimittel vor. Das könnte daran liegen, dass tibetische Ärzte den Früchten regulierende und ausbalancierende Wirkungen auf den Geist und den Körper zusprechen. In Tibet selbst, wächst der Amla-Baum aber nicht. Seine Früchte werden üblicherweise aus Indien importiert.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine

Amla-Früchte speichern zahlreiche verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Dies sind zum Beispiel Gerbstoffe wie Ellagtannine und Flavonoide wie Quercetin, Astragalin und Catechin. Zusammengenommen haben die Inhaltsstoffe ausgeprägte antioxidative Wirkungen und entzündungshemmende Eigenschaften.

Zudem sind Amla-Früchte besonders reich an Vitamin C. 

Amla-Früchte können das Herz und die Blutgefäße schützen
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Amla in der Medizin

Anwendungsgebiete aufgrund der Studienlage

Amla-Früchte sind im deutschsprachigen Raum zumeist in getrockneter, gepulverter Form erhältlich. Untersuchungen am Menschen ergaben, dass Sie den Extrakt unterstützend einnehmen können, beispielsweise wenn: 

  • Sie von erhöhten Cholesterinwerten betroffen sind. Der Extrakt senkte in teils randomisierten, kontrollierten Untersuchungen* am Menschen den Cholesterinspiegel, genauer den Gesamtcholesterinspiegel, die Triglyceride (TG), das Lipoprotein niederer Dichte (LDL-Cholesterin) und das Lipoprotein sehr niederer Dichte (VLDL-Cholesterin). In einigen Studien wurde zudem ein Rückgang bestimmter Entzündungswerte im Blut gemessen. Es gab aber auch Studien, in denen die Ergebnisse nicht eindeutig waren.Verschlechtert haben sich die Werte aber nicht.
  • Ihr Blutdruck erhöht ist. In einer Vorstudie verbesserte die Einnahme von 500 Milligramm getrockneten Amla-Früchten den Blutdruck.
  • Sie Diabetikerin oder Diabetiker sind. Einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie* zufolge, trägt die Einnahme von Amla-Früchten zu einer Verbesserung der Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1C) bei, wenn parallel konventionelle Arzneimittel eingenommen werden.

Zukünftig wäre es wünschenswert, wenn die Amla-Früchte noch genauer untersucht werden. Die Einnahme von Amla-Früchten ersetzen nach derzeitigem Kenntnisstand keine konventionelle Therapie, können aber als unterstützende Maßnahme geeignet sein.

*Eine randomisierte, kontrollierte Studie kann auch als hochwertig bezeichnet werden. Weder der Studienteilnehmer noch der Behandler weiß, ob die zu testende Substanz oder ein Scheinmedikament eingenommen wird. Die Zuteilung in eine Gruppe ist zudem zufällig.

Anwendungsbereiche aufgrund von experimentellen Studien und Erfahrung

Amla-Früchte werden schon lange in der Naturheilkunde eingesetzt und werden weiter erforscht. Aufgrund von Erfahrungen können Amla-Früchte helfen, wenn: 

  • Sie von der Nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) betroffen sind. Im Tierversuch verbesserte die Einnahme von Amla-Früchten die Leberfunktion.
  • Sie von einer Entzündungskrankheit betroffen sind. Im Tierversuch milderte Amla Entzündungen ab und neutralisierte oxidativen Stress.

Traditionell werden Amla-Früchte beispielsweise zudem eingesetzt bei:

  • Husten, Bronchitis und Asthma
  • Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Blähungen, Verstopfung)
  • Hepatitis 
  • Entzündungen
  • Fieber
  • Depression
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit (Anwendung auch als Anti-Aging-Mittel)
  • Kopfschmerzen, Migräne und Schwindel

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz getrockneter Amla-Früchte

 

Amla-Früchte

Einzelportion

0,5-5 Gramm

Tagesmenge

0,5-5 Gramm

Einsatz als

Pulver, Kapseln

Hochwertige getrocknete und gepulverte Amla-Früche erhalten Sie in der Apotheke und im Reformhaus.

Basisrezept mit Amla

Amla-Shake mit Erdbeeren 

Vitamin C-reicher Genuss  

Für eine Portion

2-5 Gramm Amla-Bio-Pulver (1/2-1 Teelöffel)

150 Milliliter Milch, Hafer- oder Mandeldrink

100 Gramm Erdbeeren (frisch oder tiefgekühlt)

Hohes Gefäß

Pürierstab

1 Glas

  • Amla-Pulver und Erdbeeren in das Gefäß geben. Mit Milch oder Pflanzendrink übergießen.
  • Alle Zutaten pürieren, danach trinken.

Pro Tag einen Amla-Shake genießen.

Die unerwünschten Wirkungen von Amla-Früchten

Diabetiker und Menschen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel, die Medikamente einnehmen, sollten Amlafrüchte nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Die Einnahme kann eine Senkung des Blutzuckerspiegel bewirken und eine Unterzuckerung auslösen. Da Amla-Früchte viel Vitamin C enthalten und gerbstoffreich sind, könnte ein übermäßiger Verzehr (mehr als fünf Gramm getrocknete Früchte pro Tag) zu einer vermehrten Magensäurebildung führen und die Eisenaufnahme im Darm hemmen. Bei regelmäßigem Verzehr von Amla-Früchten, sollte der Eisenspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden. Schwangere und stillende Frauen sollten vorsichtshalber keine Amla-Früchte zu medizinischen Zwecken einnehmen. Es fehlen Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Literatur und Quellen

Berling N: Heilpflanzen in der Tibetischen Medizin. KVC-Verlag, Essen 2008.

Gaire B & Subedi L: Phytochemistry, pharmacology and medicinal properties of Phyllanthus emblica Linn. Chin J Integra Med 2014:1-8. https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11655-014-1984-2, Zugriff am 05.01.2020.

Hashem-Dabaghian F, Ziaee M, Ghaffari S, et al.: A systematic review on the cardiovascular pharmacology of Emblica officinalis Gaertn. J Cardiovasc Thorac Res 2018:10:118-28. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6203864/, Zugriff am 06.01.2020.

Huang C, Tung Y, Hsia S, et al.: The hepatoprotective effect of Phyllanthus emblica L. fruit on high fat diet-induced non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD) in SD rats. Food Funct 2017:8:842-50. https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2017/FO/C6FO01585A#!divAbstract, Zugriff am 05.01.2020.

Jantan I, Haque M, Ilangkovan M, et al.: An Insight Into the Modulatory Effects and Mechanisms of Action of Phyllanthus Species and Their Bioactive Metabolites on the Immune System. Front Pharmacol 2019:10. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphar.2019.00878/full, Zugriff am 06.01.2020. 

Middha S, Goyal A, Lokesh P, et al.: Toxicological Evaluation of Emblica officinalis Fruit Extract and its Anti-inflammatory and Free Radical Scavenging Properties. Pharmacogn Mag 2015:11:S427-33. http://www.phcog.com/article.asp?issn=0973-1296;year=2015;volume=11;issue=44;spage=427;epage=433;aulast=Middha, Zugriff am 06.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Grüner Tee

Grüner Tee

Camellia sinensis

Am Fuße des Himalayas liegt eine Stadt, deren Name zum Synonym für hochwertigen Tee wurde: Darjeeling.

Schon die Anfahrt zu der nordindischen Stadt Darjeeling ist ein Erlebnis; Denn diese liegt auf über 2.000 Metern über dem Meer und bevor Sie den Ort erreichen, durchqueren Sie erst einmal unzählige Teeplantagen und genießen einen atemberaubenden Ausblick. Bei gutem Wetter wirkt der Anblick der schneebedeckten Felsen des Himalayas nahezu majestätisch. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, weswegen sich während der Kolonialzeit viele Briten hier niederließen. Die Kolonialherren und -frauen sind längst verschwunden. Dennoch fühlt man sich ein bisschen in diese Zeit zurückversetzt, wenn man über den großen Marktplatz, den Chowrasta, schlendert oder in einem der zahlreichen Teehäusern eine Tasse des köstlichen Heißgetränks genießt.

Eine Einladung zum Verweilen

Teegeschäfte gibt es in Darjeeling unzählige. In vielen können Sie nicht nur lose oder abgepackte Teeblätter kaufen, oft gibt es zudem Sitzmöglichkeiten sowie eine umfangreiche Karte mit verschiedensten Teesorten, die man vor Ort probieren kann. 

 Teegenuss im ersten Öko-Staat der Welt

Ein bisschen weiter nördlich befindet sich der bislang einzige Öko-Bundesstaat der Welt: Sikkim. Dort liegt die vergleichsweise kleine, aber sehenswerte TemiTea-Plantage. Hier können Sie – wie bei vielen Produktionsstellen in der Region – eine Besichtigung unternehmen, sich die Herstellung von Grünem und Schwarzem Tee erklären lassen und anschließend verschiedene Sorten probieren.

Unabhängig davon, welcher Tee Ihnen am besten schmeckt, entstammen beide Sorten derselben Pflanze mit dem botanischen Namen Camellia sinensis. Der Unterschied zwischen den Sorten besteht darin, dass Grüne Teeblätter nicht fermentiert (vergärt) sind. Gemeinhin gilt Grüner Tee als gesünder als sein schwarzer Verwandter.  

 

Wanderpfad durch einen Rhododendronwald im Himalaya

Grüne Teeblätter stecken voller sekundärer Pflanzenstoffe

Eine Besonderheit der Grünen Teeblätter liegt in der spezifischen Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe. Sie enthalten zum Beispiel:

  • Alkaloide, wie anregendes Koffein
  • Sekundäre Pflanzenstoffe, wie das antioxidative Epigallocatechingallat (EGCG) und andere Gerbstoffe
  • Spurenelemente, wie Flourid

Die Menge des Inhaltsstoffgemischs ist stark von dem Klima und den vorherrschenden Bodeneigenschaften abhängig.

Grüner Tee in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Zu medizinischen Zwecken werden die Auszüge aus Grünen Teeblättern bei zwei Anwendungsgebieten einsetzt:

  • Sie vertreiben Müdigkeit
  • Sie wirken Kraftlosigkeit entgegen
Anwendungsbereiche aufgrund erster Studienlage

Zu den Effekten von Grünem Tee existieren viele Studien, bei denen der Extrakt vielversprechende Ergebnisse erzielte. Ob sich diese Resultate auf die Allgemeinheit übertragen lassen, muss jedoch noch gezeigt werden. So scheint eine positive Wirkung von Grünem Tee zum Beispiel zu bestehen, wenn Sie:

  • Demenzerkrankungen vorbeugen wollen (innere Anwendung)
  • Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen vorbeugen möchten (innere Anwendung)
  • Ihre festen Knochen bis ins hohe Alter erhalten wollen (innere Anwendung)
  • übergewichtig sind und abnehmen möchten (innere Anwendung)
  • Durchfall haben, ohne dass eine Infektion Ursache für Ihre Beschwerden ist (innere Anwendung)
  • aufgrund einer Erkrankung wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder durch eine Verletzung an einer juckenden, entzündeten Haut leiden (äußere Anwendung)
  • einen leichten Sonnenbrand haben (äußere Anwendung)

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz getrockneter Grüner Teeblätter

 

Grüne Teeblätter

Einzelportion

2 Gramm

Tagesmenge

6-11 Gramm

Einsatz als

Tee, Umschlag

Grüne Teeblätter können Sie in jedem Supermarkt kaufen.

Basisrezepte mit Grünen Teeblättern

Grüner Tee für jeden Tag

Übergießen Sie für eine Portion einen Teelöffel getrocknete Grüne Teeblätter (zwei Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blätter, einen Teefilter oder ein Teeei verwenden. Den Tee zudecken und drei bis fünf Minuten ziehen lassen, dann die Blätter absieben.

Genießen Sie täglich zwischen drei bis fünf Tassen Grünen Tee.

Grüner Tee bei Durchfall

Bereiten Sie den Grünen Tee wie im Rezept „Grüner Tee für jeden Tag“ zu. Lassen Sie die Blätter acht bis zehn Minuten ziehen, bevor Sie sie abseihen und das zubereitete Getränkt zu sich nehmen.

Grüner Tee juckender, wunder Haut

Bereiten Sie den Grünen Tee ebenfalls wie im Rezept „Grüner Tee für jeden Tag“ zu. Lassen Sie die Blätter zehn Minuten ziehen, dann filtern Sie diese ab. Geben Sie dem Extrakt ein wenig Zeit zum Abkühlen, bis er lauwarm oder kalt ist. Danach tränken Sie ein kleines Handtuch, einen Waschlappen oder ein Stück Mull in der Flüssigkeit. Anschließend auswringen, auf die betroffene Stelle legen und zum Beispiel mit einem trockenen Handtuch, einem Schlauchverband oder einer Mullbinde befestigen. Wechseln Sie den Verband mehrmals täglich.

Der Grüne Tee als Lebensmittel

Grüner Tee ist ein Lebensmittel und als solches in der Europäischen Union zugelassen. Erhältlich ist dieser als lose Ware, abgepackt in Teebeuteln und als Nahrungsergänzungsmittel.

Eine Besonderheit: Grüner Tee ist besonders reich an Fluorid. Der Genuss von einem Liter Grüntee deckt bis zu 50 Prozent des Tagesbedarfs an dem Spurenelement. Flourid ist wichtig für den Zahnschmelz, weil es dabei hilft, Mineralien in die Zähne einzubauen und die Zähne so härter macht.

 

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Die richtige Menge und der richtige Einsatz

Grüne Teeblätter werden in Europa in getrockneter Form hauptsächlich für die Herstellung von Tees verwendet und der tägliche Genuss von bis zu fünf Tassen Grüntee gilt als gesund. 

Nichts desto trotz gibt es auch Negativschlagzeilen zum Grünen Tee. Diese beziehen sich weniger auf das Getränk an sich, sondern vielmehr auf die Herstellungsverfahren, mögliche Schadstoffbelastungen und Verunreinigungen. Welche Sorten gut abschneiden und in vollen Zügen genossen werden können, erfahren Sie zum Beispiel auf den Seiten der Stiftung Warentest.

Abzuraten ist nach derzeitigem Kenntnisstand hingegen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Grünem Tee oder dessen Extrakt. Das Problem: Diese speziellen Erzeugnisse sind nach dem Lebensmittelrecht zugelassen. Dadurch gibt es deutlich weniger Kontrollen hinsichtlich der Qualität. Auch Studien zur Wirksamkeit müssen nicht durchgeführt werden. Zudem häufen sich in der letzten Zeit Fälle, in denen Nahrungsergänzungsmittel, die als Grünteeextrakt deklariert waren, mit gesundheitsgefährdenden Substanzen gemischt wurden. Darüber hinaus ist von einer Einnahme hochdosierter Grünteeextrakte aus einem anderen Grund abzuraten: Denn in sehr großen Mengen könnten sich die positiven Effekt des Getränks ins Gegenteil umkehren.

Grüner Eistee

Zutaten für 4 Portionen

✦ 4 Teelöffel Grüner Tee ✦ 5 Limetten ✦ 4 frische Pfefferminzblätter ✦ 1 Liter Wasser

  • Überbrühen Sie die Grünen Teeblätter mit kochend heißem Wasser. Den Tee zudecken und drei Minuten ziehen lassen, dann die Blätter abseihen.
  • Die Limetten auspressen und den Saft dem Tee hinzufügen. In den Kühlschrank stellen.
  • Beim Servieren mit einem frischen Pfefferminzblatt dekorieren.

Schmeckt herrlich erfrischend. Im Winter können Sie den Tee auch heiß genießen.

Die unerwünschten Wirkungen des Grünen Tees als Arzneimittel

Wenn Sie von einem Magen- oder Darmgeschwür oder Herz-Kreislaufbeschwerden betroffen sind, an einer anderen Magen-, Nieren- oder der Bluterkrankheit (Hämophilie) leiden oder andere Arzneien einnehmen, halten Sie vor der Anwendung Rücksprache mit Ihrem Arzt. Gleiches gilt für Jugendliche unter 18 Jahren und in der Schwangerschaft.

Literatur und Quellen

Chohen PA. et al. Presence of banned drugs in dietary supplements following FDA recalls. JAMA 2014:312:1691-3

Ernährungs-Umschau. Grüner Tee gegen Übergewicht? Internetportal 2005. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/01-03-2005-gruener-tee-gegen-uebergewicht/, Zugriff am 04.12.2018

Ernährungs-Umschau. Inhaltsstoffe von Grün- und Schwarztee. Internetportal 2013. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/16-01-2013-inhaltsstoffe-von-gruen-und-schwarztee/, Zugriff am 04.12.2018

Ernährungs-Umschau. Studie bestätigt positive Wirkung von Antioxidantien im Tee. Internetportal 2002. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/13-05-2002-studie-bestaetigt-positive-wirkung-von-antioxidantien-im-tee/, Zugriff am 04.12. 2018

Ernährungs-Umschau. Tee für starke Knochen. Internetportal 2002. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/25-07-2002-tee-fuer-starke-knochen/, Zugriff am 04.12.2018

European Medicines Agency (EMA). Community herbal monograph on Camellia sinensis (L.) Kuntze, non fermentatum folium. Internetportal 2013. https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-camellia-sinensis-l-kuntze-non-fermentatum-folium_en.pdf, Zugriff am 01.12.2018

Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Der vorliegende Artikel wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

 

Johanniskraut

Johanniskraut

Hypericum perforatum

Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Universalpflanze gegen Depression und Muskelschmerz 

Spätestens im Juni zur Sommersonnenwende strahlt das Johanniskraut mit voller Kraft der Sonne entgegen. Es säumt Feldwege ein, und schmückt Wegesränder in Waldnähe.

Zudem ist die Pflanze schwer zu übersehen: Sie erreicht oft eine Wuchshöhe von bis zu einen Meter.

Eine gesellige Pflanze 

Eine Johanniskrautpflanze findet man selten allein: Sie lieben die Gesellschaft anderer Johanniskrautpflanzen und bilden so regelrechte Kolonien, die an den Enden mit immer kleiner werdenden Pflanzen häufig abrupt enden. 

Wer sich bei einem Spaziergang unsicher ist, ob es sich tatsächlich um das Johanniskraut handelt, findet es beim Pflücken leicht heraus: Denn wird ein Stängelchen abgebrochen, so tritt ein rötlicher Pflanzensaft aus. Aber Vorsicht! Dieser Pflanzensaft hinterlässt auf der Haut, den Nägeln und auf der Kleidung seine Spuren indem er sie rötlich verfärbt. 

16 mal Johanniskraut 

Wer das schöne Johanniskraut als Gartenblume anbauen möchte, kann zwischen verschiedenen Sorten wählen: Allein in Europa haben 16 verschiedene Johanniskrautsorten ihre Heimat. Aber auch in Kanada und anderen Ländern kommt die Pflanze vor. Egal auf welchem Teil des Globus ein Johanniskraut zuhause ist: Sie alle sind miteinander verwandt und haben rein äußerlich viel Ähnlichkeit miteinander. Auch in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe wird die Verwandtschaft sichtbar. Hier liegt der Teufel im Detail, denn nicht alle Johanniskrautpflanzen eignen sich für den medizinischen Gebrauch – zumindest nicht aus wissenschaftlicher Sichtweise.

In Europa wird daher nur eine einzige Johanniskrautsorte in der Medizin eingesetzt: Das Hypericum perforatum. Dafür sind die Extrakte aus dem Kraut sehr gut untersucht. Zudem ist das Johanniskraut nach heutigem Wissensstand die einzige Heilpflanze, deren Extrakte bei leichten bis mittelschweren Depressionen ebenso wirksam sind wie synthetische Arzneimittel: Dies ergab die Auswertung von 35 Studien mit insgesamt fast 7.000 Teilnehmern im Jahr 2016. Aber das Johanniskraut kann noch mehr!

Johanniskraut enthält Hypericine und Flavonoide

Eine Besonderheit des Johanniskrauts besteht darin, dass seine Inhaltsstoffe am wirksamsten sind, wenn sie gemeinschaftlich angewendet werden. Mit anderen Worten: Werden einzelne Inhaltsstoffe aus der Pflanze isoliert, so ist deren Wirksamkeit geringer als eine Kombination aller Inhaltsstoffe, da sie sich gegenseitig unterstützen.

Nichts desto weniger enthält Johanniskraut Inhaltsstoffe, die für die Hauptwirkung verantwortlich sind. Genauer gesagt, handelt es sich um sogenannte Hypericine wie Hypericin, Hyperforin und Pseudohypericin. Sie entfalten ihre volle Wirkkraft durch die Anwesenheit von Flavonoiden, ätherischen Ölen, Gerbstoffen und Kaffeesäurederivaten.

In einer exakten Dosierung beeinflussen die Inhaltsstoffe vom Johanniskraut die Kommunikation bestimmter Signalsubstanzen (genauer Neurotransmitter) im Gehirn und mildern dadurch nach und nach depressive Symptome ab.

Das Johanniskraut wird zudem als Johannisöl (Rotöl) angewandt. Es wird anders hergestellt als der Extrakt, der zur Behandlung von Depression zum Einsatz kommt und hat entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Eigenschaften.

Das Johanniskraut in der Medizin

Lichtblicke in Zeiten der Traurigkeit

Anwendungsgebiete mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit

Johanniskrautextrakte sind nachweislich hilfreich wenn: 

  • Sie von einer leichten oder mittelschweren Depression betroffen und keine anderen Medikamente gegen die Depression einnehmen (Johanniskrautextrakte vertragen sich nicht mit anderen Antidepressiva). Anzeichen einer Depression sind zum Beispiel eine anhaltende gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Interessenverlust aber auch körperliche Symptome wie Schwindel und ungewöhnliche Konzentrationsschwäche.

Achtung! Eine Depression sollte stets von einem Arzt oder einer Ärztin behandelt werden. Diese(r) stellt auch den Schweregrad fest und ist Ansprechpartner für die individuell geeignete Behandlung, wie zum Beispiel eine medikamentöse Therapie und/ oder Psychotherapie. Bei schweren Depressionen ist die Wirksamkeit von Johanniskraut nicht ausreicht. Hier müssen andere Behandlungen erfolgen.

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Das Johanniskraut können Sie innerlich als Pflanzenextrakt einsetzen, wenn:

  • Sie etwa durch zu viel Stress mentale Erschöpfung abmildern wollen. 

Zudem können Sie das Johanniskraut als Johannisöl (Rotöl) innerlich anwenden wenn:

  • Sie leichte Magen-Darmbeschwerden (dyspeptische Beschwerden) haben. Bei innerer Anwendung kann das Johannisöl Blähungen, Völlegefühl und leichte Bauchschmerzen abschwächen.

Johannisöl wird zudem äußerlich angewendet. Es kann Ihnen helfen, wenn:

  • Sie Muskelschmerzen haben, etwa durch einen Muskelkater oder eine Verspannung.
  • Sie wunde Haut haben, zum Beispiel durch eine kleine Schnittverletzung, einen Insektenstich, einen Sonnenbrand oder einer Entzündung der Haut.

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz von Johanniskrautextrakt und Johannisöl

Die Wirksamkeit von Johanniskrautextrakt und Johannisöl unterscheiden sich. Daher variieren auch die Einnahmeempfehlungen zu den Einzelportionen und der Tagesmenge.

 

Einzelportion

Tagesmenge

Einsatz

Johanniskrautextrakt

250-800 Milligramm (je nach Präparat)

900-1.800 Milligramm in 1-3 Einnahmeportionen (je nach Präparat)

als Arzneimittel

Johannisöl (innere Anwendung)

3 Gramm (kleiner Teelöffel)

9 Gramm in 3 Einnahmeportionen

pur oder ins Lebensmittel eingerührt

Johannisöl (äußere Anwendung)

5 Gramm oder mehr (je nach Fläche)

Keine

direkt auf die betroffene Hautstelle

Achtung! Johanniskrautextrakte sollten bei einer Depression immer in Form von Fertigarzneimitteln aus der Apotheke angewendet werden. Nur die Anwendung als Arzneimittel hilft garantiert gegen die Symptome der Depression. Gründe hierfür sind beispielsweise die gleichmäßige und ausreichend hohe Dosierung sowie eine geprüfte Qualität.

Eine Anwendung als Tee ist bei mentaler Erschöpfung möglich.

Johannisöl eignet sich hingegen prima als Hausmittel, das Sie selber herstellen können.

Basisrezepte mit Johanniskraut

Johanniskraut-Tee für mentale Stärke

Übergießen Sie für eine Portion einen gestrichenen Teelöffel getrocknetes Johanniskraut (etwa zwei Gramm) mit rund 150 Millilitern 60-80° Celsius heißen Wassers. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zwei bis fünf Minuten ziehen lassen, dann Kraut absieben.

Genießen Sie täglich 2 Tassen Johanniskraut-Tee.

Johannisöl bei Magen-Darmbeschwerden

Setzen Sie 25 Gramm frische und zerstoßene Johanniskrautblüten, junge Blätter und Blütenknospen mit 100 Millilitern Pflanzenöl (etwa Mandel- oder Olivenöl) in einer Braunglasflasche an. Lassen Sie die Mischung sechs Wochen lang ziehen, regelmäßig schütteln. Wenn das Öl eine kräftige, rote Farbe hat werden die Pflanzenbestandteile abgesiebt. 

Nehmen Sie zur Vorbeugung oder Behandlung von MagenDarmbeschwerden 1 Teelöffel (3 Gramm) vor oder mit einer Mahlzeit ein. Täglich können Sie bis zu drei Portionen einnehmen.

Johannisöl bei Hautbeschwerden

Setzen Sie 25 Gramm frische und zerstoßene Johanniskrautblüten, junge Blätter und Blütenknospen mit 100 Millilitern Pflanzenöl (etwa Mandel- oder Olivenöl) in einer Braunglasflasche an. Lassen Sie die Mischung sechs Wochen lang ziehen, regelmäßig schütteln. Wenn das Öl eine kräftige, rote Farbe hat werden die Pflanzenbestandteile abgesiebt. 

Tragen Sie das Johannisöl bei Muskelschmerzen, leichten Verletzungen der Haut, Sonnenbrand oder Insektenstich zwei bis drei mal pro Tag auf die betroffenen Hautstellen auf, und massieren Sie es sanft ein.

Die unerwünschten Wirkungen vom Johanniskraut

Bei einer bekannten Lichtempfindlichkeit der Haut dürfen keineJohanniskraut-Extrakte angewendet werden, weil das direkte Sonnenlicht sonnenbrandähnliche Symptome hervorrufen kann. 

Zur Behandlung von schweren Depressionen ist Johanniskraut nicht geeignet. Die Wirkung reicht nicht aus. Johanniskrautextrakte können Wechselwirkungen mit gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln auslösen und deren Wirkung herabsetzen. Es handelt sich um Arzneimittel, die zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen gegenüber Transplantaten eingesetzt werden, zur Behandlung von HIV-Infektionen oder AIDS, Zytostatika mit Ausnahme von monoklonalen Antikörpern, Gerinnungshemmer, trizyklische Antidepressiva, hormonelle Empfängnisverhütungsmittel und die Arzneien Simvastatin, Verapamil, Digoxin, Theophyllin, Midazolam.

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Literatur und Quellen

Apaydin E, Maher A, Shanman R, et al. (2016), „A systematic review of St. John’s wort for major depressive disorder.,“ Syst Rev ,1un. 5:148, Sep 2016.

European Medicines Agency, „COMMUNITY HERBAL MONOGRAPH ON HYPERICUM PERFORATUM L., HERBA (WELL-ESTABLISHED MEDICINAL USE),“ 12 Nov 2009. [Online]. Available: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-hypericum-perforatum-l-herba-well-established-medicinal-use_en.pdf. Zugriff am 19.11.2019.

Hänsel, R. und Sticher, O. Pharmakognosie – Phythopharmazie. 8. Auflage. Heidelberg : Springer Medizin Verlag, 2007.

World Health Organization (WHO). WHO monographs on selected medicinal plants. Volume 2. WHO, Geneva 2004.

Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Der vorliegende Text wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

 
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