Kategorie: Naturheilkunde

Chili (Capsicum frutescens & annuum): Mit Schärfe gegen Schmerzen

Chili gehört zu den beliebtesten Gewürzen, Gemüse und Heilpflanzen. Die mehr oder weniger scharfen Früchte sind auf allen Erdteilen bekannt und beliebt, allerdings unter teils verschiedenen Namen: Ob Cayennepfeffer, Tabasco, Peperoni, Jalapeño oder Paprika: Sie alle sind durch denselben botanischen Vornamen miteinander vereint. Dieser lautet Capsicum. In diesem Artikel erfahren Sie Wissenswertes  über Chilis, über deren Anwendung in der Medizin und als Gemüse- und Gewürzpflanze.

Chilis gehören zu den schärfsten Lebensmitteln der Welt

Mittlerweile dürfte es keinen Erdteil mehr geben, an dem Chilis kein Zuhause gefunden haben. Ganz im Gegenteil Chilis oder besser gesagt, die Chili-Gattung Capsicum ist vermutlich auf jedem Wochenmarkt und in jedem Lebensmittelgeschäft zu kaufen: zum Beispiel als Paprika!

Scharf, schärfer, am schärfsten

Keine Frage, Paprikas (botanisch: Capsicum annuum) sind tolle Lebensmittel. Sie enthalten beispielsweise viel Vitamin C und sind ein leckeres Gemüse. Wenn es allerdings um medizinische Eigenschaften geht, sind Paprikas nicht zu gebrauchen. Das liegt daran, dass das Gemüse nur wenige Scharfstoffe enthält, worüber Sie im Abschnitt ≫Chili als Lebensmittel≪mehr erfahren. Auf genau diese Scharfstoffe kommt es aber an, wenn es etwa um die Behandlung von Rückenschmerzen geht, da sie eine Reizwirkung haben. Manche Chili-Sorten enthalten sogar so viele Scharfstoffe, dass bei der Ernte Schutzkleidung getragen werden muss! Beim bloßen anfassen der scharfen Früchtchen, könnte es sonst zu starken Hautreizungen kommen, die so ausgeprägt sind, dass Blasen und Geschwüre entstehen können. Aber soweit muss es nicht kommen. Der Schärfegrad der Chili-Familie hat eine große Spannbreite. Richtig dosiert sind sie eine Wohltat für die Gesundheit.

Chilis speichern Scharfstoffe

Für medizinische Zwecke schreibt das Europäische Arzneibuch einen Mindestgehalt von 0,4 Prozent Gesamtcapsaicinoide vor. Dann entfalten die Chili-Inhaltsstoffe ihre wohltuende Wärmewirkung und sie kurbeln die Durchblutung an, lindern Schmerzen und Juckreiz. Durch diese Wirkungen kommen Chilis in praktisch allen Medizinsystemen weltweit zum Einsatz, zum Beispiel in der Tibetischen Medizin. Der wichtigste Inhaltsstoff innerhalb der Capsaicinoide heißt Capsaicin. Diese Substanz ist auch für den scharfen Geschmack der Chilis als Gewürz verantwortlich. Chilis enthalten außerdem Mineralien wie Kalium und Vitamine, etwa Vitamin A und Vitamin C.

Chilis in der Medizin

Die Inhaltsstoffe der Chilis helfen bei Schmerzen und Juckreiz

Anwendungsgebiete mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit

Einige Wirkungen der Chili-Arten Capsicum annuum und Capsicum frutescens sind sehr gut untersucht und die Wirksamkeit gilt als gesichert.

Stellen Sie sich einmal folgende Szenarien vor:

  • Sie haben Muskelschmerzen im Rücken, im Nacken oder in einer anderen Körperregion. Dann helfen medizinische Chili-Zubereitungen nachweislich gegen den Muskelschmerz.

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Die Wirkungen und medizinischen Anwendungsbereiche der Chilis reichen jedoch noch weiter. Die Extrakte aus den Chilifrüchten können Sie einsetzen, wenn:

  • Sie Diabetiker sind und an Nervenschmerzen leiden (diabetische Polyneuropathie).
  • Sie von (entzündlichen) Gelenkveränderungen betroffen sind, die mit einem Abbau von Knorpel einhergehen, etwa in den Knien, Fingergelenken oder am Fußknöchel. Dieses Beschwerdebild wird als Osteoathritis bezeichnet und ist von Schmerzen und Einschränkungen der Funktion gekennzeichnet.
  • Sie von der entzündlich-rheumatischen Erkrankung rheumatoide Arthritis betroffen sind und die Schmerzen der Autoimmunerkrankung lindern möchten. Dadurch können sie beispielsweise eine entzündungshemmende Ernährungsweise unterstützen.
  • Sie aufgrund von Krankheiten an Nervenschmerzen leiden, genauer an einer Neuralgie. Neuralgien können beispielsweise nach einem Bandscheibenvorfall oder einer Gürtelrose auftreten.
  • Sie wegen einer Krankheit oder einer medizinischen Behandlung ständigen Juckreiz. Dieser Juckreiz kann zum Beispiel als Folge der Dialyse auftreten, bei Schuppenflechte aber auch als Medikamentennebenwirkung.
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Anwendungsgebiete aufgrund von ersten Studien

Chilis können außerdem ein unterstützendes Potential haben, wenn:

  • Sie abnehmen möchten. Chili fördert ersten Studien am Menschen zufolge eines Gewichtsverlustes indem es den Kalorienverbrauch steigert. Ob sich die ersten Studien auf die Allgemeinheit übertragen lassen, muss noch erforscht werden.
  • Sie von Fibromyalgie betroffen sind. Bei einer Untersuchung an Betroffenen konnte gezeigt werden, dass die Empfindlichkeit der Haut nachließ.

Der richtige Einsatz von Chili als Arzneimittel

Chilis sollten immer in Form von standardisierten Fertigarzneimitteln verwendet werden, etwa in Form von Creme, Salbe oder als Pflaster. Die richtige Dosierung ist im Hautgebrauch kaum machbar, weil sich die Sorten hinsichtlich der Gehalte an Capsaicinoiden oft erheblich unterscheiden. Für die Praxis bedeutet dies, dass bei einer zu niedrigen Capsaicin-Menge keine oder eine zu geringe Wirkung eintritt. Höhere Mengen an Capsaicin als es das Europäische Arzneibuch vorschreibt, kann hingegen mit erheblichen unerwünschten Wirkungen einhergehen. Der Kauf eines Fertigarzneimittels ist damit besser geeignet.

Gut zu wissen! In der medizinischen und pharmazeutischen Literatur ist oft von Cayennepfeffer und seltener von Chili die Rede. Die Chili-Sorte Cayennepfeffer wird manchmal auch als Scharfer Paprika bezeichnet und trägt den botanischen Namen Capsicum frutescens.

Je nach Schärfegrad sind Chilis ein leckeres Gewürz

Chili als Lebensmittel

Die Früchte aller Chilisorten (zum Beispiel Capsicum annum und Capsicum frutescens) sind essbar und sie sind rund um den Globus beliebt. Eine der bekanntesten Capsicum annum-Sorten ist die Paprika. Sie gehört zu den beliebtesten Gemüsen und hat in der Regel keinen scharfen Geschmack. Das ist bei nahezu allen anderen Chili-Sorten anders: Ob Peperoni, Tabasco, Habanero oder Jalapeño, sie alle enthalten mehr von dem Schärfe-Inhaltsstoff Capsaicin als die Gemüse-Paprika. Weltweit gesehen gibt es unzählige Chilizüchtungen, die jedoch botanisch gesehen von vergleichsweise wenige Arten gezüchtet werden. So gibt es neben den medizinisch gebrauchten Chilis (C. annum und C. frutescens) zum Beispiel Arten wie C. chinense, C. baccatum und C. pubescens.

Wie scharf eine Chili ist wird entweder in „Scoville“ angegeben oder in einer Schärfeskala von eins bis zehn. Der Schärfegrad nach Scoville (Maßeinheit Scoville Heat Units, SHU) besagt, wie viel Milliliter Wasser gebraucht wird, um die Schärfekonzentration so zu verdünnen, dass man die Schärfe gerade noch wahrnehmen kann. Um beispielsweise 1 Milligramm Jalapeño Chili mit 2.500 SHU zu neutralisieren, werden 2,5 Liter Wasser gebraucht. Die meisten Menschen empfinden Chilis als scharf, wenn diese 1.000 SHU oder mehr haben. Zu den schärfsten Chili-Sorten der Welt gehören Trinidad Scorpion mit 1.200000-2.000000 SHU und Carolina Reaper deren SHU von 1.400000-2.200000 reicht.

Die Einteilung der Schärfeskala hingegen variiert von 1 (nicht scharf) bis 10 reicht (extrem scharf). Sie erfolgt nach subjektivem Empfinden. Deshalb finden sich bei der Skala manchmal noch Ergänzungen, etwa 10++ bei einigen Habernero-Sorten.

Übrigens: Das meiste Capsaicin befindet sich in den weißlichen Scheidewänden (genauer in der Plazentawand). Schneidet man diese heraus, wird die Schärfe dadurch etwas gelindert. Aber Vorsicht! Wird die Plazentawand verletzt und nicht vollständig entfernt, geht das Capsaicin in die Frucht über und verbreitet sich dort. Sollten Sie einmal die Schärfewirkung der Chili unterschätzt haben und einen „Feuerlöscher“ benötigen, können fetthaltige Speisen und Getränke wie Erdnussbutter, Joghurt oder Milch helfen. Capsaicin ist fettlöslich. Wasser zu trinken oder etwas Reis zu essen bringt hingegen nichts gegen die Schärfe, weil der Inhaltsstoff nicht in Wasser gelöst werden kann.

Chilis entfalten je nach Sorte ihren ganz persönlichen Eigengeschmack. Außerdem enthalten sie viele Vitalstoffe und tragen so zur Deckung vom Nährstoffbedarf bei. Deren Gehalt kann je nach Sorte, Standort, Boden und Klima schwanken.

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische, grüne Chili (C. annuum)

 

Energie

20 Kilokalorien

 

Eiweiß

1,2 Gramm

 

Fett

0,3 Gramm

 

Kohlenhydrate

2,9 Gramm

 
  

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

177 Milligramm

4.000 Milligramm

Vitamin A

0,5 Milligramm

0,8-1 Milligramm

Vitamin C

138 Milligramm

1.000 Milligramm

Folat

60 Mikrogramm

300 Mikrogramm

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz als Lebensmittel

Chilis können roh oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel als „Snack“, für Salate, Pfannengerichte und Suppen.

Chili passt zu vielen Gerichten

Basisrezepte mit Chili

Chili-Öl

Zutaten für 100 Milliliter Öl

✦ 1 Chili ✦ 100 Gramm Öl (zum Beispiel Rapsöl oder Olivenöl)

  • Zerschneiden Sie die Chili und geben Sie diese in eine verschließbare Flasche.
  • Füllen Sie die Flasche mit dem Öl auf. Und verschießen Sie diese. Lassen Sie das Chili-Öl rund vier Wochen lang ziehen. Die Chili-Schoten können danach in der Flasche verbleiben oder abgeseiht werden.

Passt hervorragend als würzig, scharfe Salatsoße. Wenn Sie erhitzbares Öl verwenden, etwa Rapsöl, kann das Chili-Öl zum für Wok- und Pfannengerichte verwendet werden.

Nepalesische Linsensuppe

Zutaten für 4 Portionen

✦ 1 Zwiebel ✦ 2 Tomaten ✦ 1 Esslöffel Rapsöl ✦ 150 Gramm gelbe oder rote Linsen ✦ 1 Chili frisch oder 1/2 Chili getrocknet ✦ 2 Teelöffel Salz ✦ 1 Teelöffel Pfeffer ✦ mindestens 500 Milliliter Wasser

  • Schälen Sie die Zwiebel und hacken Sie diese in kleine Würfel. Waschen Sie Tomaten sowie die Chili und zerschneiden Sie diese ebenfalls in kleine Stücke. (Achten Sie bei der Chili darauf Augenkontakt zu vermeiden. Waschen Sie die Hände direkt nach dem Berühren. Tragen Sie eventuell Handschuhe.)
  • Heizen Sie den Herd vor (höchste Stufe) und bereiten Sie einen Schnellkochtopf vor.
  • Geben Sie das Rapsöl in den Topf. Wenn es heiß ist, geben Sie zuerst die Zwiebel, dann die Tomaten hinzu. Lassen Sie die Mischung für eine Minute unter ständigem Rühren köcheln.
  • Fügen Sie die Linsen hinzu. Dann alles verrühren.
  • Rühren Sie Chili, Salz und Pfeffer unter und fügen Sie im nächsten Schritt das Wasser hinzu.
  • Verschließen Sie den Deckel und lassen Sie die Linsensuppe zehn Minuten kochen.
  • Nehmen Sie den Schnellkochtopf von der Herdplatte. Warten Sie weitere fünf Minuten bevor Sie den Deckel (Druckausgleich beachten) entfernen. Rühren Sie die Linsensuppe um und servieren Sie diese heiß.

Linsen sind besonders eiweißreich. Die meisten Nepalesen verzehren die Suppe zweimal pro Tag zu den Hauptmahlzeiten zusammen mit anderen Gemüsegerichten und Reis. Auf Nepali und Hindi wird die Linsensuppe als ≫Daal≪ bezeichnet, wobei Linsen in unterschiedlicher Größe und Farbe verwendet werden.

Die unerwünschten Wirkungen der Chilis

Äußere Anwendung von Chili

Selten treten allergische Reaktionen (urtikarielles Exanthem) auf. Wenn der Extrakt aus den Chili langfristig und in hoher Dosierung eingesetzt wird, können Schädigungen der sensiblen Nerven auftreten. Auch die Entzündung von Hautentzündung, Blasen- und Geschwürbildung können dann vorkommen.

Chilifrüchte-Extrakte dürfen niemals auf verletzter Haut, auf geschädigten Schleimhäuten oder bei einer Überempfindlichkeit gegen Paprika verwendet werden.

Verzehr von Chili

Personen mit einem empfindsamen Magen, sollten vorsichtig mit dem Genuss scharfer Speisen umgehen. Es können Magenschmerzen, Durchfall und Sodbrennen auftreten. Von dem Verzehr sehr großer und ungewohnt scharfen Chilimengen ist abzuraten: Es kann zu Bluthochdruck, Übelkeit, Erbrechen und Schleimhautreizungen kommen, die lebensbedrohlich werden können. Kinder reagieren sehr empfindlich auf Chilis. Sollten Sie frische Chilis in der Küche verarbeiten, waschen Sie sich anschließend gründlich die Hände. Capsaicinoide reizen wie alle Scharfstoffe bei Augenkontakt die Gewebe.

Literatur und Quellen

European Scientitic Cooperative On Phytotherapy (ESCOP). ESCOP Monographs Supplement. 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2009

European Medicines Agency (EMA). Community herbal monograph on Capsicum annuum L. var. minimum (Miller) Heiser and small fruited varieties of Capsicum frutescens L., fructus. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-community-herbal-monograph-capsicum-annuum-l-var-minimum-miller-heiser-small-fruited-varieties_en.pdf, Zugriff am 15.01.2019

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte. Online Portal: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/, Zugriff am 15.01.2019

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Lichttherapie: gute Laune und gesunde Haut

Winterdepression, Müdigkeit, Migräne, Bulimie, Schuppenflechte und Schlafstörungen sind eine kleine Beschwerdeauswahl, bei der die Lichttherapie helfen kann. Allerdings gilt: Lichttherapie ist nicht gleich Lichttherapie. Hier erfahren Sie Wissenswertes über die Hintergründe der Lichttherapie, und wie Sie eine Lichttherapie richtig durchführen.

Die Lichttherapie hilft bei verschiedenen Beschwerden

Lichttherapie: Was ist das? 

Die Lichttherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verfahren, mit deren Hilfe bestimmte gesundheitliche Beschwerden effektiv behandelt werden können. Sie reichen von seelischen Beschwerden über Hauterkrankungen bis hin zur Neugeborenengelbsucht. Ihre Ursprünge sind auf Beobachtungen zurückzuführen, denn viele Menschen leiden in der Zeit zwischen Oktober und März an getrübter Stimmung, Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Schätzungen zufolge, sind zudem jedes Jahr in diesem Zeitraum zehn bis 20 Prozent der Menschen von einer Winterdepression betroffen – eine ernsthafte Erkrankung. Werden die Tage hingegen wieder länger und heller, sind die traurigen Symptome wie weggefegt! Hier setzt die Lichttherapie an: Gezielt eingesetzt, lassen sich mit sehr hellem Licht depressive Beschwerden herabsetzen. 

Anwendungsgebiete der Lichttherapie 

Lichttherapien haben ein breites Anwendungsspektrum. Ihre Wirkungen sind je nach Licht-Art und Anwendungsform allerdings überaus verschieden. Zu den bekanntesten Verfahren gehören:

  • Lichttherapie mit hellem Licht, beispielsweise bei depressiven Beschwerden, Schlafstörungen und Migräne
  • Lichttherapie mit UV-Strahlung, zum Beispiel bei Schuppenflechte und Schmetterlingsflechte und
  • Lichttherapie mit kurzwelligem, blauen Licht bei Neugeborenen mit Gelbsucht

Lichttherapie mit hellem Licht

Wer während der dunklen Jahreszeit morgens ständig grummelig und traurig aufwacht, schlecht aus dem Bett kommt und auch tagsüber antriebslos und ohne erkennbaren Grund müde ist, dem kann die Lichttherapie helfen. Die Lichttherapie nützt zudem Menschen, die von einer Winterdepression betroffen sind. In Fachkreisen wird übrigens bei Winterdepressionen auch von saisonal abhängige Depression gesprochen, kurz SAD. Die Wirksamkeit der Lichttherapie bei Depressionen ist gut untersucht und gilt als wissenschaftlich belegt. Daher kommt die Lichttherapie mit ihren speziellen Lampen nicht nur zu Hause, sondern auch in Kliniken zum Einsatz. 

Zudem gibt es ermutigende Hinweise dafür, dass die Lichttherapie mit hellem Licht auch bei anderen Beschwerden helfen kann, die nicht immer mit depressiven Beschwerden einhergehen. Zu den wichtigsten gehören:

  • Migräne
  • Schlafstörungen
  • Essstörungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Anorexie (Magersucht) und Binge-Eating (Esssucht)
  • Burn-Out

Die Beleuchtungsstärke ist wichtig

Bei der Lichttherapie mit hellem Licht werden spezielle Licht-Therapielampen eingesetzt, die an jedem Ort angewendet werden können. Diese Lampen haben eine Stärke zwischen 2.500 bis 10.000 Lux. Zum Vergleich: Gut beleuchtete Räume haben rund 500 Lux.

Je nachdem wie stark die Lampe ist, sollte die „Lichtdusche“ zwischen 30 und 60 Minuten betragen. Einige Therapeuten empfehlen sogar eine Anwendung von bis zu zwei Stunden. Wichtig bei der Lichttherapie ist, dass die Augen geöffnet sind, da die Wirkung vom Licht mehrheitlich über die Augen und weniger über die Haut erzielt wird. Zu diesem Zweck werden das Rotlicht und die UV-Strahlen aus dem Licht herausgefiltert. Andernfalls können Nebenwirkungen auftreten. 

Ein Lichtbad nehmen und dabei lesen

Während der Lichttherapie können alle anderen Tätigkeiten durchgeführt werden, lesen, Musik hören oder Musik spielen zum Beispiel. Einzig bei bekannten Augenschäden, sollte vorab mit einem Augenarzt abgeklärt werden, ob die Lichttherapie geeignet ist.

Wissenswertes 

Die Lichttherapie mit hellem Licht wird idealerweise am Vormittag, besser noch direkt nach dem Aufwachen durchgeführt. Der Grund hierfür ist simpel: Im Herbst und Winter sind die Tage kurz und damit ist die Sonneneinstrahlung vermindert. Fehlt Licht, beginnt der Körper das Schlafhormon Melatonin zu bilden, weswegen jeder Mensch abends bei Dunkelheit müde wird. Ein zu viel an Melatonin kann allerdings auch Depressionen fördern oder auslösen. Hinzu kommt, dass bei Lichtmangel der Spiegel am Glückshormon Serotonin abfällt, da der Körper natürlicherweise Serotonin in Melatonin umwandelt. Das helle Licht bremst die Melatonin-Bildung sofort. Menschen, die ein Morgentief und den Rest des Tages weniger Beschwerden haben, können also von der Lichttherapie als Lichtdusche am Morgen profitieren.

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Lichttherapie mit UV-Strahlung (Phototherapie)

Eine Lichttherapie mit UV-Strahlen wird bei Erkrankungen der Haut angewendet. Beispiele für den Einsatz der Lichttherapie mit UV-Strahlen sind:

  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes)
  • Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • Weißfleckenkrankheit (Vitiligo)
  • Knötchenflechte (Lichen ruber)
  • T-Zell-Lymphome der Haut (Mycosis fungoides)
Lichttherapien mit UV-Strahlen können die Haut altern lassen

Wissenswertes 

Lichttherapien mit UV-Strahlen können Entzündungen in der Haut lindern. Sie vermindern zudem Juckreiz und regen die Regeneration der Haut an, sodass sie sich schneller erneuert. Auch das Immunsystem soll durch die Lichttherapie gestärkt werden.

Die Lichttherapie mit UV-Strahlen wird mit Teil- oder Ganzkörper-Bestrahlungsgeräten durchgeführt, etwa in einer Kabine. Die speziellen Beleuchtungsröhren kommen meistens in Hautarzt-Praxen zum Einsatz. Um die Augen vor den Strahlungen zu schützen, tragen Betroffene während der Behandlung eine UV-Schutzbrille. Unterschieden werden zwei Verfahren:

  • Psoralen-UV-A-Therapie (kurz PUVA): Die PUVA-Therapie gilt als besonders effektiv. Zur Vorbereitung auf die eigentliche Lichtbehandlung nehmen Betroffene eine Tablette mit dem Wirkstoff Psoralen ein, wenn eine Ganzkörper-Bestrahlung nötig ist. Alternativ tragen sie eine Creme mit dem Wirkstoff auf oder nehmen ein (Teil-)Bad mit Psoralen, wenn einzelne Hautstellen betroffen und bestrahlt werden sollen. Psoralen ist ein Pflanzenstoff, der die Haut empfindlicher für UV-A-Bestrahlung macht. Die Effekte der PUVA-Lichttherapie werden erst mit der Zeit sichtbar. Oft sind 15 bis 30Anwendungen nötig, um eine Verbesserung zu erzielen. Wer eine PUVA-Therapie durchführt, muss zudem beachten, dass die Haut durch das Psoralen mindestens zwölf Stunden sehr sensibel ist. Ein durchgängiger Hautschutz im Freien und das Tragen einer Schutzbrille auch im Haus, ist während dieser Zeit nötig. UV-A-Strahlen gelangen auch durch das Fensterglas in geschlossene Räume.
  • Schmalband UV-B-Therapie: Nach dem aktuellen Stand der Forschung ist die UV-B-Therapie schwächer wirksam als die PUVA-Therapie. Sie soll aber weniger Nebenwirkungen haben. Bei der Schmalband UV-B-Therapie werden betroffene Hautareale mit einer Wellenlänge von 311 bis 313 Nanometern bestrahlt. Gesunde Hautpartien bleiben unberührt.

Zu viele UV-Strahlen sind ungesund

Lichttherapien mit UV-Strahlen können auch mit Risiken verbunden sein. Die Entstehung von Hautkrebs etwa kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Menschen, die sehr empfindliche Haut haben, können von einer phototoxischen Reaktion betroffen werden. Dieser Effekt kann zudem durch die Einnahme von Pflanzen-Extrakten wie Johanniskraut gesteigert werden. Auch ist eine beschleunigte Alterung der Haut durch das Licht, Sonnenbrände, Bindehaut- und Hornhautentzündungen ebenso wie die Entstehung von Leberflecken möglich. Bei Menschen, die zu Lippenherpes neigen, wird zudem ein erhöhtes Aufflammen der Viruskrankheit beobachtet. 

Wissenswertes

Da Solarien zumeist ebenfalls UV-A-Strahlen „aussenden“, liegt der Gedanke nahe, die Lichttherapie statt in der Arztpraxis unter dem Solarium durchzuführen. Fachleute raten hiervon jedoch ab, da sich die Strahlen für Betroffene kaum richtig „dosieren“ lassen.

Auch der Gedanke an eine gesteigerte Vitamin-D-Bildung durch UV-Strahlen klingt logisch. Und tatsächlich bildet der Körper durch UV-B-Strahlen das Sonnenvitamin. Bei einer Wellenlänge zwischen 290 bis 325 Nanometern wird das Provitamin D3 gebildet. Die Schmalband UV-B-Therapie könnte also tatsächlich einen Beitrag zur Vitamin D-Bildung liefern. Eine PUVA-Therapie oder ein Sonnenbad unter dem Solarium taugen hingegen nichts: Der Grund ist die Strahlungsart, denn Vitamin D kann nicht mit UV-A-Strahlen gebildet werden.

Babys mit Neugeborenengelbsucht werden mit Lichttherapie behandelt

Lichttherapie mit kurzwelligem, blauen Licht 

Entsteht im Körper von Babys zu viel vom gelben Blutfarbstoff Bilirubin, wird bei Neugeborenen einer speziellen Form der Gelbsucht (Ikterus neonatorum) gesprochen. Die Leber vom Baby schafft es manchmal direkt nach der Geburt noch nicht das Bilirubin abzubauen, so dass es sich im Gewebe ablagert und die Haut sowie Augen gelb färbt. Auch Teilnahmelosigkeit und Trinkunlust können auftreten. Wird die Neugeborenengelbsucht nicht behandelt, lagert sich der Blutfarbstoff im schlimmsten Fall im Gehirn ab. Um dies zu verhindern, kommt ab einem Bilirubingehalt von etwa 18 Milligramm pro Deziliter die Lichttherapie zum Einsatz. 

Bei diesem Verfahren wird Baby´s Haut ohne Unterbrechung mit sichtbarem, blauem und weißem Licht, aber ohne UV-Strahlen bestrahlt. Trotzdem müssen die Augen des Neugeborenen verbunden werden: Das Licht könnte sonst die Netzhaut schädigen. 

Der spezielle Energiebereich vom Licht trägt dazu bei, dass das Bilirubin in der Haut abgebaut wird und dann als wasserlöslicher Stoff mit dem Urin ausgeschieden werden kann. So wird die Leber entlastet und die Gelbfärbung von Haut und Augen nimmt ab.

Die Dauer der Lichttherapie hängt von der Menge des Bilirubins im Blut ab.

Tipp!

Wer von Muskel- und Gelenkschmerzen und einer schlechten Durchblutung betroffen ist, dem kann eine Rotlicht-Therapie helfen. Auch gegen Halsschmerzen und die Symptome einer Nasennebenhöhlenentzündung kann die Infrarotstrahlung nützen. 

Zusammenfassung

Die Lichttherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verfahren, bei denen Licht als Therapie eingesetzt wird. Helles Licht, ohne UV-Strahlen, kommt beispielsweise gegen Winterdepression, Burn-Out und Migräne zum Einsatz. Die Lichttherapie mit hellem Licht ist üblicherweise gut verträglich. Risiken durch die Behandlung gibt es nur wenige. 

Gänzlich andere Anwendungsbereiche haben Lichttherapien mit UV-Strahlen: Sie werden bei entzündlichen Hauterkrankungen und Autoimmunerkrankungen angewendet, die sich über die Haut äußern. Die effektivste Behandlungsmethode von Schuppenflechte, Neurodermitis und Weißfleckenkrankheit unter den Lichttherapien ist die Psorale-UV-A-Lichttherapie. Lichttherapien mit UV-Strahlen haben jedoch auch Risiken: Sie können zum Beispiel einen Sonnenbrand verursachen und die Haut schneller altern lassen. Andererseits regt die Therapie aber auch die Regenerationsfähigkeit der Haut an.

Auch für die Kleinsten unter uns kommt die Lichttherapie in Frage: Kurzwelliges, blaues Licht wird bei Neugeborenengelbsucht eingesetzt. Das Licht enthält keine UV-Strahlen. Dafür fördert es den Abbau vom Blutfarbstoff Bilirubin und entlastet so Baby´s Leber.

Literatur und Quellen

Chen X, Yang M, Cheng Y, et al. (2013): Narrow-band ultraviolet B phototherapy versus broad-band ultraviolet B or psoralen-ultraviolet A photochemotherapy for psoriasis. Cochrane Database Syst Rev 2013:10. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009481.pub2/full, Zugriff am 14.04.2020.

Kinder- & Jugendärzte im Netz (2018): Neugeborenen-Gelbsucht (Neugeborenen-Ikterus). https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/neugeborenen-gelbsucht-neugeborenen-ikterus/#c1044, Zugriff am 14.04.2020.

Sonnenmoser, M (2002): Hautkrankheiten: Wechselwirkung zwischen Haut und Psyche. Deutsches Ärzteblatt 2002:11:501. https://www.aerzteblatt.de/archiv/34406/Hautkrankheiten-Wechselwirkung-zwischen-Haut-und-Psyche, Zugriff am 14.04.2020.

Ziehaus O & Kerckhoff A (2016): Was tun bei…Depression. 2. Auflage, KVC-Verlag Essen.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Bärlauch (Allium ursinum): Vitamin C-reicher Waldbewohner

Wenn im Frühjahr die Sonne an Kraft gewinnt, beginnt die Zeit des Bärlauchs. Die un-überriechbare Wildpflanze sprießt dann auf nährstoffreichen Waldböden und breitet sich wie ein grüner Teppech über ihn aus. Für Pflanzenfreunde beginnt nun ein Festmahl, denn der Bärlauch ist ein leckeres Lebensmittel, aromatisches Gewürz und eine Heilpflanze in einem. Was den Bärlauch so gesund macht, und wie er richtig eingesetzt wird, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bärlauch ist ein Lauchgewächs und blüht im Frühjahr

Im März, wenn die Tage spürbar länger werden und die Temperaturen zu steigen beginnen, zieht es die Menschen mehr und mehr nach draussen ins Freie. Nach den langen, düsteren und kalten Wintermonaten läd die Frühlingssonne geradezu mit Nachdruck zu Spaziergängen ein. Wer sich dann auf einen Gang durch den Wald begibt, bemerkt vielerorts einen würzigen Geruch, der beim genaueren Hinriechen an Knoblauch erinnert. Es ist der Bärlauch, ein enger Verwandter vom Knoblauch. Schon im März ragen seine Blätter an halbschattigen und schattigen Orten aus dem Waldboden heraus. Seine Blüte lässt sich erst später blicken, im April oder im Mai. Das kommt ganz auf den Standort und das Klima an.

Ein grüner Teppich aus Bärlauch

Zurückhaltend ist der Bärlauch nicht. Er verfügt über einen starken Ausbreitungsdrang und besiedelt gerne großflächig mehrere hunderte Quadratmeter Waldboden, bis es an der Zeit ist sich erneut zurückzuziehen und anderen Waldbewohnern Platz zu machen. Meistens ist das im Mai oder Juni der Fall. Auf der anderen Seite ist der Bärlauch auch empfindlich, zumal er sich den Platz im Wald und an Wegrändern mit anderen Pflanzen teilen muss. Da kann es schon mal vorkommen, dass eine Horde Buschwindröschen noch ein wenig durchsetzungsfähiger ist, und den Waldboden für sich beansprucht. Meistens aber arrangieren sich die Frühlingspflanzen untereinander.

Bärlauch liebt nährstoffreiche, lockere und feuchte Waldböden

Was der Bärlauch nicht verträgt, sind harte Gewerke. Auf verdichteten und überanspruchten Waldböden überlebt der Bärlauch nicht. Vielerorts aber, zum Beispiel in den Wädern zwischen Ulm und Stuttgart sowie im Harz wächst und gedeiht er geradezu massenhaft. Das ist erfreulich, denn der Bärlauch ist essbar und vielseitig einsetzbar.

Wissenswertes

Wer wenig oder keine Erfahrung zum Bestimmen von essbaren Wildpflanzen und Heilkräutern hat, kann zum Beispiel an einem Bestimmungs- und Enddeckungskurs von ausgebildeten Botanikern oder Kräuterpädagogen teilnehmen. In den Kursen lernen Sie, wie Bärlauch in seinem natürlichen Lebensraum aussieht und von anderen Pflanzen zu unterscheiden ist. So können Verwechslungen mit anderen Pflanzen, wie dem Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose vermieden werden. Auch die Benutzung von Bestimmungsbücher kann helfen.

 

Bärlauchkraut speichert Alliine und Flavonoide

Zerreibt man die Blätter von frischem Bärlauch zwischen den Fingern, wird ein knoblauchähnlicher Geruch freigesetzt. Das liegt an schwefelhaltigen Verbindung im Bärlauch, die Alliine. Werden die Blätter vom Bärlauch zerdrückt oder zerschnitten, bauen bestimmte Enzyme in den Zellen vom Bärlauch das Alliin in die wirksame Substanz Allicin ab. Allicin wirkt leicht blutdruck- und cholesterinsenkend sowie antibakteriell. Außerdem tragen die Schwefelverbindungen dazu bei Insekten abzuwehren.

Wissenswertes

Der Anteil an schwefelhaltigen Verbindungen ist rund 1/3 niedriger als beim Knoblauch. Folglich ist seine Wirksamkeit schwächer als die vom Knoblauch. Als Vorteilhaft empfinden viele Menschen, dass der typische Knoblauchgeruch nach dem Verzehr aus dem Mund und der Haut beim Bärlauch nicht oder weniger stark ausgeprägt ist.

Weitere Inhaltsstoffe vom Bärlauch sind Flavonoide und Lektine.

Bestimmte Inhaltsstoffe im Bärlauch können die Gefäßgesundheit verbessern

Der Bärlauch in der Medizin

In der Volksheilkunde hat der Bärlauch eine lange Tradition. In der modernen Phytotherapie spielt die Pflanze hingegen eine untergeordnete Rolle.

Wissenswertes

In der Volksheilkunde wird Erfahrungswissen über die Wirkungen und Anwendung von Heilpflanzen innerhalb der Bevölkerung weitergegeben. Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in der Volksmedizin keine oder eine untergeordnete Rolle. In der Phytotherapie ist es umgekehrt: Hier gelten die selben Regeln wie in der konventionellen Medizin. Mit anderen Worten: Ob eine Heilpflanze als wirksam oder unwirksam eingestuft wird, wird anhand der selben Bewertungskriterien ermittelt, die auch für synthetische Arzneimittel gelten.

Anwendungsgebiete aufgrund erster Studien

Tier- und Laboruntersuchungen ergaben, dass die Extrakte aus dem Bärlauch vergleichbare Wirkungen wie der Knoblauch hat. Der regelmäßige Verzehr könnte helfen um

  • Den Blutdruck leicht zu senken
  • Den Cholesterinspiegel herabzusetzen
  • Die Entstehung von Atheriosklerose (Gefäßverkaltung) zu mindern
  • Die Fließeigenschaften vom Blut durch eine leicht blutverdünnende Wirkung zu verbessern
  • Das Herz zu schützen

Anwendungsgebiete in der Volksmedizin

Traditionell und aufgrund von Erfahrung werden die Blätter und das Kraut vom Bärlauch eingesetzt bei:

  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen (durch Bakterien im Magen)
  • Äußerlich bei Hautausschlägen

Die Einzelportion, Tagesmenge und der Einsatz von Bärlauch in der Medizin

Trotz des therapeutischen Potentials vom Bärlauch, wird die Pflanze in erster Linie als Gemüse- und Gewürzpflanze verwendet. Aus diesem Grund liegen genaue Angaben zur Dosierung vom Bärlauch nicht vor.

Zubereitungen mit Bärlauch wie zum Beispiel Frischpflanzensaft, Tropfen und Kapseln erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und im Online-Handel.

Bärlauch Tinktur

  • 20 Gramm frische, junge Bärlauchblätter
  • 100 Milliliter hochprozentigen Alkohol (mind. 50%)

Zerschneiden Sie die gewaschenen Bärlauchblätter und füllen sie diese in eine beschriftete Braunglasflasche. Übergießen Sie die Blätter mit dem Alkohol, dann den gut verschlossenen Ansatz für drei Wochen ziehen lassen. Gelegentlich schütteln.

Die Tinktur durch einen Teefilter oder ein feines Sieb abfiltern, zurück in die Braunglasflasche füllen und einen Tropfeinsatz (erhältlich in Apotheke oder Online-Handel) hinzufügen. Dreimal täglich 20 Tropfen einnehmen. Die Tinktur innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.

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Der Bärlauch als Lebensmittel

Blätter, Stängel, Blüten und Zwiebeln vom Bärlauch sind essbar. Die oberirdischen Pflanzenteile werden zwischen März und Mai geerntet, die Zwiebeln im Herbst. Wenn Sie den Bärlauch einwandfrei identifizieren können, kann die Pflanze im Wald gesammelt werden. Alternativ bieten Direktvermarkter (Bauernhöfe) und gut sortierte Supermärkte die aromatischen Blätter im Frühjahr zum Kauf an.

Falls Sie schon einmal eine Bärlauchsuppe genossen haben, kennen Sie bereits den aromatisch-würzigen Geschmack der Pflanze. Bärlauch kann aber auch als Belag für Pizza, zur Herstellung von Pesto, Kräuterbutter und Gewürzmischungen verwendet werden.

Hinsichtlich der Nährstoffe sind die Blätter vom Bärlauch am besten untersucht. Ihr Gehalt kann allerdings je nach Standort, Boden, Klima und Jahreszeit schwanken.

Nährstoffe

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Energie in Kilokalorien (kcal)

23

Eiweiß

0,90 Gramm

Fett

0,30 Gramm

Kohlenhydrate

2,93 Gramm

Ballaststoffe

2,18 Gramm

Wasser

92,64 Gramm

 

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische Bärlauchblätter

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

336 Milligramm

4000 Milligramm

Magnesium

22 Milligramm

350-400 Milligramm

Kalzium

76 Milligramm

1000 Milligramm

Eisen

2,87 Milligramm

10,0-15,0 Milligramm

Kupfer

80,0 Mikrogramm

1.000-1.500 Mikrogramm

Vitamin C

150 Milligramm

95-110 Milligramm

Folsäure

17 Milligramm

300 Milligramm

Thiamin (Vitamin B1)

0,13 Milligramm

1,2 Milligramm (Männer), 1,0 Milligramm (Frauen)

Vitamin B6

0,20 Milligramm

1,6 Milligramm (Männer), 1,4 Milligramm (Frauen)

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz in der Küche

Bärlauchblätter oder Bärlauchkraut können roh, gekocht oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel für Pesto, Salate und Suppen. Trocknen erhöht die Haltbarkeit der Blätter und des Krautes. Allerdings gehen dabei auch wertvolle Geschmacks- und Duftstoffe verloren.

Bärlauchpesto passt hervorragend zu Tomaten und Mozzarella

Bärlauchpesto für 6-8 Portionen

Als Zutaten für ein Bärlauchpesto brauchen Sie:

  • 200 Gramm frischer Bärlauch
  • 25 Gramm Pinienkerne, geröstet
  • 25 Gramm Parmesan, gerieben
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1 Messerspitze Pfeffer
  • 200 Milliliter Olivenöl

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden.
  2. Pinienkerne in einer Küchenmaschine fein zerhacken.
  3. Bärlauchblätter, Salz, Parmesan, Pfeffer und Olivenöl dazugeben und alles zu einem sämigen Pesto vermischen.
  4. Das Bärlauchpesto nun in ein beschriftetes Glas füllen und innerhalb von zwei Wochen verbrauchen.

Es schmeckt besonders gut zu Nudeln, auf Mozzarella-Käse, gekochten Eiern und zu warmen und kalten Gemüsegerichten.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 30 Minuten.

Kinder lieben grüne Nudeln

Bärlauchsuppe für 4 Portionen

Für die Bärlauchsuppe brauchen Sie:

  • 150 Gramm frische Bärlauchblätter
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • 5 mittelgroße Kartoffeln
  • 1,2 Liter Gemüsebrühe
  • 100 Milliliter Kokosmilch
  • 2 Esslöffel Rapsöl
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

  1. Die Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und in Scheiben schneiden. Vier kleine Bärlauchblätter zur Seite legen.
  2. Die Zwiebel abziehen, waschen und würfeln.
  3. Die Kartoffeln schälen, waschen und ebenfalls würfeln.
  4. Rapsöl im Topf erhitzen. Zwiebeln andünsten. Anschließend mit Gemüsebrühe übergießen und alles zum kochen bringen.
  5. Kartoffeln und Bärlauch hinzufügen. Die Suppe zehn bis 15 Minuten kochen lassen, dann alles pürrieren.
  6. Kokosmilch hinzufügen, die Zutaten verrühren und nochmals kurz aufkochen lassen.
  7. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann die Suppe mit einem Bärlauchblatt servieren.

Die Zubereitungszeit beträgt rund 45 Minuten.

Die unerwünschten Wirkungen vom Bärlauch als Arzneimittel

In sehr hohen Mengen soll der Bärlauch Magenreizungen auslösen können.

Literatur

Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Die besten Hausmittel gegen Fieber

Fieber tritt als eine Abwehrreaktion vom Körper gegen Krankheitskeime auf. Dadurch können Viren und Bakterien besser bekämpft werden. Hausmittel helfen dabei, das Fieber zu lindern und das Immunsystem zu unterstützen. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bei Fieber ist das Immunsystem besonders aktiv

Fieber: Beschreibung und Ursachen

Bei Fieber steigt die Körpertemperatur auf über 38 Grad Celsius (°C) an. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Diese reagieren empfindlich auf die hohe Körpertemperatur und lassen sich dadurch besser bekämpfen. Gleichzeitig sind bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems bei Fieber besonders aktiv: Sie bedrängen die Krankheitskeime, greifen sie an und schalten sie dann aus. Wichtig bei Fieber ist, dem Körper Ruhe zu gönnen, sodass sich das Immunsystem voll auf seine Aufgabe konzentrieren kann. Ein Infekt klingt dann oft binnen weniger Tage wieder ab.

Neben der Abwehr von Krankheitskeimen kann Fieber zudem andere Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Autoimmunerkrankungen und Krebserkrankungen. 

Fieber entsteht im Gehirn

Fieber ist ein Symptom, das von einem Steuerungszentrum im Gehirn reguliert wird, dem Hypothalamus. Im Hypothalamus befindet sich das Wärmeregulationszentrum. Es erhält seine Informationen über Wärme- und Kältefühler, die sich im Körper und auf der Haut befinden. Misst der Hypothalamus zu warme Temperaturen im Körperinneren, werden die Blutgefäße der Haut weitergestellt und er befiehlt vermehrtes Schwitzen. Ist es im Körperinneren hingegen zu kalt, tritt das Gegenteil ein: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, Gänsehaut entsteht und ein Muskelzittern (Schlottern vor Kälte) wird „eingeleitet“, damit die Körperkerntemperatur ansteigt. 

Wie entsteht Schüttelfrost? 

Bei Fieber kann auch die Wärmeabgabe herabgesetzt werden. Die Blutgefäße in der Haut stellen sich enger, weswegen Menschen mit Fieber oft eine kalte, blasse Haut haben und trotz Wärme im Inneren nicht schwitzen. Diese Reaktion dient dazu den Stoffwechsel anzuregen: Es kommt zu Schüttelfrost (Muskelzittern), wodurch wiederum die Wärmebildung ansteigt.

Schwitzen und Schüttelfrost bei Fieber – Warum ist das so?

Ordnet der Hypothalamus an, das Fieber zu senken, weiten sich die Blutgefäße der Haut. Sie wird warm, rot und Betroffene beginnen zu schwitzen.

Sowohl der Schüttelfrost und das Schwitzen dienen dazu, dass übermäßige Wärme den Körper verlässt. In Folge kühlt der Körper ab.

Wie wird Fieber eingeteilt?

Fiebermessen im Po ist zwar unangenehm, aber am genausten. Die nachfolgenden Werte beziehen sich auf die Fiebermessung im Po (Rektalmessung):

Temperatur in Grad Celsius (°C)

Beurteilung

37,5 bis 38,0

Erhöhte Körpertemperatur

38,0 bis 38,5

Leichtes Fieber

38,5 bis 39,0

Fieber

39,0 bis 40,0

Hohes Fieber

Über 40°C

Sehr hohes Fieber

Fieber ist oft eine Reaktion gegen Krankheitskeime

Ursachen von Fieber

Fieber ist ein typisches Symptom bei einer Erkältung, Influenza-Grippe oder bei einer Infektion mit Corona Viren, COVID-19. 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Entzündungskrankheiten bei denen Fieber auftreten kann wie zum Beispiel Lungenentzündung, eitrige Mandelentzündung mit Halsschmerzen, Blutentzündung und akuten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. 

Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • Nierenbeckentzündung
  • Blinddarmentzündung
  • Entzündungen der Gefäße, der Leber und des Bindegewebes (Kollagenosen)
  • Krebserkrankungen wie Lymphdrüsenkrebs
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Tuberkulose
  • Allergien
  • Thrombose

Fieber: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Fieber ist bei einer Erkältung ein häufiges Symptom. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie Fieber über 39 Grad haben, aber keine Erkältungssymptome bestehen.
  • Sie hohes Fieber haben und gleichzeitig starke Kopfschmerzen bekommen, einen steifen Nacken oder Sie zunehmend teilnahmelos werden.
  • Sie mehr als drei Tage Fieber haben.
  • Sie in Intervallen Fieber haben.
  • Ihr Allgemeinzustand zunehmend schlechter wird.
  • Sie unsicher sind.

Achtung!

Ein Fieberkrampf ist ein Notfall.Tritt dieser bei Kindern erstmals auf oder hält länger als drei Minuten an, sollte ein Notarzt oder ein Kinderarzt gerufen werden. Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall, der an einen epilepsieartigen Anfall erinnert.

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Die besten Hausmittel gegen Fieber

Hausmittel bei Fieber helfen auf verschiedene Art und Weise. Bei erhöhter Körpertemperatur und Fieber ist Ruhe zudem eine wichtige unterstützende Maßnahme. Achten Sie generell darauf viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das vermehrte Schwitzen auszugleichen. Gut geeignet sind zimmerwarmes Wasser, Kräuter- und Früchtetees. Zudem sollten Sie die Körpertemperatur im Auge behalten und regelmäßig Fiebermessen.

Wadenwickel

Wadenwickel setzen die Körpertemperatur herab indem die kalte Nässe vom Wickel auf der warmen Haut des Fieber-Betroffenen verdunstet. Durch die Verdunstungskälte wird dem Körper Wärme entzogen und die Körpertemperatur fällt um 0,5 bis 2°C. Wichtig ist es den Wickel nach spätestens zehn Minuten zu entfernen, wenn die Tücher warm geworden sind.

Für einen Wadenwickel werden fünf Handtücher aus Naturfasern benötigt, zum Beispiel aus Baumwolle, Hanf oder Leinen: 

  • zwei Handtücher für die Innenlage
  • zwei Handtücher für äußere Lagen
  • ein großes Handtuch als Unterlage damit die Matratze nicht feucht wird und zusätzlich 
  • eine Wolldecke oder einen Schal. 

Synthetische Fasern lassen weder Feuchtigkeit noch Luft durch.

Anwendung

Ein Wadenwickel sollte im Liegen durchgeführt werden. Wichtig ist, dass der Körper vom Fieberpatienten mit Ausnahme der Waden warm gehalten wird, besonders die Füße. Bei einem Wadenwickel können daher Socken getragen werden. Um den Oberkörper warm zu halten, kann die wärmende Bettdecke helfen. Über die Unterschenkel sollte die Bettdecke aber nicht reichen, damit die Wärme von innen nach außen abgeleitet werden kann.

Für die Innenlagen zwei dünne Handtücher in kühlem Wasser tränken, das eine Temperatur von 16 bis 20 °C hat. Bei Kindern sollte die Temperatur höher sein und zwischen 28 bis 32 °C betragen, damit der Kreislauf nicht zu sehr beansprucht wird. Im nächsten Schritt werden die Tücher ausgewrungen und eng um die Waden gewickelt. Der Wickel sollte von der Kniekehle bis zum Fußgelenk reichen. Auf die feuchte Innenschicht folgen zwei weitere trockene Tücher, die um die feuchten Tücher gelegt werden. Abschließend erfolgt noch eine warme Lage, etwa eine Wolldecke.

Den Wickel nun zehn Minuten oder länger einwirken lassen, bis dieser warm geworden ist. Danach die Tücher entfernen und eine Pause von 15 bis 20 Minuten einhalten. Der Wadenwickel kann bis zur dreimal wiederholt werden. Die Anwendungen können somit zwischen 20 Minuten bis zwei Stunden dauern.

Vorsicht!

Ein Wadenwickel sollte nur dann angewendet werden, wenn der ganze Körper warm ist. Bei Schüttelfrost, kalten Händen und Füßen, sollten keine Wadenwickel angewendet werden, da die Umschläge das Fieber noch weiter ansteigen lassen und die Immunabwehr hemmen können. Nicht angewendet werden sollte ein Wadenwickel bei Durchblutungsstörungen der Beine, Fieber unter 39°C, bzw. unter 40°C bei Kindern, Infektionen der Harnwege und Ischiasnervproblemen.

Quark-Wadenwickel

Das Wirkprinzip vom Wadenwickel und Quark-Wadenwikel ist ähnlich. Der kalte Quark-Wickel soll die Wärme über die Haut abtransportieren und den Blut- und Lymphfluss aktivieren. Sie benötigen:

  • 250 bis 500 Gramm zimmerwarmen oder gekühlten Quark
  • zwei dünne Handtücher aus Baumwolle, Lein oder Hanffasern als Kompresse
  • zwei weitere Handtücher oder Mullbinden zum fixieren

Anwendung

Zimmerwarmer Quark wird messerrückendick auf das Handtuch verteilt und einmal gefaltet. Dann wird die Quark-Kompresse um die Waden gelegt. Wichtig ist, dass die Stoffseite vom Handtuch auf der Haut liegt und nicht der Quark. Jetzt kann der Quark-Wickel 15 bis 40 Minuten einwirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Vorsicht!

Menschen mit einer Kuhmilcheiweißallergie dürfen den Quarkwickel nicht anwenden. Gleiches gilt bei offenen Wunden.

Mädesüß ist eine einheimische Heilpflanze

Mädesüßtee

Die Blüten und das Kraut vom Mädesüß enthalten eine Vorläufersubstanz der sogenannten Acetylsalicylsäure (ASS), besser bekannt unter dem Markennamen Aspirin®. Der fiebersenkende und schmerzlindernde Inhaltsstoff der Mädesüßblüten und dessen Kraut sind aber für den Körper weniger belastend als ASS, da die aktive Substanz erst im Körper selbst gebildet wird.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (1 Gramm) getrocknete Mädesüßblüten oder einen Teelöffel (1-2 Gramm) Mädesüßkraut (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Pflanzenteile, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn Minuten ziehen lassen, dann die Blüten oder das Kraut abseihen.

Trinken Sie bis zu drei Tassen Mädesüßtee täglich. Bis eine Wirkung spürbar wird, können zwei Stunden oder mehr vergehen. 

Vorsicht!

Nicht bei einer Allergie gegenüber Salicylaten anwenden. Die gleichzeitige Anwendung von Salicylaten und anderen „Nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR) sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Bekannte NSAR-Wirkstoff sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Mädesüß bei schwangeren und stillenden Frauen vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden.

Weidenrindentee

Auszüge aus der Weidenrinde werden schon seit Jahrhunderten gegen Fieber und Schmerzen angewendet. Das Wirkprinzip ist mit dem vom Mädesüß vergleichbar. Bei der Anwendung der Weidenrinde als Tee ist zu beachten, dass ein Effekt frühestens zwei Stunden nach der Einnahme einsetzt. Grund hierfür ist, dass der Hauptinhaltsstoff, das Salicin, erst im Körper zur wirksamen Salicylsäure umgewandet werden muss.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (2 Gramm) getrocknete Weidenrinde (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kaltem Wasser. Sie können lose Rinde oder einen Teefilter beziehungsweise ein Tee-Ei verwenden. Die Mischung zum kochen bringen, dann den Topf vom Herd nehmen und 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach die Rinde absieben und den Tee trinken.

Pro Tag können drei bis fünf Tassen Weidenrindentee getrunken werden.

Vorsicht!

Nicht bei einer Allergie gegenüber Salicylaten anwenden. Die gleichzeitige Anwendung von Salicylaten und anderen „Nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR) sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Weidenrinden bei schwangeren und stillenden Frauen vorliegen, sollte auf eine Anwendung verzichtet werden.

Holunderblütentee

Ein Tee mit Holunderblüten wirkt leicht schweißtreibend und eignet sich bei leichtem Fieber mit Kältegefühl bis Schüttelfrost. Die schweißtreibende Wirkung geht vermutlich auf die enthaltenen Glykoside der Holunderblüten zurück. Abschließend kann die Frage nach dem fiebersenkenden Wirkmechanismus aber noch nicht beantwortet werden. 

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion zwei bis drei Teelöffel (3-4 Gramm) getrocknete Holunderblüten (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, dann die Blüten abseihen.

Trinken Sie bis zu drei Tassen Holunderblüten täglich, bevorzugt in der zweiten Tageshälfte.

Vorsicht!

Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Holunderblüten bei Schwangerschaft und während der Stillzeit vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden.

Info!

Hausmittel können Fieber lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Behandlungen ergänzen oder alleinig angewendet werden. Dennoch haben Hausmittel auch ihre Grenzen. Sollte das Fieber länger als drei Tage anhalten oder trotz Behandlung andauern oder sich sogar verschlimmern, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Andere Gründe, für die eine medizinische Konsultation notwendig ist, finden Sie oben im Kapitel „Wann sollten Sie zum Arzt gehen?“

Quellen und Literatur

European Medicines Agency (EMA): Community herbal monograph on Filipendula ulmaria (L.) Maxim., herba. 2011. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-filipendula-ulmaria-l-maxim-herba-first-version_en.pdf, Zugriff am 31.03.2020.

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Salix [various species including S. purpurea L., S. daphnoides Vill., S. fragilis L.], cortex. 2017. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-salix-various-species-including-s-purpurea-l-s-daphnoides-vill_en.pdf, Zugriff am 31.03.2020.

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Sambucus nigra L., flos. 2018.Online Portal: https://www.fitoterapia.net/archivos/201807/wc500251100.pdf?1, Zugriff am 31.03.2020.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Halsschmerzen: Welche Hausmittel helfen?

Halsschmerzen entstehen oft durch Entzündungen im Halsraum. Begleitet werden die Schmerzen häufig von Schluckbeschwerden, Heiserkeit und einem Kloßgefühl im Hals. Hausmittel können die Schmerzen abmildern und die Abheilung fördern. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Halsschmerzen sind bei Erkältungen besonders häufig

Halsschmerzen: Beschreibung und Ursachen

Bei Halsschmerzen kommt es oft zu Schmerzen im Bereich vom Kehlkopf und Rachen. Die empfundenen Schmerzen werden oft als kratzend, brennend oder stechend beschrieben. Zudem leiden Betroffene oft an Schluckbeschwerden, Heiserkeit, dem Gefühl einen Kloß im Hals zu haben oder sie haben das Empfinden, das der Hals trocken ist. Starke Halsschmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen und je nach Ursache von Fieber und vermehrtem Speichelfluss begleitet werden.

Meistens treten Halsschmerzen durch eine Entzündung der Schleimhäute im Rachen durch Viren und Bakterien auf: Die Schleimhäute sind dann gerötet und häufig angeschwollen. Dabei können auch die Mandeln sowie die Lympfknoten am Hals merklich geschwollen sein. Die Schwellungen zeigen an, dass das Immunsystem mit Hochdruck daran arbeitet, die Krankheitserreger zu bekämpfen.

Bei einer Erkältung kommt es fast immer zu Halsschmerzen. Auch bei eine Influenza-Grippe oder bei einer Infektion mit Corona Viren, COVID-19, kann es manchmal zu Halsschmerzen kommen. 

Zudem gibt es zahlreiche Entzündungskrankheiten bei denen Halsschmerzen auftreten wie zum Beispiel die Mandelentzündung (Tonsillitis), Kehldeckelentzündung (Epiglossitis), Diphtherie, Pfeiffersches Drüsenfieber und Schilddrüsenentzündung. 

Daneben kommen auch Entzündungen der Speiseröhre und der Atemwege für die Halsschmerzen in Frage. Menschen, die an saurem Aufstoßen leiden (Refluxkrankheit) oder reizende Stoffe einatmen sind ebenfalls oft von Halsschmerzen betroffen. Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • Mundsoor (Pilzerkrankung)
  • Kinderkrankheiten wie Scharlach, Mumps, Masern und Röteln
  • Herpangina (Infekt durch Coxackie-Viren)
  • Einatmen oder Verschlucken von Fremdkörpern
  • Verätzungen oder Verbrühungen vom Rachen oder der Speiseröhre
  • Insektenbisse oder Insektenstiche
  • Tumore im Bereichen von Zunge, Rachen, Speiseröhre, Mandeln und Kehlkopf

Halsschmerzen, die durch einen Infekt verursacht wurden, lassen meistens nach wenigen Tagen nach und klingen von alleine ab. 

Halsschmerzen: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Halsschmerzen sind bei einer Erkältung ein häufiges Symptom. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie von sehr plötzlichen und sehr starken Halsschmerzen betroffen sind.
  • Sie heftige Schluckbeschwerden haben.
  • Sie mehrere Tage Halsschmerzen haben oder die Schmerzen schlimmer werden.
  • Sie zusätzlich Fieber bekommen.
  • Sie zudem an Atembeschwerden leiden.
  • Sie zusätzlich von Übelkeit und Erbrechen betroffen sind.
  • Sie einen Fremdkörper verschluckt haben oder sich den Rachen oder die Speiseröhre verbrannt oder verätzt haben.
  • Ihr Hals durch einen Insektenstich oder Insektenbiss schmerzt.
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Die besten Hausmittel gegen Halsschmerzen

Hausmittel bei Halsschmerzen helfen auf verschiedene Art und Weise. Sie lindern die Entzündung, mildern den Schmerz oder sie fördern die Abheilung.

Eichenrinden-Gurgellösung

Die Rinde der Eiche enthält besonders viele Gerbstoffe. Gerbstoffe wirken oberflächenverdichtend auf die Schleimhäute: Sie gehen eine unlösliche Verbindung mit den Eiweißen auf der Schleimhaut ein, sodass sich diese zusammenzieht. Dadurch ist die gereizte Schleimhaut im Hals besser abgedichtet und kann schneller abheilen. 

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknete Eichenrinde (2 Gramm) mit 250 Millilitern kaltem Wasser in einem kleinen Topf. Erhitzen Sie die Mischung, bis sie kocht. Nehmen Sie den Topf vom Herd, decken Sie ihn mit einem Deckel zu und lassen Sie die Mischung zehn Minuten ziehen. Danach die Rinde durch ein Teesieb abseihen und die Flüssigkeit abkühlen lassen. 

Gurgeln Sie mit dem abgekühlten Auszug so lange wie möglich, bevor sie ihn ausspucken. Wiederholen Sie die Anwendung mehrmals täglich.

Vorsicht!

Kinder, die jünger als zehn Jahre sind, sollten nicht mit Eichenrinde gurgeln.

Die Rinde der Eiche steckt voller Gerbstoffe

Quark-Wickel

Der kalte Quark-Wickel soll die Wärme über die Haut abtransportieren und den Blut- und Lymphfluss aktivieren. Dadurch zählt er zu den ableitenden Therapien. 

Anwendung

Zimmerwarmer Quark wird messerrückendick auf eine Kompresse oder ein kleines Geschirrtuch verteilt. Dann wird die Quark-Kompresse auf den Hals gelegt. Dort kann der Quark-Wickel 15 Minuten einwirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Vorsicht!

Menschen mit einer Kuhmilcheiweißallergie dürfen den Quarkwickel nicht anwenden (Gilt nich bei Laktoseunverträglichkeit!). Gleiches gilt bei offenen Wunden.

Kartoffel-Halswickel

Wickel mit Kartoffeln sind ein altbewährtes Hausmittel bei Halsweh. Dazu werden 300 Gramm frische, gekochte Pellkartoffeln mit Schale in ein längs gefaltetes Handtuch gegeben und zerdrückt.

Anwendung

Geben Sie die Kartoffelmasse in ein Tuch und legen Sie dieses auf den Hals. Umwickeln Sie dieses mit einem großen Handtuch, um die Wärme zu erhalten und die Masse zu fixieren. Lassen Sie den Kartoffelwickel 20 Minuten oder länger einwirken. Danach die Masse entfernen und ruhen.

Vorsicht!

Die Kartoffelmasse sollte nicht zu heiß sein.

Eibischwurzeltee

Die Wurzeln der Eibischpflanze sind reich an sogenannten Schleimstoffen. Werden sie mit Wasser übergossen, gehen sie in die Flüssigkeit über. Gelangen die Schleimstoffe in den Mund und Rachen breiten sie sich wie ein schützendes Gel aus und lindern so den Hustenreiz.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel (2 Gramm) getrocknete Eibischwurzeln (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kaltem Wasser, 1/2 Stunde ziehen lassen, dann abfiltern. Sie können lose Wurzeln, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden.

Erwärmen Sie den Tee nun auf Trinktemperatur. Kochen sollte die Mischung nicht, da die Schleimstoffe sonst zerstört werden und ihre Wirkung verlieren.

Alternativ können Sie auch mit dem Eibischwurzeltee eine Minute lang bei Halsschmerzen gurgeln. Anschließend wird die Lösung ausgespuckt..

Trinken Sie täglich bis zu vier Tassen Eibischwurzeltee.

Vorsicht!

Wenn Sie die Eibischwurzel-Extrakte als Tee einnehmen, sollten andere Arzneimittel etwa 30 bis 60 Minuten früher oder später eingenommen werden. Die Schleimstoffe könnten die Aufnahme anderer Medikamente in den Körper hemmen.

Die Extrakte der Blätter vom Salbei lindern Halsschmerzen

Salbeitee

Die Blätter vom Salbei enthalten einen entzündungshemmenden Cocktail aus Inhaltsstoffen, der die Vermehrung von Viren, Bakterien und Pilzen hemmt und zusätzlich die entzündeten Schleimhäute verdichtet. Genauer handelt es sich bei den Inhaltsstoffen um ätherische Öle, Gerbstoffe und Flavonoide. Dadurch gehört der Salbeitee zu den besten und wirksamsten Hausmitteln gegen Halsschmerzen.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion zwei Teelöffel (1,5 Gramm) getrocknete Salbeiblätter (Apothekenqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann die Blätter abseihen.

Trinken Sie bis zu vier Tassen Salbeitee täglich, oder gurgeln Sie mit der kalten Lösung bei Bedarf. Salbeitee sollte nicht länger als vier Wochen am Stück angewendet werden.

Vorsicht!

Bei langfristiger, innerer Anwendung der Salbeiblätter und bei Dosierungen von mehr als 15 Gramm täglich kann es zu Hitzegefühlen, rasendem Herzschlag, Schwindel und Krämpfen kommen.

Da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Salbeiblättern bei Schwangerschaft und während der Stillzeit vorliegen, sollte auch eine Anwendung verzichtet werden. Zudem hemmt Salbeitee den Milchfluss bei stillenden Müttern. Schwangere und Stillende dürfen aber mit Salbeitee bei Halsweh gurgeln.

Menschen, die Barbiturate und Benzodiazepine einnehmen, sollten Rücksprache zu der Einnahme von Salbeitee mit der Ärztin oder dem Arzt halten, da Wechselwirkungen möglich sind.

Reizlindernde Nahrung

Um die gereizte Schleimhaut im Rachen zu beruhigen, kann das Schlecken von Eiscreme ebenso wie der Genuss kalter Getränke helfen. Die Entzündung lindern sie aber nicht.

Zudem tun weiche und flüssige Nahrungsmittel dem Rachen gut: Warme Milch oder ein Pflanzendrink mit Honig, Naturjoghurt mit püriertem Obst, mild gewürzte Suppen und Brote ohne Körner schützen die Schleimhäute vor Reibung und Druck. Dadurch können sie das Schlucken erleichtern.

Nicht zu empfehlen sind hingegen saure und salzige Lebensmittel. Sie reizend den schmerzenden Hals ebenso wie grobkörnige oder faserige Nahrungsmittel nur noch mehr.

Info!

Hausmittel können die Halsschmerzen lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Behandlungen ergänzen oder alleinig angewendet werden – haben allerdings auch ihre Grenzen. Sollten die Halsschmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten oder trotz Behandlung andauern oder sich sogar verschlimmern, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Quellen und Literatur

European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Althaea officinalis L., radix. 2016. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-althaea-officinalis-l-radix_en.pdf, Zugriff am 23.03.2020.

Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003

Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Hausmittel gegen Reizhusten durch Viren und Bakterien

Reizhusten ist ein Husten ohne Auswurf. Ausgelöst wird er durch eine Reizung der Atemwege, die von Viren und Bakterien verursacht werden. Hausmittel können den Hustenreiz lindern und die Abheilung fördern. Welche das sind, und wie die Hausmittel richtig angewendet werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Gesunde Menschen brauchen keine Atemschutzmaske als COVID-19 Schutz

Was ist Reizhusten?

Reizhusten entsteht durch die Reizung der unteren Atemwege und ist ein Reflex: In der Schleimhaut vom Rachen befinden sich Husten-Rezeptorstellen, die bei gesunden Menschen von einer Schleimhautschicht bedeckt sind. Ist diese Schleimschicht trocken und beeinträchtigt, werden die Husten-Rezeptorstellen angegriffen, und es kommt zu einem Hustenreiz. Dabei wird ein ruckartiges Ausstoßen von Luft von der Atemmuskulatur erzeugt, um Krankheitskeime oder andere Schadstoffe aus den Atemwegen zu befördern. Aus diesem Grund sollte ein Hustenreflex möglichst nicht unterdrückt werden.

Oft tritt akuter Reizhusten zu Beginn einer akuten Bronchitis, Kehlkopfentzündung, Entzündung der Luftröhre, Tumore und bei kleinen Verstopfungen von Blutgefäßen in der Lunge (Lungenembolie). Auch das COVID-19 Virus verursacht Reizhusten.

Zudem können Reizungen der Nase, Nasennebenhöhlen und im Rachenraum trockenen Reizhusten auslösen. Gleiches gilt für bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel ACE-Hemmer. Sie werden gegen Herzschwäche (Herzinsuffizienz und Bluthochdruck) eingenommen: Reizhusten ist dann eine Nebenwirkung dieser Medikamente.

Wissenswertes!

Reizhusten wird auch als trockner Husten oder unproduktiver Husten bezeichnet, da dieser Husten ohne Auswurf einhergeht. Bei Husten mit Auswurf wird hingegen von Schleimhusten oder produktivem Husten gesprochen. Bei Schleimhusten sind die Atemwege wie beim Reizhusten überansprucht, wobei die Ursachen unterschiedlich sein können. Gleiches gilt für Bluthusten: Diese Husten-Form tritt bei schweren Krankheiten wie bei einer schweren Bronchitis mit Blutung der Schleimhaut oder Tuberkulose auf. Sehr selten können auch Krankheiten, die die Blutgerinnung beeinträchtigen wie die Bluterkrankheit oder die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie zum Beispiel Marcumar, Bluthusten auslösen.

Meistens dauert akuter Husten weniger als vier Wochen an, wenn er durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird. Verschwindet der Husten nach drei oder vier Wochen nicht, wird er als chronischer Husten oder Dauerhusten bezeichnet. Von chronischem Husten betroffen sind oft Menschen mit chronischer Bronchitis, Asthma oder Allergien. 

Reizhusten: Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Bei Reizhusten ist die Schleimhaut im Rachen im wahrsten Sinne des Wortes gereizt. Eine Ärztin oder einen Arzt sollten Sie bei Husten in folgenden Situationen aufsuchen, zum Beispiel wenn: 

  • Sie lang anhaltende, ausgeprägte Hustenanfälle haben.
  • Sie länger als eine Woche unverändert stark von Reizhusten betroffen sind.
  • Sie von Atemnot betroffen sind.
  • Sie zunehmend matter werden und Fieber hinzukommt.
  • Ihr Husten schmerzhaft und stärker wird.
  • Sie Blut beim Abhusten sehen.
  • Sie Kontakt mit Personen hatten, die eine Infektionskrankheit haben.
  • Sie in der Vergangenheit eine bekannte Krebserkrankung hatten oder an einer Immunschwäche leiden.

Die besten Hausmittel gegen Reizhusten

Um die gereizte Rachenschleimhaut zu beruhigen, ist Feuchtigkeit das Mittel der ersten Wahl. Zur Verfügung stehen zum Beispiel Kräutertees und Inhalationen. Auch Wickel oder Inhalationen mit Pflanzenextrakten können bei Reizhusten helfen. Bei Reizhusten mit Fieber, darf nicht gebadet werden, da das Herz-Kreislaufsystem überansprucht werden kann.

Malventee

Die Blätter und Blüten der Malve sind reich an sogenannten Schleimstoffen. Werden sie mit Wasser übergossen, gehen sie in die Flüssigkeit über. Gelangen die Schleimstoffe in den Mund und Rachen breiten sie sich wie ein schützendes Gel aus und lindern so den Hustenreiz.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknete Malvenblätter (1,8 Gramm) oder Malvenblüten (1-2 Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blätter oder Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen, dann die Blätter oder Blüten abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Malvenblättern in kleinen Schlucken. Bei angegriffener Schleimhaut in Mund und Rachen können Sie den Auszug für einige Sekunden im Mund halten und verteilen, bevor Sie den Tee herunterschlucken. So verteilen sich die schützenden Schleimstoffe noch besser. Alternativ können Sie den Tee auch wieder ausspucken oder zum Gurgeln verwenden. Dazu sollte er jedoch kalt sein.

Trinken Sie täglich bis zu drei Tassen Malventee.

Vorsicht!

Ob Malvenblätter und Malvenblüten in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen mit der Malve während dieser Zeit nicht angewendet werden.

Malven stecken voller schleimhautschützender Schleimstoffe

Bienenwachs-Wickel

Ein Bienenwachs-Wickel ist eine Stoffkompresse, die mit Bienenwachs beschichtet ist. Sie wird auf die Brust und den Rücken aufgetragen. Sie speichert, vertieft und reguliert die körpereigene Wärme und kann so den Hustenreiz abmildern. 

Anwendung

Aufgewärmt wird die Kompresse für zwei bis vier Minuten im Backofen bei 40°C oder sie wird auf eine Wärmflasche gelegt. Anschließend wird die Kompresse auf die Brust und bei Bedarf zusätzlich auf den Rücken gelegt. Dort kann der Bienenwachs-Wickel 20 Minuten oder mehrere Stunden wirken. Für die Befestigung dient eine Mullbinde oder ein Handtuch. 

Sie erhalten Bienenwachskompressen in Apotheken, Reformhäusern oder im Online-Handel. Ein Vorteil der Kompressen ist ihre Wiederverwertbarkeit: Sie können für zehn bis zwölf Anwendung gebraucht werden.

Vorsicht!

Achten Sie darauf, dass der Bienenwachs-Wickel nicht zu heiß auf die Haut aufgetragen wird. Es kann sonst zu Verbrennungen kommen.

Kartoffelwickel

Der bewährte Kartoffel-Brustwickel lindert den Hustenreiz. Dazu werden 300 Gramm frische Pellkartoffeln mit Schale in ein längs gefaltetes Handtuch gegeben und zerdrückt.

Anwendung

Legen Sie die Kartoffelmasse auf die Brust und umwickeln Sie diese mit einem großen Handtuch, um die Wärme zu erhalten und die Masse zu fixieren. Lassen Sie den Kartoffelwickel 20 Minuten oder länger einwirken. Danach die Masse entfernen und ruhen.

Vorsicht!

Die Kartoffelmasse sollte nicht zu heiß sein.

Desinfizierender Raumduft mit Kiefernnadelöl

Während Feuchtigkeit in der Luft die gereizten Schleimhäute der Atemwege beruhigt, hat Kiefernnadelöl eine leicht desinfizierende Wirkung.

Anwendung

Befüllen Sie eine Schale mit Wasser und geben Sie fünf Tropfen Kiefernnadelöl (Apothekenqualität) hinzu. Stellen Sie das Schälchen an einen warmen Platz, zum Beispiel auf die Heizung oder den Ofen und atmen Sie die Dämpfe ein. Das Schälchen mit dem Kiefernnadelöl sollte in einem Raum stehen, indem Sie sich häufig aufhalten.

Vorsicht!

Wenn Sie an Asthma leiden oder Keuchhusten diagnostiziert wurde, darf kein Kiefernnadelöl angewendet werden. In großen Mengen, kann die direkte Inhalation von konzentriertem Kiefernnadelöl die Haut und Schleimhäute reizen.

Thymiantee

Das Kraut vom Thymian lindert Reizhusten indem seine Inhaltsstoffe (Flavonoide und ätherische Öle) die Bronchialmuskulatur entspannen. Gerade bei krampfartigem Husten, der mit Schmerzen verbunden ist, ist eine Tasse Thyimantee wohltuend.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel getrocknetes Thymiankraut (1,5 Gramm) mit rund 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann das Kraut abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Thymiankraut in kleinen Schlucken. Im Tagesverlauf nehmen Erwachsene bis zu drei Tassen ein.

Vorsicht!

Ob Thymiankraut in therapeutischen Mengen in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen mit dem Thymian während dieser Zeit nicht angewendet werden.

Heilpflanzen für Dummies
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Efeu-Brausetabletten

Bestimmte Inhaltsstoffe der Efeublätter mildern trockenen Reizhusten und lindern die Entzündung der Atemwege. Angewendet werden die Extrakte aus den Efeublättern nur in Form von Fertigarzneimitteln, die in Apotheken erhältlich sind: Die Herstellung von korrekt dosierten Tees ist schwierig, da die enthaltenen Inhaltsstoffe punktgenau abgemessen werden müssen. 

Anwendung

Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene nehmen zwei mal täglich 1 Brausetablette (600 Milligramm) aufgelöst in Wasser ein.

Über die richtige Dosierung von Jugendlichen und Kindern unter 12 Jahren geben Apotheker-Innen und Ärzt-Innen Auskunft.

Vorsicht!

Efeu-Brausetabletten dürfen nicht zusammen mit hustenreizstillenden Medikamenten wie Codein eingenommen werden. Menschen mit Magenschleimhautentzündung oder Magengeschwüren sollten Efeu-Extrakte nur nach Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt einnehmen, da die Inhaltsstoffe die Schleimhäute im Magen reizen können.

Anti-Hustenreiztee

Gegen gereizte, entzündete Schleimhäute kann eine Mischung aus verschiedenen Heilpflanzen helfen. Für 100 Gramm Anti-Hustenreiz-Teemischung brauchen Sie:

  • 40 Gramm Eibischwurzeln
  • 40 Gramm Malvenblätter
  • 20 Gramm Kamillenblüten

Kaufen Sie die Zutaten in der Apotheke oder im Reformhaus. Achten Sie dabei auf das Qualitätsmerkmal „Arzneiqualität“. Nur so ist die erforderliche Menge an wirksamen Inhaltsstoffen garantiert. Vermischen Sie die Zutaten und geben Sie diese in eine beschriftete Teedose.

Anwendung

Übergießen Sie für 1 Portion einen Teelöffel der Teemischung (1,5 Gramm) mit 250 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Kräuter, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und fünf Minuten ziehen lassen, dann das Kraut abseihen.

Trinken den ausreichend abgekühlten Tee in kleinen Schlucken. Im Tagesverlauf nehmen Erwachsene bis zu drei Tassen ein.

Vorsicht!

Ob die Heilpflanzen in therapeutischen Mengen in der Schwangerschaft und Stillzeit negative Effekte ausüben, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Zubereitungen der Teemischung während dieser Zeit nicht angewendet werden. 

Auch bei bekannten Allergien und Unverträglichkeiten gegenüber eine oder mehrere Heilpflanzen der Teemischung sollten Sie auf die Anwendung verzichten.

Einreibungen

Salben, Cremes und Gele mit ätherischen Ölen wie Kampfer, Fichte, Kiefer und Eukalyptus entspannen die Atemwegsmuskulatur und lindern den Hustenreiz. Entsprechende Präparate können Sie in der Apotheke oder in Drogerien kaufen.

Anwendung

Bitte wenden Sie das Präparat nach den Anweisungen des Herstellers an.

Vorsicht!

Bitte beachten Sie die Warnhinweise der Hersteller.

Info!

Hausmittel können je nach Stärke der Symptome und Krankheitsbild Reizhusten lindern und die Abheilung fördern. Sie können andere therapeutische Therapien ergänzen oder alleinig angewendet werden. Wichtig ist, dass Hausmittel immer einen Effekt auf die Gesundheit auslösen – so mild sie auch sein mögen. Sollte jedoch Ihre Ärztin oder Ihr Arzt der Meinung sein, dass die Anwendung von Hausmitteln den Erfolg einer anderen medizinisch notwendigenTherapie behindern könnte, sollen Sie auf den Einsatz der Hausmittel verzichten.

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Quellen und Literatur

Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007.

Committe on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L., flos. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-european-union-herbal-monograph-malva-sylvestris-l-flos-first-version_en.pdf, Zugriff am 18.03.2020.

Committe on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Malva sylvestris L. and/or Malva neglecta Wallr., folium. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-european-union-herbal-monograph-malva-sylvestris-l/malva-neglecta-wallr-folium-first-version_en.pdf, Zugriff am 18.03.2020.

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. Elsevier Urban & Fischer München 2016.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Lauftherapie: Laufen im Namen der Gesundheit

Die Lauftherapie ist eine noch relativ junge Disziplin innerhalb der Bewegungstherapien. Sie zielt darauf ab, seelischen und körperlichen Beschwerden vorzubeugen und zu behandeln. Lauftherapeuten unterstützen motivierte Anfänger und Wiedereinsteiger dabei einen gesunden Einstieg ins Laufen zu bekommen und dranzubleiben. Welchen Nutzen die Lauftherapie hat, für wen sie geeignet ist und wie Sie einen professionellen Lauftherapeuten finden, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Laufen kann die seelische und körperliche Gesundheit fördern

Laufen als Therapie

Die Lauftherapie ist ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining. Ziel ist es, die Gesundheit zu unterstützen und zu fördern. 

Langsames, ausdauerndes Laufen (Joggen/ Jogging) hat zahlreiche positive Auswirkungen auf die Psyche und den Körper. Daher trägt das Laufen als Therapie zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden und Krankheiten bei, und beeinflusst zum Beispiel die Gesundheit von Herz, Stoffwechsel, Skelettmuskulatur und Gehirn.

Wissenswertes

Laufen als Therapie ist im deutschsprachigen Raum einen noch junge Form der Bewegungstherapie. In Deutschland geht sie auf den Psychologen und Erziehungswissenschaftler Professor Alexander Weber zurück, der in den 1980-iger Jahren das Konzept der Lauftherapie entwickelte. Im Jahr 1988 gründete er das Deutsche Lauftherapiezentrum e.V. in dem seit der Gründung qualifizierte Lauftherapeuten ausgebildet werden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Lauftherapie und Laufsport

Die Vorbeugung von Erkrankung und die Linderung von gesundheitlichen Beschwerden wie die Stärkung vom Herz-Kreislaufsystem stehen bei der Lauftherapie im Vordergrund. Der Leistungsgedanke wie zum Beispiel an einem Marathon teilzunehmen, nimmt dabei einen untergeordneten Stellenwert ein. Zudem wird bei der Lauftherapie darauf geachtet, dass sich die Teilnehmer vor Überbelastung schützen. Ein Grund hierfür ist, dass zu schnelles und unachtsames Laufen oft mehr schadet als nützt: Eine Überbelastung vom Herz-Kreislaufsystem, der Gelenke, Knochen, Muskeln und Sehnen kann dann nicht nur die Gesundheit beeinträchtigen, sondern verdirbt oft jegliche Freude am Laufen.

Soweit muss es aber nicht kommen, und es gibt auch zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen der Lauftherapie und dem (gesunden) Laufsport: Der Aufenthalt in der Natur, eine gute Körperwahrnehmung und der Spaß, welchen viele Menschen durch das Laufen empfinden, tragen oft zu mehr seelischem und körperlichem Wohlbefinden bei. Gerade bei längeren Läufen gelangen Läuferinnen und Läufer nicht selten in einen Flow, der auch als ein meditativer Geisteszustand beschrieben wird.

Die Grenzen zwischen Laufen als Therapie und als Sport gehen daher fließend ineinander über. Wer erst einmal vom „Lauffieber“ ergriffen ist, wird davon kaum noch wegkommen.

Die Ernährung des Menschen beeinflusst Körper, Geist und Seele

Der Mensch – von Natur aus ein Läufer

Die meisten Menschen beginnen mit den ersten Schritten zum ersten Geburtstag, und bleiben gehend in Bewegung bis ins hohe Alter. Aber das war nicht immer so. Die Vorfahren des Menschen bewegten sich auf allen vieren: Im Laufe der Evolution sind Menschen dann zum zweibeinigen Läufer geworden, und sind es bis heute. 

Die Anatomie des Menschen ist in großen Teilen vom Laufen geprägt, beginnend mit der Form der Füße über die Muskeln und Sehnen in den Beinen sowie das Becken, die Wirbelsäule und den Brustkorb. Sogar der Kopf ist perfekt für das Laufen ausgerichtet: Er sitzt auf den Halswirbeln so auf, dass beim rennen ein gerader Blick nach vorne möglich ist. Das Innenohr hilft zusätzlich dabei das Gleichgewicht zu halten und so auch beim schnellen Laufen in Balance zu bleiben. Zusätzlich ist die Haut des Menschen perfekt fürs Laufen von längeren Strecken ausgelegt. Die Schweißdrüsen und die wenigen Haare helfen dabei bei Anstrengung effektiv abkühlen zu können und nicht zu überhitzen. Die meisten Tiere haben diese Eigenschaft nicht. Zwar kann der Mensch mit der Geschwindigkeit vieler Tiere beim laufen nicht mithalten. Dafür ist der Körper geradezu prädestiniert dafür enorm lange Zeiträume in einem gleichmäßigem Tempo zu laufen. Das zurücklegen von Strecken von 20 bis 40 Kilometern pro Tag war für den Menschen damals normal und ist es bei manchen Naturvölkern bis heute. Die Menschen dürften aber keineswegs täglich 40 Kilometer gelaufen sein, im Sinne von Jogging. Vielmehr dürfte es ein ständiger Wechsel zwischen gehen und laufen gewesen sein. 

Gesundheitliche Wirkungen vom Laufen

Die Lauftherapie ist ein moderates Ausdauertraining, das den Allgemeinzustand, die Funktion bestimmter Organe und die Psyche positiv beeinflusst, wie zum Beispiel:

Allgemeinzustand 

Regelmäßiges Laufen verbessert das Bewusstsein für den Körper, das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Auch die Schlafqualität und die persönliche Fitness nehmen zu. Wer zu Übergewicht neigt, nimmt durch Lauftraining leichter ab.

Gehirn

Die Durchblutung vom Gehirn steigt durch das Lauftraining. Es fördert zudem das Wachstum von Nerven. Auch Leistungsverluste im Alter werden verlangsamt.

Psyche

Das moderates Lauftraining die Stimmung verbessert, die Stressresistenz ansteigen lässt und die innere Ruhe fördert, wurde in vielen Studien am Menschen gezeigt. Auch bei Depression, Angst und Antriebslosigkeit ist Laufen hilfreich. So wurde etwa in einer Studie von Blumenthal et al. offengelegt, dass Laufen ähnlich wirksam wie ein Antidepressivum ist.

Wissenswertes 

Wer viel Stress hat, oft müde und antriebslos ist, kann das Lauftraining mit den Extrakten der Rosenwurz kombinieren. Die Heilpflanze fördert die Stressresistenz und hilft bei Müdigkeit und Schwäche indem sie den körpereigenen Cortisonspiegel senkt und die Zellen dazu anregt, mehr Energie zu bilden.

Herz und Gefäßsystem 

 Unter körperlicher Belastung und während der Ruhephasen (sportfreie Zeit) beziehungsweise im Alltag kommt es zu einer Abnahme der Herzschlagfrequenz. Dadurch wird der Muskel entlastet und auch der Blutdruck sinkt. Gleichzeitig werden seine Funktionen durch das regelmäßige Training verbessert. So steigt die Menge vom Blutvolumen mit jedem Herzschlag und das Organ erholt sich schneller nach körperlicher Belastung. Zudem wird das Herz selbst besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Laufen verbessert die Funktion von Herz, Kreislauf und der Blutgefäße

Blut 

Regelmäßiges Laufen beeinflusst die Eigenschaften und Zusammensetzung des Blutes. So nimmt etwa die Fließeigenschaft vom Blut zu. Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Hämoglobin steigen. Gleichzeitig neigen die Blutplättchen weniger dazu sich zusammenzuballen (Thrombozytenaggregation), was wichtig für die Vorbeugung vor Blutgerinnseln und Thrombosen ist. Zudem sinken bestimmte Entzündungswerte im Blut wie der CRP-Wert. CRP ist die Abkürzung für C-reaktives Protein (Eiweiß) und ein wichtiger Laborwert, der Entzündungen im Körper anzeigt.

Wissenswertes

Wer viel läuft, sollte seinen Eisen-Status im Blut regelmäßig prüfen, da das Spurenelement durch das Schwitzen schneller verloren geht. Eisen ist beispielsweise wichtig für den Sauerstofftransport. Mehr über das Spurenelement erfahren Sie hier.

Stoffwechsel 

Laufen beeinflusst den gesamten Stoffwechsel. Besonders gut untersucht sind die Auswirkungen auf die Blutfette und die Vorbeugung vor Atherosklerose. Während das schädliche LDL-Cholesterin durch regelmäßiges Laufen abnimmt, steigt die Menge an gefäßschützendem HDL-Cholesterin. Zudem erhöht regelmäßiges Laufen den Energieumsatz und ist damit als Unterstützung beim Abnehmen oder zu Stabilisierung vom Körpergewicht bestens geeignet.

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Verdauung

Wer zu einer schwachen Verdauung oder Verstopfung neigt, wird vom Laufen profitieren. Laufen fördert die Durchblutung aller Organe – auch die von Dünndarm und Dickdarm. Dadurch wird die Verdauung gesteigert. Für all diejenigen, die bereits eine gute Verdauung haben, bedeutet das allerdings, dass sie an Lauftagen und den Stunden vor dem Lauf nicht zu ballaststoff- und fruchtzuckerreich essen sollten. Es kann sonst zu einer gesteigerten Verdauung auf der Strecke kommen.

Muskeln 

Es werden mehr Muskeln, die das Skelett umgeben (Skelettmuskulatur) gebildet. Gleiches gilt für die kleinsten Blutgefäße, die die Muskeln mit Sauerstoff und Nährstoffe versorgen. In Folge gelangen mehr Sauerstoff und Nährstoffe in die Skelettmuskulatur und die Durchblutung wird verbessert.

Atemwege 

Laufen verbessert die Lungenfunktion sowie die Durchblutung der Organe. Zudem nehmen die Atemmuskulatur und das Atemzug- und Atemminutenvolumen zu. Die Atemfrequenz nimmt hingegen ab. Mit anderen Worten: Die Lungen können mehr Sauerstoff aufnehmen und verwerten, müssen aber dafür weniger „arbeiten“.

Immunsystem

Moderates Lauftraining stärkt das Immunsystem. Insbesondere Menschen, die über lange Zeiträume viel Ausdauersport treiben, haben ein deutlich aktiveres Immunsystem als Nichtsportler. Dadurch sinkt die Anfälligkeit gegenüber Infektionen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen.

Hormonsystem

Durch das Laufen wird der Insulinspiegel im Blut abgesenkt. Zudem sprechen bestimmte Körperzellen besser auf Insulin an. So kann das regelmäßige Lauftraining zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes) beitragen.

Die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin wird zudem verringert. Die Konzentrationen von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im Blut nehmen hingegen zu. Dies trägt wiederum zu mehr Gelassenheit in Stresssituationen bei und entlastet das Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem. 

Ausdauersport und Krebserkrankungen

Neuere Untersuchungen zeigen, dass regelmäßiger Sport das Risiko für bestimmte Krebsarten zwischen 13 bis 42 Prozent reduziert (Schmid D & Leitzmann MF, 2014). Grund hierfür ist der Anstieg besonderer Immunzellen im Blut, die sogenannten natürlichen Killerzellen. Auch wer von einer Krebserkrankung betroffen ist, kann vom Laufen profitieren. Im Schnitt sinkt die Sterbewahrscheinlichkeit um rund 28 Prozent, selbst wenn mit dem Training erst nach der Diagnose begonnen wird. Bei der Diagnose Prostata-Krebs sind es sogar mehr als 60 Prozent, wenn mehr als drei Stunden pro Woche trainiert wird (Kenfield SA, et al., 2011).

Ablauf einer Lauftherapie

In der Regel wird eine Lauftherapie in einer Gruppe durchgeführt, die von einer Therapeutin oder einem Therapeuten geleitet wird. Es gibt aber auch die Möglichkeit als Einzelperson eine Lauftherapie durchzuführen. Informationen über die Laufkurse erhalten Sie zum Beispiel auf Nachfrage bei Ihrer Krankenkasse. Dort erfahren Sie auch, welche Kostenzuschüsse die gesetzlichen Krankenkassen für eine Lauftherapie oder andere Laufkurse leisten. 

Über die Internetseite vom Lauftherapie-Verband finden Sie zudem Listen von Lauftherapeuten und deren Kontaktdaten. 

Ein Lauftherapiekurs dauert in der Regel zwischen zehn und zwölf Wochen. Trainiert wird meistens zweimal wöchentlich. Die meisten Einsteiger schaffen es am Ende des Kurses rund 30 Minuten am Stück zu laufen.

Zu Beginn vom Kurs wird auf den Status der Gesundheit eingegangen und über die richtige Ausrüstung sowie über ein mögliches Verletzungsrisiko gesprochen

Lauftherapie auch bei schweren und chronischen Erkrankungen

Speziell ausgebildete Lauftherapeuten bieten Kurse speziell bei Erkrankungen wie Mukoviszidose, anderen Lungen- und Atemwegskrankheiten, Demenz und Depression an. Auch für geistig behinderte sowie sehbehinderte und blinde Menschen gibt es Angebote. Je nach Status der Gesundheit wird entweder gelaufen oder gewalkt.

Kinder und Jugendliche fürs Laufen begeistern

Dem Bewegungsmangel entgegenwirken, das Seelische stärken und sogenannten Zivilisationskrankheiten im Erwachsenenalter vorbeugen – das sind wichtige Ziele der Lauftherapie für Kinder und Jugendliche. Für sie gibt es spezielle und altersgerechte Angebote.

Gibt es Menschen für die eine Lauftherapie ungeeignet ist?

Wer von (starkem) Übergewicht betroffen ist, sollte zunächst mit Ausdauersportarten wie Walking, Schwimmen oder Radfahren beginnen und erst nach und nach mit der Lauftherapie beginnen. Auch bei bestimmten Herz-Kreislauferkrankungen wie peripheren Durchblutungsstörungen und Gelenkverschleiß (Arthrose) etwa im Knie und Hüftgelenk ist Laufen ungeeignet. Zudem gilt wie bei allen Sportarten: kein Sport bei akuten Infekten und Erkrankungen. 

Zusammenfassung

Die Lauftherapie ist eine Form der Bewegungstherapie. Sie wird zur Vorbeugung und Linderung von Krankheiten eingesetzt. Laufen hat zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit, die von einer Verbesserung des Allgemeinbefindens bis zu psychischen und körperlichen Effekten reichen. Durchgeführt wird die Lauftherapie üblicherweise in Gruppen, die von ausgebildeten Therapeuten geleitet werden. Hiervon profitieren besonders Einsteiger und Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen: Die Unterstützung der Gesundheit steht im Vordergrund der Lauftherapie.

Literatur und Quellen

Aderhold L & Weigelt S: Laufen!…durchstarten und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Schattauer-Verlag, Stuttgart 2012.

Blumenthal JA, Babyak MA, Moore KA, et al.: Effects of exercise training on older patients with major depression. Arch Intern Med 1999; 159: 2349–56. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10547175, Zugriff am 03.03.2020.

Hollstein T: Sport als Prävention: Fakten und Zahlen für das individuelle Maß an Bewegung. Dtsch Arztebl 2019; 116.https://www.aerzteblatt.de/archiv/209444/Sport-als-Praevention-Fakten-und-Zahlen-fuer-das-individuelle-Mass-an-Bewegung, Zugriff am 03.03.2020.

Kenfield SA, Stampfer MJ, Giovannucci E, Chan JM: Physical activity and survival after prostate cancer diagnosis in the health professionals follow-up study. J Clin Oncol 2011; 29: 726–32. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21205749, Zugriff am 03.03.2020.

Schmid D & Leitzmann MF: Association between physical activity and mortality among breast cancer and colorectal cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. Ann Oncol 2014; 25: 1293–311. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24644304, Zugriff am 03.03.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Ordnungstherapie: Ein geordnetes Leben für eine gute Gesundheit

Die Ordnungstherapie ist ein Konzept der gesunden Lebensführung. Sie zielt darauf ab Überflüssiges und Schädliches wegzulassen und Fehlendes zu ergänzen. Dementsprechend nimmt die Selbstverantwortung des Menschen für seine Gesundheit eine Schlüsselrolle bei der Ordnungstherapie ein. Welche Ursprünge und Prinzipien hinter der Ordnungstherapie stecken, und für wen sie geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Hören auf die innere Uhr ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Was ist die Ordnungstherapie?

Den Ausspruch „Ordnung ist das halbe Leben“ hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Und in der Tat dürfte der Wahrheitsgehalt der Aussage für viele Menschen hoch sein: Sei es, dass der Haustürschlüssel seinen festen Platz im Flur hat, T-Shirts und Hemden nach einem individuellen System geordnet sind, täglich zur selben Uhrzeit zu Abend gegessen wird oder dreimal wöchentlich Laufschuhe angezogen werden und gejoggt wird. Alle Beispiele haben etwas mit Ordnung zu tun. Auch Wiederholungen und Regelmäßigkeiten spielen hierbei eine Rolle. 

Gerät die persönliche Ordnung aus dem Gleichgewicht, sorgt das oft für Unruhe. Wird etwa in einem unachtsamen Moment der Haustürschlüssel an einem anderen Ort als gewöhnlich abgelegt, dann beginnt die oft aufreibende Suche nach dem Utensil.

Dementsprechend ist die Gestaltung vom Tagesablauf ein zentraler Punkt der Ordnungstherapie. Sie zielt aber auch auf andere Bereiche wie gesunder Schlaf, Entspannung, Bewegung und das Leben mit der inneren Uhr ab.

Ordnung, aber mit Flexibilität

Geprägt wurde der Begriff der Ordnungstherapie unter anderem von Sebastian Kneipp (1821-1897) und Max Bircher-Brenner (1867-1939). Die Ordnungstherapie wie wir sie heute kennen, ist zwar vom Grundsatz her dieselbe wie die von früher: Inhalte und Methoden haben sich jedoch weiterentwickelt und orientieren sich am Wissenstand der Forschung und Medizin.

Auch in asiatischen Medizinsystem wie der Tibetischen Medizin und Ayurveda sind Bestandteile der Ordnungstherapie zu finden.

Der Fokus der Ordnungstherapie liegt auf den folgenden Bereichen:

  • Wahrnehmung des Körpers und Bewegung
  • Entspannung
  • Gesunde Lebensweise
  • Seelischer Gesundheitsschutz (Psychohygiene)
  • Ernährung

Grundsätzlich schließt die Ordnungstherapie medizinische Verfahren und die Umwelt mit ein. Auch das Klima, Licht und Luft üben einen Reiz auf den Körper und den Geist aus und müssen reguliert werden. Wenn der Körper und der Geist darin geübt sind, Reize zu regulieren, können Faktoren, die zu Krankheiten führen besser bewältigt werden. Dementsprechend spielen die innere Uhr, der Rhythmus von Tag und Nacht, die Jahreszeiten ebenso wie ein Jetlag eine Rolle für die persönliche Ordnung. Aber auch Zeit nimmt einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein: Zeit zum Schlafen, Sport, Entspannen, Essen und Arbeiten. Die Ordnungstherapie betrifft damit alle Bereiche des Lebens und kann – richtig eingesetzt – zu einer Bereicherung werden.

Die Ordnungstherapie, auch Lebensordnung genannt, ist eine der fünf Säulen der Kneipp-Therapie. Weitere Säulen sind Hydrotherapie, Phytotherapie, Bewegungstherapie und Ernährungstherapie. Oft sind diese Therapien miteinander verwoben. So nehmen etwa die Hydrotherapie und die Ernährungstherapie einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein. Durch die unscharfen Grenzen der Ordnungstherapie findet sie als ein Gesamtkonzept aber in medizinischen Fachkreisen wenig Akzeptanz. Anders verhält es sich mit einzelnen Aspekten der Ordnungstherapie: Sie sind Bestandteil von fast allen medizinischen Behandlungskonzepten.

Ordnungstherapie als Prävention, Therapie und zur Rehabilitation 

Die Ordnungstherapie spielt sowohl in der Prävention, Therapie und Rehabilitation eine Rolle, wie sich an folgenden Beispielen darstellen lässt.

Prävention: Isst ein Mensch beispielsweise pro Tag regelmäßig rund 450 Gramm Gemüse, trägt dies nachweislich zur Vorbeugung bestimmter ernährungsbedingter Krankheiten bei. 

Therapie: Bei der Behandlung von Erkrankungen sprechen Ärzte und andere Therapeuten Therapieempfehlungen aus. Das kann etwa die regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente betreffen, physiotherapeutische Übungen für Zuhause oder Atemübungen bei Sprechstörungen.

Rehabilitation: Nach einer schweren Erkrankung, zum Beispiel einem Schlaganfall, hilft beispielsweise die Ergotherapie Betroffenen dabei, Einschränkungen zu verbessern oder zu überwinden. Das regelmäßige fördern der körperlichen Beweglichkeit, Belastbarkeit und Geschicklichkeit gehören zum Behandlungskonzept und lassen sich auch in die Ordnungstherapie eingliedern.

Entspannung ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Für wen ist die Ordnungstherapie geeignet?

Die Ordnungstherapie ist für jeden Menschen geeignet, denn eine stabile Ordnung ist für jeden Menschen hilfreich. Bei chronischen Krankheiten etwa müssen die Ernährung und manchmal auch die Medikamenteneinnahme geplant werden. Bei Diabetes, Gicht und Allergien ist dies beispielsweise der Fall. Aber auch bei Erkrankungen der Verdauung und vom Stoffwechsel ist eine Regelmäßigkeit beim Essen und Trinken von Vorteil: Bei Verstopfung, Sodbrennen und Leberproblemen spielt die Planung der Ernährung ebenfalls eine Rolle.

Regelmäßige Entspannungsübungen und Sport können Verspannungen und Schmerzen lindern. Zudem gilt Entspannung und Sport seit langem als hilfreicher Unterstützer bei Depression, Angst, Schlafbeschwerden, ständiger Müdigkeit und Stress. Mit anderen Worten: Die Ordnungstherapie zielt darauf ab, die eigenen Ressourcen zu aktivieren. So können die Reize besser vom Körper reguliert werden.

Wann kann die Ordnungstherapie helfen und warum?

Bevor die Ordnungstherapie beginnt, oder Teile der Ordnungstherapie empfohlen werden, erfolgt zu Beginn üblicherweise eine ausführliche Befragung zur Lebensweise durch einen Therapeuten. Dem schließen sich drei weitere Schritte an. Hierzu ein Beispiel. 

Stellen Sie sich vor, dass Sie von starkem Übergewicht betroffen sind. Ihre Ärztin hat einen beginnenden Altersdiabetes diagnostiziert. 

  1. Information: Die Ärztin informiert über die Zusammenhänge ihrer Erkrankung und über mögliche Therapieoptionen.
  2. Änderung des Bewusstseins: Sie erkennen das Problem und sind bereit für Veränderungen, etwa in der Ernährung, der Bewegung oder Sie sind bereit für eine medikamentöse Therapie.
  3. Veränderung des Verhaltens: Um Ihre Gesundheit zu fördern, verändern Sie Ihr Verhalten und Ihre Gewohnheiten. Sie setzen die geplanten Veränderungen in die Tat um.

Die Ordnungstherapie ist zudem auf verschiedene soziale Ebenen ausgerichtet. Zumeist zielen dann die Empfehlungen von Therapeuten auf die persönliche Ebene ab. Wie im genannten Beispiel wären dies Empfehlungen zur gesunden Ernährung, Gewichtsreduktion, mehr Bewegung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen. 

Wichtig sind in der Ordnungstherapie zudem die soziokulturelle Ebene und übergeordnete soziale Systeme. Das heißt anhand des Beispiels: Die Unterstützung durch die Familie sowie durch die Gesellschaft, Zeit für Entspannung und Angebote zur Unterstützung gegen Diabetes und Übergewicht haben einen Einfluss darauf, ob die Therapiemaßnahmen erfolgreich sein werden und die Gesundheit zurück in die Balance kehrt. 

Die Mind-Body-Medizin (MBM) und Ordnungstherapie sind einander inhaltlich ähnlich. Beide Therapie zielen darauf ab, einen Lebensstil zu entwickeln und zu erhalten, der die Gesundheit fördert. Ein Unterschied besteht in der Entstehungsgeschichte: Die Ordnungstherapie ist auf die persönliche Erfahrung von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Benner zurückzuführen. Die MBM hat ihre Wurzeln hingegen in den Ergebnissen der Stressforschung.

Zusammenfassung

Die Ordnungstherapie zielt auf Ordnung in allen Lebensbereichen ab: Von der Wohnung, über den Arbeitsplatz bis hin zu Körper und Geist. In Europa wurde die Ordnungstherapie von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Brenner entwickelt. In Asien existieren einzelne Komponenten der Ordnungstherapie hingegen schon länger. 

Ein Grundsatz der Ordnungstherapie lautet dranzubleiben. Denn ein guter Vorsatz allein reicht nicht aus, um ein Ziel zu erreichen. Man muss den Vorsatz in die Tat umsetzen. Dementsprechend eignet sich die Ordnungstherapie für die Prävention, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten – vorausgesetzt, die Ordnung artet nicht in Stress aus.

Literatur und Quellen

Schmidel V. & Augustin M.: Leitfaden Naturheilkunde. 5. Aufl. Elsevier Verlag München 2008.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Traditionelle Thai Massage

Thai Massage wird seit über 2.200 Jahren in Thailand praktiziert

Thai Massage: Effektiv bei Verspannungen, Kopfschmerzen und Wassereinlagerungen 

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie wird bei Beschwerden wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Verdauungsproblemen angewendet. Was die Thai Massage ist und für wen das Verfahren geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Thai Massage: Yoga für Geist und Körper

Ursprung und Ausbildung der Thai Massage

Die Traditionelle Thai Massage hat ihren Ursprung in der indischen Ayurveda und hat sich zu einem eigenen Massagesystem in Thailand weiterentwickelt. Dort wird die Thai Massage vermutlich schon seit dem dritten oder zweiten Jahrhundert vor Christus praktiziert.

Ähnlich wie in der Tibetischen Medizin kann die Traditionelle Thai Massage auf verschiedene Weise erlernt werden.

„In Thailand kennt eigentlich jeder Thai die Grundzüge der Thai Massage und kann sie anwenden. Wir haben das sozusagen im Blut“, meint Frau Rimkhong Hahn und lacht dabei. Die gebürtige Thailänderin betreibt seit rund vier Jahren eine Massagepraxis in Göppingen, in Baden Württemberg.

Sie selbst hat die Thai Massage zunächst von ihrer Großmutter erlernt und hat anschließend eine Berufsfachschule in Bangkok besucht, dem Wat Po Institut. Dort hat sie die Theorie und Praxis der Thai Massage bei gesundheitlichen Beschwerden und bei Krankheiten kennengelernt: Die Thailänder sehen die Traditionelle Thai Massage als wichtigen Bestandteil zur Vorbeugung von Krankheiten und Dysbalancen an und grenzen die Prävention von der Behandlung gesundheitlicher Beschwerden ab.

Während es in Thailand verschiedene Berufsfachschulen gibt, um ein Diplom zu erlangen, gewinnt die Ausbildung der Thai Massage in Europa erst langsam an Bedeutung. Erlernbar sind die Techniken in Deutschland zum Beispiel in Köln, Berlin und München. Darüber, dass die Techniken der Traditionellen Thai Massage in Seminaren und Workshops innerhalb von drei bis 14 Tagen erlernbar sind, müssen erfahrene Fachkräfte ein wenig schmunzeln. Die Mitarbeiterin von Frau Hahn, ebenfalls eine gebürtige Thailänderin, räumt aber ein, dass man bestimmte Grundtechniken der Thai Massage in einigen Tagen oder wenigen Wochen erlernen kann. Um das volle Spektrum zu erlernen, bedarf es hingegen viele Jahre.

„Wir praktizieren die Traditionelle Thai Massage schon seit über 20 Jahren und lernen immer noch Neues hinzu. Gerade bei kranken Menschen müssen wir vorsichtig sein, denn die Thai Massage ist nicht für alle Menschen geeignet. Bei Entzündungen und Knochenbrüchen sollte man sie zum Beispiel nicht anwenden.“, meinen die beiden Frauen.

In Thailand wird die Thai Massage nicht nur von Frauen ausgeübt. Es ist ein Beruf, der von Frauen und Männern gleichermaßen praktiziert wird. Allerdings ist der Frauenanteil etwa höher als der von Männern.

Ganzheitliche Behandlung des Menschen

Störungen erkennen und beheben

In Thailand gehen die Menschen davon aus, dass der menschliche Körper von einem energetischen Netz durchzogen wird, welches aus zehn Energielinien besteht. Mithilfe von Dehnung und Druck wird dieses energetische Netz beeinflusst und Blockaden aufgelöst, sodass die Energie in Folge ungehindert fließt.

Die praktische Durchführung der Thai Massage erinnert an eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur, weswegen sie auch als Thai Yoga Massage bezeichnet wird: Strecken, Dehnen, Gelenkmobilisation und die Massage bestimmter Druckpunkte wird mit rhythmischen Bewegungen und Druck der Hände, Daumen, Ellenbogen und Füßen durchgeführt.

Für Behandler und Klienten hat die Thai Massage gleichermaßen einen meditativen Effekt berichtet Frau Rimkhong Hahn. „Ich spüre wenn es an irgendeiner Stelle des Körpers Knoten gibt, die den Energiefluss stören. Diese Störung behandle ich so lange und auf verschiedene Art und Weise, bis die Energie wieder ungestört fließen kann.“

Zwar bieten viele Thai Massagepraxen mittlerweile wie im Westen oft üblich klassische Rücken- und Nackenmassagen an. Traditionell arbeitende Thai Masseure halten diese Form der Massage aber für unzureichend, da die Energiebahnen den gesamten Körper durchziehen und sich nicht ausschließlich auf einzelne Körperpartien beschränken. So werden beispielsweise bei Magenbeschwerden bestimmte Punkte auf den Fußsohlen behandelt, da sie durch Energiebahnen mit den Verdauungsorganen verbunden sein sollen.

Eine klassische Traditionelle Thai Massage ist daher eine Massage vom Kopf bis zum Fuß. Sie dauert mindestens eine Stunde und kann bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen.

Im Anschluss an eine Thai Massage sollte immer viel getrunken werden, mindestens 1,5 Liter, da die Massage den Lymphfluss aktiviert und leicht entwässernd wirken. Wasser und ungesüßter Kräutertee sind hierfür am besten geeignet.

Die meisten Menschen in Thailand sind Buddhisten

Thai Massage für alle?

Die Traditionelle Thai Massage wird präventiv zur Vorbeugung von bestimmten Erkrankungen angewendet. Sie eignet sich auch zur Behandlung und Linderung vieler Beschwerden und wird durch die lange Erfahrung etwa bei Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Tinnitus und Schlafstörungen angewendet.

Aus wissenschaftlicher Sicht, kann die Thai Massage durch die durchblutungsfördernde Wirkung etwa zur Entspannung der Muskulatur beitragen und den Lymphfluss verbessern. Durch die passiven Yogaübungen wird das Körpergefühl gestärkt und die Körperhaltung wird verbessert.

Bei bestimmten Erkrankungen sollte die Thai Massage aber nicht oder nur in abgeschwächter Form angewendet werden. Grund hierfür ist, dass sich die gesundheitlichen Beschwerden durch die Massage weiter verschlimmern, oder neue Symptome hinzukommen könnten. Einen guten Thai Masseur erkennt man unter anderem daran, dass vor der Massage die Frage nach Erkrankungen und Beschwerden gestellt wird.

Bei Patienten mit Bluthochdruck werden erfahrene Thai Masseure Vorsicht walten lassen: Durch die körperliche Anstrengung und die Förderung der Durchblutung, kann der Blutdruck weiter in die Höhe schnellen. Schwindel und Kopfschmerzen sind dann häufig die Folge. Auch schlimmere Folgen für Herz und Kreislauf sind möglich, zum Beispiel ein Schlaganfall.

Nicht durchgeführt werden sollte die Thai Massage bei Fieber, Infekten und Entzündungen im Körper: Durch die aktivierende Wirkung des Stoffwechsels, könnte sich die Erkrankung weiter verschlimmern. Auch bei Knochenbrüchen und Krebserkrankungen sollte auf eine Thai Massage verzichtet werden.

Erkrankungen wie Migräne, Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck sind zwar per se kein Ausschlusskriterium für eine Thai Massage: Die Massage wird dann aber zumeist in abgeschwächter Form und mit weniger Druck auf die jeweiligen Energiepunkte ausgeübt. Hierfür gibt es mehrere Gründe: durch die aktivierende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel kann eine intensiv durchgeführte Massage die Durchblutung und dadurch die Beschwerden verschlimmern. Weitere gesundheitliche Dysbalancen können dann die Folge sein. Zudem ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln – die Thai Massage kann hierbei unterstützend mitwirken.

Erotikmassage hat nichts mit Thai Massage zu tun

Verwechselung mit Prostitution 

Nicht nur in Deutschland wird die Thai Massage oft mit einer Erotikmassage verwechselt. Richtig ist zwar, dass manche thailändische Frauen aufgrund von ökonomischen Notlagen Erotikmassagen durchführen – und zwar auch unter dem „Deckmantel“ der Thai Massage. Dies wirft allerdings ein völlig verkehrtes Licht auf diejenigen Personen, die eine Berufsausbildung zum Thai Masseur absolviert haben und ist auch vom Grundsatz her falsch – von der Demütigung der angesprochenen Frauen ganz zu schweigen.

Speziell für Thailänderinnen, die nach Deutschland kommen und sich eine berufliche Existenz aufbauen wollen, stellt die Erfahrung von Anfragen für eine Erotikmassage oft ein Schock dar: Die positive Einstellung für Land und Leute kehrt sich dann nicht selten ins Gegenteil um. Neben der zunehmenden Angst vor Männern, entwickeln sich bei einigen Frauen nach und nach Depressionen und Paniksymptome, sodass sie schlussendlich kaum noch oder nicht mehr dazu in der Lage sind ihren Beruf auszuüben.

Zusammenfassung

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie zielt darauf ab, den Energiefluss innerhalb des Körpers ohne Störungen zu erhalten oder wieder herzustellen. Dementsprechend sollen Blockaden mit Hilfe der Thai Massage behoben werden, die zum Beispiel bei Verspannungen und Kopfschmerzen bestehen. In Thailand und anderen Ländern wird die Thai Massage zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden angewendet.

Grundkenntnisse über die Durchführung der Thai Massage können in Seminaren in Deutschland erworben werden. Für das Erlernen der professionellen Durchführung sind hingegen oft viele Jahre notwendig. Ausgebildete Fachkräfte verfügen über medizinische Kenntnisse und berücksichtigen dieses Wissen bei kranken Menschen. Nicht angewendet werden sollte die Thai Massage etwa bei Fieber und Entzündungen. Zudem müssen Menschen mit bestimmten Krankheiten wie Diabetes vorsichtig sein, um eine überschießende Reaktion des Stoffwechsels zu vermeiden. Ausgebildete Thai Masseure fragen daher nach Vorerkrankungen und passen die Massage auf den Gesundheitszustand und die Bedürfnisse der Personen an.

Danksagung

Dieser Bericht basiert auf einem Interview mit Frau Rimkhong Hahn aus Göppingen. Für ihre wertvollen Einblicke und Informationen in die Traditionelle Thai Massage möchte ich ihr herzlich Danken.

Ölziehen: der neue Keimkiller?

Ölziehen

Mundgeruch, Zahnschmerz und Kopfschmerzen ade!?

Mundgeruch, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwermetallvergiftungen, Hautkrankheiten, Husten und Gelenkschmerzen sind nur eine kleine Beschwerdeauswahl, bei der die Ölziehkur helfen soll. Hier erfahren Sie wissenswertes über die Hintergründe vom Ölziehen, und wie Sie eine Ölziehkur richtig durchführen.

 
 
Olivenöl ist zum Ölziehen ebenso geeignet wie Sonnenblumenöl und andere Pflanzenöle

Ölziehen: überliefertes Wissen aus der Ukraine 

Gifte und Keime mit Öl binden 

Die Ölziehkur gehört in Europa zu den eher neueren naturheilkundlichen Verfahren und ist erst seit den 1990iger Jahren im deutschsprachigen Raum bekannt. Ihre Ursprünge werden in der ayurvedischen Medizin, Russland und)in der Ukraine gesehen. Ärzte und Heilpraktiker, die das Ölziehen empfehlen vermuten, dass Krankheitskeime wie Bakterien, Pilze und Viren sowie Gifte durch das Öl gebunden werden und so deren Aufnahme in den Körper gebremst werden kann. Durch das Ölziehen sollen sie sich schlechter in der Schleimhaut und der Zunge ablagern können. Daher wird die Ölziehkur immer häufiger zur Krankheitsvorbeugung und als unterstützende Maßnahme bei akuten und chronischen Erkrankungen in Betracht gezogen. Auch wenn für die Wirkung der Ölziehkur wissenschaftliche Nachweise weitestgehend fehlen, könnte sich ein Versuch aufgrund der vielen positiven Erfahrungsberichte lohnen.

Anwendungsgebiete von A wie Aphte bis Z wie Zahnfleischbluten

Die Wirkung bei Ölziehen soll aber nicht nur Giftstoffe entfernen, sondern soll ebenso das Immunsystem anregen und so den Körper vor Infekten schützen: Wird das Öl in der Mundhöhle hin und her bewegt, werden die Speicheldrüsen aktiv und es wird mehr Speichel gebildet. Speichel enthält unter anderem das Enzym Lysozym. Lysozym hat antibakterielle Eigenschaften und fördert den Abbau von bestimmten Bakterien wie zum Beispiel Streptokokken und Staphylokokken. Die Anregung des Immunsystems beruht daher weniger auf dem Öl, sondern vielmehr auf(die) Bewegung einer Flüssigkeit in der Mundhöhle. Mit anderen Worten: Wer den Geschmack und die Konsistenz von Öl nicht mag kann andere Substanzen wie beispielsweise einen Bitterorangentee als Mundspülung anwenden, um die Speichelbildung anzukurbeln.

Info: Ölziehen, Ölsaugen, Ölkauen sind drei Begriffe, die für das selbe Verfahren stehen. Bekannt wurde das Ölziehen durch den Arzt Dr. Karach, der das Verfahren während einer Fachtagung in der Ukraine in den 1990iger Jahren anderen Kollegen vorstellte.

Traditionell wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden angewendet wie zum Beispiel:

  • Beschwerden im Mund- und Rachenraum wie Aphten (Aphte: schmerzhafte Entzündung im Mund), Zahnfleischentzündung, Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Zahnschmerz
  • Gelenkbeschwerden wie Arthrose, Rheuma und Rückenschmerzen
  • Magen-Darmbeschwerden wie Sodbrennen, Verstopfung
  • Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte und Ekzeme
  • Infekte wie Erkältung, Halsschmerzen und Schnupfen 
  • Kopfschmerzen und Migräne

Ölziehen: was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Erforschung der Ölziehkur steht im Gegensatz zu dem Erfahrungswissen noch ganz am Anfang. Am besten untersucht ist die Wirksamkeit bei Beschwerden im Mundraum. In einigen Studien stellte sich heraus, dass Ölziehen bei Zahnfleischentzündungen hilft. Ob die Ölziehkur bei Mundgeruch hilft ist hingegen noch nicht ganz klar: In einigen Studien verminderte das Ölziehen unangenehme Gerüche in anderen nicht. Auch zur vorbeugenden Wirkung von Karies liegen erste Erkenntnisse vor: Ölziehen mit Kokosöl erwies sich in einer Studie als ebenso effektiv, wie Chlorhexidin. Chlorhexidin ist ein Desinfektionsmittel, das in vielen Mundspülungen enthalten ist. Eine Alternative zur herkömmlichen Mundhygiene ist die Ölziehkur aber nicht.

In der Summe deuten die ersten Studienergebnisse auf eine positive Wirkung der Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum hin. Nun müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob die Ölziehkur generell zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum helfen kann und welche Öle hierfür geeignet sind. Zu allen übrigen traditionellen Anwendungsgebieten muss noch geprüft werden, ob die Annahmen einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten oder nicht.

Traditionell wird Sonnenblumenöl zum Ölziehen verwendet

Ölziehkur richtig durchführen

Öl im Mund halten, aber nicht verschlucken! 

Eine Ölziehkur läuft wie folgt ab: Gehen Sie in den Supermarkt und kaufen Sie ein qualitativ hochwertiges Sonnenblumenöl, Kokosöl, Leinöl, Olivenöl oder Sesamöl. Auch andere Speiseöle sind geeignet. Am nächsten Morgen geben Sie das Öl auf einen Esslöffel und schlürfen es nüchtern und vor dem Zähneputzen. Achtung! Nicht verschlucken. Ziehen Sie das Öl für zehn bis 15 Minuten durch Ihre Mundhöhle und Ihre Zähne hin und her. Ist die Zeit um, dann spucken Sie das Öl aus, spülen Sie den Mund mit warmem Wasser und dann reinigen Sie Ihre Zähne anschließend ausgiebig. 

Wiederholen Sie die Ölziehkur über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen, am besten kurmäßig zweimal im Jahr.

Zusammenfassung

Die Ölziehkur ist ein traditionelles Verfahren bei dem Krankheitskeime und Giftstoffe durch Öl gebunden werden sollen. Durch Ölziehen kann zudem das Immunsystem angeregt werden. Angewendet wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden wie Hauterkrankungen, Gelenkbeschwerden und Infekte. Wissenschaftlich untersucht wurde die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum, etwa bei Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch: erste Ergebnisse deuten auf mögliche positive Wirkungen hin.

Literatur und Quellen

Asokan S, Kumar R, Emmadi P, et al. (2011): Effect of oil pulling on halitosis and microorganisms causing halitosis: a randomized controlled pilot trial. J Indian Soc Pedod Prev Dent 2011:29:90-4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21911944, Zugriff am 02.12.2019.

Aung E, Ueno M, Zaitsu T, et al. (2015): Effectiveness of three oral hygiene regimens on oral malodor reduction: a randomized clinical trial. Trials 2015:16. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effectiveness+of+three+oral+hygiene+regimens+on+oral+malodor+reduction%3A+a+randomized+clinical+trial., Zugriff am 02.12.2019.

Gbinigie O, Onakpoya I, Spencer E, et al. (2016): Effect of oil pulling in promoting oro dental hygiene: A systematic review of randomized clinical trials. Complement Ther Med 2016:26:47-54. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effect+of+oil+pulling+in+promoting+oro+dental+hygiene%3A+A+systematic+review+of+randomized+clinical+trials., Zugriff am 02.12.2019.

Jauhari D, Srivastava N, Rana V, et al. (2015): Comparative Evaluation of the Effects of Fluoride Mouthrinse, Herbal Mouthrinse and Oil Pulling on the Caries Activity and Streptococcus mutans Count using Oratest and Dentocult SM Strip Mutans Kit. In J Clin Pediatr Dent 2015:8:114-8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4562043/, Zugriff am 02.12.2019.

Sood P. Devi M, Narang R, et al. (2014): Comparative efficacy of oil pulling and chlorhexidine on oral malodor: a randomized controlled trial. J Clin Diagn Res 2014:8:18-21. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25584309, Zugriff am 02.12.2019.

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