Chili gehört zu den beliebtesten Gewürzen, Gemüse und Heilpflanzen. Die mehr oder weniger scharfen Früchte sind auf allen Erdteilen bekannt und beliebt, allerdings unter teils verschiedenen Namen: Ob Cayennepfeffer, Tabasco, Peperoni, Jalapeño oder Paprika: Sie alle sind durch denselben botanischen Vornamen miteinander vereint. Dieser lautet Capsicum. In diesem Artikel erfahren Sie Wissenswertes  über Chilis, über deren Anwendung in der Medizin und als Gemüse- und Gewürzpflanze.

Chilis gehören zu den schärfsten Lebensmitteln der Welt

Mittlerweile dürfte es keinen Erdteil mehr geben, an dem Chilis kein Zuhause gefunden haben. Ganz im Gegenteil Chilis oder besser gesagt, die Chili-Gattung Capsicum ist vermutlich auf jedem Wochenmarkt und in jedem Lebensmittelgeschäft zu kaufen: zum Beispiel als Paprika!

Scharf, schärfer, am schärfsten

Keine Frage, Paprikas (botanisch: Capsicum annuum) sind tolle Lebensmittel. Sie enthalten beispielsweise viel Vitamin C und sind ein leckeres Gemüse. Wenn es allerdings um medizinische Eigenschaften geht, sind Paprikas nicht zu gebrauchen. Das liegt daran, dass das Gemüse nur wenige Scharfstoffe enthält, worüber Sie im Abschnitt ≫Chili als Lebensmittel≪mehr erfahren. Auf genau diese Scharfstoffe kommt es aber an, wenn es etwa um die Behandlung von Rückenschmerzen geht, da sie eine Reizwirkung haben. Manche Chili-Sorten enthalten sogar so viele Scharfstoffe, dass bei der Ernte Schutzkleidung getragen werden muss! Beim bloßen anfassen der scharfen Früchtchen, könnte es sonst zu starken Hautreizungen kommen, die so ausgeprägt sind, dass Blasen und Geschwüre entstehen können. Aber soweit muss es nicht kommen. Der Schärfegrad der Chili-Familie hat eine große Spannbreite. Richtig dosiert sind sie eine Wohltat für die Gesundheit.

Chilis speichern Scharfstoffe

Für medizinische Zwecke schreibt das Europäische Arzneibuch einen Mindestgehalt von 0,4 Prozent Gesamtcapsaicinoide vor. Dann entfalten die Chili-Inhaltsstoffe ihre wohltuende Wärmewirkung und sie kurbeln die Durchblutung an, lindern Schmerzen und Juckreiz. Durch diese Wirkungen kommen Chilis in praktisch allen Medizinsystemen weltweit zum Einsatz, zum Beispiel in der Tibetischen Medizin. Der wichtigste Inhaltsstoff innerhalb der Capsaicinoide heißt Capsaicin. Diese Substanz ist auch für den scharfen Geschmack der Chilis als Gewürz verantwortlich. Chilis enthalten außerdem Mineralien wie Kalium und Vitamine, etwa Vitamin A und Vitamin C.

Chilis in der Medizin

Die Inhaltsstoffe der Chilis helfen bei Schmerzen und Juckreiz

Anwendungsgebiete mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit

Einige Wirkungen der Chili-Arten Capsicum annuum und Capsicum frutescens sind sehr gut untersucht und die Wirksamkeit gilt als gesichert.

Stellen Sie sich einmal folgende Szenarien vor:

  • Sie haben Muskelschmerzen im Rücken, im Nacken oder in einer anderen Körperregion. Dann helfen medizinische Chili-Zubereitungen nachweislich gegen den Muskelschmerz.

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Die Wirkungen und medizinischen Anwendungsbereiche der Chilis reichen jedoch noch weiter. Die Extrakte aus den Chilifrüchten können Sie einsetzen, wenn:

  • Sie Diabetiker sind und an Nervenschmerzen leiden (diabetische Polyneuropathie).
  • Sie von (entzündlichen) Gelenkveränderungen betroffen sind, die mit einem Abbau von Knorpel einhergehen, etwa in den Knien, Fingergelenken oder am Fußknöchel. Dieses Beschwerdebild wird als Osteoathritis bezeichnet und ist von Schmerzen und Einschränkungen der Funktion gekennzeichnet.
  • Sie von der entzündlich-rheumatischen Erkrankung rheumatoide Arthritis betroffen sind und die Schmerzen der Autoimmunerkrankung lindern möchten. Dadurch können sie beispielsweise eine entzündungshemmende Ernährungsweise unterstützen.
  • Sie aufgrund von Krankheiten an Nervenschmerzen leiden, genauer an einer Neuralgie. Neuralgien können beispielsweise nach einem Bandscheibenvorfall oder einer Gürtelrose auftreten.
  • Sie wegen einer Krankheit oder einer medizinischen Behandlung ständigen Juckreiz. Dieser Juckreiz kann zum Beispiel als Folge der Dialyse auftreten, bei Schuppenflechte aber auch als Medikamentennebenwirkung.
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Anwendungsgebiete aufgrund von ersten Studien

Chilis können außerdem ein unterstützendes Potential haben, wenn:

  • Sie abnehmen möchten. Chili fördert ersten Studien am Menschen zufolge eines Gewichtsverlustes indem es den Kalorienverbrauch steigert. Ob sich die ersten Studien auf die Allgemeinheit übertragen lassen, muss noch erforscht werden.
  • Sie von Fibromyalgie betroffen sind. Bei einer Untersuchung an Betroffenen konnte gezeigt werden, dass die Empfindlichkeit der Haut nachließ.

Der richtige Einsatz von Chili als Arzneimittel

Chilis sollten immer in Form von standardisierten Fertigarzneimitteln verwendet werden, etwa in Form von Creme, Salbe oder als Pflaster. Die richtige Dosierung ist im Hautgebrauch kaum machbar, weil sich die Sorten hinsichtlich der Gehalte an Capsaicinoiden oft erheblich unterscheiden. Für die Praxis bedeutet dies, dass bei einer zu niedrigen Capsaicin-Menge keine oder eine zu geringe Wirkung eintritt. Höhere Mengen an Capsaicin als es das Europäische Arzneibuch vorschreibt, kann hingegen mit erheblichen unerwünschten Wirkungen einhergehen. Der Kauf eines Fertigarzneimittels ist damit besser geeignet.

Gut zu wissen! In der medizinischen und pharmazeutischen Literatur ist oft von Cayennepfeffer und seltener von Chili die Rede. Die Chili-Sorte Cayennepfeffer wird manchmal auch als Scharfer Paprika bezeichnet und trägt den botanischen Namen Capsicum frutescens.

Je nach Schärfegrad sind Chilis ein leckeres Gewürz

Chili als Lebensmittel

Die Früchte aller Chilisorten (zum Beispiel Capsicum annum und Capsicum frutescens) sind essbar und sie sind rund um den Globus beliebt. Eine der bekanntesten Capsicum annum-Sorten ist die Paprika. Sie gehört zu den beliebtesten Gemüsen und hat in der Regel keinen scharfen Geschmack. Das ist bei nahezu allen anderen Chili-Sorten anders: Ob Peperoni, Tabasco, Habanero oder Jalapeño, sie alle enthalten mehr von dem Schärfe-Inhaltsstoff Capsaicin als die Gemüse-Paprika. Weltweit gesehen gibt es unzählige Chilizüchtungen, die jedoch botanisch gesehen von vergleichsweise wenige Arten gezüchtet werden. So gibt es neben den medizinisch gebrauchten Chilis (C. annum und C. frutescens) zum Beispiel Arten wie C. chinense, C. baccatum und C. pubescens.

Wie scharf eine Chili ist wird entweder in „Scoville“ angegeben oder in einer Schärfeskala von eins bis zehn. Der Schärfegrad nach Scoville (Maßeinheit Scoville Heat Units, SHU) besagt, wie viel Milliliter Wasser gebraucht wird, um die Schärfekonzentration so zu verdünnen, dass man die Schärfe gerade noch wahrnehmen kann. Um beispielsweise 1 Milligramm Jalapeño Chili mit 2.500 SHU zu neutralisieren, werden 2,5 Liter Wasser gebraucht. Die meisten Menschen empfinden Chilis als scharf, wenn diese 1.000 SHU oder mehr haben. Zu den schärfsten Chili-Sorten der Welt gehören Trinidad Scorpion mit 1.200000-2.000000 SHU und Carolina Reaper deren SHU von 1.400000-2.200000 reicht.

Die Einteilung der Schärfeskala hingegen variiert von 1 (nicht scharf) bis 10 reicht (extrem scharf). Sie erfolgt nach subjektivem Empfinden. Deshalb finden sich bei der Skala manchmal noch Ergänzungen, etwa 10++ bei einigen Habernero-Sorten.

Übrigens: Das meiste Capsaicin befindet sich in den weißlichen Scheidewänden (genauer in der Plazentawand). Schneidet man diese heraus, wird die Schärfe dadurch etwas gelindert. Aber Vorsicht! Wird die Plazentawand verletzt und nicht vollständig entfernt, geht das Capsaicin in die Frucht über und verbreitet sich dort. Sollten Sie einmal die Schärfewirkung der Chili unterschätzt haben und einen „Feuerlöscher“ benötigen, können fetthaltige Speisen und Getränke wie Erdnussbutter, Joghurt oder Milch helfen. Capsaicin ist fettlöslich. Wasser zu trinken oder etwas Reis zu essen bringt hingegen nichts gegen die Schärfe, weil der Inhaltsstoff nicht in Wasser gelöst werden kann.

Chilis entfalten je nach Sorte ihren ganz persönlichen Eigengeschmack. Außerdem enthalten sie viele Vitalstoffe und tragen so zur Deckung vom Nährstoffbedarf bei. Deren Gehalt kann je nach Sorte, Standort, Boden und Klima schwanken.

Vitalstoff

Gehalt pro 100 Gramm frische, grüne Chili (C. annuum)

 

Energie

20 Kilokalorien

 

Eiweiß

1,2 Gramm

 

Fett

0,3 Gramm

 

Kohlenhydrate

2,9 Gramm

 
  

Tagesbedarf eines Erwachsenen 🔴

Kalium

177 Milligramm

4.000 Milligramm

Vitamin A

0,5 Milligramm

0,8-1 Milligramm

Vitamin C

138 Milligramm

1.000 Milligramm

Folat

60 Mikrogramm

300 Mikrogramm

🔴Werte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung.

Die richtige Menge und der richtige Einsatz als Lebensmittel

Chilis können roh oder getrocknet genossen werden, zum Beispiel als „Snack“, für Salate, Pfannengerichte und Suppen.

Chili passt zu vielen Gerichten

Basisrezepte mit Chili

Chili-Öl

Zutaten für 100 Milliliter Öl

✦ 1 Chili ✦ 100 Gramm Öl (zum Beispiel Rapsöl oder Olivenöl)

  • Zerschneiden Sie die Chili und geben Sie diese in eine verschließbare Flasche.
  • Füllen Sie die Flasche mit dem Öl auf. Und verschießen Sie diese. Lassen Sie das Chili-Öl rund vier Wochen lang ziehen. Die Chili-Schoten können danach in der Flasche verbleiben oder abgeseiht werden.

Passt hervorragend als würzig, scharfe Salatsoße. Wenn Sie erhitzbares Öl verwenden, etwa Rapsöl, kann das Chili-Öl zum für Wok- und Pfannengerichte verwendet werden.

Nepalesische Linsensuppe

Zutaten für 4 Portionen

✦ 1 Zwiebel ✦ 2 Tomaten ✦ 1 Esslöffel Rapsöl ✦ 150 Gramm gelbe oder rote Linsen ✦ 1 Chili frisch oder 1/2 Chili getrocknet ✦ 2 Teelöffel Salz ✦ 1 Teelöffel Pfeffer ✦ mindestens 500 Milliliter Wasser

  • Schälen Sie die Zwiebel und hacken Sie diese in kleine Würfel. Waschen Sie Tomaten sowie die Chili und zerschneiden Sie diese ebenfalls in kleine Stücke. (Achten Sie bei der Chili darauf Augenkontakt zu vermeiden. Waschen Sie die Hände direkt nach dem Berühren. Tragen Sie eventuell Handschuhe.)
  • Heizen Sie den Herd vor (höchste Stufe) und bereiten Sie einen Schnellkochtopf vor.
  • Geben Sie das Rapsöl in den Topf. Wenn es heiß ist, geben Sie zuerst die Zwiebel, dann die Tomaten hinzu. Lassen Sie die Mischung für eine Minute unter ständigem Rühren köcheln.
  • Fügen Sie die Linsen hinzu. Dann alles verrühren.
  • Rühren Sie Chili, Salz und Pfeffer unter und fügen Sie im nächsten Schritt das Wasser hinzu.
  • Verschließen Sie den Deckel und lassen Sie die Linsensuppe zehn Minuten kochen.
  • Nehmen Sie den Schnellkochtopf von der Herdplatte. Warten Sie weitere fünf Minuten bevor Sie den Deckel (Druckausgleich beachten) entfernen. Rühren Sie die Linsensuppe um und servieren Sie diese heiß.

Linsen sind besonders eiweißreich. Die meisten Nepalesen verzehren die Suppe zweimal pro Tag zu den Hauptmahlzeiten zusammen mit anderen Gemüsegerichten und Reis. Auf Nepali und Hindi wird die Linsensuppe als ≫Daal≪ bezeichnet, wobei Linsen in unterschiedlicher Größe und Farbe verwendet werden.

Die unerwünschten Wirkungen der Chilis

Äußere Anwendung von Chili

Selten treten allergische Reaktionen (urtikarielles Exanthem) auf. Wenn der Extrakt aus den Chili langfristig und in hoher Dosierung eingesetzt wird, können Schädigungen der sensiblen Nerven auftreten. Auch die Entzündung von Hautentzündung, Blasen- und Geschwürbildung können dann vorkommen.

Chilifrüchte-Extrakte dürfen niemals auf verletzter Haut, auf geschädigten Schleimhäuten oder bei einer Überempfindlichkeit gegen Paprika verwendet werden.

Verzehr von Chili

Personen mit einem empfindsamen Magen, sollten vorsichtig mit dem Genuss scharfer Speisen umgehen. Es können Magenschmerzen, Durchfall und Sodbrennen auftreten. Von dem Verzehr sehr großer und ungewohnt scharfen Chilimengen ist abzuraten: Es kann zu Bluthochdruck, Übelkeit, Erbrechen und Schleimhautreizungen kommen, die lebensbedrohlich werden können. Kinder reagieren sehr empfindlich auf Chilis. Sollten Sie frische Chilis in der Küche verarbeiten, waschen Sie sich anschließend gründlich die Hände. Capsaicinoide reizen wie alle Scharfstoffe bei Augenkontakt die Gewebe.

Literatur und Quellen

European Scientitic Cooperative On Phytotherapy (ESCOP). ESCOP Monographs Supplement. 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2009

European Medicines Agency (EMA). Community herbal monograph on Capsicum annuum L. var. minimum (Miller) Heiser and small fruited varieties of Capsicum frutescens L., fructus. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/documents/herbal-monograph/draft-community-herbal-monograph-capsicum-annuum-l-var-minimum-miller-heiser-small-fruited-varieties_en.pdf, Zugriff am 15.01.2019

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte. Online Portal: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/, Zugriff am 15.01.2019

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch.

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