Anti-entzündliche Lebensmittel sollen Entzündungen vorbeugen und abmildern

Essen gegen Entzündungen

Die anti-entzündliche Ernährung kann dabei helfen viele akute und stille Entzündungen zu lindern. Zudem kann sie einen wertvollen Beitrag zu deren Abheilung leisten. Auch zur Prophylaxe verschiedener Krankheiten ist die anti-entzündliche Ernährung bestens geeignet.

Ursachen und Symptome von Entzündungen

Hinter jeder Entzündung steckt ein Reiz, dem das körpereigene Immunsystem eine Abwehrreaktion entgegensetzt. Entzündungen haben viele Gesichter, denn sie zeigen sich je nach Ursache lokal begrenzt oder systemisch, akut oder still. Sie können sich sowohl von außen als auch von innen heraus äußern und sich ausbreiten. Dabei reichen ihre Ursachen von Verletzungen, über Krankheitskeime bis hin zu Strahlenschäden und Chemikalien. Auch Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte und Morbus Chron sind durch Brände gekennzeichnet, die sich von innen heraus und von aussen zeigen.

Entzündungen äußern sich wahlweise durch akute Zeichen wie Funktionsstörungen, Schmerzen und Schwellungen, oder sie breiten sich still aus. Besonders die stillen, niederschwelligen Entzündungen können gravierende Folgen für die Gesundheit haben. Bei ihnen fehlen oft die typischen Symptome und sie schwelen dadurch lange und unbemerkt vor sich hin.

Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese stillen Brände etwa durch zu viel Körperfett, Stress, Bewegungsmangel und eine entzündungsfördernde Ernährungsweise mit vielen tierischen Lebensmitteln begünstigt werden. So wird seit längerem an Schnittstellen zwischen stillen Entzündungen und dem Auftreten von Erkrankungen wie Depressionen, Demenz, Darmerkrankungen und beschleunigten Alterungsprozessen geforscht.

Eine gute Ernährung fördert die Fitness und die Gesundheit bis ins hohe Alter

Die anti-entzündliche Ernährung: ein neues Forschungsfeld

In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden Wissenschaftler, die einen Zusammenhang zwischen einer entzündungsfördernden Ernährungsweise und dem Auftreten verschiedenster Beschwerden und Krankheiten sahen, allenfalls belächelt. Lediglich in der Ernährungstherapie von rheumatischen Erkrankungen ist die entzündungshemmende Diät schon lange bekannt. Die anti-entzündliche Ernährung ist damit eine noch recht junge Disziplin, deren Chancen und Grenzen noch besser erforscht werden müssen. Derzeit wird eine entzündungshemmende Ernährungsweise oft pauschal zur Bekämpfung und Vorbeugung vieler Erkrankungen empfohlen: Die Frage danach ob und in welchem Ausmaß die anti-entzündliche Ernährung etwa das Demenzrisiko verringert, Hautalterungsprozesse verzögert und Gefäßerkrankungen entgegenwirkt, ist aber bislang am Menschen kaum erforscht. Zukünftig müssen daher noch zahlreiche Fragen zu den Wirkungsweisen und – ähnlich wie in der Arzneimitteltherapie – die richtige „Dosierung“ geklärt werden. Auch die Rolle von Zusatzstoffen und Industrienahrung müssen ebenso wie die Form der Landwirtschaft (bio : konventionell) einbezogen werden. Vermutlich aber hat die anti-entzündliche Ernährung ein hohes Potenzial für den Einzug in die Integrative Medizin.

Die Rolle der Ernährung

Welche Chancen bietet die anti-entzündliche Ernährung und welche Einflüsse sind bereits bekannt?

  • Entzündungsfördernde Botenstoffe: Aus der Ernährungstherapie bei rheumatischen Erkrankungen, ist der Einfluss verschiedener Gewebshormone bekannt. Dabei handelt es sich um Botenstoffe aus der Gruppe der Prostaglandine und Leukotriene, die beide Entzündungen auslösen. Zusätzlich verursachen einige Prostaglandine Schmerzen. Die Ausgangssubstanz für Entzündungsreaktionen heißt Arachidonsäure – eine Fettsäure aus der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren. Sie ist in allen tierischen Lebensmitteln gespeichert. Omega-3-Fettsäuren, die etwa in fettreichem Fisch und Leinsamen vorkommen, sind ihre natürlichen Gegenspieler. In pflanzlichen Lebensmitteln fehlt die Arachidonsäure, sie kann aber aus anderen Omega-6-Fettsäuren im Körper hergestellt werden, etwa aus Sonnenblumenöl. Bei der anti-entzündlichen Ernährung nimmt die Reduktion der Arachidonsäure daher einen wichtigen Stellenwert ein.
  • Ablagerungen: Damit die Körperzellen und deren Hüllen voll funktionsfähig sind, ist ein ausgeglichener Stoffwechsel von übergeordneter Bedeutung. Denn er steuert alle natürlichen Prozesse und beugt Ablagerungen im Gefäßsystem vor.
  • Antioxidantien: Bei entzündlichen Prozessen im Körper werden vermehrt freie radikale Sauerstoffmoleküle freigesetzt, die den Zellen schaden und deren Abheilung behindern. Antioxidantien sind die Gegenspieler der freien Radikalen und können diese neutralisieren. Sie kommen reichlich in Gemüse und Obst vor.
  • Übergewicht: Ein hoher Körperfettanteil, vor allem am Bauch, setzt nachweislich vermehrte entzündungsfördernde Hormone frei und begünstigt so die Entstehung von vielen Krankheiten, etwa Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes.

Vermeidung der falschen Ernährung

Der Verzehr von zu vielen tierischen Lebensmitteln, Weißmehlprodukten und Zucker fördert das Entzündungsgeschehen im Körper und erhöht dessen Säurelast. Ähnlich wie bei einer Person, die jeden Tag Überstunden macht, und bei der sich überarbeitungsbedingt Fehler im Arbeitsprozess einschleichen können, schaffen auch das Immunsystem und die Körperzellen es irgendwann nicht mehr die Gesundheit in Balance zu halten. Kommt der erhöhte Ausstoß von Stresshormonen noch dazu, können sich nach und nach stille Entzündungen systemisch oder lokal ausbreiten. Dabei geht es in der Anti-Entzündungsernährung weniger darum Fleisch, Eier, Milch, Weizen und Zucker kategorisch zu verteufeln. Ein Lebensstil gemäß dem Motto „Fleisch ist mein Gemüse“ ist aber auch keine Option: Auf lange Zeit gesehen wirkt ein hoher Fleischkonsum (über 600 Gramm pro Woche) wie brennende Sägespäne, die das Feuer für stille und akute Entzündungen einheizen.

Bestimmte Lebensmittel können stille und akute Entzündungen anheizen

Anti-entzündliche Ernährung

Die anti-entzündliche Ernährung setzt auf eine naturbelassene, abwechslungsreiche und pflanzenbetonte Ernährungsweise. Auch die Berücksichtigung vom täglichen Nährstoffbedarf spielt eine wichtige Rolle. Neben dem täglichen Verzehr von mindestens 400 Gramm Gemüse und Salat sowie rund 250 Gramm frisches Obst, stehen Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte im Fokus. Fische wie Lachs und Forellen, die reich an antientzündlichen Omega-3-Fettsäuren sind, bereichern den Speiseplan ebenso wie leckere pflanzliche Öle. Besonders gut geeignet sind Leinöl, Hanföl, Perillaöl und Rapsöl.

Auch der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten ist erlaubt. Mehr als 600 Gramm Fleisch pro Woche sollten es jedoch nicht sein. Wurstprodukte und Schweinefleisch sollten Sie hingegen so gut es geht von Ihrem Speiseplan verbannen. Sie enthalten viel Arachidonsäure und feuern dadurch das Entzündungsgeschehen an. Ob Eier und Milchprodukte bei einer entzündungshemmenden Ernährungsweise zu empfehlen sind, ist derzeit noch unklar. Vermutlich ist der gelegentliche Genuss von Eiern unproblematisch. Auch der Verzehr von (Sauer-)Milchprodukten wird von den meisten Ernährungswissenschaftlern (noch) empfohlen. Wer lieber pflanzlichen Milchersatz verzehren möchte, sollte darauf achten, dass die Produkte mit Kalzium und Vitamin B12 angereichert und nicht zu stark verarbeitet sind.

Sie finden, dass die Auswahl der Lebensmittel kompliziert klingt und sich schwer in Ihren Ernährungsalltag einfügen lassen? Viele Ernährungsgewohnheiten sind an Rituale und langjährige Erfahrungen geknüpft. Starten Sie zunächst mit kleinen Veränderungen in Ihrer Ernährung. Bei welcher Mahlzeit fällt Ihnen eine Umstellung besonders einfach? Sie können sich beispielsweise zunächst angewöhnen Ihr Frühstück mit Haferflocken, Beerenobst, Kernen und Nüssen zu bereichern. Verwenden Sie statt fertigen Salatsoßen verschiedene Pflanzenöle mit leckerem Essig und Gewürzen. So zieht die anti-entzündliche Ernährungsweise nach und nach in Ihren Alltag ein und erhält einen festen Platz.

Zusammenfassung

Die anti-entzündliche Ernährung zielt darauf ab, akute und stille Entzündungen zu lindern, zu beheben oder der Entstehung vorzubeugen. Pflanzliche Lebensmittel nehmen in der antientzündlichen Ernährung zusammen mit Fisch den wichtigsten Stellenwert ein. Tierische Lebensmittel sollten hingegen nur in Maßen verzehrt werden. Ob die anti-entzündliche Ernährung tatsächlich zur Vorbeugung und unterstützenden Therapie bei Erkrankungen wie Demenz, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen hilft und Alterungsprozesse verlangsamt muss aber noch genauer untersucht werden. Erste Hinweise liegen hierzu bereits vor.

Literatur und Quellen

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