Bei Glücksnahrung (Mood Food) handelt es sich um bestimmte Lebensmittel, die einen Einfluss auf die Stimmung und den Körper haben soll. Im ersten Teil dieses Blogbeitrags ging es um bestimmte Mikronährstoffe und Lebensmittel, die die Stimmung positiv beeinflussen sollen. In diesem Artikel erfahren Sie, was Depressionen mit Bauchfett zu tun haben, weshalb der Darm einen Einfluss auf die Gefühlswelt ausübt und welche Rolle das Umfeld und die Gewohnheiten mit Ernährung und der Stimmungslage zu tun haben.

Die Ernährung des Menschen beeinflusst Körper, Geist und Seele

Warum Gemüse schützt und Zytokine gefährlich sind

Gemüse ist besonders reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen. Durch ihr komplexes Wechselspiel im Körper sind sie an unzählbaren Prozessen im menschlichem Körper beteiligt. Wer viel Gemüse isst und reichlich Bewegung hat, neigt zudem weniger zu gefährlichem Bauchfett, Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). 

Bauchfett ist aus verschiedenen Gründen unbeliebt und unerwünscht, da es zur Bildung sogenannter Zytokine beiträgt. Zytokine sind Entzündungsstoffe, die in Fettzellen massenhaft produziert werden. Was aber haben Bauchfett und Depressionen gemeinsam? Schließlich sind nicht alle depressiven Menschen von Übergewicht und Adipositas betroffen. Umgekehrt ist es jedoch so, dass depressive Menschen, die zusätzlich fettleibig (adipös) sind, die höchsten Mengen an Zytokinen im Blut überhaupt haben. Mit anderen Worten: Adipöse Menschen, die viel Bauchfett haben, haben ein erhöhtes Risiko dafür an einer Depression zu erkranken.

Die Darmgesundheit kann das persönliche Wohlbefinden und die Stimmung beeinflussen

Die Rolle des Darms

Nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm wird Serotonin gebildet. Dort übt das „Glückshormon“ jedoch andere Effekte aus. Es ist zum Beispiel für die Darmbewegungen und die Tätigkeiten anderer Hormone zuständig. 

Gleichzeitig ist der Darm die Heimat einer ganzen Armee von Bakterien und Abwehrzellen. Sie tragen maßgeblich zu einem gesunden Leben bei, und damit auch zu einer gesunden Psyche. Gerät die Darmflora durch Krankheiten, Unverträglichkeiten oder Stress aus dem Takt, sind Auswirkungen auf das Seelische möglich, denn Darm und Gehirn stehen in einem ständigem Austausch miteinander. 

Fermentierte Lebensmittel und bestimmte Probiotika wie Laktobazillen können zur Wiederherstellung der gesunden Darmflora und zur Verbesserung der Stimmung beitragen, das zeigen viele Tierversuche sowie erste Studien am Menschen. Wie weit der Effekt probiotischer Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, Kefir und Joghurt oder von probiotischen Präparaten reicht, um die Entstehung oder den Verlauf einer Depression zu beeinflussen, ist bislang aber wenig untersucht.

Der Kopf isst mit

In dem oft zitierten Ausspruch „Essen ist mehr als die bloße Aufnahme von Nährstoffen“ steckt viel Wahres dran. 

Zwar übt die chemische Zusammensetzung von Lebensmitteln, die Nährstoffversorgung, der Ernährungszustand und die Darmgesundheit mit Sicherheit einen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf von Depressionen aus. Gleichzeitig spielen aber auch erlerntes Verhalten und eine konkrete Ess-Situation wichtige Rollen. Das heißt: die Umgebung, negative und positive Einflüsse beeinflussen die Stimmung und auch das Essverhalten. 

Gewohnheit oder körperlicher Effekt?

Wird beispielsweise ein Kind bei Misserfolgen wiederholend mit Süßigkeiten getröstet, liegt es nahe, dass das Kind in Zukunft den süßen Geschmack mit positiven oder erleichternden Gedanken verbindet. Die Grundlage für Belohnungen im Unterbewusstsein ist gelegt. 

Das erklärt neben den physiologischen Vorgängen im Körper, wie den Anstieg und Abfall vom Blutzuckerspiegel zumindest teilweise, weshalb viele Menschen bei Stress und Traurigkeit an unerklärlichem Heißhunger leiden oder in bestimmten Situationen der Süßigkeitenschrank wie von Geisterhand geöffnet wird. Dass der Genuss der Vollmilchschokolade durch das Tryptophan den Serotoninspiegel anhebt ist dann unwahrscheinlich, da der Aminosäuregehalt zu gering ist, um einen physiologischen Effekt auszulösen. Vielmehr sind es die Sensorik, der Geschmack, die damit verbundenen Gefühle und der schon erwähnte Blutzuckeranstieg, der Körper und Geist mit einem guten Gefühl belohnt – zumindest kurzzeitig. 

Meditation als Belohnung?

Langfristig kann die Koppelung zwischen Lebensmitteln wie Schokolade, Keksen und vielen Datteln zu einem echten Problem werden. Denn das Gefühl nicht anders zu können, als bei Traurigkeit und Stress zu Schokolade zu greifen, macht sicher nicht glücklich. Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein.

Es kommt also wie so oft auf ein ausgewogenes Verhältnis an: Sich nach einem stressigen Tag oder einem traurigen Termin bewusst zu belohnen und so die negativen Gedanken und Gefühle verblassen zu lassen, kann eine gute Strategie sein, um sich vor einer negativen Gedankenspirale zu schützen. Da darf es auch mal ein Stück Kuchen oder Schokolade sein, wenn diese Entscheidung bewusst getroffen wird. Andererseits gibt es auch andere schöne Belohnungen, wie zum Beispiel ein Gespräch mit einem nahestehenden Menschen, eine Tasse Tee oder Kaffee, Meditation, Atemübungen, ein Spaziergang oder ein Lauf durch den Wald. Die Auswahl der Möglichkeiten ist schier endlos. Wichtig dabei ist nur, dass zu tun, was wirklich gut tut.

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Fazit: Echte Depressionen müssen ärztlich behandelt werden, Glücksnahrung kann unterstützen 

Die Entstehung von Depressionen können zahlreiche Ursachen haben: Genetik, persönliche Erlebnisse und Lichtarmut zum Beispiel. Auch der Lebensstil wie Essgewohnheiten kann eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielen. Die individuell geeignete Ernährungsweise kann hier möglicherweise dazu beitragen, der Entstehung von Depressionen vorzubeugen. Bei einer bestehenden Depression ist es anders: Eine bestimmte Ernährungsweise kann weder ein Medikament noch eine Psychotherapie ersetzen, begleitend kann Glücksnahrung aber dazu beitragen die Symptome abzumildern und so eine Besserung zu unterstützen. Eine echte Depression sollte in jedem Fall ärztlich behandelt werden.

Quellen und Literatur

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Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

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