Johanniskraut

Hypericum perforatum

Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Universalpflanze gegen Depression und Muskelschmerz 

Spätestens im Juni zur Sommersonnenwende strahlt das Johanniskraut mit voller Kraft der Sonne entgegen. Es säumt Feldwege ein, und schmückt Wegesränder in Waldnähe.

Zudem ist die Pflanze schwer zu übersehen: Sie erreicht oft eine Wuchshöhe von bis zu einen Meter.

Eine gesellige Pflanze 

Eine Johanniskrautpflanze findet man selten allein: Sie lieben die Gesellschaft anderer Johanniskrautpflanzen und bilden so regelrechte Kolonien, die an den Enden mit immer kleiner werdenden Pflanzen häufig abrupt enden. 

Wer sich bei einem Spaziergang unsicher ist, ob es sich tatsächlich um das Johanniskraut handelt, findet es beim Pflücken leicht heraus: Denn wird ein Stängelchen abgebrochen, so tritt ein rötlicher Pflanzensaft aus. Aber Vorsicht! Dieser Pflanzensaft hinterlässt auf der Haut, den Nägeln und auf der Kleidung seine Spuren indem er sie rötlich verfärbt. 

16 mal Johanniskraut 

Wer das schöne Johanniskraut als Gartenblume anbauen möchte, kann zwischen verschiedenen Sorten wählen: Allein in Europa haben 16 verschiedene Johanniskrautsorten ihre Heimat. Aber auch in Kanada und anderen Ländern kommt die Pflanze vor. Egal auf welchem Teil des Globus ein Johanniskraut zuhause ist: Sie alle sind miteinander verwandt und haben rein äußerlich viel Ähnlichkeit miteinander. Auch in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe wird die Verwandtschaft sichtbar. Hier liegt der Teufel im Detail, denn nicht alle Johanniskrautpflanzen eignen sich für den medizinischen Gebrauch – zumindest nicht aus wissenschaftlicher Sichtweise.

In Europa wird daher nur eine einzige Johanniskrautsorte in der Medizin eingesetzt: Das Hypericum perforatum. Dafür sind die Extrakte aus dem Kraut sehr gut untersucht. Zudem ist das Johanniskraut nach heutigem Wissensstand die einzige Heilpflanze, deren Extrakte bei leichten bis mittelschweren Depressionen ebenso wirksam sind wie synthetische Arzneimittel: Dies ergab die Auswertung von 35 Studien mit insgesamt fast 7.000 Teilnehmern im Jahr 2016. Aber das Johanniskraut kann noch mehr!

Johanniskraut enthält Hypericine und Flavonoide

Eine Besonderheit des Johanniskrauts besteht darin, dass seine Inhaltsstoffe am wirksamsten sind, wenn sie gemeinschaftlich angewendet werden. Mit anderen Worten: Werden einzelne Inhaltsstoffe aus der Pflanze isoliert, so ist deren Wirksamkeit geringer als eine Kombination aller Inhaltsstoffe, da sie sich gegenseitig unterstützen.

Nichts desto weniger enthält Johanniskraut Inhaltsstoffe, die für die Hauptwirkung verantwortlich sind. Genauer gesagt, handelt es sich um sogenannte Hypericine wie Hypericin, Hyperforin und Pseudohypericin. Sie entfalten ihre volle Wirkkraft durch die Anwesenheit von Flavonoiden, ätherischen Ölen, Gerbstoffen und Kaffeesäurederivaten.

In einer exakten Dosierung beeinflussen die Inhaltsstoffe vom Johanniskraut die Kommunikation bestimmter Signalsubstanzen (genauer Neurotransmitter) im Gehirn und mildern dadurch nach und nach depressive Symptome ab.

Das Johanniskraut wird zudem als Johannisöl (Rotöl) angewandt. Es wird anders hergestellt als der Extrakt, der zur Behandlung von Depression zum Einsatz kommt und hat entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Eigenschaften.

Das Johanniskraut in der Medizin

Lichtblicke in Zeiten der Traurigkeit

Anwendungsgebiete mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit

Johanniskrautextrakte sind nachweislich hilfreich wenn: 

  • Sie von einer leichten oder mittelschweren Depression betroffen und keine anderen Medikamente gegen die Depression einnehmen (Johanniskrautextrakte vertragen sich nicht mit anderen Antidepressiva). Anzeichen einer Depression sind zum Beispiel eine anhaltende gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Interessenverlust aber auch körperliche Symptome wie Schwindel und ungewöhnliche Konzentrationsschwäche.

Achtung! Eine Depression sollte stets von einem Arzt oder einer Ärztin behandelt werden. Diese(r) stellt auch den Schweregrad fest und ist Ansprechpartner für die individuell geeignete Behandlung, wie zum Beispiel eine medikamentöse Therapie und/ oder Psychotherapie. Bei schweren Depressionen ist die Wirksamkeit von Johanniskraut nicht ausreicht. Hier müssen andere Behandlungen erfolgen.

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Das Johanniskraut können Sie innerlich als Pflanzenextrakt einsetzen, wenn:

  • Sie etwa durch zu viel Stress mentale Erschöpfung abmildern wollen. 

Zudem können Sie das Johanniskraut als Johannisöl (Rotöl) innerlich anwenden wenn:

  • Sie leichte Magen-Darmbeschwerden (dyspeptische Beschwerden) haben. Bei innerer Anwendung kann das Johannisöl Blähungen, Völlegefühl und leichte Bauchschmerzen abschwächen.

Johannisöl wird zudem äußerlich angewendet. Es kann Ihnen helfen, wenn:

  • Sie Muskelschmerzen haben, etwa durch einen Muskelkater oder eine Verspannung.
  • Sie wunde Haut haben, zum Beispiel durch eine kleine Schnittverletzung, einen Insektenstich, einen Sonnenbrand oder einer Entzündung der Haut.

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz von Johanniskrautextrakt und Johannisöl

Die Wirksamkeit von Johanniskrautextrakt und Johannisöl unterscheiden sich. Daher variieren auch die Einnahmeempfehlungen zu den Einzelportionen und der Tagesmenge.

 

Einzelportion

Tagesmenge

Einsatz

Johanniskrautextrakt

250-800 Milligramm (je nach Präparat)

900-1.800 Milligramm in 1-3 Einnahmeportionen (je nach Präparat)

als Arzneimittel

Johannisöl (innere Anwendung)

3 Gramm (kleiner Teelöffel)

9 Gramm in 3 Einnahmeportionen

pur oder ins Lebensmittel eingerührt

Johannisöl (äußere Anwendung)

5 Gramm oder mehr (je nach Fläche)

Keine

direkt auf die betroffene Hautstelle

Achtung! Johanniskrautextrakte sollten bei einer Depression immer in Form von Fertigarzneimitteln aus der Apotheke angewendet werden. Nur die Anwendung als Arzneimittel hilft garantiert gegen die Symptome der Depression. Gründe hierfür sind beispielsweise die gleichmäßige und ausreichend hohe Dosierung sowie eine geprüfte Qualität.

Eine Anwendung als Tee ist bei mentaler Erschöpfung möglich.

Johannisöl eignet sich hingegen prima als Hausmittel, das Sie selber herstellen können.

Basisrezepte mit Johanniskraut

Johanniskraut-Tee für mentale Stärke

Übergießen Sie für eine Portion einen gestrichenen Teelöffel getrocknetes Johanniskraut (etwa zwei Gramm) mit rund 150 Millilitern 60-80° Celsius heißen Wassers. Sie können loses Kraut, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zwei bis fünf Minuten ziehen lassen, dann Kraut absieben.

Genießen Sie täglich 2 Tassen Johanniskraut-Tee.

Johannisöl bei Magen-Darmbeschwerden

Setzen Sie 25 Gramm frische und zerstoßene Johanniskrautblüten, junge Blätter und Blütenknospen mit 100 Millilitern Pflanzenöl (etwa Mandel- oder Olivenöl) in einer Braunglasflasche an. Lassen Sie die Mischung sechs Wochen lang ziehen, regelmäßig schütteln. Wenn das Öl eine kräftige, rote Farbe hat werden die Pflanzenbestandteile abgesiebt. 

Nehmen Sie zur Vorbeugung oder Behandlung von MagenDarmbeschwerden 1 Teelöffel (3 Gramm) vor oder mit einer Mahlzeit ein. Täglich können Sie bis zu drei Portionen einnehmen.

Johannisöl bei Hautbeschwerden

Setzen Sie 25 Gramm frische und zerstoßene Johanniskrautblüten, junge Blätter und Blütenknospen mit 100 Millilitern Pflanzenöl (etwa Mandel- oder Olivenöl) in einer Braunglasflasche an. Lassen Sie die Mischung sechs Wochen lang ziehen, regelmäßig schütteln. Wenn das Öl eine kräftige, rote Farbe hat werden die Pflanzenbestandteile abgesiebt. 

Tragen Sie das Johannisöl bei Muskelschmerzen, leichten Verletzungen der Haut, Sonnenbrand oder Insektenstich zwei bis drei mal pro Tag auf die betroffenen Hautstellen auf, und massieren Sie es sanft ein.

Die unerwünschten Wirkungen vom Johanniskraut

Bei einer bekannten Lichtempfindlichkeit der Haut dürfen keineJohanniskraut-Extrakte angewendet werden, weil das direkte Sonnenlicht sonnenbrandähnliche Symptome hervorrufen kann. 

Zur Behandlung von schweren Depressionen ist Johanniskraut nicht geeignet. Die Wirkung reicht nicht aus. Johanniskrautextrakte können Wechselwirkungen mit gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln auslösen und deren Wirkung herabsetzen. Es handelt sich um Arzneimittel, die zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen gegenüber Transplantaten eingesetzt werden, zur Behandlung von HIV-Infektionen oder AIDS, Zytostatika mit Ausnahme von monoklonalen Antikörpern, Gerinnungshemmer, trizyklische Antidepressiva, hormonelle Empfängnisverhütungsmittel und die Arzneien Simvastatin, Verapamil, Digoxin, Theophyllin, Midazolam.

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Literatur und Quellen

Apaydin E, Maher A, Shanman R, et al. (2016), „A systematic review of St. John’s wort for major depressive disorder.,“ Syst Rev ,1un. 5:148, Sep 2016.

European Medicines Agency, „COMMUNITY HERBAL MONOGRAPH ON HYPERICUM PERFORATUM L., HERBA (WELL-ESTABLISHED MEDICINAL USE),“ 12 Nov 2009. [Online]. Available: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-hypericum-perforatum-l-herba-well-established-medicinal-use_en.pdf. Zugriff am 19.11.2019.

Hänsel, R. und Sticher, O. Pharmakognosie – Phythopharmazie. 8. Auflage. Heidelberg : Springer Medizin Verlag, 2007.

World Health Organization (WHO). WHO monographs on selected medicinal plants. Volume 2. WHO, Geneva 2004.

Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Der vorliegende Text wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.