Die Lauftherapie ist eine noch relativ junge Disziplin innerhalb der Bewegungstherapien. Sie zielt darauf ab, seelischen und körperlichen Beschwerden vorzubeugen und zu behandeln. Lauftherapeuten unterstützen motivierte Anfänger und Wiedereinsteiger dabei einen gesunden Einstieg ins Laufen zu bekommen und dranzubleiben. Welchen Nutzen die Lauftherapie hat, für wen sie geeignet ist und wie Sie einen professionellen Lauftherapeuten finden, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Laufen kann die seelische und körperliche Gesundheit fördern

Laufen als Therapie

Die Lauftherapie ist ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining. Ziel ist es, die Gesundheit zu unterstützen und zu fördern. 

Langsames, ausdauerndes Laufen (Joggen/ Jogging) hat zahlreiche positive Auswirkungen auf die Psyche und den Körper. Daher trägt das Laufen als Therapie zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden und Krankheiten bei, und beeinflusst zum Beispiel die Gesundheit von Herz, Stoffwechsel, Skelettmuskulatur und Gehirn.

Wissenswertes

Laufen als Therapie ist im deutschsprachigen Raum einen noch junge Form der Bewegungstherapie. In Deutschland geht sie auf den Psychologen und Erziehungswissenschaftler Professor Alexander Weber zurück, der in den 1980-iger Jahren das Konzept der Lauftherapie entwickelte. Im Jahr 1988 gründete er das Deutsche Lauftherapiezentrum e.V. in dem seit der Gründung qualifizierte Lauftherapeuten ausgebildet werden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Lauftherapie und Laufsport

Die Vorbeugung von Erkrankung und die Linderung von gesundheitlichen Beschwerden wie die Stärkung vom Herz-Kreislaufsystem stehen bei der Lauftherapie im Vordergrund. Der Leistungsgedanke wie zum Beispiel an einem Marathon teilzunehmen, nimmt dabei einen untergeordneten Stellenwert ein. Zudem wird bei der Lauftherapie darauf geachtet, dass sich die Teilnehmer vor Überbelastung schützen. Ein Grund hierfür ist, dass zu schnelles und unachtsames Laufen oft mehr schadet als nützt: Eine Überbelastung vom Herz-Kreislaufsystem, der Gelenke, Knochen, Muskeln und Sehnen kann dann nicht nur die Gesundheit beeinträchtigen, sondern verdirbt oft jegliche Freude am Laufen.

Soweit muss es aber nicht kommen, und es gibt auch zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen der Lauftherapie und dem (gesunden) Laufsport: Der Aufenthalt in der Natur, eine gute Körperwahrnehmung und der Spaß, welchen viele Menschen durch das Laufen empfinden, tragen oft zu mehr seelischem und körperlichem Wohlbefinden bei. Gerade bei längeren Läufen gelangen Läuferinnen und Läufer nicht selten in einen Flow, der auch als ein meditativer Geisteszustand beschrieben wird.

Die Grenzen zwischen Laufen als Therapie und als Sport gehen daher fließend ineinander über. Wer erst einmal vom „Lauffieber“ ergriffen ist, wird davon kaum noch wegkommen.

Viele Läuferinnen und Läufer fühlen sich durch das Laufen entspannt

Der Mensch – von Natur aus ein Läufer

Die meisten Menschen beginnen mit den ersten Schritten zum ersten Geburtstag, und bleiben gehend in Bewegung bis ins hohe Alter. Aber das war nicht immer so. Die Vorfahren des Menschen bewegten sich auf allen vieren: Im Laufe der Evolution sind Menschen dann zum zweibeinigen Läufer geworden, und sind es bis heute. 

Die Anatomie des Menschen ist in großen Teilen vom Laufen geprägt, beginnend mit der Form der Füße über die Muskeln und Sehnen in den Beinen sowie das Becken, die Wirbelsäule und den Brustkorb. Sogar der Kopf ist perfekt für das Laufen ausgerichtet: Er sitzt auf den Halswirbeln so auf, dass beim rennen ein gerader Blick nach vorne möglich ist. Das Innenohr hilft zusätzlich dabei das Gleichgewicht zu halten und so auch beim schnellen Laufen in Balance zu bleiben. Zusätzlich ist die Haut des Menschen perfekt fürs Laufen von längeren Strecken ausgelegt. Die Schweißdrüsen und die wenigen Haare helfen dabei bei Anstrengung effektiv abkühlen zu können und nicht zu überhitzen. Die meisten Tiere haben diese Eigenschaft nicht. Zwar kann der Mensch mit der Geschwindigkeit vieler Tiere beim laufen nicht mithalten. Dafür ist der Körper geradezu prädestiniert dafür enorm lange Zeiträume in einem gleichmäßigem Tempo zu laufen. Das zurücklegen von Strecken von 20 bis 40 Kilometern pro Tag war für den Menschen damals normal und ist es bei manchen Naturvölkern bis heute. Die Menschen dürften aber keineswegs täglich 40 Kilometer gelaufen sein, im Sinne von Jogging. Vielmehr dürfte es ein ständiger Wechsel zwischen gehen und laufen gewesen sein. 

Gesundheitliche Wirkungen vom Laufen

Die Lauftherapie ist ein moderates Ausdauertraining, das den Allgemeinzustand, die Funktion bestimmter Organe und die Psyche positiv beeinflusst, wie zum Beispiel:

Allgemeinzustand 

Regelmäßiges Laufen verbessert das Bewusstsein für den Körper, das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Auch die Schlafqualität und die persönliche Fitness nehmen zu. Wer zu Übergewicht neigt, nimmt durch Lauftraining leichter ab.

Gehirn

Die Durchblutung vom Gehirn steigt durch das Lauftraining. Es fördert zudem das Wachstum von Nerven. Auch Leistungsverluste im Alter werden verlangsamt.

Psyche

Das moderates Lauftraining die Stimmung verbessert, die Stressresistenz ansteigen lässt und die innere Ruhe fördert, wurde in vielen Studien am Menschen gezeigt. Auch bei Depression, Angst und Antriebslosigkeit ist Laufen hilfreich. So wurde etwa in einer Studie von Blumenthal et al. offengelegt, dass Laufen ähnlich wirksam wie ein Antidepressivum ist.

Wissenswertes 

Wer viel Stress hat, oft müde und antriebslos ist, kann das Lauftraining mit den Extrakten der Rosenwurz kombinieren. Die Heilpflanze fördert die Stressresistenz und hilft bei Müdigkeit und Schwäche indem sie den körpereigenen Cortisonspiegel senkt und die Zellen dazu anregt, mehr Energie zu bilden.

Herz und Gefäßsystem 

 Unter körperlicher Belastung und während der Ruhephasen (sportfreie Zeit) beziehungsweise im Alltag kommt es zu einer Abnahme der Herzschlagfrequenz. Dadurch wird der Muskel entlastet und auch der Blutdruck sinkt. Gleichzeitig werden seine Funktionen durch das regelmäßige Training verbessert. So steigt die Menge vom Blutvolumen mit jedem Herzschlag und das Organ erholt sich schneller nach körperlicher Belastung. Zudem wird das Herz selbst besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Laufen verbessert die Funktion von Herz, Kreislauf und der Blutgefäße

Blut 

Regelmäßiges Laufen beeinflusst die Eigenschaften und Zusammensetzung des Blutes. So nimmt etwa die Fließeigenschaft vom Blut zu. Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Hämoglobin steigen. Gleichzeitig neigen die Blutplättchen weniger dazu sich zusammenzuballen (Thrombozytenaggregation), was wichtig für die Vorbeugung vor Blutgerinnseln und Thrombosen ist. Zudem sinken bestimmte Entzündungswerte im Blut wie der CRP-Wert. CRP ist die Abkürzung für C-reaktives Protein (Eiweiß) und ein wichtiger Laborwert, der Entzündungen im Körper anzeigt.

Wissenswertes

Wer viel läuft, sollte seinen Eisen-Status im Blut regelmäßig prüfen, da das Spurenelement durch das Schwitzen schneller verloren geht. Eisen ist beispielsweise wichtig für den Sauerstofftransport. Mehr über das Spurenelement erfahren Sie hier.

Stoffwechsel 

Laufen beeinflusst den gesamten Stoffwechsel. Besonders gut untersucht sind die Auswirkungen auf die Blutfette und die Vorbeugung vor Atherosklerose. Während das schädliche LDL-Cholesterin durch regelmäßiges Laufen abnimmt, steigt die Menge an gefäßschützendem HDL-Cholesterin. Zudem erhöht regelmäßiges Laufen den Energieumsatz und ist damit als Unterstützung beim Abnehmen oder zu Stabilisierung vom Körpergewicht bestens geeignet.

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Verdauung

Wer zu einer schwachen Verdauung oder Verstopfung neigt, wird vom Laufen profitieren. Laufen fördert die Durchblutung aller Organe – auch die von Dünndarm und Dickdarm. Dadurch wird die Verdauung gesteigert. Für all diejenigen, die bereits eine gute Verdauung haben, bedeutet das allerdings, dass sie an Lauftagen und den Stunden vor dem Lauf nicht zu ballaststoff- und fruchtzuckerreich essen sollten. Es kann sonst zu einer gesteigerten Verdauung auf der Strecke kommen.

Muskeln 

Es werden mehr Muskeln, die das Skelett umgeben (Skelettmuskulatur) gebildet. Gleiches gilt für die kleinsten Blutgefäße, die die Muskeln mit Sauerstoff und Nährstoffe versorgen. In Folge gelangen mehr Sauerstoff und Nährstoffe in die Skelettmuskulatur und die Durchblutung wird verbessert.

Atemwege 

Laufen verbessert die Lungenfunktion sowie die Durchblutung der Organe. Zudem nehmen die Atemmuskulatur und das Atemzug- und Atemminutenvolumen zu. Die Atemfrequenz nimmt hingegen ab. Mit anderen Worten: Die Lungen können mehr Sauerstoff aufnehmen und verwerten, müssen aber dafür weniger „arbeiten“.

Immunsystem

Moderates Lauftraining stärkt das Immunsystem. Insbesondere Menschen, die über lange Zeiträume viel Ausdauersport treiben, haben ein deutlich aktiveres Immunsystem als Nichtsportler. Dadurch sinkt die Anfälligkeit gegenüber Infektionen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen.

Hormonsystem

Durch das Laufen wird der Insulinspiegel im Blut abgesenkt. Zudem sprechen bestimmte Körperzellen besser auf Insulin an. So kann das regelmäßige Lauftraining zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes) beitragen.

Die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin wird zudem verringert. Die Konzentrationen von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im Blut nehmen hingegen zu. Dies trägt wiederum zu mehr Gelassenheit in Stresssituationen bei und entlastet das Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem. 

Ausdauersport und Krebserkrankungen

Neuere Untersuchungen zeigen, dass regelmäßiger Sport das Risiko für bestimmte Krebsarten zwischen 13 bis 42 Prozent reduziert (Schmid D & Leitzmann MF, 2014). Grund hierfür ist der Anstieg besonderer Immunzellen im Blut, die sogenannten natürlichen Killerzellen. Auch wer von einer Krebserkrankung betroffen ist, kann vom Laufen profitieren. Im Schnitt sinkt die Sterbewahrscheinlichkeit um rund 28 Prozent, selbst wenn mit dem Training erst nach der Diagnose begonnen wird. Bei der Diagnose Prostata-Krebs sind es sogar mehr als 60 Prozent, wenn mehr als drei Stunden pro Woche trainiert wird (Kenfield SA, et al., 2011).

Ablauf einer Lauftherapie

In der Regel wird eine Lauftherapie in einer Gruppe durchgeführt, die von einer Therapeutin oder einem Therapeuten geleitet wird. Es gibt aber auch die Möglichkeit als Einzelperson eine Lauftherapie durchzuführen. Informationen über die Laufkurse erhalten Sie zum Beispiel auf Nachfrage bei Ihrer Krankenkasse. Dort erfahren Sie auch, welche Kostenzuschüsse die gesetzlichen Krankenkassen für eine Lauftherapie oder andere Laufkurse leisten. 

Über die Internetseite vom Lauftherapie-Verband finden Sie zudem Listen von Lauftherapeuten und deren Kontaktdaten. 

Ein Lauftherapiekurs dauert in der Regel zwischen zehn und zwölf Wochen. Trainiert wird meistens zweimal wöchentlich. Die meisten Einsteiger schaffen es am Ende des Kurses rund 30 Minuten am Stück zu laufen.

Zu Beginn vom Kurs wird auf den Status der Gesundheit eingegangen und über die richtige Ausrüstung sowie über ein mögliches Verletzungsrisiko gesprochen

Lauftherapie auch bei schweren und chronischen Erkrankungen

Speziell ausgebildete Lauftherapeuten bieten Kurse speziell bei Erkrankungen wie Mukoviszidose, anderen Lungen- und Atemwegskrankheiten, Demenz und Depression an. Auch für geistig behinderte sowie sehbehinderte und blinde Menschen gibt es Angebote. Je nach Status der Gesundheit wird entweder gelaufen oder gewalkt.

Kinder und Jugendliche fürs Laufen begeistern

Dem Bewegungsmangel entgegenwirken, das Seelische stärken und sogenannten Zivilisationskrankheiten im Erwachsenenalter vorbeugen – das sind wichtige Ziele der Lauftherapie für Kinder und Jugendliche. Für sie gibt es spezielle und altersgerechte Angebote.

Gibt es Menschen für die eine Lauftherapie ungeeignet ist?

Wer von (starkem) Übergewicht betroffen ist, sollte zunächst mit Ausdauersportarten wie Walking, Schwimmen oder Radfahren beginnen und erst nach und nach mit der Lauftherapie beginnen. Auch bei bestimmten Herz-Kreislauferkrankungen wie peripheren Durchblutungsstörungen und Gelenkverschleiß (Arthrose) etwa im Knie und Hüftgelenk ist Laufen ungeeignet. Zudem gilt wie bei allen Sportarten: kein Sport bei akuten Infekten und Erkrankungen. 

Zusammenfassung

Die Lauftherapie ist eine Form der Bewegungstherapie. Sie wird zur Vorbeugung und Linderung von Krankheiten eingesetzt. Laufen hat zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit, die von einer Verbesserung des Allgemeinbefindens bis zu psychischen und körperlichen Effekten reichen. Durchgeführt wird die Lauftherapie üblicherweise in Gruppen, die von ausgebildeten Therapeuten geleitet werden. Hiervon profitieren besonders Einsteiger und Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen: Die Unterstützung der Gesundheit steht im Vordergrund der Lauftherapie.

Literatur und Quellen

Aderhold L & Weigelt S: Laufen!…durchstarten und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Schattauer-Verlag, Stuttgart 2012.

Blumenthal JA, Babyak MA, Moore KA, et al.: Effects of exercise training on older patients with major depression. Arch Intern Med 1999; 159: 2349–56. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10547175, Zugriff am 03.03.2020.

Hollstein T: Sport als Prävention: Fakten und Zahlen für das individuelle Maß an Bewegung. Dtsch Arztebl 2019; 116.https://www.aerzteblatt.de/archiv/209444/Sport-als-Praevention-Fakten-und-Zahlen-fuer-das-individuelle-Mass-an-Bewegung, Zugriff am 03.03.2020.

Kenfield SA, Stampfer MJ, Giovannucci E, Chan JM: Physical activity and survival after prostate cancer diagnosis in the health professionals follow-up study. J Clin Oncol 2011; 29: 726–32. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21205749, Zugriff am 03.03.2020.

Schmid D & Leitzmann MF: Association between physical activity and mortality among breast cancer and colorectal cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. Ann Oncol 2014; 25: 1293–311. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24644304, Zugriff am 03.03.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

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