Der Lavendel ist das Symbol der Provence. Durch seine wohltuenden und beruhigenden Wirkungen, gehört das violette Duftwunder zu den beliebtesten Heilpflanzen überhaupt. Heute wird das ätherische Lavendelöl standardmäßig in der Medizin als Arzneimittel eingesetzt. Wem die Heilpflanze helfen kann, und wie der Lavendel als Hausmittel richtig eingesetzt wird, das erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Lavendel ist ein Duft- und Heilpflanze

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Im August, dem heißesten Monat des Jahres, ist die beste Zeit für die Lavendelernte. Die Trockenheit und die Hitze bewirken, dass die ätherischen Öle in die Blüte steigen. Anschließend werden die blau-violetten Blüten zur Destillerie gebracht, wo ihnen das ätherische Öl entzogen wird. Jede Destillerie hat hierfür ihre eigenen Methoden. In den meisten Fällen wird das ätherische Öl den Blüten jedoch mit Hilfe von Wasserdampf entzogen. Dazu wird in einem Heizkessel Wasser erhitzt. Der dabei entstehende Wasserdampf wird in einen großen Behälter, dem Destillierkolben geleitet. In diesem Destillierkolben liegen gleichmäßig verteilet, aber dicht gepresst die geernteten Lavendelpflanzen. 

Ätherisches Lavendelöl und Lavendel-Hydrolate

Durch den Wasserdampf werden die ätherischen Öle aus dem Lavendel freigesetzt, sodass er sich mit ihnen vermischt. Dann wird der Wasserdampf in ein Gefäß mit kaltem Wasser geleitet, sodass er kondensiert. In der dabei entstehenden Flüssigkeit schwimmt das ätherische Öl oben, weil es eine niedrigere Dichte als das Wasser hat. Dadurch wird einerseits das reine Lavendelöl gewonnen und gleichzeitig auch das Lavendel-Hydrolat. Ein Hydrolat ist ein „übrig gebliebenes“ Wasser mit Spuren vom ätherischen Lavendelöl. Hydrolate werden zum Beispiel zum Parfümieren von Wäsche verwendet. Zudem kommt es in der Aromatherapie zum Einsatz.

Reines Lavendelöl hat eine gelbliche Farbe. Es duftet süßlich und frisch. Um einen Liter davon herzustellen, werden rund 130 Kilogramm Lavendelpflanzen gebraucht.

Weiße, rosa und blau-violette Lavendelblüten

Es gibt weit über 200 verschiedene Lavendelarten. Sie unterscheiden sich durch ihre Blüten und deren Farben, ihre Blätter und auch durch ihren Duft. Zudem müssen vor allem zwei Lavendel-Pflanzensorten unterschieden werden: der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) und der Speick-Lavendel, dem Lavandin. Lavandin ist eine Kreuzung, die entweder auf natürliche Weise entsteht oder bewusst gezüchtet wird. 

Der Echte Lavendel ist eine Heilpflanze und hat therapeutische Eigenschaften. Er wirkt zum Beispiel beruhigend und krampflösend. Auch helfen die Extrakte aus dem Echten Lavendel bei Magenkrämpfen und Nervosität. 

Bei der Sorte Lavandin handelt es sich um eine sterile Pflanze. Sie enthält mehr Kampfer als der Echte Lavendel, weswegen sie intensiver duftet als der Echte Lavendel. Aus diesem Grund kommt das preiswerte Lavandin oft in der Industrie als Zusatz von Reinigungsmitteln zum Einsatz. Zu medizinischen Zwecken ist der Echte Lavendel dem Lavandin überlegen.

Lavendel: entspannungsfördernde Terpene und Gerbstoffe

Würden alle 200 verschiedene Lavendelsorten in ihre „Einzelteile“, die Inhaltsstoffe, aufgetrennt werden, so käme als Ergebnis eine Mischung aus über 2.000 verschiedenen Komponenten dabei heraus! Wissenschaftler vermuten, dass zwischen 15 und 20 Prozent dieser Inhaltsstoffe eine Wirkung auf die Gesundheit haben. Diese gewaltige Menge verschiedener Inhaltsstoffe lässt bereits vermuten, dass keine einzelne Substanz für die medizinischen Wirkungen vom Lavendel verantwortlich ist: und so ist es auch. Dennoch gibt es einige Schlüssel-Inhaltsstoffe im Lavendel, die für die Hauptwirkungen der Heilpflanze unerlässlich sind. Durch diesen Umstand sind die vielen anderen Substanzen jedoch keineswegs wertlos, denn sie unterstützen die Schlüssel-Inhaltsstoffe, damit sie deren Wirkung voll entfalten können.

Der Lavendel hat zwei Wirkstoffe: Lavendelblüten und das ätherische Öl (Lavendelöl). Das ätherische Lavendelöl wird aus den Blüten vom Echten Lavendel gewonnen.

Inhaltsstoffe medizinischer Lavendelblüten

Medizinische Lavendelblüten enthalten mindestens 1,5 Prozent ätherisches Öl. Es setzt sich hauptsächlich aus Monoterpenen wie Linalylacetat, Linalool, Campher, Ocimen und Cineol zusammen. Linalyacetat hat beruhigende und entspannungsfördernde Wirkungen. Zudem ist es für den typischen Duft der Pflanze verantwortlich. Linalool hat desinfizierende, keimhemmende und antientzündliche Eigenschaften.

Zudem enthalten getrocknete Lavendelblüten bis zu zwölf Prozent Gerbstoffe, sogenannte Lamiaceen-Gerbstoffe. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören Rosmarinsäure und Chlorogensäure. Auch Flavonoide, Triterpene und Phytosterole sind in den Lavendelblüten in kleinen Mengen zu finden.

Inhaltsstoffe von medizinischem Lavendelöl

Lavendelöl setzt sich aus ätherischen Ölen zusammen. Um einen therapeutischen Nutzen zu haben, muss es 25 bis 46 Prozent Linalylacetat und 20 bis 45 Prozent Linalool enthalten. Andere Inhaltsstoffe kommen in Spuren vor.

Lavendel-Extrakte verbessern den gesunden Schlaf

Lavendel in der Medizin

Anwendungsgebiete mit begründeter und plausibler Wirksamkeit

Lavendelblüten und Lavendelöl werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) empfohlen, um leichte Symptome zu lindern. Zum Beispiel bei:

  • psychischem Stress und Erschöpfung, zum Beispiel durch Verluste von geliebten Menschen und Tieren, durch psychische Belastungen vor und während Prüfungen, durch familiäre Belastungen und Probleme beim Arbeitsplatz
  • Schlafbeschwerden, zum Beispiel bei angstbedingten Schlafbeschwerden und bei Ein- und Durchschlafbeschwerden durch Stress

Der Einsatz von Lavendelblüten und Lavendelöl werden ab dem vollendeten zwölften Lebensjahr empfohlen.

Wissenswertes

Äußert sich der psychische Stress durch depressive Symptome, ist die Anwendung von Johanniskraut gut geeignet. Das Johanniskraut ist die einzige Heilpflanze, die derzeit auch in der konventionellen Medizin als wirksames Arzneimittel zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Depression anerkannt ist.

Anwendungsgebiete aufgrund der Studienlage

Die Wirkungen von Lavendelblüten und Lavendelöl werden derzeit weiter erforscht. Aufgrund erster Studienergebnisse können sie innerlich und äußerlich angewendet helfen bei:

  • Stimmungsschwankungen, die mit Unruhe, Rastlosigkeit, Reizbarkeit oder Schlaflosigkeit einhergehen
  • Schmerzen im Unterbauch (Unterleib)
  • Blähungen und Bauchkrämpfe durch Nervosität

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zudem die Anwendung von Bädern mit Lavendelblüten-Extrakten oder Lavendelöl bei:

  • Herz-Kreislaufbeschwerden 

Anwendungsgebiete aufgrund von Erfahrungswissen

Die medizinische Anwendung von Lavendelblüten und Lavendelöl haben eine lange Tradition. Sie werden daher traditionell äußerlich eingesetzt bei:

  • Kopfschmerzen
  • Erkältung
  • Wunden wie Schrammen, Insektenstiche, Prellungen

Die Einzelportion, Tagesmenge und der richtige Einsatz von Lavendelblüten und Lavendelöl

 

Einzelportion

Tagesmenge

Einsatz als

Lavendelblüten

1-2 Gramm

3-6 Gramm

Tee

Lavendelöl (innere Anwendung)

20-80 Milligramm

80 Milligramm

Fertigarzneimittel oder Tropfen in Wasser

Lavendelöl (äussere Anwendung)

60-3.000 Milligramm

60-3.000 Milligramm

Inhalat, Badezusatz

Getrocknete Lavendelblüten und Lavendelöl erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und in der Drogerie. Achten Sie bitte auf das Qualitätsmerkmal „Arzneimittelqualität“. Hierbei handelt es sich um schadstoffgeprüfte Ware mit einem garantierten Anteil an Inhaltsstoffen.

Lavendelblütentee kann den nervösen Magen beruhigen

Basisrezepte mit Lavendel

Lavendelblüten-Tee

Übergießen Sie für eine Portion einen Teelöffel (1,5 Gramm ) getrocknete Lavendelblüten (Arzneiqualität) mit 150 Millilitern kochend heißem Wasser. Sie können lose Blüten, einen Teefilter oder ein Tee-Ei verwenden. Den Tee zudecken und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen, dann die Blüten abseihen.

Trinken Sie den ausreichend abgekühlten Tee aus Lavendelblüten dreimal täglich in kleinen Schlucken. 

Lavendelölbad gegen Stress

Lassen Sie für ein Vollbad rund 100 Liter Wasser mit einer Temperatur von 37°C in die Badewanne ein. Geben Sie ein bis drei Gramm Lavendelöl in das Badewasser. 50 Tropfen ergeben rund ein Gramm. Baden Sie für rund 15 Minuten, und ruhen Sie sich anschließend für 15 bis 30 Minuten aus. Wiederholen Sie das Bad täglich, bis sich die Symptome bessern.

Tipp! 

Auch die Extrakte der Rosenwurz können bei vorübergehendem Stress helfen. Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Anti-Kopfschmerz-Inhalation mit Lavendelöl

Nehmen Sie für die Inhalation ein größeres, breites Gefäß. Geben Sie in das Gefäß etwa ein Liter heißes Wasser und fünf bis acht Tropfen des ätherischen Lavendelöls. Zur Inhalation legen Sie sich ein großes Handtuch über den Kopf, damit die Dämpfe nicht entweichen können.

Inhalieren Sie je nach Intensität der Beschwerden zwei bis dreimal täglich zwischen fünf und zehn Minuten.

Tipp!

Eine Inhalation mit Lavendelöl kann auch bei Erkältung und Atemwegsbeschwerden helfen. Geben Sie drei Tropfen Lavendelöl in eine Duftlampe und inhalieren Sie die Dämpfe 30 Minuten ein.

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Die unerwünschten Wirkungen vom Lavendel

Unerwünschte Wirkungen zu den Lavendelblüten sind nicht bekannt.

Empfindsame Menschen können durch Lavendelöl Kopfschmerzen bekommen. Durch das direkte Auftragen auf die Haut kann es zudem selten zu allergischen Reaktionen kommen. Bei innerer Anwendung sind Nebenwirkungen wie Aufstoßen, Übelkeit und Verstopfung möglich. Zudem kann Lavendelöl schläfrig machen. Dadurch kann die Reaktionszeit negativ beeinträchtigt werden. Dies ist beim Autofahren oder dem Bedienen von anderen Maschinen zu bedenken.

Für Babys und Kleinkinder ist die Anwendung von ätherischen Ölen in Kopfnähe ungeeignet. Die Anwendung im Bereich des Kopfes kann zu Krämpfen und Atemlähmungen führen.

Literatur und Quellen

European Medicines Agency (EMA) (2010): Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, flos. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-lavandula-angustifolia-p-mill-flos_en.pdf, Zugriff am 09.03.2020.

European Medicines Agency (EMA) (2011): Community herbal monograph on Lavandula angustifolia Miller, aetheroleum. Online Portal: https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-community-herbal-monograph-lavandula-angustifolia-miller-aetheroleum_en.pdf, Zugriff am 09.03.2020.

World Health Organiziation (2007): WHO monographs on selected medicinal plants. Volume 3. Genf.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

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