Ölziehen

Mundgeruch, Zahnschmerz und Kopfschmerzen ade!?

Mundgeruch, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwermetallvergiftungen, Hautkrankheiten, Husten und Gelenkschmerzen sind nur eine kleine Beschwerdeauswahl, bei der die Ölziehkur helfen soll. Hier erfahren Sie wissenswertes über die Hintergründe vom Ölziehen, und wie Sie eine Ölziehkur richtig durchführen.

 
 
Olivenöl ist zum Ölziehen ebenso geeignet wie Sonnenblumenöl und andere Pflanzenöle

Ölziehen: überliefertes Wissen aus der Ukraine 

Gifte und Keime mit Öl binden 

Die Ölziehkur gehört in Europa zu den eher neueren naturheilkundlichen Verfahren und ist erst seit den 1990iger Jahren im deutschsprachigen Raum bekannt. Ihre Ursprünge werden in der ayurvedischen Medizin, Russland und)in der Ukraine gesehen. Ärzte und Heilpraktiker, die das Ölziehen empfehlen vermuten, dass Krankheitskeime wie Bakterien, Pilze und Viren sowie Gifte durch das Öl gebunden werden und so deren Aufnahme in den Körper gebremst werden kann. Durch das Ölziehen sollen sie sich schlechter in der Schleimhaut und der Zunge ablagern können. Daher wird die Ölziehkur immer häufiger zur Krankheitsvorbeugung und als unterstützende Maßnahme bei akuten und chronischen Erkrankungen in Betracht gezogen. Auch wenn für die Wirkung der Ölziehkur wissenschaftliche Nachweise weitestgehend fehlen, könnte sich ein Versuch aufgrund der vielen positiven Erfahrungsberichte lohnen.

Anwendungsgebiete von A wie Aphte bis Z wie Zahnfleischbluten

Die Wirkung bei Ölziehen soll aber nicht nur Giftstoffe entfernen, sondern soll ebenso das Immunsystem anregen und so den Körper vor Infekten schützen: Wird das Öl in der Mundhöhle hin und her bewegt, werden die Speicheldrüsen aktiv und es wird mehr Speichel gebildet. Speichel enthält unter anderem das Enzym Lysozym. Lysozym hat antibakterielle Eigenschaften und fördert den Abbau von bestimmten Bakterien wie zum Beispiel Streptokokken und Staphylokokken. Die Anregung des Immunsystems beruht daher weniger auf dem Öl, sondern vielmehr auf(die) Bewegung einer Flüssigkeit in der Mundhöhle. Mit anderen Worten: Wer den Geschmack und die Konsistenz von Öl nicht mag kann andere Substanzen wie beispielsweise einen Bitterorangentee als Mundspülung anwenden, um die Speichelbildung anzukurbeln.

Info: Ölziehen, Ölsaugen, Ölkauen sind drei Begriffe, die für das selbe Verfahren stehen. Bekannt wurde das Ölziehen durch den Arzt Dr. Karach, der das Verfahren während einer Fachtagung in der Ukraine in den 1990iger Jahren anderen Kollegen vorstellte.

Traditionell wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden angewendet wie zum Beispiel:

  • Beschwerden im Mund- und Rachenraum wie Aphten (Aphte: schmerzhafte Entzündung im Mund), Zahnfleischentzündung, Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Zahnschmerz
  • Gelenkbeschwerden wie Arthrose, Rheuma und Rückenschmerzen
  • Magen-Darmbeschwerden wie Sodbrennen, Verstopfung
  • Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte und Ekzeme
  • Infekte wie Erkältung, Halsschmerzen und Schnupfen 
  • Kopfschmerzen und Migräne

Ölziehen: was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Erforschung der Ölziehkur steht im Gegensatz zu dem Erfahrungswissen noch ganz am Anfang. Am besten untersucht ist die Wirksamkeit bei Beschwerden im Mundraum. In einigen Studien stellte sich heraus, dass Ölziehen bei Zahnfleischentzündungen hilft. Ob die Ölziehkur bei Mundgeruch hilft ist hingegen noch nicht ganz klar: In einigen Studien verminderte das Ölziehen unangenehme Gerüche in anderen nicht. Auch zur vorbeugenden Wirkung von Karies liegen erste Erkenntnisse vor: Ölziehen mit Kokosöl erwies sich in einer Studie als ebenso effektiv, wie Chlorhexidin. Chlorhexidin ist ein Desinfektionsmittel, das in vielen Mundspülungen enthalten ist. Eine Alternative zur herkömmlichen Mundhygiene ist die Ölziehkur aber nicht.

In der Summe deuten die ersten Studienergebnisse auf eine positive Wirkung der Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum hin. Nun müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob die Ölziehkur generell zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum helfen kann und welche Öle hierfür geeignet sind. Zu allen übrigen traditionellen Anwendungsgebieten muss noch geprüft werden, ob die Annahmen einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten oder nicht.

Traditionell wird Sonnenblumenöl zum Ölziehen verwendet

Ölziehkur richtig durchführen

Öl im Mund halten, aber nicht verschlucken! 

Eine Ölziehkur läuft wie folgt ab: Gehen Sie in den Supermarkt und kaufen Sie ein qualitativ hochwertiges Sonnenblumenöl, Kokosöl, Leinöl, Olivenöl oder Sesamöl. Auch andere Speiseöle sind geeignet. Am nächsten Morgen geben Sie das Öl auf einen Esslöffel und schlürfen es nüchtern und vor dem Zähneputzen. Achtung! Nicht verschlucken. Ziehen Sie das Öl für zehn bis 15 Minuten durch Ihre Mundhöhle und Ihre Zähne hin und her. Ist die Zeit um, dann spucken Sie das Öl aus, spülen Sie den Mund mit warmem Wasser und dann reinigen Sie Ihre Zähne anschließend ausgiebig. 

Wiederholen Sie die Ölziehkur über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen, am besten kurmäßig zweimal im Jahr.

Zusammenfassung

Die Ölziehkur ist ein traditionelles Verfahren bei dem Krankheitskeime und Giftstoffe durch Öl gebunden werden sollen. Durch Ölziehen kann zudem das Immunsystem angeregt werden. Angewendet wird die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Beschwerden wie Hauterkrankungen, Gelenkbeschwerden und Infekte. Wissenschaftlich untersucht wurde die Ölziehkur zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden im Mundraum, etwa bei Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch: erste Ergebnisse deuten auf mögliche positive Wirkungen hin.

Literatur und Quellen

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