Die Ordnungstherapie ist ein Konzept der gesunden Lebensführung. Sie zielt darauf ab Überflüssiges und Schädliches wegzulassen und Fehlendes zu ergänzen. Dementsprechend nimmt die Selbstverantwortung des Menschen für seine Gesundheit eine Schlüsselrolle bei der Ordnungstherapie ein. Welche Ursprünge und Prinzipien hinter der Ordnungstherapie stecken, und für wen sie geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Hören auf die innere Uhr ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Was ist die Ordnungstherapie?

Den Ausspruch „Ordnung ist das halbe Leben“ hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Und in der Tat dürfte der Wahrheitsgehalt der Aussage für viele Menschen hoch sein: Sei es, dass der Haustürschlüssel seinen festen Platz im Flur hat, T-Shirts und Hemden nach einem individuellen System geordnet sind, täglich zur selben Uhrzeit zu Abend gegessen wird oder dreimal wöchentlich Laufschuhe angezogen werden und gejoggt wird. Alle Beispiele haben etwas mit Ordnung zu tun. Auch Wiederholungen und Regelmäßigkeiten spielen hierbei eine Rolle. 

Gerät die persönliche Ordnung aus dem Gleichgewicht, sorgt das oft für Unruhe. Wird etwa in einem unachtsamen Moment der Haustürschlüssel an einem anderen Ort als gewöhnlich abgelegt, dann beginnt die oft aufreibende Suche nach dem Utensil.

Dementsprechend ist die Gestaltung vom Tagesablauf ein zentraler Punkt der Ordnungstherapie. Sie zielt aber auch auf andere Bereiche wie gesunder Schlaf, Entspannung, Bewegung und das Leben mit der inneren Uhr ab.

Ordnung, aber mit Flexibilität

Geprägt wurde der Begriff der Ordnungstherapie unter anderem von Sebastian Kneipp (1821-1897) und Max Bircher-Brenner (1867-1939). Die Ordnungstherapie wie wir sie heute kennen, ist zwar vom Grundsatz her dieselbe wie die von früher: Inhalte und Methoden haben sich jedoch weiterentwickelt und orientieren sich am Wissenstand der Forschung und Medizin.

Auch in asiatischen Medizinsystem wie der Tibetischen Medizin und Ayurveda sind Bestandteile der Ordnungstherapie zu finden.

Der Fokus der Ordnungstherapie liegt auf den folgenden Bereichen:

  • Wahrnehmung des Körpers und Bewegung
  • Entspannung
  • Gesunde Lebensweise
  • Seelischer Gesundheitsschutz (Psychohygiene)
  • Ernährung

Grundsätzlich schließt die Ordnungstherapie medizinische Verfahren und die Umwelt mit ein. Auch das Klima, Licht und Luft üben einen Reiz auf den Körper und den Geist aus und müssen reguliert werden. Wenn der Körper und der Geist darin geübt sind, Reize zu regulieren, können Faktoren, die zu Krankheiten führen besser bewältigt werden. Dementsprechend spielen die innere Uhr, der Rhythmus von Tag und Nacht, die Jahreszeiten ebenso wie ein Jetlag eine Rolle für die persönliche Ordnung. Aber auch Zeit nimmt einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein: Zeit zum Schlafen, Sport, Entspannen, Essen und Arbeiten. Die Ordnungstherapie betrifft damit alle Bereiche des Lebens und kann – richtig eingesetzt – zu einer Bereicherung werden.

Die Ordnungstherapie, auch Lebensordnung genannt, ist eine der fünf Säulen der Kneipp-Therapie. Weitere Säulen sind Hydrotherapie, Phytotherapie, Bewegungstherapie und Ernährungstherapie. Oft sind diese Therapien miteinander verwoben. So nehmen etwa die Hydrotherapie und die Ernährungstherapie einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein. Durch die unscharfen Grenzen der Ordnungstherapie findet sie als ein Gesamtkonzept aber in medizinischen Fachkreisen wenig Akzeptanz. Anders verhält es sich mit einzelnen Aspekten der Ordnungstherapie: Sie sind Bestandteil von fast allen medizinischen Behandlungskonzepten.

Ordnungstherapie als Prävention, Therapie und zur Rehabilitation 

Die Ordnungstherapie spielt sowohl in der Prävention, Therapie und Rehabilitation eine Rolle, wie sich an folgenden Beispielen darstellen lässt.

Prävention: Isst ein Mensch beispielsweise pro Tag regelmäßig rund 450 Gramm Gemüse, trägt dies nachweislich zur Vorbeugung bestimmter ernährungsbedingter Krankheiten bei. 

Therapie: Bei der Behandlung von Erkrankungen sprechen Ärzte und andere Therapeuten Therapieempfehlungen aus. Das kann etwa die regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente betreffen, physiotherapeutische Übungen für Zuhause oder Atemübungen bei Sprechstörungen.

Rehabilitation: Nach einer schweren Erkrankung, zum Beispiel einem Schlaganfall, hilft beispielsweise die Ergotherapie Betroffenen dabei, Einschränkungen zu verbessern oder zu überwinden. Das regelmäßige fördern der körperlichen Beweglichkeit, Belastbarkeit und Geschicklichkeit gehören zum Behandlungskonzept und lassen sich auch in die Ordnungstherapie eingliedern.

Entspannung ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Für wen ist die Ordnungstherapie geeignet?

Die Ordnungstherapie ist für jeden Menschen geeignet, denn eine stabile Ordnung ist für jeden Menschen hilfreich. Bei chronischen Krankheiten etwa müssen die Ernährung und manchmal auch die Medikamenteneinnahme geplant werden. Bei Diabetes, Gicht und Allergien ist dies beispielsweise der Fall. Aber auch bei Erkrankungen der Verdauung und vom Stoffwechsel ist eine Regelmäßigkeit beim Essen und Trinken von Vorteil: Bei Verstopfung, Sodbrennen und Leberproblemen spielt die Planung der Ernährung ebenfalls eine Rolle.

Regelmäßige Entspannungsübungen und Sport können Verspannungen und Schmerzen lindern. Zudem gilt Entspannung und Sport seit langem als hilfreicher Unterstützer bei Depression, Angst, Schlafbeschwerden, ständiger Müdigkeit und Stress. Mit anderen Worten: Die Ordnungstherapie zielt darauf ab, die eigenen Ressourcen zu aktivieren. So können die Reize besser vom Körper reguliert werden.

Wann kann die Ordnungstherapie helfen und warum?

Bevor die Ordnungstherapie beginnt, oder Teile der Ordnungstherapie empfohlen werden, erfolgt zu Beginn üblicherweise eine ausführliche Befragung zur Lebensweise durch einen Therapeuten. Dem schließen sich drei weitere Schritte an. Hierzu ein Beispiel. 

Stellen Sie sich vor, dass Sie von starkem Übergewicht betroffen sind. Ihre Ärztin hat einen beginnenden Altersdiabetes diagnostiziert. 

  1. Information: Die Ärztin informiert über die Zusammenhänge ihrer Erkrankung und über mögliche Therapieoptionen.
  2. Änderung des Bewusstseins: Sie erkennen das Problem und sind bereit für Veränderungen, etwa in der Ernährung, der Bewegung oder Sie sind bereit für eine medikamentöse Therapie.
  3. Veränderung des Verhaltens: Um Ihre Gesundheit zu fördern, verändern Sie Ihr Verhalten und Ihre Gewohnheiten. Sie setzen die geplanten Veränderungen in die Tat um.

Die Ordnungstherapie ist zudem auf verschiedene soziale Ebenen ausgerichtet. Zumeist zielen dann die Empfehlungen von Therapeuten auf die persönliche Ebene ab. Wie im genannten Beispiel wären dies Empfehlungen zur gesunden Ernährung, Gewichtsreduktion, mehr Bewegung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen. 

Wichtig sind in der Ordnungstherapie zudem die soziokulturelle Ebene und übergeordnete soziale Systeme. Das heißt anhand des Beispiels: Die Unterstützung durch die Familie sowie durch die Gesellschaft, Zeit für Entspannung und Angebote zur Unterstützung gegen Diabetes und Übergewicht haben einen Einfluss darauf, ob die Therapiemaßnahmen erfolgreich sein werden und die Gesundheit zurück in die Balance kehrt. 

Die Mind-Body-Medizin (MBM) und Ordnungstherapie sind einander inhaltlich ähnlich. Beide Therapie zielen darauf ab, einen Lebensstil zu entwickeln und zu erhalten, der die Gesundheit fördert. Ein Unterschied besteht in der Entstehungsgeschichte: Die Ordnungstherapie ist auf die persönliche Erfahrung von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Benner zurückzuführen. Die MBM hat ihre Wurzeln hingegen in den Ergebnissen der Stressforschung.

Zusammenfassung

Die Ordnungstherapie zielt auf Ordnung in allen Lebensbereichen ab: Von der Wohnung, über den Arbeitsplatz bis hin zu Körper und Geist. In Europa wurde die Ordnungstherapie von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Brenner entwickelt. In Asien existieren einzelne Komponenten der Ordnungstherapie hingegen schon länger. 

Ein Grundsatz der Ordnungstherapie lautet dranzubleiben. Denn ein guter Vorsatz allein reicht nicht aus, um ein Ziel zu erreichen. Man muss den Vorsatz in die Tat umsetzen. Dementsprechend eignet sich die Ordnungstherapie für die Prävention, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten – vorausgesetzt, die Ordnung artet nicht in Stress aus.

Literatur und Quellen

Schmidel V. & Augustin M.: Leitfaden Naturheilkunde. 5. Aufl. Elsevier Verlag München 2008.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.