Der Pfefferbaum gilt in vielen südamerikanischen Ländern als ein medizinisches Allroundtalent. Seine Blätter, Früchte und das ätherische Pfefferbaumöl soll Krankheitskeime bekämpfen, bestimmte Blutkrebsarten eindämmen können und vieles mehr. Was an den Wirkungen vom Pfefferbaum dran ist und was der Pfefferbaum mit dem Pfeffer als Gewürz zu tun hat, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Rosa Pfeffer: die Früchte vom Pfefferbaum ähneln denen vom Schwarzen Pfeffer

Pfeffer, der keiner ist

Der Pfefferbaum, auch bekannt als Peruanischer Pfefferbaum, hat anders als man vermuten würde nichts mit dem Pfeffer als Gewürz zu tun. Während es sich bei dem Pfefferbaum tatsächlich um einen Baum handelt, wächst der Schwarze Pfeffer (lateinisch: Piper nigrum) auf kletternden Sträuchern. Auch die Herkunftsregionen beider Pflanzen sind höhst unterschiedlich: die Heimat vom Pfefferbaum sind mittel- und südamerikanische Länder wie Peru, Bolivien und Mexico. Der Pfefferstrauch ist hingegen in Asien beheimatet und wächst beispielsweise in Indien, Malaysia und Indonesien. 

Allerdings macht die Globalisierung auch vor Pflanzen nicht halt: Daher wird der Peruanische Pfefferbaum heute auch in Marokko, Südafrika und Australien angebaut und hat sich dort eingebürgert. Auch im Süden der USA sind die elegant aussehenden Pfefferbäume zu finden. 

Pfefferbaum: ein südamerikanischer Alleskönner?

Pfefferbäume haben in Südamerika eine lange Tradition. Zerreibt man die Laubblätter zwischen den Fingern, wird ein aromatischer Duft freigesetzt. Das liegt an den ätherischen Ölen, die eine leicht desinfizierende Wirkung haben. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die eingeborenen Südamerikaner die Blätter bereits seit langem medizinisch nutzen. Auch die Früchte kommen traditionell zu Einsatz.

Die Liste der traditionellen Anwendungsgebiete ist dementsprechend lang. Bei innerer Anwendung reicht sie von Beschwerden der Atemwege, Harnwege und Haut über Menstruationsbeschwerden bis hin zum Einsatz als Antidepressivum, Stimulans und Entwässerungsmittel. Äußerlich eingesetzt kommen Blätter, Früchte und das ätherische Öl traditionell als Antiseptikum, zur Wundheilung und zur Abwehr von Mücken und anderen Insekten zum Einsatz.

Das ätherische Pfefferbaumöl hemmt das Wachstum bestimmter Bakterien

Ein Baum, drei Wirkstoffe, viele Inhaltsstoffe

Früchte

Pfefferbaum-Früchte enthalten verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Darunter befinden sich Anthocanidine (Farbstoffe), Flavonoide und Gerbstoffe wie Gallotannine. Weiterhin speichern die Früchte verschiedene ätherische Öle, die weiter unten in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Blätter 

Die Blätter des Pfefferbaum enthalten Flavonoide, von denen Rutin als besonders wirksam gilt. Zudem sind die Blätter reich an Quercetin, Chologensäure und Gerbstoffen. Dadurch haben sie antioxdiave Wirkungen. Weiterhin speichern die Blätter nennenswerte Mengen ätherische Öle wie Alpha- und Beta-Pinen. Ätherische Öle haben eine antiseptische Wirkung und verleihen den Blättern ihren typischen Geruch.

Ätherische Öle

Ätherisches Öl wird sowohl aus den Früchten und den Blättern des Pfefferbaums gewonnen. Wichtige Bestandteile des ätherischen Öls sind Alpha und Beta-Pinen, Alpha-Cadinol, Myrcen und Sabinen. Sie wirken keimhemmend auf Bakterien und bestimmte Pilze. Laborstudien zufolge, bewirken die ätherischen Öle aus den Blättern des Pfefferbaums eine Aktivierung des Immunsystems.

Der Pfefferbaum in der Medizin

Anwendungsbereiche aufgrund von experimentellen Studien und Erfahrung

In der Erfahrungsheilkunde werden verschiedene Pflanzenteile vom Pfefferbaum schon lange in Peru, Mexiko und Bolivien sowie in anderen mittel- und südamerikanischen Ländern eingesetzt. Labor- und Tierstudien zufolge könnte der Pfefferbaum helfen wenn: 

  • Sie von einer Depression betroffen sind. In Laborstudien konnten Inhaltsstoffe aus dem ätherischem Öl des Pfefferbaums (Shyobunon und Preisocalamendiol) nachgewiesen werden, die möglicherweise die Funktion bestimmter Andock-Proteine von Nervenzellen verbessern können. Erste Tierstudien fielen bereits positiv aus: depressive Symptome besserten sich. Gesichert sind die Wirkungen vom Pfefferbaumöl (anders als etwa beim Johanniskraut) aber nicht. 
  • Sie von einer Entzündungskrankheit betroffen sind oder Schmerzen haben. Im Tierversuch milderte der Extrakt aus Pfefferbaum-Früchten entzündete Geschwüre und Schmerzen ab.
  • Sie eine bakterielle Infektion haben. In Laborstudien hemmte das ätherische Öl aus den Früchten und Blättern des Pfefferbaums Bakterien wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli. Auch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa konnte das ätherische Öl eindämmen. Die Wirkung fiel aber schwächer aus als bei den Staphylococcus und Escherichia coli-Erregern.

Ob das ätherische Öl und der Extrakt aus den Früchten aus dem Pfefferbaum auch bei Menschen wirksam ist, wurde bislang nicht untersucht. Daher sollten Studien durchgeführt werden, in denen geprüft wird ob sich die Ergebnisse auch auf Menschen übertragen lassen. 

Anwendungsbereiche, die derzeit untersucht werden

Die Blüten, Blätter und das ätherische Öl vom Pfefferbaum werden derzeit in Laborstudien untersucht. Ziel ist es herauszufinden, ob die Extrakte das Potential haben, bei bestimmten Erkrankungen helfen zu können. Für eine Anwendung (auch für eine unterstützende) am Menschen ist es aber noch zu früh. Untersucht werden die Wirkungen der Pfefferbaumblätter beispielsweise bei:

  • Leukämie (HL-60 Leukämie-Zellen)
  • Brustkrebs
  • Pilzinfektionen, zum Beispiel Paracoccidioides brasiliensis: ein Pilz, der Husten, Fieber, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden auslösen kann
  • Parasiten wie die Leishmanien-Art Leishmania amazonensis und Haemonchus contortus (Roter Magenwurm): Leishmania amazonensis kommt in Gebieten des Amazon vor. Ein Befall löst bei Menschen unter anderem Geschwüre der Haut, im Mund und in der Nase aus. Der Rote Magenwurm ist ein Parasit, der Schafe und Ziegen befällt. Menschlicher Befall ist nicht bekannt.

Die Einzelportion und der richtige Einsatz von Pfefferbaumzubereitungen

 

Rosa Pfefferöl

Einzelportion

1 bis 2 Tropfen 

Einsatz als

Ätherisches Öl eingerührt in Creme, Salbe oder Lotion

In gut sortierten Gewürzhandlungen, Reformhäusern oder im Online-Handel ist der Rosa Pfeffer erhältlich. Bitte achten Sie beim Kauf auf die korrekte botanische Bezeichnung: Rosa Pfeffer wird von der Pflanze Schinus molle oder seinem Verwandten Schinus terebinthifolius geerntet und weiterverarbeitet. 100 Gramm kosten zwischen 8,00 Euro und 12,00 Euro. 

Auch ätherisches Rosa-Pfefferöl kann im deutschsprachigem Raum erworben werden. Drei Milliliter kosten etwa 10,00 Euro.

Rosa Pfeffer: Pfefferbaum-Früchte als Gewürz

Rosa Pfeffer hat einen aromatischen und würzigen Geschmack. Da er anders als der Schwarze Pfeffer kein Piperin enthält, hat er einen milden Geschmack und allenfalls eine leichte scharfe Note. Zudem sind die Früchte (Körner) weicher als die vom Schwarzen Pfeffer. Dennoch kann der Rosa Pfeffer genauso wie „herkömmlicher“ Pfeffer eingesetzt werden. Das mach ihn zu einem Kandidaten für sämtliche würzige Speisen, zum Beispiel für Aufläufe, Gemüsegerichte, Eierspeisen oder zu Fleisch und Fisch.

Rezept mit Rosa Pfeffer

Möhreneintopf mit Kichererbsen und Rosa Pfeffer 

Reich an Vitamin C und Eiweiß 

Für zwei Portion

300 Gramm geschälte Möhren

1 kleine Stange Porree (circa 150 Gramm)

1 kleines Stück frische, geschälte Ingwerknolle (circa 5 Gramm)

20 Gramm Butter, Margarine oder Kokosfett

1 gestrichenen Teelöffel Currypulver

Salz

400 Milliliter Gemüsebrühe (ohne Geschmacksverstärker)

120 Millilliter Orangensaft

1 Dose Kichererbsen (Abtropfgewicht 265 g)

1 Teelöffel gemahlener Rosa Pfeffer

Utensilien 

Kochtopf

Pürrierstab

Kochlöffel

Zubereitung

  • Die geputzten Möhren abspülen, abtropfen lassen und in kleine Stücke schneiden. Porree waschen, den Stängel am Wurzelende abschneiden und in in kleine Stücke schneiden. Nochmals waschen
  • Ingwer schälen und würfeln. 
  • Fett in einem Topf zerlassen. Ingwerwürfel, Möhren- und Porreestücke portionsweise hinzugeben und mit andünsten. Gemüse mit Curry und Salz würzen. Gemüsebrühe und Orangensaft hinzugießen, zum Kochen bringen und 10 bis 15 Minuten kochen lassen.
  • Die Kichererbsen in einem Sieb abtropfen lassen. Die Hälfte Kichererbsen unterrühren. Die Suppe pürieren und nochmals mit den Gewürzen abschmecken.
  • Restliche Kichererbsen in die Suppe geben und kurz miterwärmen.
  • Den Eintopf in zwei Portionen teilen und mit dem Rosa Pfeffer bestreut servieren.

Die Zubereitungszeit beträgt 30 Minuten.

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Die unerwünschten Wirkungen vom Pfefferbaum

Derzeit sind keine unerwünschten Wirkungen bei der Anwendung von Pflanzenteilen oder ätherischem Öl vom Pfefferbaum bekannt. Eine mögliche hautreizende Wirkung und Überempfindlichkeitsreaktioen werden diskutiert. Schwangere und stillende Frauen sollten dennoch vorsichtshalber keine Pfefferbaum-Zubereitungen zu medizinischen Zwecken einnehmen. Es fehlen Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

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Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

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