Schlagwort: Lebensordnung nach Kneipp

Ordnungstherapie: Ein geordnetes Leben für eine gute Gesundheit

Die Ordnungstherapie ist ein Konzept der gesunden Lebensführung. Sie zielt darauf ab Überflüssiges und Schädliches wegzulassen und Fehlendes zu ergänzen. Dementsprechend nimmt die Selbstverantwortung des Menschen für seine Gesundheit eine Schlüsselrolle bei der Ordnungstherapie ein. Welche Ursprünge und Prinzipien hinter der Ordnungstherapie stecken, und für wen sie geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Hören auf die innere Uhr ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Was ist die Ordnungstherapie?

Den Ausspruch „Ordnung ist das halbe Leben“ hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Und in der Tat dürfte der Wahrheitsgehalt der Aussage für viele Menschen hoch sein: Sei es, dass der Haustürschlüssel seinen festen Platz im Flur hat, T-Shirts und Hemden nach einem individuellen System geordnet sind, täglich zur selben Uhrzeit zu Abend gegessen wird oder dreimal wöchentlich Laufschuhe angezogen werden und gejoggt wird. Alle Beispiele haben etwas mit Ordnung zu tun. Auch Wiederholungen und Regelmäßigkeiten spielen hierbei eine Rolle. 

Gerät die persönliche Ordnung aus dem Gleichgewicht, sorgt das oft für Unruhe. Wird etwa in einem unachtsamen Moment der Haustürschlüssel an einem anderen Ort als gewöhnlich abgelegt, dann beginnt die oft aufreibende Suche nach dem Utensil.

Dementsprechend ist die Gestaltung vom Tagesablauf ein zentraler Punkt der Ordnungstherapie. Sie zielt aber auch auf andere Bereiche wie gesunder Schlaf, Entspannung, Bewegung und das Leben mit der inneren Uhr ab.

Ordnung, aber mit Flexibilität

Geprägt wurde der Begriff der Ordnungstherapie unter anderem von Sebastian Kneipp (1821-1897) und Max Bircher-Brenner (1867-1939). Die Ordnungstherapie wie wir sie heute kennen, ist zwar vom Grundsatz her dieselbe wie die von früher: Inhalte und Methoden haben sich jedoch weiterentwickelt und orientieren sich am Wissenstand der Forschung und Medizin.

Auch in asiatischen Medizinsystem wie der Tibetischen Medizin und Ayurveda sind Bestandteile der Ordnungstherapie zu finden.

Der Fokus der Ordnungstherapie liegt auf den folgenden Bereichen:

  • Wahrnehmung des Körpers und Bewegung
  • Entspannung
  • Gesunde Lebensweise
  • Seelischer Gesundheitsschutz (Psychohygiene)
  • Ernährung

Grundsätzlich schließt die Ordnungstherapie medizinische Verfahren und die Umwelt mit ein. Auch das Klima, Licht und Luft üben einen Reiz auf den Körper und den Geist aus und müssen reguliert werden. Wenn der Körper und der Geist darin geübt sind, Reize zu regulieren, können Faktoren, die zu Krankheiten führen besser bewältigt werden. Dementsprechend spielen die innere Uhr, der Rhythmus von Tag und Nacht, die Jahreszeiten ebenso wie ein Jetlag eine Rolle für die persönliche Ordnung. Aber auch Zeit nimmt einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein: Zeit zum Schlafen, Sport, Entspannen, Essen und Arbeiten. Die Ordnungstherapie betrifft damit alle Bereiche des Lebens und kann – richtig eingesetzt – zu einer Bereicherung werden.

Die Ordnungstherapie, auch Lebensordnung genannt, ist eine der fünf Säulen der Kneipp-Therapie. Weitere Säulen sind Hydrotherapie, Phytotherapie, Bewegungstherapie und Ernährungstherapie. Oft sind diese Therapien miteinander verwoben. So nehmen etwa die Hydrotherapie und die Ernährungstherapie einen wichtigen Stellenwert in der Ordnungstherapie ein. Durch die unscharfen Grenzen der Ordnungstherapie findet sie als ein Gesamtkonzept aber in medizinischen Fachkreisen wenig Akzeptanz. Anders verhält es sich mit einzelnen Aspekten der Ordnungstherapie: Sie sind Bestandteil von fast allen medizinischen Behandlungskonzepten.

Ordnungstherapie als Prävention, Therapie und zur Rehabilitation 

Die Ordnungstherapie spielt sowohl in der Prävention, Therapie und Rehabilitation eine Rolle, wie sich an folgenden Beispielen darstellen lässt.

Prävention: Isst ein Mensch beispielsweise pro Tag regelmäßig rund 450 Gramm Gemüse, trägt dies nachweislich zur Vorbeugung bestimmter ernährungsbedingter Krankheiten bei. 

Therapie: Bei der Behandlung von Erkrankungen sprechen Ärzte und andere Therapeuten Therapieempfehlungen aus. Das kann etwa die regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente betreffen, physiotherapeutische Übungen für Zuhause oder Atemübungen bei Sprechstörungen.

Rehabilitation: Nach einer schweren Erkrankung, zum Beispiel einem Schlaganfall, hilft beispielsweise die Ergotherapie Betroffenen dabei, Einschränkungen zu verbessern oder zu überwinden. Das regelmäßige fördern der körperlichen Beweglichkeit, Belastbarkeit und Geschicklichkeit gehören zum Behandlungskonzept und lassen sich auch in die Ordnungstherapie eingliedern.

Entspannung ist wichtiger Bestandteil der Ordnungstherapie

Für wen ist die Ordnungstherapie geeignet?

Die Ordnungstherapie ist für jeden Menschen geeignet, denn eine stabile Ordnung ist für jeden Menschen hilfreich. Bei chronischen Krankheiten etwa müssen die Ernährung und manchmal auch die Medikamenteneinnahme geplant werden. Bei Diabetes, Gicht und Allergien ist dies beispielsweise der Fall. Aber auch bei Erkrankungen der Verdauung und vom Stoffwechsel ist eine Regelmäßigkeit beim Essen und Trinken von Vorteil: Bei Verstopfung, Sodbrennen und Leberproblemen spielt die Planung der Ernährung ebenfalls eine Rolle.

Regelmäßige Entspannungsübungen und Sport können Verspannungen und Schmerzen lindern. Zudem gilt Entspannung und Sport seit langem als hilfreicher Unterstützer bei Depression, Angst, Schlafbeschwerden, ständiger Müdigkeit und Stress. Mit anderen Worten: Die Ordnungstherapie zielt darauf ab, die eigenen Ressourcen zu aktivieren. So können die Reize besser vom Körper reguliert werden.

Wann kann die Ordnungstherapie helfen und warum?

Bevor die Ordnungstherapie beginnt, oder Teile der Ordnungstherapie empfohlen werden, erfolgt zu Beginn üblicherweise eine ausführliche Befragung zur Lebensweise durch einen Therapeuten. Dem schließen sich drei weitere Schritte an. Hierzu ein Beispiel. 

Stellen Sie sich vor, dass Sie von starkem Übergewicht betroffen sind. Ihre Ärztin hat einen beginnenden Altersdiabetes diagnostiziert. 

  1. Information: Die Ärztin informiert über die Zusammenhänge ihrer Erkrankung und über mögliche Therapieoptionen.
  2. Änderung des Bewusstseins: Sie erkennen das Problem und sind bereit für Veränderungen, etwa in der Ernährung, der Bewegung oder Sie sind bereit für eine medikamentöse Therapie.
  3. Veränderung des Verhaltens: Um Ihre Gesundheit zu fördern, verändern Sie Ihr Verhalten und Ihre Gewohnheiten. Sie setzen die geplanten Veränderungen in die Tat um.

Die Ordnungstherapie ist zudem auf verschiedene soziale Ebenen ausgerichtet. Zumeist zielen dann die Empfehlungen von Therapeuten auf die persönliche Ebene ab. Wie im genannten Beispiel wären dies Empfehlungen zur gesunden Ernährung, Gewichtsreduktion, mehr Bewegung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen. 

Wichtig sind in der Ordnungstherapie zudem die soziokulturelle Ebene und übergeordnete soziale Systeme. Das heißt anhand des Beispiels: Die Unterstützung durch die Familie sowie durch die Gesellschaft, Zeit für Entspannung und Angebote zur Unterstützung gegen Diabetes und Übergewicht haben einen Einfluss darauf, ob die Therapiemaßnahmen erfolgreich sein werden und die Gesundheit zurück in die Balance kehrt. 

Die Mind-Body-Medizin (MBM) und Ordnungstherapie sind einander inhaltlich ähnlich. Beide Therapie zielen darauf ab, einen Lebensstil zu entwickeln und zu erhalten, der die Gesundheit fördert. Ein Unterschied besteht in der Entstehungsgeschichte: Die Ordnungstherapie ist auf die persönliche Erfahrung von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Benner zurückzuführen. Die MBM hat ihre Wurzeln hingegen in den Ergebnissen der Stressforschung.

Zusammenfassung

Die Ordnungstherapie zielt auf Ordnung in allen Lebensbereichen ab: Von der Wohnung, über den Arbeitsplatz bis hin zu Körper und Geist. In Europa wurde die Ordnungstherapie von Sebastian Kneipp und Max Bircher-Brenner entwickelt. In Asien existieren einzelne Komponenten der Ordnungstherapie hingegen schon länger. 

Ein Grundsatz der Ordnungstherapie lautet dranzubleiben. Denn ein guter Vorsatz allein reicht nicht aus, um ein Ziel zu erreichen. Man muss den Vorsatz in die Tat umsetzen. Dementsprechend eignet sich die Ordnungstherapie für die Prävention, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten – vorausgesetzt, die Ordnung artet nicht in Stress aus.

Literatur und Quellen

Schmidel V. & Augustin M.: Leitfaden Naturheilkunde. 5. Aufl. Elsevier Verlag München 2008.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

Sebastian Kneipp und die Kneipp-Therapie

Sebastian Kneipp wurde durch seine Wasserkur berühmt. Sein Gesundheitskonzept umfasste zudem die Ernährungstherapie, Heilpflanzenkunde und vieles mehr. Auch 120 Jahre nach seinem Tod ist der Pfarrer aus Bad Wörrishofen eine bekannte Persönlichkeit. Zu Lebzeiten verhalf er zahlreichen Menschen zu mehr Gesundheit. Dabei setzte er auf vorbeugende und behandlerische Maßnahmen. Welche das sind und ob die Behandlung des Pfarrers noch immer aktuell sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bilden eine wichtige Säule in der Kneipp-Therapie

Bei Kneipp-Therapien (auch Kneipp`sche Therapie genannt) handelt es sich um verschiedene Behandlungsansätze, die der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) entwickelt und zusammengetragen hat. Im Laufe der Zeit entstand so ein ganzheitliches Therapiekonzept. Er wendete es bei zahlreichen Krankheiten an und behandelte Menschen zum Beispiel mit: 

  • Asthma
  • Adipositas (Fettleibigkeit) 
  • Lungenentzündung 
  • Hepatitis (Gelbsucht) und andere Erkrankungen der Leber
  • Gicht
  • Nervenerkrankungen
  • Magenbeschwerden, Darmleiden und andere Verdauungsbeschwerden
  • Lumbago, Lumbalgie (Hexenschuss) und
  • Herzkrankheiten

In seinen Büchern trug Sebastian Kneipp seine Erfahrungen und Heilerfolge zusammen. Viele seiner Werke wurden zu internationalen Bestsellern, und sind es bis heute. Die Früchte seiner Arbeit erntete Sebastian Kneipp noch zu Lebzeiten, wobei sein Wirken bis in die heutige Zeit an Bedeutung noch dazu gewonnen hat. Dabei begann das Lebens des späteren Pfarrers alles andere als aussichtsreich.

Der Weberssohn, der Pfarrer wurde 

Geboren wird Sebastian Kneipp am 17.05.1821 als einziger Sohn eines Webers in Stephansried, einem Ortsteil der Marktgemeinde Ottobeuren. Er hat vier Schwestern und sein Leben gestaltet sich von Anfang an als schwierig: Ökonomisch ging es derFamilie schlecht. Um die Eltern bei der Arbeit zu unterstützten und Geld zu verdienen, arbeitete er ab seinem siebten Lebensjahr nach der Schule als Weber. In den Schulferien hütete er das Vieh der Bauern. Doch Sebastian Kneipp wünschte sich ein anderes Leben: Er wollte studieren.

Dieser Wunsch wurde ihm durch seine Eltern zunächst verwehrt. Als er 21 Jahre alt ist kommt der Umschwung in seinem Leben. Ein geistlicher Verwandter erkennt sein Talent und unterrichtet den jungen Mann in lateinischer Sprache. Zudem arbeitet Sebastian Kneipp in dieser Zeit als Knecht bei einem Bauer und verdient so etwas Geld.

Mit 23 Jahren endlich zurück auf die Schulbank

Nach zweijährigem Lateinstudium besteht Sebastian Kneipp die Aufnahmeprüfung am Gymnasium in Dillingen und macht nach weiteren vier Jahren das Abitur. 

Im Jahr 1848 startet er sein Theologiestudium und wird 1852 zum Priester geweiht.

Krank im Studium: Tuberkulose

Allerdings gelingt ihm die Ausbildung nur mit viel Disziplin, denn bereits 1849 erkrankt Sebastian Kneipp an Tuberkulose: Er spuckt Blut und verliert stark an Gewicht.

Für zwei Ärzte, die den jungen Sebastian Kneipp behandeln, ist die Situation klar: Sie bescheinigen ihm, dass er unheilbar krank ist und an der Tuberkulose sterben wird. Sebastian Kneipp sagt später dazu in seinem Ratgeber „SO SOLLT IHR LEBEN“, dass er seine Genesung nur der Hilfe des Wassers zu verdanken hat: Er tauchte mehrmals wöchentlich bis zum Hals in die eiskalte Donau, zog sich danach schleunigst seine Kleider wieder an und joggte nach Hause.

Sebastian Kneipp überlebte die Tuberkulose und wurde wieder gesund. Er selbst führte seine Genesung auf die Heilkraft des Wassers und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte zurück.

Für Pfarrer Kneipp war psychische Gesundheit ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebens

Hydrotherapie: Verfahren nach Johann Siegmund Hahn

Auf die Hydrotherapie wurde Sebastian Kneipp durch den Arzt Johann Siegmund Hahn (1694-1773) und dessen Veröffentlichung „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“ aufmerksam. Es folgten Experimente an sich selbst mit Wasser, Schöpfkelle und Eimer. Im Verlauf der darauf folgenden 30 Jahre erweiterte und überarbeitete Pfarrer Kneipp seine Therapiemethoden immer weiter. Manchmal verwarf er auch nach dem Experiment einen neuen Therapieansatz, etwa wenn er diesen für zu „hart“ empfand.

Durch seine Experimentierfreudigkeit entwickelt Sebastian Kneipp im Laufe seines Lebens so mehr als 100 verschiedene Hydrobehandlungen, zu denen Güsse, Wickel, Packungen, Bäder und Dämpfe gehören. Zudem macht er das Barfusslaufen auf Wiesen, die nass vom Tau sind, und das Wassertreten im Storchengang populär. Nach und nach entwickelt sich so für sein Anwendungsspektrum ein eigenständiger Begriff: Kneipen.

Der Kneipp´sche Kaffee

Das Gefäßnetz der Unterarme hat starke Auswirkungen auf das Herz. Die Anregung der Gefäße wirkt daher belebend und erfrischend, beispielsweise durch kaltes Wasser.

Befürworter der Kneipp-Therapien empfehlen daher ein Unterarmbad in kaltem Wasser bei Müdigkeit und Abgeschlagenheit: einen Kneipp´schen Kaffee.

Ausgeschlossen von der Anwendung sind allerdings Menschen mit Herzbeschwerden, etwa bei Angina pectoris und nach einem Herzinfarkt.

Das Wirkprinzip vom Kneipp´schen Kaffee ist einfach, denn Wasser löst einen Reiz auf der Haut aus.

Info: Auf der Haut befinden sich Wärmerezeptoren und etwa doppelt so viele Kälterezeptoren. Bei einem Wärmereiz stellen sich die Blutgefäße weit. Ein Kältereiz löst eine Gegenreaktion aus: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und weiten sich danach wieder. Dadurch wird die Durchblutung angeregt und verbessert. Gleichzeitig wird die Elastizität der Blutgefäße trainiert und das Immunsystem soll durch den Kältereiz gestärkt werden.

Hydrotherapie bei Bluthochdruck und COPD

Untersuchungen an Menschen ergaben, dass die Hydrotherapie (Wasseranwendung) den Blutdruck senken kann. Die Durchführung zeigte bereits nach 14 Tagen und 2-mal täglicher Wasseranwendung erste Erfolge: Bei leicht erhöhtem Blutdruck, sank dieser so weit, dass nachfolgend keine Medikamente nötig waren oder Medikamente eingespart werden können. Zudem stieg die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer durch die Wasserbehandlung an. 

Auch bei der Krankheit „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ (COPD) können kalte Güsse die Lungenfunktion verbessern.

Hinweis: Bei bestehenden Erkrankungen sollten alle therapeutischen Maßnahmen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein. Es könnte sein, dass es Einwände gibt – auch gegen solche wie die Hydrotherapie.

Wassertreten gehört zu den bekanntesten Kneipp´schen Verfahren

Ganzheitliche Therapie mit fünf Säulen

Sebastian Kneipp baute sein Therapie-Konzept nach und nach weiter aus. Am Ende besteht es aus fünf Säulen:

Hydrotherapie 

Die Hydrotherapie (Wasseranwendungen) bildet zu Beginn des Wirkens von Pfarrer Kneipp das Fundament. Sie umfassen zum Beispiel Bäder, Wickel, Dämpfe und Güsse. Wechselduschen bei denen sich kalte und warme Phasen beim Duschen abwechseln sind ein weiteres Beispiel für die Hydrotherapie.

Phytotherapie 

Die Phytotherapie (Heilpflanzentherapie) bildet eine weitere Säule im Kneipp´schen Therapiekonzept. Sebastian Kneipp beschrieb zu Lebzeiten zahlreiche Heilpflanzen und wie er sie therapeutisch einsetzte. Heublumen bei Gelenkbeschwerden und Ackerschachtelhalm bei Blasenentzündung sind hierfür zwei Beispiele.

Bewegung

Sebastian Kneipp empfahl regelmäßigen Sport zur Gesunderhaltung – allerdings ohne Leistungsgedanken und den damit verbundenen psychischen Druck.

Ernährung

Der Verzehr von viel Gemüse und Obst empfahl der Pfarrer zur Gesunderhaltung und zur Genesung schon damals. Viele seiner Ernährungsempfehlungen haben bis heute ihre Gültigkeit beibehalten, wie zum Beispiel das Einschränken von Genussmitteln. Auch die zielgruppenspezifische Ernährung spielte damals sicherlich schon eine Rolle.

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Lebensordnung

Mit der Lebensordnung beschreibt Pfarrer Kneipp das „rechte Maß“ und den „richtigen Rhythmus des Lebens“ für eine gesunde Lebensgestaltung. Gemeint ist mit der Lebensordnung etwa der Umgang mit Zeitdruck, Stress und ein aufmerksames Leben: Anspannung und Entspannung sollen im Gleichgewicht sein.

Kurpfuscher und andere Anfeindungen

Heute gilt die Kneipp´sche Therapie als ein unterstützender Bestandteil der konventionellen Medizin. Aber das war nicht immer so: Zu Lebzeiten wurde Sebastian Kneipp sogar von einigen Ärzten und Apothekern angezeigt. Sie hielten seine Erfolge für Kurpfuscherei. Zwar gingen die Gerichtsverfahren für den Pfarrer relativ glimpflich aus, er musste aber Geldstrafen zahlen und vor Gericht versichern, dass er nie wieder medizinisch tätig sein würde. In den darauf folgenden Jahren wurden die Gesetze jedoch gelockert und auch im Geheimen behandelte Sebastian Kneipp weiterhin kranke Menschen, die bei ihm Rat suchten.

Er selbst sah sich nicht als ein Konkurrent der Ärzteschaft, sondern wollte konventionelle medizinische Maßnahmen unterstützen: Kam ein erkrankter Mensch zu ihm, empfahl Sebastian Kneipp diesem, sich im ersten Schritt an einen ausgebildeten Mediziner zu wenden.

Info: Die Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit des medizinischen Umbruchs, in denen die Naturwissenschaften einen zunehmend hohen Stellenwert einnahmen. Zu dieser Zeit wurde das Röntgen entwickelt und die ersten Keime unter dem Mikroskop entdeckt. Auch wurde die bis dahin bestehende Humoralpathologie (Veränderungen von Körpersäften) durch die zelluläre Pathologie (Veränderung an Zellen) nach und nach ersetzt.

Pfarrer in Bad Wörrishofen

1855 tritt Pfarrer Kneipp als Beichtvater eine Position in Bad Wörrishofen an. Dort wird er bis zu seinem Tode wirken. 

1891 ist er derart berühmt, dass binnen zehn Monate mehr als 14.000 Hilfesuchende zu ihm kommen. 

Sebastian Kneipp selbst lebt nach einem strengen Plan, um seine Pflichten bewältigen zu können. Er richtet Sprechstunden für kranke Menschen ein und arbeitet gleichzeitig als Pfarrer. Zudem schreibt er abends oder nachts Bücher wie „Meine Wasserkur“ und „So sollt ihr Leben“. „Meine Wasserkur“ wurde in 14 Sprachen übersetzt und ist ein Verkaufsschlager. Auch an seinen anderen Büchern verdient der Pfarrer viel Geld. Dieses Geld fließt später in seine Stiftungen ein.

Da der ehemals arme Pfarrer die Öffentlichkeit nicht scheut, lässt er sich zu Marketingzwecken mit prominenten Persönlichkeiten ablichten und macht (mehr oder weniger freiwillig) Werbung für bestimmte gesunde Lebensmittel.

Gründung medizinischer Einrichtungen

Seine Einnahmen stiftet der Pfarrer an verschiedene medizinische Einrichtungen und eine Kinderheilstätte für arme und kranke Kinder.

Um für seine Therapie zu werben reist Sebastian Kneipp quer durch Europa und hält Vorträge. Mit Erfolg, denn bis heute sind insbesondere seine Wasseranwendungen bekannt und gut untersucht.

1894 wird zudem der Verein „Internationale Kneipp Ärzte“ unter dem Vorsitz von Alfred Baumgarten gegründet. Dem Arzt lag die wissenschaftliche Erforschung der Kneipp´schen Therapie sehr am Herzen. Heute hat der Keipp-Verein mehr als 160.000 Mitglieder. Sebastian Kneipp starb am 17.06.1897 an einem Tumor im Bauchraum.

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Zusammenfassung

Die Kneipp-Therapie ist ein ganzheitliches Therapiekonzept, dass der Pfarrar Sebastian Kneipp in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Es zielt auf die Gesunderhaltung und die Wiederherstellung der Gesundheit nach Krankheit ab. 

Die Kneipp-Therapie umfasst die Hydrotherapie (Wassertherapie), Phytotherapie (Heilpflanzentherapie), Ernährung, Bewegung und Lebensordnung. Letzteres wird heute zumeist als Lebensstil bezeichnet. Durch seine Erfolge bei der Heilung kranker Menschen wird Sebastian Kneipp bereits zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit. Sein Therapiekonzept ist damals wie heute aktuell und spricht die Bedürfnisse vieler Menschen an.

Literatur

Castro-Sánchez A, Matarán-Peñarrocha G, Lara-Palomo I, et al. (2012): Hydrotherapy for the treatment of pain in people with multiple sclerosis: a randomized controlled trial. Evid Based Complement Alternat Med.2012. https://www.hindawi.com/journals/ecam/2012/473963/, Zugriff am 15.01.2020.

Hess, L. & Schärer, S. (2010): Der Effekt von Hydrotherapie auf chronische Rückenschmerzen. https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/606/1/Hess_Lea_Schaerer_Susanne_PT07d_BA.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Stein, C. (2011): Prospektive, klinische Studie

zum Einfluss serieller Kaltwasserreize (Kneippscher Oberguss)

auf die Lungenfunktion, die Immunabwehr und das subjektive Wohlbefinden bei gesunden Probanden. https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00024778/Neuer%20Ordner/stein.pdf, Zugriff am 15.01.2020.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungtherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

Das vorliegende Werk wurde mit Sorgfalt erarbeitet. Trotzdem erfolgen alle Angaben ohne Gewährleistung. Weder die Autorin noch andere Beteiligte können für mögliche Schäden oder Nachteile für die in diesem Werk vorgestellten Informationen hervorgehen haften.

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