Winterdepression, Müdigkeit, Migräne, Bulimie, Schuppenflechte und Schlafstörungen sind eine kleine Beschwerdeauswahl, bei der die Lichttherapie helfen kann. Allerdings gilt: Lichttherapie ist nicht gleich Lichttherapie. Hier erfahren Sie Wissenswertes über die Hintergründe der Lichttherapie, und wie Sie eine Lichttherapie richtig durchführen.

Die Lichttherapie hilft bei verschiedenen Beschwerden

Lichttherapie: Was ist das? 

Die Lichttherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verfahren, mit deren Hilfe bestimmte gesundheitliche Beschwerden effektiv behandelt werden können. Sie reichen von seelischen Beschwerden über Hauterkrankungen bis hin zur Neugeborenengelbsucht. Ihre Ursprünge sind auf Beobachtungen zurückzuführen, denn viele Menschen leiden in der Zeit zwischen Oktober und März an getrübter Stimmung, Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Schätzungen zufolge, sind zudem jedes Jahr in diesem Zeitraum zehn bis 20 Prozent der Menschen von einer Winterdepression betroffen – eine ernsthafte Erkrankung. Werden die Tage hingegen wieder länger und heller, sind die traurigen Symptome wie weggefegt! Hier setzt die Lichttherapie an: Gezielt eingesetzt, lassen sich mit sehr hellem Licht depressive Beschwerden herabsetzen. 

Anwendungsgebiete der Lichttherapie 

Lichttherapien haben ein breites Anwendungsspektrum. Ihre Wirkungen sind je nach Licht-Art und Anwendungsform allerdings überaus verschieden. Zu den bekanntesten Verfahren gehören:

  • Lichttherapie mit hellem Licht, beispielsweise bei depressiven Beschwerden, Schlafstörungen und Migräne
  • Lichttherapie mit UV-Strahlung, zum Beispiel bei Schuppenflechte und Schmetterlingsflechte und
  • Lichttherapie mit kurzwelligem, blauen Licht bei Neugeborenen mit Gelbsucht

Lichttherapie mit hellem Licht

Wer während der dunklen Jahreszeit morgens ständig grummelig und traurig aufwacht, schlecht aus dem Bett kommt und auch tagsüber antriebslos und ohne erkennbaren Grund müde ist, dem kann die Lichttherapie helfen. Die Lichttherapie nützt zudem Menschen, die von einer Winterdepression betroffen sind. In Fachkreisen wird übrigens bei Winterdepressionen auch von saisonal abhängige Depression gesprochen, kurz SAD. Die Wirksamkeit der Lichttherapie bei Depressionen ist gut untersucht und gilt als wissenschaftlich belegt. Daher kommt die Lichttherapie mit ihren speziellen Lampen nicht nur zu Hause, sondern auch in Kliniken zum Einsatz. 

Zudem gibt es ermutigende Hinweise dafür, dass die Lichttherapie mit hellem Licht auch bei anderen Beschwerden helfen kann, die nicht immer mit depressiven Beschwerden einhergehen. Zu den wichtigsten gehören:

  • Migräne
  • Schlafstörungen
  • Essstörungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Anorexie (Magersucht) und Binge-Eating (Esssucht)
  • Burn-Out

Die Beleuchtungsstärke ist wichtig

Bei der Lichttherapie mit hellem Licht werden spezielle Licht-Therapielampen eingesetzt, die an jedem Ort angewendet werden können. Diese Lampen haben eine Stärke zwischen 2.500 bis 10.000 Lux. Zum Vergleich: Gut beleuchtete Räume haben rund 500 Lux.

Je nachdem wie stark die Lampe ist, sollte die „Lichtdusche“ zwischen 30 und 60 Minuten betragen. Einige Therapeuten empfehlen sogar eine Anwendung von bis zu zwei Stunden. Wichtig bei der Lichttherapie ist, dass die Augen geöffnet sind, da die Wirkung vom Licht mehrheitlich über die Augen und weniger über die Haut erzielt wird. Zu diesem Zweck werden das Rotlicht und die UV-Strahlen aus dem Licht herausgefiltert. Andernfalls können Nebenwirkungen auftreten. 

Ein Lichtbad nehmen und dabei lesen

Während der Lichttherapie können alle anderen Tätigkeiten durchgeführt werden, lesen, Musik hören oder Musik spielen zum Beispiel. Einzig bei bekannten Augenschäden, sollte vorab mit einem Augenarzt abgeklärt werden, ob die Lichttherapie geeignet ist.

Wissenswertes 

Die Lichttherapie mit hellem Licht wird idealerweise am Vormittag, besser noch direkt nach dem Aufwachen durchgeführt. Der Grund hierfür ist simpel: Im Herbst und Winter sind die Tage kurz und damit ist die Sonneneinstrahlung vermindert. Fehlt Licht, beginnt der Körper das Schlafhormon Melatonin zu bilden, weswegen jeder Mensch abends bei Dunkelheit müde wird. Ein zu viel an Melatonin kann allerdings auch Depressionen fördern oder auslösen. Hinzu kommt, dass bei Lichtmangel der Spiegel am Glückshormon Serotonin abfällt, da der Körper natürlicherweise Serotonin in Melatonin umwandelt. Das helle Licht bremst die Melatonin-Bildung sofort. Menschen, die ein Morgentief und den Rest des Tages weniger Beschwerden haben, können also von der Lichttherapie als Lichtdusche am Morgen profitieren.

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Lichttherapie mit UV-Strahlung (Phototherapie)

Eine Lichttherapie mit UV-Strahlen wird bei Erkrankungen der Haut angewendet. Beispiele für den Einsatz der Lichttherapie mit UV-Strahlen sind:

  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes)
  • Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • Weißfleckenkrankheit (Vitiligo)
  • Knötchenflechte (Lichen ruber)
  • T-Zell-Lymphome der Haut (Mycosis fungoides)
Lichttherapien mit UV-Strahlen können die Haut altern lassen

Wissenswertes 

Lichttherapien mit UV-Strahlen können Entzündungen in der Haut lindern. Sie vermindern zudem Juckreiz und regen die Regeneration der Haut an, sodass sie sich schneller erneuert. Auch das Immunsystem soll durch die Lichttherapie gestärkt werden.

Die Lichttherapie mit UV-Strahlen wird mit Teil- oder Ganzkörper-Bestrahlungsgeräten durchgeführt, etwa in einer Kabine. Die speziellen Beleuchtungsröhren kommen meistens in Hautarzt-Praxen zum Einsatz. Um die Augen vor den Strahlungen zu schützen, tragen Betroffene während der Behandlung eine UV-Schutzbrille. Unterschieden werden zwei Verfahren:

  • Psoralen-UV-A-Therapie (kurz PUVA): Die PUVA-Therapie gilt als besonders effektiv. Zur Vorbereitung auf die eigentliche Lichtbehandlung nehmen Betroffene eine Tablette mit dem Wirkstoff Psoralen ein, wenn eine Ganzkörper-Bestrahlung nötig ist. Alternativ tragen sie eine Creme mit dem Wirkstoff auf oder nehmen ein (Teil-)Bad mit Psoralen, wenn einzelne Hautstellen betroffen und bestrahlt werden sollen. Psoralen ist ein Pflanzenstoff, der die Haut empfindlicher für UV-A-Bestrahlung macht. Die Effekte der PUVA-Lichttherapie werden erst mit der Zeit sichtbar. Oft sind 15 bis 30Anwendungen nötig, um eine Verbesserung zu erzielen. Wer eine PUVA-Therapie durchführt, muss zudem beachten, dass die Haut durch das Psoralen mindestens zwölf Stunden sehr sensibel ist. Ein durchgängiger Hautschutz im Freien und das Tragen einer Schutzbrille auch im Haus, ist während dieser Zeit nötig. UV-A-Strahlen gelangen auch durch das Fensterglas in geschlossene Räume.
  • Schmalband UV-B-Therapie: Nach dem aktuellen Stand der Forschung ist die UV-B-Therapie schwächer wirksam als die PUVA-Therapie. Sie soll aber weniger Nebenwirkungen haben. Bei der Schmalband UV-B-Therapie werden betroffene Hautareale mit einer Wellenlänge von 311 bis 313 Nanometern bestrahlt. Gesunde Hautpartien bleiben unberührt.

Zu viele UV-Strahlen sind ungesund

Lichttherapien mit UV-Strahlen können auch mit Risiken verbunden sein. Die Entstehung von Hautkrebs etwa kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Menschen, die sehr empfindliche Haut haben, können von einer phototoxischen Reaktion betroffen werden. Dieser Effekt kann zudem durch die Einnahme von Pflanzen-Extrakten wie Johanniskraut gesteigert werden. Auch ist eine beschleunigte Alterung der Haut durch das Licht, Sonnenbrände, Bindehaut- und Hornhautentzündungen ebenso wie die Entstehung von Leberflecken möglich. Bei Menschen, die zu Lippenherpes neigen, wird zudem ein erhöhtes Aufflammen der Viruskrankheit beobachtet. 

Wissenswertes

Da Solarien zumeist ebenfalls UV-A-Strahlen „aussenden“, liegt der Gedanke nahe, die Lichttherapie statt in der Arztpraxis unter dem Solarium durchzuführen. Fachleute raten hiervon jedoch ab, da sich die Strahlen für Betroffene kaum richtig „dosieren“ lassen.

Auch der Gedanke an eine gesteigerte Vitamin-D-Bildung durch UV-Strahlen klingt logisch. Und tatsächlich bildet der Körper durch UV-B-Strahlen das Sonnenvitamin. Bei einer Wellenlänge zwischen 290 bis 325 Nanometern wird das Provitamin D3 gebildet. Die Schmalband UV-B-Therapie könnte also tatsächlich einen Beitrag zur Vitamin D-Bildung liefern. Eine PUVA-Therapie oder ein Sonnenbad unter dem Solarium taugen hingegen nichts: Der Grund ist die Strahlungsart, denn Vitamin D kann nicht mit UV-A-Strahlen gebildet werden.

Babys mit Neugeborenengelbsucht werden mit Lichttherapie behandelt

Lichttherapie mit kurzwelligem, blauen Licht 

Entsteht im Körper von Babys zu viel vom gelben Blutfarbstoff Bilirubin, wird bei Neugeborenen einer speziellen Form der Gelbsucht (Ikterus neonatorum) gesprochen. Die Leber vom Baby schafft es manchmal direkt nach der Geburt noch nicht das Bilirubin abzubauen, so dass es sich im Gewebe ablagert und die Haut sowie Augen gelb färbt. Auch Teilnahmelosigkeit und Trinkunlust können auftreten. Wird die Neugeborenengelbsucht nicht behandelt, lagert sich der Blutfarbstoff im schlimmsten Fall im Gehirn ab. Um dies zu verhindern, kommt ab einem Bilirubingehalt von etwa 18 Milligramm pro Deziliter die Lichttherapie zum Einsatz. 

Bei diesem Verfahren wird Baby´s Haut ohne Unterbrechung mit sichtbarem, blauem und weißem Licht, aber ohne UV-Strahlen bestrahlt. Trotzdem müssen die Augen des Neugeborenen verbunden werden: Das Licht könnte sonst die Netzhaut schädigen. 

Der spezielle Energiebereich vom Licht trägt dazu bei, dass das Bilirubin in der Haut abgebaut wird und dann als wasserlöslicher Stoff mit dem Urin ausgeschieden werden kann. So wird die Leber entlastet und die Gelbfärbung von Haut und Augen nimmt ab.

Die Dauer der Lichttherapie hängt von der Menge des Bilirubins im Blut ab.

Tipp!

Wer von Muskel- und Gelenkschmerzen und einer schlechten Durchblutung betroffen ist, dem kann eine Rotlicht-Therapie helfen. Auch gegen Halsschmerzen und die Symptome einer Nasennebenhöhlenentzündung kann die Infrarotstrahlung nützen. 

Zusammenfassung

Die Lichttherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verfahren, bei denen Licht als Therapie eingesetzt wird. Helles Licht, ohne UV-Strahlen, kommt beispielsweise gegen Winterdepression, Burn-Out und Migräne zum Einsatz. Die Lichttherapie mit hellem Licht ist üblicherweise gut verträglich. Risiken durch die Behandlung gibt es nur wenige. 

Gänzlich andere Anwendungsbereiche haben Lichttherapien mit UV-Strahlen: Sie werden bei entzündlichen Hauterkrankungen und Autoimmunerkrankungen angewendet, die sich über die Haut äußern. Die effektivste Behandlungsmethode von Schuppenflechte, Neurodermitis und Weißfleckenkrankheit unter den Lichttherapien ist die Psorale-UV-A-Lichttherapie. Lichttherapien mit UV-Strahlen haben jedoch auch Risiken: Sie können zum Beispiel einen Sonnenbrand verursachen und die Haut schneller altern lassen. Andererseits regt die Therapie aber auch die Regenerationsfähigkeit der Haut an.

Auch für die Kleinsten unter uns kommt die Lichttherapie in Frage: Kurzwelliges, blaues Licht wird bei Neugeborenengelbsucht eingesetzt. Das Licht enthält keine UV-Strahlen. Dafür fördert es den Abbau vom Blutfarbstoff Bilirubin und entlastet so Baby´s Leber.

Literatur und Quellen

Chen X, Yang M, Cheng Y, et al. (2013): Narrow-band ultraviolet B phototherapy versus broad-band ultraviolet B or psoralen-ultraviolet A photochemotherapy for psoriasis. Cochrane Database Syst Rev 2013:10. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009481.pub2/full, Zugriff am 14.04.2020.

Kinder- & Jugendärzte im Netz (2018): Neugeborenen-Gelbsucht (Neugeborenen-Ikterus). https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/neugeborenen-gelbsucht-neugeborenen-ikterus/#c1044, Zugriff am 14.04.2020.

Sonnenmoser, M (2002): Hautkrankheiten: Wechselwirkung zwischen Haut und Psyche. Deutsches Ärzteblatt 2002:11:501. https://www.aerzteblatt.de/archiv/34406/Hautkrankheiten-Wechselwirkung-zwischen-Haut-und-Psyche, Zugriff am 14.04.2020.

Ziehaus O & Kerckhoff A (2016): Was tun bei…Depression. 2. Auflage, KVC-Verlag Essen.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel kann niemals den ärztlichen, oder den von anderen medizinischen Fachleuten (zum Beispiel Psychotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Heilpraktiker) Rat, eine Untersuchung, Diagnose und Therapie ersetzen. Bitte nehmen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden stets professionelle Unterstützung im Anspruch. 

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