Thai Massage wird seit über 2.200 Jahren in Thailand praktiziert

Thai Massage: Effektiv bei Verspannungen, Kopfschmerzen und Wassereinlagerungen 

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie wird bei Beschwerden wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Verdauungsproblemen angewendet. Was die Thai Massage ist und für wen das Verfahren geeignet ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Thai Massage: Yoga für Geist und Körper

Ursprung und Ausbildung der Thai Massage

Die Traditionelle Thai Massage hat ihren Ursprung in der indischen Ayurveda und hat sich zu einem eigenen Massagesystem in Thailand weiterentwickelt. Dort wird die Thai Massage vermutlich schon seit dem dritten oder zweiten Jahrhundert vor Christus praktiziert.

Ähnlich wie in der Tibetischen Medizin kann die Traditionelle Thai Massage auf verschiedene Weise erlernt werden.

„In Thailand kennt eigentlich jeder Thai die Grundzüge der Thai Massage und kann sie anwenden. Wir haben das sozusagen im Blut“, meint Frau Rimkhong Hahn und lacht dabei. Die gebürtige Thailänderin betreibt seit rund vier Jahren eine Massagepraxis in Göppingen, in Baden Württemberg.

Sie selbst hat die Thai Massage zunächst von ihrer Großmutter erlernt und hat anschließend eine Berufsfachschule in Bangkok besucht, dem Wat Po Institut. Dort hat sie die Theorie und Praxis der Thai Massage bei gesundheitlichen Beschwerden und bei Krankheiten kennengelernt: Die Thailänder sehen die Traditionelle Thai Massage als wichtigen Bestandteil zur Vorbeugung von Krankheiten und Dysbalancen an und grenzen die Prävention von der Behandlung gesundheitlicher Beschwerden ab.

Während es in Thailand verschiedene Berufsfachschulen gibt, um ein Diplom zu erlangen, gewinnt die Ausbildung der Thai Massage in Europa erst langsam an Bedeutung. Erlernbar sind die Techniken in Deutschland zum Beispiel in Köln, Berlin und München. Darüber, dass die Techniken der Traditionellen Thai Massage in Seminaren und Workshops innerhalb von drei bis 14 Tagen erlernbar sind, müssen erfahrene Fachkräfte ein wenig schmunzeln. Die Mitarbeiterin von Frau Hahn, ebenfalls eine gebürtige Thailänderin, räumt aber ein, dass man bestimmte Grundtechniken der Thai Massage in einigen Tagen oder wenigen Wochen erlernen kann. Um das volle Spektrum zu erlernen, bedarf es hingegen viele Jahre.

„Wir praktizieren die Traditionelle Thai Massage schon seit über 20 Jahren und lernen immer noch Neues hinzu. Gerade bei kranken Menschen müssen wir vorsichtig sein, denn die Thai Massage ist nicht für alle Menschen geeignet. Bei Entzündungen und Knochenbrüchen sollte man sie zum Beispiel nicht anwenden.“, meinen die beiden Frauen.

In Thailand wird die Thai Massage nicht nur von Frauen ausgeübt. Es ist ein Beruf, der von Frauen und Männern gleichermaßen praktiziert wird. Allerdings ist der Frauenanteil etwa höher als der von Männern.

Ganzheitliche Behandlung des Menschen

Störungen erkennen und beheben

In Thailand gehen die Menschen davon aus, dass der menschliche Körper von einem energetischen Netz durchzogen wird, welches aus zehn Energielinien besteht. Mithilfe von Dehnung und Druck wird dieses energetische Netz beeinflusst und Blockaden aufgelöst, sodass die Energie in Folge ungehindert fließt.

Die praktische Durchführung der Thai Massage erinnert an eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur, weswegen sie auch als Thai Yoga Massage bezeichnet wird: Strecken, Dehnen, Gelenkmobilisation und die Massage bestimmter Druckpunkte wird mit rhythmischen Bewegungen und Druck der Hände, Daumen, Ellenbogen und Füßen durchgeführt.

Für Behandler und Klienten hat die Thai Massage gleichermaßen einen meditativen Effekt berichtet Frau Rimkhong Hahn. „Ich spüre wenn es an irgendeiner Stelle des Körpers Knoten gibt, die den Energiefluss stören. Diese Störung behandle ich so lange und auf verschiedene Art und Weise, bis die Energie wieder ungestört fließen kann.“

Zwar bieten viele Thai Massagepraxen mittlerweile wie im Westen oft üblich klassische Rücken- und Nackenmassagen an. Traditionell arbeitende Thai Masseure halten diese Form der Massage aber für unzureichend, da die Energiebahnen den gesamten Körper durchziehen und sich nicht ausschließlich auf einzelne Körperpartien beschränken. So werden beispielsweise bei Magenbeschwerden bestimmte Punkte auf den Fußsohlen behandelt, da sie durch Energiebahnen mit den Verdauungsorganen verbunden sein sollen.

Eine klassische Traditionelle Thai Massage ist daher eine Massage vom Kopf bis zum Fuß. Sie dauert mindestens eine Stunde und kann bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen.

Im Anschluss an eine Thai Massage sollte immer viel getrunken werden, mindestens 1,5 Liter, da die Massage den Lymphfluss aktiviert und leicht entwässernd wirken. Wasser und ungesüßter Kräutertee sind hierfür am besten geeignet.

Die meisten Menschen in Thailand sind Buddhisten

Thai Massage für alle?

Die Traditionelle Thai Massage wird präventiv zur Vorbeugung von bestimmten Erkrankungen angewendet. Sie eignet sich auch zur Behandlung und Linderung vieler Beschwerden und wird durch die lange Erfahrung etwa bei Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Tinnitus und Schlafstörungen angewendet.

Aus wissenschaftlicher Sicht, kann die Thai Massage durch die durchblutungsfördernde Wirkung etwa zur Entspannung der Muskulatur beitragen und den Lymphfluss verbessern. Durch die passiven Yogaübungen wird das Körpergefühl gestärkt und die Körperhaltung wird verbessert.

Bei bestimmten Erkrankungen sollte die Thai Massage aber nicht oder nur in abgeschwächter Form angewendet werden. Grund hierfür ist, dass sich die gesundheitlichen Beschwerden durch die Massage weiter verschlimmern, oder neue Symptome hinzukommen könnten. Einen guten Thai Masseur erkennt man unter anderem daran, dass vor der Massage die Frage nach Erkrankungen und Beschwerden gestellt wird.

Bei Patienten mit Bluthochdruck werden erfahrene Thai Masseure Vorsicht walten lassen: Durch die körperliche Anstrengung und die Förderung der Durchblutung, kann der Blutdruck weiter in die Höhe schnellen. Schwindel und Kopfschmerzen sind dann häufig die Folge. Auch schlimmere Folgen für Herz und Kreislauf sind möglich, zum Beispiel ein Schlaganfall.

Nicht durchgeführt werden sollte die Thai Massage bei Fieber, Infekten und Entzündungen im Körper: Durch die aktivierende Wirkung des Stoffwechsels, könnte sich die Erkrankung weiter verschlimmern. Auch bei Knochenbrüchen und Krebserkrankungen sollte auf eine Thai Massage verzichtet werden.

Erkrankungen wie Migräne, Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck sind zwar per se kein Ausschlusskriterium für eine Thai Massage: Die Massage wird dann aber zumeist in abgeschwächter Form und mit weniger Druck auf die jeweiligen Energiepunkte ausgeübt. Hierfür gibt es mehrere Gründe: durch die aktivierende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel kann eine intensiv durchgeführte Massage die Durchblutung und dadurch die Beschwerden verschlimmern. Weitere gesundheitliche Dysbalancen können dann die Folge sein. Zudem ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln – die Thai Massage kann hierbei unterstützend mitwirken.

Erotikmassage hat nichts mit Thai Massage zu tun

Verwechselung mit Prostitution 

Nicht nur in Deutschland wird die Thai Massage oft mit einer Erotikmassage verwechselt. Richtig ist zwar, dass manche thailändische Frauen aufgrund von ökonomischen Notlagen Erotikmassagen durchführen – und zwar auch unter dem „Deckmantel“ der Thai Massage. Dies wirft allerdings ein völlig verkehrtes Licht auf diejenigen Personen, die eine Berufsausbildung zum Thai Masseur absolviert haben und ist auch vom Grundsatz her falsch – von der Demütigung der angesprochenen Frauen ganz zu schweigen.

Speziell für Thailänderinnen, die nach Deutschland kommen und sich eine berufliche Existenz aufbauen wollen, stellt die Erfahrung von Anfragen für eine Erotikmassage oft ein Schock dar: Die positive Einstellung für Land und Leute kehrt sich dann nicht selten ins Gegenteil um. Neben der zunehmenden Angst vor Männern, entwickeln sich bei einigen Frauen nach und nach Depressionen und Paniksymptome, sodass sie schlussendlich kaum noch oder nicht mehr dazu in der Lage sind ihren Beruf auszuüben.

Zusammenfassung

Die Traditionelle Thai Massage ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Sie zielt darauf ab, den Energiefluss innerhalb des Körpers ohne Störungen zu erhalten oder wieder herzustellen. Dementsprechend sollen Blockaden mit Hilfe der Thai Massage behoben werden, die zum Beispiel bei Verspannungen und Kopfschmerzen bestehen. In Thailand und anderen Ländern wird die Thai Massage zur Vorbeugung und Behandlung von Beschwerden angewendet.

Grundkenntnisse über die Durchführung der Thai Massage können in Seminaren in Deutschland erworben werden. Für das Erlernen der professionellen Durchführung sind hingegen oft viele Jahre notwendig. Ausgebildete Fachkräfte verfügen über medizinische Kenntnisse und berücksichtigen dieses Wissen bei kranken Menschen. Nicht angewendet werden sollte die Thai Massage etwa bei Fieber und Entzündungen. Zudem müssen Menschen mit bestimmten Krankheiten wie Diabetes vorsichtig sein, um eine überschießende Reaktion des Stoffwechsels zu vermeiden. Ausgebildete Thai Masseure fragen daher nach Vorerkrankungen und passen die Massage auf den Gesundheitszustand und die Bedürfnisse der Personen an.

Danksagung

Dieser Bericht basiert auf einem Interview mit Frau Rimkhong Hahn aus Göppingen. Für ihre wertvollen Einblicke und Informationen in die Traditionelle Thai Massage möchte ich ihr herzlich Danken.